Marco Heuberg (v.l.) und Andree Höttges präsentieren im Laden der „Bremer Comicmafia“ Teile des großen Schatzes von Werder Bremens Legende Horst-Dieter Höttges.
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Marco Heuberg (v.l.) und Andree Höttges präsentieren Teile des großen Schatzes von Werder Bremens Legende Horst-Dieter Höttges.

Versteigerung für den guten Zweck

Höttges-Schatz bringt bei Auktion fast 150.000 Euro, Trikots der Werder-Legende sind der absolute Renner

Dortmund/Bremen – Für die persönlichen Schuhspanner von Horst-Dieter Höttges kamen zwar nur 20 Euro in die Kasse für den guten Zweck, doch die Gesamtsumme kann sich mehr als sehen lassen: 148.800 Euro brachten die 400 Erinnerungsstücke der Legende des SV Werder Bremen bei der Auktion am vergangenen Sonntag im Deutschen Fußball-Museum in Dortmund ein.

Die großen Renner waren dabei Trikots – ein ganz besonderes Exemplar sorgte mit weitem Abstand für die Rekordeinnahme des Tages von 21.000 Euro: Horst-Dieter Höttges‘ Trikot der deutschen Nationalmannschaft, das er bei der historischen 0:1-Pleite gegen die DDR bei der WM 1974 getragen hat. Der Wert war im Vorfeld der Versteigerung auf 8.000 bis 10.000 Euro geschätzt worden. Wer den Zuschlag bekommen hat, ist nicht bekannt.

Das Interesse an dem „Höttges-Schatz“ war enorm und hätte den Besitzer selbst sicherlich sehr gefreut. Der 79-Jährige ist jedoch an Demenz erkrankt und lebt mit seiner Frau Inga zurückgezogen in einer Seniorenresidenz nahe seines Wohnortes Achim bei Bremen. Sein Sohn Andree hatte sich gemeinsam mit dem Trödelexperten Marco Heuberg um die Auktion gekümmert. Die Einnahmen (abzüglich der Kosten) sollen wie schon bei Höttges‘ Abschiedsspiel 1979 im Weserstadion der Aktion „Ein Herz für Kinder“ zugutekommen. Zudem sollen regionale Projekte und Ex-Vereine des Weltmeisters von 1974 profitieren. „Mit so einer hohen Summe hätten wir nie gerechnet, das war schon krass. Ich möchte mich wirklich bei allen bedanken, die mitgeholfen haben. Und dieses Museum muss wirklich jeder Fußballer mal gesehen haben – vor allem auch der Nachwuchs“, schwärmte Andree Höttges im Gespräch mit DeichStube und gestand zugleich: „Für mich war das zwischendurch schon hochemotional. Das sind so viele Erinnerungen an meinen Vater. Aber es war ganz bestimmt in seinem Sinne, wir werden ihm so gut wie möglich davon berichten.“

Versteigerung: Schatz von Werder Bremen-Legende Horst-Dieter Höttges bringt fast 150.000 Euro ein

Der „Eisenfuß“, wie Horst-Dieter Höttges ehrfurchtsvoll ob seiner mitunter robusten Spielweise genannt wurde, war ein echter Sammler gewesen. Im Partykeller hatte er alles aufbewahrt. Wie zum Beispiel auch das Trikot des Polen Zygmont Maszczyk von der WM 1974, das in Dortmund mit 6.500 Euro für eine der höchsten Einnahmen bei der fast zehnstündigen Auktion mit Bietern aus aller Welt sorgte. Für Höttges‘ Werder-Trikot mit der Nummer sieben aus der Meistersaison 1964/65 zahlte ein Interessent am Ende immerhin 2.300 Euro. Für die Trophäe zur Auszeichnung als Ehrenspielführer des SV Werder Bremen wurden immerhin 2.000 Euro ausgegeben – und für ein Werder-Kissen mit diversen Pins von anderen Vereinen 850 Euro.

Mehr im Blickpunkt bei dieser Auktion stand allerdings die Karriere von Horst-Dieter Höttges in der Nationalmannschaft. Von Länderspielreisen hatte der Defensivspezialist des SV Werder Bremen so manches Erinnerungsstück mitgebracht – wie zum Beispiel einen von allen Nationalspielern unterschriebenen Ball von der WM 1970 in Mexiko. Dafür wanderten nun 2.100 Euro über den Tisch. Höttges‘ Goldmedaille für den Gewinn der Europameisterschaft 1972 in Belgien brachte stolze 5.000 Euro ein, das entsprechende Exemplar von der WM 1974 sogar unglaubliche 16.500 Euro. Und für die zahlreichen Postkarten, die der Fußballer unterschrieben von seinen Teamkollegen aus der ganzen Welt in die Heimat geschickt hatte, fanden sich auch Abnehmer, die jeweils zwischen 20 und 80 Euro dafür zahlten. Zu den Kuriositäten gehörte auch die Menükarte der DFB-Weihnachtsfeier von 1973 – inklusive Unterschriften natürlich. Damals gab es Schildkrötensuppe „Lady Curzon“ mit Currysahne überbacken, diesmal 60 Euro für den Spendentopf. (kni)

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