Vor dem Spitzenspiel zwischen Werder Bremen und dem FC St. Pauli: Holger Stanislawski analysiert Werders Stärken und Schwächen.
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Vor dem Spitzenspiel zwischen Werder Bremen und dem FC St. Pauli: Holger Stanislawski analysiert Werders Stärken und Schwächen.

Vor Werders Spitzenspiel gegen St. Pauli

„Auf den Mut kommt es an“: St.-Pauli-Legende Holger Stanislawski analysiert Werders Schwächen und Stärken

Hamburg - Im Grunde sieht er ein offenes Rennen zwischen dem SV Werder Bremen und dem FC St. Pauli. Als „fifty-fifty“ bezeichnet Holger Stanislawski die Chancen der beiden Aufstiegskandidaten vor dem Spitzenspiel am Samstag (13.30 Uhr). Der waschechte Hamburger, eine Legende beim Kiezclub, erwartet einen heißen Tanz am Millerntor. Für die DeichStube hat der 52-Jährige, der sich während der EM 2016 und WM 2018 einen Namen als ZDF-Experte gemacht hat, die beiden Mannschaften analysiert.

Eine Parallele zwischen Werder Bremen und dem FC St. Pauli (Samstag, 13.30 Uhr im DeichStube-Liveticker) sieht der Fußballlehrer, der nach fünf Jahren bei den Hamburgern jeweils eine Saison lang die TSG Hoffenheim und den 1. FC Köln als Coach betreute, vor allem in der Spielanlage. „Beide Teams sind in der Lage, unterschiedliche Systeme zu spielen – ob Dreier- oder Vierkette, ob mit einem Sechser oder zwei defensiven Mittelfeldspielern im Zentrum.“ Dem Fachmann ist aufgefallen, dass die beiden Teams ein fast identisches Torverhältnis haben: „Das bedeutet, dass sie eine ähnliche Art haben, an die Spiele heranzugehen.“ Oder anders formuliert: „Beide haben eine gleichgelagerte Schwäche in der Chancenverwertung. Sie nutzen ihre Möglichkeiten nicht konsequent genug“, meint Holger Stanislawski. „Und auf der anderen Seite verteidigen sie mitunter zu nachlässig und unzureichend, kassieren so zu viele Gegentreffer.“

Werder Bremen gegen den FC St. Pauli: Holger Stanislawski voll des Lobes für beide Mannschaften

Der Ex-Trainer, der sich vor acht Jahren als Unternehmer und Inhaber eines Supermarktes in Winterhude selbstständig gemacht hat, erwartet mit Spannung das Duell der beiden Zweitligisten. Worauf es ankommt? „Es ist am Samstag keine Frage des Systems, sondern es kommt auf die Überzeugung und den Mut an, wer seine Spielweise durchzusetzen vermag. Für mich ist interessant zu beobachten, wer es an diesem Tag besser hinbekommt“, erklärt Holger Stanislawski. Beide Vereine hält der frühere Libero, der 2002 zum legendären Team des „Weltpokalsiegerbesiegers“ beim Triumph über die Münchner Bayern zählte, für bestens besetzt. „Sie haben das Personal und das Potenzial, um aufzusteigen. Eine gute Mischung aus Jung und Alt, aus Erfahrung und der nötigen Lockerheit.“ Über den Kader des SV Werder Bremen äußert er sich lobend: „Werder musste das Aufgebot erst mal etwas aufräumen, hat dies aber mit den finanziellen Möglichkeiten, die geblieben sind, ganz gut hinbekommen.“

Seinem früheren Arbeitgeber bescheinigt Holger Stanislawski indes einen „stabilen Saisonverlauf“. Die kleine Schwächephase zu Beginn der Rückrunde sei gut aufgefangen worden. Werder Bremen habe sich derweil erst einmal mit dem Abstieg anfreunden müssen. „Nach anfänglichen Problemen hat sich die Mannschaft gefunden und nimmt zu Recht einen Aufstiegsplatz ein“, urteilt er. Sein Fazit: „Bremen hat einen etwas unruhigen Saisonverlauf zu verzeichnen, auch durch den erzwungenen Trainerwechsel. Doch beim Rennen um den Aufstieg interessiert dies niemanden mehr.“ Voll des Lobes ist Stanislawski über die beiden Trainer. „Beide sind sehr gute Fußballlehrer, beide sind keine Lautsprecher, beide verstehen ihr Handwerk.“ Für Timo Schultz, seinen Ex-Spieler, der den Aufstieg aus der 3. Liga bis in die Bundesliga an seiner Seite erlebt hat, freut es Stanislawski ganz besonders. „Ein Pferd aus dem eigenen Stall. Er kennt den Verein in- und auswendig und hat eine tolle Entwicklung genommen. Timo hat viel gelernt aus der Vorsaison. Als Mensch und Coach ist er hoch angesehen im Spielerkreis.“

Holger Stanislawski entschuldigt sich bei den Fans von Werder Bremen für seinen Tipp: 2:1 für St. Pauli

Ähnlich positiv sieht Holger Stanislawski den Bremer Chef Ole Werner: „Schon in Kiel hat er bewiesen, was er durch seine detaillierte Arbeit aus einer Mannschaft herauszuholen imstande ist.“ Der Druck in Bremen, der Druck, möglichst den direkten Wiederaufstieg zu meistern, sei ungleich größer als an der Förde. Es sei interessant, „ob Werner damit in der Endphase der Meisterschaft klarkommt und ob er es mit seiner Truppe in positive Energie umwandeln kann.“ Zutrauen tut er beiden Teams den Aufstieg, mahnt aber zugleich: „In der Bundesliga benötigen beide noch mehr Qualität, um chancenreich um den Klassenerhalt zu streiten.“

Stanislawski, der für den FC St. Pauli schon alle möglichen Funktionen übernommen hat, als Spieler 260 Partien absolvierte, als Sportlicher Leiter und Manager, als Vize-Präsident und als Trainer mit den Aufstiegen in die 2. Liga und in die Bundesliga erfolgreich tätig war, entschuldigt sich aber auch mit einem Augenzwinkern bei den Fans des SV Werder Bremen. Und zwar für seinen Tipp: „Ich kann nicht anders, ich muss für St. Pauli tippen – 2:1-Sieg am Millerntor.“ (hgk)

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