Werder-Kapitän über HSV-Derby

Derby-Premiere gegen den Lieblingsgegner: Ömer Toprak will auch mit Werder den HSV schlagen

Bremen – Ob Ömer Toprak nun genau weiß, wie lang der Elbtunnel, wie hoch der Michel oder wie teuer die Elbphilharmonie gewesen ist, steht nicht fest. Macht aber auch nichts. Denn auch so gilt: Der Verteidiger des SV Werder Bremen ist ein echter Hamburg-Experte. Im Laufe seiner Karriere hat der inzwischen 32-Jährige satte 16 Mal gegen den HSV gespielt – und dabei gleich zehn Siege gefeiert, drei davon direkt in Hamburg. Da wartet im Volksparkstadion bei seiner ganz persönlichen Nordderby-Premiere (Sonntag, 13.30 Uhr) also so etwas wie ein Lieblingsgegner auf ihn.

„Die Statistik ist mir neu. Das ist aber schön zu hören und darf gern so weitergehen“, sagte Ömer Toprak lachend während einer digitalen Medienrunde am Mittwoch vor dem Derby beim Hamburger SV. „Ich habe immer gern in Hamburg gespielt. Bei unserem ersten Nordderby in dieser Saison war ich leider verletzt, aber es war auch so eine tolle Atmosphäre im Stadion. Ich habe das Nordderby sonst immer vor dem Fernseher verfolgt – und da hat man schon gemerkt, dass da eine hitzige Stimmung ist. Deswegen bin ich froh, dass ich jetzt am Wochenende mein erstes Nordderby spiele und hoffe, dass ich hinterher mit einem Lachen im Gesicht in den Bus steige und nach Hause fahre.“

(So könnte die Startelf-Aufstellung des SV Werder Bremen gegen den Hamburger SV aussehen!)

Doch der Abwehrchef des SV Werder Bremen weiß natürlich, dass bis dahin noch ein hartes Stück Arbeit ansteht. „Der HSV hat die beste Defensive der Liga, also wird es auch sehr schwierig, gegen sie zu spielen“, meinte Ömer Toprak vor dem Duell des Spitzenreiters aus Bremen mit dem ersten Verfolger aus der hanseatischen Nachbarschaft. „Es ist das absolute Topspiel der zweiten Liga, aber es ist ein Derby, da zählen weder Form noch Tabellenplatz. Es ist einfach ein spezielles Spiel.“ Zumal im Derby zwischen Werder und dem HSV die beiden wohl besten Sturmduos der Liga aufeinander treffen.

Werder Bremen: Ömer Toprak will nach dem Derby beim HSV mit einem Lachen im Gesicht in den Bus steigen

Und Ömer Toprak weiß, wovon er redet. Auch ohne Nordderby-Einsatz kennt er sich mit Rivalitäten aus. Für Bayer Leverkusen lief er mehrmals im prestigeträchtigen Vergleich mit dem 1. FC Köln auf, in seiner Zeit bei Borussia Dortmund stand er beim Revierderby gegen den FC Schalke 04 auf dem Platz. Auch bei jenem legendären Aufeinandertreffen im November 2017, als der BVB im eigenen Stadion zur Halbzeit bereits mit 4:0 führte, um dann doch noch nach einer phänomenalen Aufholjagd der Gelsenkirchener das 4:4 hinnehmen zu müssen. Solche Erlebnisse prägen. „Ich habe einige Derbys gespielt, aber jedes hat etwas Spezielles“, erklärte Toprak, der die einzelnen Rivalitäten nicht miteinander vergleichen möchte. Trotzdem gibt es aber natürlich Parallelen: „Ich bin jetzt seit zweieinhalb Jahren in dieser Region und weiß, dass Bremen und Hamburg ein besonderes Verhältnis haben. Da erwartet man einfach, dass wir alles geben und gewinnen. Wenn du hier lebst, dann passiert es automatisch, dass du damit konfrontiert wirst – und das ist auch gut so“, sagt der Kapitän des SV Werder Bremen vor dem Spiel beim HSV.

