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Ilia Gruev ist der neue Co-Trainer bei Werder Bremen. Am Montag hat er sich vorgestellt.

Neuer Kohfeldt-Assistent stellt sich vor

Ilia Gruev - anstrengender Papa, loyaler Co-Trainer

Zell – Am „Moin“ zur Begrüßung übt Ilia Gruev auch in Österreich fleißig. Talkrunde mit den Fans? „Moin!“ Medienrunde mit Journalisten? „Moin!“ Er lernt eben, sagt der neue „Co“ im Trainerteam von Werder Bremen um Chefcoach Florian Kohfeldt.

49 Jahre ist Ilia Gruev alt, er hat schon unter und mit vielen Trainern gearbeitet – selbst Lothar Matthäus war mal im bulgarischen Nationalteam für wenige Monate sein Chef. Zuletzt aber hatte Gruev selbst das alleinige Sagen – drei Jahre führte er den MSV Duisburg. Zunächst zwar von der Zweiten in die Dritte Liga, aber dann auch wieder hinauf.

Nun ist der gebürtige Bulgare mit dem deutschen Pass bei Werder Bremen in den Co-Trainer-Status zurückkehrt. Über die Gründe dafür, über seinen Sohn Ilia junior und eine seltsame Dopingsperre vor der WM 1998 hat Ilia Gruev im Zillertal gesprochen.

Wieso Werder Bremen, Ilia Gruev?

Bremen ist für ihn der erste Job in der Bundesliga. Da, sagt Gruev, wollte er immer schon hin. „Für meine persönliche Entwicklung ist Werder Bremen genau richtig. Für mich ist es wichtig, mit den Besten zu arbeiten.“ Und Florian Kohfeldt sei in seinen Augen einer der Besten: „Er ist jung, dynamisch, sehr gut ausgebildet, mit innovativen Ideen und detailversessen. Fachliche Kompetenz und Menschlichkeit sind für mich entscheidend.“ Er selbst habe die Möglichkeit gehabt, weiter als Boss in Liga zwei zu arbeiten, lehnte jedoch ab, so Gruev. Und Lothar Matthäus habe ihm zu dieser Entscheidung gratuliert: „Wir telefonieren ab und zu miteinander.“

Ilia Gruev: Sein Aufgabengebiet

Florian Kohfeldt hat die Schwerpunkte für Ilia Gruev so definiert: Standardsituationen und individuelle Verbesserung der Spieler. Was bedeutet: Das Verhalten bei Freistößen und Eckbällen – sowohl defensiv als auch offensiv – ist jetzt Sache des Neuen. Außerdem geht es darum, mit Hilfe der Videoanalysten individuelle taktische Schwächen auszumachen. „Und zu verbessern“, sagt Gruev.

Bei den Standards gab es am Sonntag mit dem Osako-Tor nach einem Eckball sogar schon ein erstes Erfolgserlebnis. „Ein guter Einstand“, schmunzelt Gruev. Die Auswertung der Standards der vergangenen Saison hat ihm aber gezeigt: „Es ist noch Potenzial nach oben.“ Neun Gegentore und neun eigene Treffer nach ruhenden Bällen seien jeweils allenfalls „ziemlich stabil“. Wen er nach dem Abgang von Max Kruse, der zu Fenerbahce Istanbul gewechselt ist, als Hauptausführenden bei Standards sieht, verrät der Ex-Profi nicht. „Im Kopf habe ich schon ein paar Ideen. Aber ich muss mir erstmal einen richtigen Überblick verschaffen.“ Bisher verlaufe das Kennenlernen „richtig schnell und intensiv“.

Ilia Gruev: Sein Charakter

„Ich bin Teamplayer, sehr loyal und korrekt“, sagt Gruev über Gruev, „das gehört zu meinen Prinzipien.“ In seinem Lebenslauf lässt sich das sogar ablesen. Obwohl er zweimal die Möglichkeit hatte, in einem Club vom Co-Trainer zum Chefcoach aufzurücken, hat er es nicht getan, sondern hat sich mit beurlauben lassen. In Duisburg war das mal so, beim 1. FC Kaiserslautern auch. Warum? „Schwer zu beschreiben“, meint Gruev, „es gehört zu meiner moralischen Leitlinie, mit dem Chef zu gehen.“ Auch jetzt sieht er den Job bei Werder Bremen nicht als Sprungbrett: „Ich habe nicht vor, Chef in der ersten Liga zu werden.“

Sohn Ilia Gruev

Gleicher Name, anderes Alter. Dass der Sohn des Co-Trainers Gruev senior zum U23-Kader und aktuell auch zur Zillertal-Trainingsgruppe gehört, ist eine Besonderheit. Und wirft ein Namensproblem auf. Ilia und Ilia – schwer zu unterscheiden. „Martin Harnik ruft meinen Sohn ,Junior‘ - vielleicht ist das ja die Lösung“, lacht der Vater, möchte selbst aber bitte nicht „Senior“ genannt werden.

Auf den Filius, zentraler Mittelfeldspieler mit Talent, ist Gruev „sehr stolz“. Er ist mit 15 Jahren von zu Hause weg und ins Werder-Internat. Dass beide nun miteinander arbeiten, sei schon noch gewöhnungsbedürftig, gibt der Vater zu: „Wir gehen uns noch ein bisschen aus dem Weg. Ich kann als Vater auch ein bisschen anstrengend sein. Ich hoffe nicht, dass unser Verhältnis leidet.“

Ilia Gruevs WM-Sperre 1998

Die WM 1998 stand vor der Tür, Ilia Gruev gehörte als Spieler zum festen Stamm der bulgarischen Nationalmannschaft, war für das Turnier in Frankreich fest eingeplant. Dann das: Dopingsperre aus heiterem Himmel. Angeblich ohne positiven Test. „Das geschah alles auf Verdacht. Es gab Mächte im Verband. Es hat mich leider erwischt“, sagt der ehemalige Mittelfeldspieler heute. Kein schönes Thema für ihn, nach wie vor. „Ich wusste, dass ich nichts gemacht hatte, aber ich war draußen. Das hat mich sehr geärgert“, so Gruev. Nach der WM war klar: Alle Tests waren negativ, schon im ersten Pflichtspiel war er wieder Teil von Bulgariens Auswahl.

Unterdessen haben die Co-Trainer von Werder Bremen im Fan-Talk verraten: Nach dem Aufstehen geht‘s ab auf die Waage für die Spieler. Bald könnte ein weiterer Profi dazustoßen: Beim Wechsel von Michael Gregoritsch vom FC Augsburg zu Werder Bremen geht es nur noch um die Ablöse, die Vereine verhandeln. Alles Weitere, was im Trainingslager im Zillertal rund um Werder Bremen los ist, erfahrt ihr bei uns im Ticker.

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