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Thomas Delaney bestreitet am Samstag sein erstes Pflichtspiel für Werder, wenn er zum Einsatz kommt.

Werder-Legenden über ihren Eindruck vom Team

Hoffen auf Delaney, Kritik an Kruse

Bremen - Von Daniel Cottäus. Das Telefon von Willi Lemke hat in den vergangenen Tagen ziemlich oft geklingelt, und die Anrufer hatten meistens einen ganz konkreten Wunsch: Karten für Werders erstes Bundesligaspiel des Jahres gegen Borussia Dortmund.

„Ich wurde selten so häufig nach Eintrittskarten gefragt wie jetzt“, berichtet der Ex-Aufsichtsrat, der nach 35 Jahren in offiziellen Werder-Ämtern seit Ende November „nur noch“ normales Vereinsmitglied ist. Sein grün-weißes Lebenswerk behält Lemke aber auch in neuer Rolle fest im Blick. Vor den verbleibenden 18 Bundesligaspielen sagt er: „Ich hoffe, dass wir nicht wieder zittern bis zur letzten Sekunde.“ Der Mannschaft traut der 70-Jährige jedenfalls mehr zu als den Abstiegskampf. Auch andere Werder-Größen aus der Vergangenheit sehen die Bremer Zukunft trotz holpriger Winter-Vorbereitung optimistisch.

Andreas Herzog ist mit Werder Deutscher Meister und zweimal Pokalsieger geworden, in den 1990er Jahren war das. Ruhmreiche Zeiten, lange vorbei. „Wichtig ist, dass Werder jetzt endlich in der Defensive besser wird“, sagt der 48-Jährige – und setzt in diesem Punkt große Erwartungen in den einzigen Neu-Bremer des Winters: Thomas Delaney. Herzog und der defensive Mittelfeldspieler aus Dänemark haben eine gemeinsame Vorgeschichte. Als Trainer des österreichischen U21-Nationalteams war der gebürtige Wiener Delaney schon einmal begegnet. Im Spiel gegen die Dänen sei der heute 25-Jährige beim Gegner „einer der Besten“ gewesen, erinnert sich Herzog.

Klasnic glaubt an Klassenerhalt und hofft auf einen Lauf

Einer von Werders Besten war früher Ivan Klasnic, der 2004 zur legendären Double-Mannschaft gehörte. Erst kürzlich, beim Hallenturnier der Traditionsmannschaften in Oldenburg, hat der Kroate im SVW-Trikot gezeigt, dass er trotz Karriereende und Nierenleiden noch immer weiß, wo das Tor steht. „Ich glaube nicht, dass Werder absteigt“, sagt Klasnic über seinen Ex-Club, der aktuell als Tabellen-15. nur drei Punkte Vorsprung auf den Relegationsplatz hat. „Der Auftakt gegen Dortmund und Bayern ist natürlich ein Kracher“, findet der 36-Jährige, sieht die Sache aber – ganz so wie es nun einmal seine Art ist – positiv: „Wenn du ein Spiel davon gewinnst, kommst du vielleicht in einen Lauf.“

Willi Lemke spricht vor Dortmund sogar von einem „Spitzenspiel“. Auf dem Papier sei zwar alles geklärt, Werder aber immer für eine Überraschung gut: „Am Samstag kommt es drauf an, was in der Vorbereitung war, ist irrelevant.“ Nun ja, ein Thema gab es in der Winterpause aber mindestens, das bis in die Gegenwart strahlt. Kurz vor dem Pflichtspielstart kam bei Werder einmal mehr die Torhüter-Diskussion auf, dieses Mal ging es dabei jedoch um den Posten der Nummer zwei.

Burdenski sieht Drobny und Wiedwald auf einer Höhe

So wie es aussieht, dürfte Felix Wiedwald – zu Saisonbeginn noch Stammkeeper – seinen Platz auf der Bank an Michael Zetterer verlieren. Jaroslav Drobny ist als Nummer eins gesetzt – was Frank Rost wiederum nachvollziehen kann. „Er hat es bisher ja nicht schlecht gemacht und bringt die Erfahrung mit“, sagt der 43-Jährige Ex-Schlussmann, der von 1995 bis 2002 das Trikot mit der Raute trug. Während dieser Zeit hieß Rosts Torwarttrainer Dieter Burdenski, und der hat natürlich auch eine Meinung zu den Personalien zwischen den Pfosten: „Ich glaube nicht, dass Drobny besser ist als Wiedwald oder Wiedwald besser als Drobny. Halten können sie beide.“ 

Vielmehr gehe es um das Gesamtgebilde und die „große Baustelle Defensive“. Das betont auch Rost: „Die Gegentore sind seit Jahren das Hauptmanko. Werder hat sonst die Möglichkeiten, weiter oben zu stehen.“Klaus-Dieter Fischer sieht das genauso. Der Ex-Präsident, 77 Jahre alt, sagt: „Der Start wird schwer, da bin ich nicht so optimistisch, aber danach können wir zwischen Platz zehn und zwölf einlaufen.“ Eine Teilvoraussetzung dafür: „Es wäre schön, wenn Claudio Pizarro wieder Tore schießt.“

Frank Rost hat mit dem Peruaner noch zusammen auf dem Platz gestanden und hält ihn auch mit 38 Jahren noch für gut genug: „Er kann außergewöhnliche Momente liefern.“ Absolute Einzelkönner, die gebe es an der Weser sonst nicht mehr. „Ein Kruse muss jetzt erstmal beweisen, dass er konstant gut spielen kann. Er muss mal zusehen, dass er aus dem vielen Grau herausragt, das es bei Werder gibt.“

Quelle: kreiszeitung.de

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