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Werder Bremen-Kapitän Ömer Toprak: Jeder spricht über das Derby gegen den HSV

Diese elektrisierende Atmosphäre, sie schwappt auch mehr und mehr in die Kabine. Die Anspannung steigt kontinuierlich. „Das baut sich ein bisschen von selbst auf“, gestand Ömer Toprak. „Jeder spricht über das Derby – ob es im öffentlichen Leben oder hier im Verein ist. Natürlich müssen wir uns emotional auf das Spiel einstellen, aber bei taktischen Vorbereitungen sollte man die Emotionalität vielleicht weglassen“, sagt der Kapitän des SV Werder Bremen vor dem Duell mit dem HSV, das vor 25.000 Zuschauern ausgetragen wird.

Zuletzt hatte es mit der Vorbereitung nicht mehr ganz so perfekt geklappt. Ömer Toprak etwa hatte nach dem 1:1 gegen Ingolstadt öffentlich moniert, dass sich der Rückschlag gegen den Tabellenletzten „auch ein bisschen angebahnt“ habe. Nun konkretisierte der Kapitän des SV Werder Bremen seine Eindrücke noch einmal: „Wir haben in den letzten Spielen gesehen, dass es immer enger für uns wurde. Die Gegner stellen sich immer besser auf uns ein. Dazu hatten wir keine gute Trainingswoche. Damit haben wir uns einfach ein Eigentor geschossen“, urteilte Toprak in der Medienrunde vor dem Derby beim HSV. „Nichtsdestotrotz will ich nicht sagen, dass wir schlecht gegen Ingolstadt gespielt haben. Wir hatten viele Chancen, ich allein hätte zwei Tore machen können, müssen oder sollen.“

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Und trotzdem steht natürlich die Frage im Raum, ob ein derart erfahrener und meinungsstarker Spieler nicht früher hätte gegensteuern, seine Teamkollegen wachrütteln müssen. „Im Nachhinein ist man immer schlauer. Es ist jedenfalls nicht so, dass ich das nicht erkannt hätte“, erzählte Ömer Toprak. „Letztlich war aber auch ich Teil von diesen 90 Minuten, auch ich hätte dieses Spiel entscheiden können. Wir müssen uns als Mannschaft einfach noch einmal weiterentwickeln, nämlich dorthin, dass wir tagtäglich unsere Leistung noch weiter verbessern möchten“, sagt der Abwehrchef von Werder Bremen.

Werder Bremen: Ömer Toprak vor HSV-Derby mit Kampfansage an Konkurrenz - „Die haben alle noch nicht gegen uns gespielt“

Der Strauchler gegen Ingolstadt, er war trotz des Sprungs auf Tabellenplatz eins Futter für die Kritiker, die meinen, dass die vorherige Siegesserie des SV Werder Bremen nur deshalb zustande kam, weil die großen Namen der Liga in dieser Phase nicht zu den Gegnern gehörten – und die Bremer dafür nun in den kommenden Wochen die Quittung bekämen. „Wir wissen, von wo wir in der Tabelle hergekommen sind. Da standen Mannschaften wie Regensburg oder Paderborn vor uns, die musst du auch erst einmal schlagen“, entgegnete Ömer Toprak, der es anschließend mit einem Perspektivwechsel auf die vermeintlich Großen wie den HSV probierte: „Man könnte es auch umdrehen: Die haben alle noch nicht gegen uns gespielt.“

Es war zumindest eine kleine Drohung in Richtung des Hamburger SV – und an all die anderen Konkurrenten in der Spitzengruppe. Mehr aber auch nicht. Denn bei aller Derby-Begeisterung sagte der frühere türkische Nationalspieler auch: „Selbst wenn wir am Wochenende gewinnen, heißt das nicht, dass wir danach automatisch die nächsten zehn Spiele geschenkt kriegen“, so Ömer Toprak.

Werder Bremen-Kapitän Ömer Toprak hofft auf Sieg im Derby beim HSV

Aber nun geht es am Sonntag erst einmal um diese ganz besonderen 90 Minuten. In einem Derby zwischen Werder und dem HSV, das von 25.000 elektrisierten Fans verfolgt werden wird. In einem Spiel, in dem Form und Tabellenplatz also erst nach der Frage nach dem Sieger von Bedeutung sind. Klingt wahrlich nach Schwerstarbeit. Aber mit erfolgreichen Schichten in Hamburg kennt sich Werder Bremen-Kapitän Ömer Toprak ja ganz gut aus. (mbü)

Rubriklistenbild: © gumzmedia

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