Clemens Fritz (r.) hat während seiner aktiven Karriere 19 Nordderbys gespielt. Werder Bremens Leiter Profifußball weiß also, auf was es in diesen Spielen gegen den HSV ankommt.
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Clemens Fritz (r.) hat während seiner aktiven Karriere 19 Nordderbys gespielt. Werder Bremens Leiter Profifußball weiß also, auf was es in diesen Spielen gegen den HSV ankommt.

Clemens Fritz über den Werder-Klassiker

Kein Finale – aber unglaublich wichtig: Wie Werder Bremen das Derby gegen den HSV sportlich einordnet

Bremen – Clemens Fritz muss nicht lange überlegen. Wenn es darum geht, welches sein ganz persönlicher Nordderby-Moment ist, dann fallen auch bei ihm diese magischen Worte, die vermutlich fast jeder Fan des SV Werder Bremen nennen würde: „Diese vier Spiele in 19 Tagen.“

So frisch und begeisternd die Erinnerungen aber auch sind, so sehr wirken sie mittlerweile aus der Zeit gefallen. Damals, im Mai 2009, gehörten der SV Werder Bremen und der Hamburger SV zu den berauschendsten Vereinen, die der deutsche Fußball zu bieten hatte. Seither ist viel passiert, selten Schönes. Die Rivalität hat trotzdem überlebt. Auch oder gerade nach dem Absturz in die Zweitklassigkeit. Zumal an der Weser und der Elbe aktuell unisono an der Wiederauferstehung gebastelt wird. Seit einer gefühlten Ewigkeit ist das Aufeinandertreffen beider Mannschaften (Sonntag, 13.30 Uhr, DeichStube-Live-Ticker) mal wieder ein Spitzenspiel par excellence. Hier die Bremer, die als Tabellenführer anreisen. Dort der HSV, der momentan Zweiter ist. Mehr geht nicht.

Werder Bremen gegen Hamburger SV: „Besondere Konstellation“ im Derby, aber Clemens Fritz ist die Tabelle egal

Es ist eine besondere Konstellation“, meint auch Fritz, Werder Bremens Leiter Scouting und Profifußball. Ansonsten gibt er sich aber alle Mühe, die Bedeutung des Spiels für den Aufstiegskampf nicht zu groß werden zu lassen. „Man sieht die Dichte der Liga. Du verlierst ein, zwei Spiele und bist plötzlich wieder ein Stück weit hinten dran. Das kann ganz schnell gehen. Wir beschäftigen uns daher nicht mit der tabellarischen Situation, für uns ist es egal, ob wir aktuell auf dem ersten, zweiten oder dritten Platz stehen“, betont er. „Wir haben gesagt, dass wir uns gut positionieren, aber auch von Woche zu Woche schauen wollen. Das ist das Entscheidende.“

Trotzdem lässt sich nicht verhehlen, dass Werder Bremen ein Sieg ziemlich gut zu Gesicht stehen würde. Das Polster auf die Konkurrenten, das mit einem Erfolg gegen Ingolstadt schon hätte wachsen können, würde es nun ohne jeden Zweifel tun. Und auch wenn das Aufstiegsrennen nach dem Spiel im Volkspark weiter offen ist, hat im Bremer Lager sicherlich niemand Lust darauf, irgendwann über allzu viele verpasste Gelegenheiten zu sprechen. Noch ist diese Gefahr allerdings gering. „Wir wussten, dass wir nicht jedes Spiel gewinnen werden“, erklärt Clemens Fritz mit Blick auf das enttäuschende 1:1 gegen Ingolstadt. „Wir haben das am Sonntag direkt aufgearbeitet und analysiert, wir sind schlichtweg nicht an unser Topniveau herangekommen. Da haben uns ein paar Prozent gefehlt.“

Werder Bremen: Nordderbys gegen HSV „nicht erst seit gestern oder vorgestern besondere Spiele“

Und der 41-Jährige ist davon überzeugt, dass dieses ernüchternde Erlebnis trotz der derzeitigen Tabellenführung eine positive Wirkung entfalten wird. „Wir alle haben uns über den Verlust der Punkte geärgert und sind jetzt sensibilisiert. Wir wissen, dass wir wieder eine Schippe drauflegen müssen“, sagt Clemens Fritz. „Wenn es läuft und du Woche für Woche deine Spiele gewinnst, dann lässt du vielleicht auch mal den einen oder anderen Schritt weg, die Intensität wird weniger. Man muss in dieser zweiten Liga aber in jedem Spiel alles reinhauen und kann nicht davon ausgehen, dass man ein Spiel mal eben so gewinnt.“

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Schon gar nicht gegen den HSV. Und das weiß der Ehrenspielführer des SV Werder Bremen aus eigener Erfahrung, mit seinen 19 Nordderby-Einsätzen geht er als perfekter Kronzeuge durch. Einer, der weiß, dass im Vorfeld einer solchen Partie eigentlich gar nicht viele Worte nötig sind. „Es ist ja nicht erst seit gestern oder vorgestern so, dass das besondere Spiele sind gegen den HSV“, erzählt er. „Wenn man vorher in der Stadt unterwegs ist – wenngleich das aktuell während der Pandemie nicht so einfach ist –, dann merkt man, dass das Thema die ganze Woche präsent ist. Das ist anders, als wenn du gegen Schalke oder St. Pauli spielst.“

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Werder Bremen gegen Hamburger SV: Im Derby geht es dieses Mal um besonders viel

In der Tat könnten Werder Bremen und der HSV wahrscheinlich auch an einem frostigen Sonntagmorgen nach durchzechter Nacht in der siebten Liga aufeinandertreffen – es ginge trotzdem um mehr als nur Tore und Punkte. Um sehr, sehr viel mehr. Dafür verbindet beide Vereine einfach zu viel, kann der eine ohne den anderen so richtig nicht sein. Das haben die Jahre gezeigt, in denen die Hamburger bereits zweitklassig waren und so eine Derby-Diät ausgelöst haben. Die Häme der Fans kam zwar zuverlässig, auch die Abneigung zwischen beiden Lagern nahm nie ab, aber so richtig schön ist es doch eigentlich erst, wenn man im Stadion zeigen kann, wer der Bessere ist. Dort, wo jeder 90-Minüter mehr Drama, mehr Leidenschaft, mehr Unvorhersehbares, mehr Glück bietet als jeder noch so begeisternde Roman oder Film. Wenn dieser Werder-Abstieg im vergangenen Frühjahr also irgendetwas Gutes hatte, dann zumindest die Tatsache, dass Fußballdeutschland wieder einen seiner wahren Klassiker bestaunen kann.

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Da passt es also, dass es um viel geht. In der Vorwoche kürte Ole Werner die Partie gegen Ingolstadt zum Schlüsselspiel, welchen Charakter hat dann erst diese Aufgabe? „Es ist ein sehr entscheidendes Spiel“, meint Clemens Fritz, der aber auch betont: „Die Medien reden ja gerne von Endspielen, aber das sehen wir nicht. Es ist ein Nordderby – und ich glaube, dass jeder weiß, was es bedeutet, ein solches vor der Brust zu haben.“ Und für alle, die es doch nicht wissen, bringt er es sicherheitshalber noch einmal auf den Punkt: „Nordderbys will man immer gewinnen. Das ist nicht nur für uns als Verein wichtig – sondern für die ganze Region ist es das wichtigste Spiel der Saison.“ Zumal im Derby zwischen Werder und dem HSV die beiden wohl besten Sturmduos der Liga aufeinander treffen. (mbü)

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