Kevin Möhwald von Werder Bremen wurde zuletzt einmal geschont, in den letzten Saisonspielen will er nun „alles raushauen“.
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Kevin Möhwald von Werder Bremen wurde zuletzt einmal geschont, in den letzten Saisonspielen will er nun „alles raushauen“.

Werder-Profi über Abstiegskampf, Fitness und mehr

Werder-Sechser Kevin Möhwald fordert im DeichStube-Interview mehr Offensivpower: „Wir müssen das endlich anders umsetzen“

Bremen – So eine Knieverletzung kann dauern. Ein Jahr lang konnte Kevin Möhwald nicht Fußball spielen. Und auch ein halbes Jahr nach dem Comeback wirkt sie offenbar noch nach. Oder weshalb sonst rotierte der Mittelfeldspieler am Samstag gegen RB Leipzig aus der Startelf des SV Werder Bremen?

Kevin Möhwald erklärt im Interview mit der DeichStube, dass es sich dabei um eine einmalige Sache handelte. Er ist fit für den Endspurt in der Liga, der für Werder Bremen wieder zum Abstiegskampf werden könnte. Damit es nicht wieder eine Zitterpartie wird wie in der Vorsaison, hat der 27-Jährige klare Forderungen an sich und die Mannschaft.

Wie geht’s dem Knie?

Dem geht’s gut. Es hat die Englische Woche gut verkraftet.

Es wurde ja auch geschont. Oder war das nicht der Grund, weshalb Sie gegen Leipzig nur die zweite Halbzeit gespielt haben?

Es war mit der medizinischen Abteilung und dem Trainerteam so abgesprochen. Aber es ging nicht darum, dass ich Schmerzen hatte, sondern um eine Allgemeinbelastung. Man muss immer noch bedenken, dass ich erst seit sechs Monaten wieder auf dem Platz stehe und erst seit drei Monaten wieder richtig fit bin. Da ist es dann in einer Englischen Woche auch mal normal, dass man die Belastung dosiert.

 Werder Bremen gegen Borussia Dortmund – das BVB-Spiel gibt‘s hier im Live-Ticker der DeichStube!

Die nächste Englische Woche wartet schon - können Sie jetzt durchziehen?

Das ist mein Ziel. Bisher haben wir es gut hinbekommen, dass ich trotz der nach der langen Verletzung für mich nicht optimalen Sommervorbereitung und der fehlenden Regeneration im Winter so viele Spiele wie möglich absolvieren kann. Jetzt sind es nur noch wenige Spiele bis zum Saisonende, und ich muss nicht mehr so viel Rücksicht nehmen. Danach habe ich eine Sommerpause und kann jetzt in den letzten Spielen alles raushauen.

Gegen Leipzig sind Sie nach der Pause eingewechselt worden – beim Stand von 0:3. Das ist doch auch kein Geschenk, oder?

Leider stand es schon 0:3. Da war das Spiel eigentlich schon gegessen. Aber natürlich versucht man trotzdem noch einmal alles.

Die erste Halbzeit stand im krassen Gegensatz zu dem, was immer wieder gefordert wird: Wachsamkeit. Können Sie sich erklären, wieso Werder so eingegangen ist?

Wir waren als Mannschaft überhaupt nicht da. So kannst du gegen keine Mannschaft der Bundesliga etwas mitnehmen, schon gar nicht gegen Leipzig. In der zweiten Halbzeit war dann noch mal ein Aufflackern zu erkennen bei uns, aber Leipzig hat auch nicht mehr volle Pulle gespielt.

Werder Bremen: Kevin Möhwald will „gerade dann Punkte holen, wenn niemand damit rechnet“

Jetzt sind es vier Niederlagen, die Werder in Folge einstecken musste. Wie wirkt das auf die Mannschaft?

Keiner geht aktuell mit einem Lächeln durchs Leben – auch wenn zwischendrin der Einzug ins Pokal-Halbfinale stand. Über die letzten vier Spiele in der Liga sind wir extrem enttäuscht. Aber wir dürfen uns mit dieser Serie gar nicht so sehr beschäftigen, sondern müssen begreifen, dass jedes, wirklich jedes Spiel für uns eine Chance ist, Punkte zu holen. Und dass wir diese Chance auch ergreifen müssen. Das gilt auch für das Spiel am Sonntag in Dortmund.

Als Gegner ist der BVB ein ähnliches Kaliber wie Leipzig.

Ich weiß schon, dass Außenstehende sagen, dass es da wahrscheinlich wieder nicht viel zu holen gibt für uns. Aber als Mannschaft müssen wir verstehen, dass es eine Riesenchance für uns ist, gerade dann Punkte zu holen, wenn niemand damit rechnet.

Das sind Aussagen, die in die gleiche Richtung gehen wie vor den Spielen gegen Bayern, Wolfsburg, Leipzig, die aber allesamt verloren gingen.

Gegen Bayern und Leipzig waren wir unterm Strich chancenlos – das muss man so eingestehen. Die Niederlagen gegen Wolfsburg und Stuttgart waren dagegen unglücklich. Man muss einfach sagen, dass wir in den Spielen, in denen wir die Möglichkeit haben zu punkten, viel klarer spielen müssen.

Was heißt das?

In den Spielen gegen Wolfsburg und Stuttgart haben sich uns Möglichkeiten geboten. Zwar nicht immer etwas, was hinterher als Torschuss oder Chance auf dem Zettel steht, aber es gab Überzahlsituationen, in denen wir dann doch wieder die falsche Entscheidung getroffen haben. Da müssen wir als Mannschaft klarer werden.

Die Erkenntnis ist nicht neu, der Lernprozess in der Offensive offenbar aber sehr zäh.

Absolut. Wir müssen das jetzt anders umsetzen. Es bringt aber nichts, immer wieder daran zu erinnern, wie schlecht wir das in den letzten Spielen gemacht haben und das auch noch per Video vorgeführt zu bekommen. Wir Spieler müssen es auf dem Platz endlich anders umsetzen!

Ist das eine Frage der Trainingsarbeit oder der individuellen Qualität?

Ich würde es eine Frage der individuellen Entscheidungsfindung nennen. Wir üben es im Training 20, 30 Mal, dass wir auf den Gegner zulaufen, dann muss es irgendwann auch mal im Spiel funktionieren. Wenn es nicht funktioniert, kostet uns das Punkte. Wir treffen noch zu oft die falsche Entscheidung und müssen uns da weiterentwickeln. Und jeder, der in der Bundesliga spielt, sollte dafür das nötige Entwicklungspotenzial haben.

Werder Bremen: Kevin Möhwald will Punkte - „Auf Entwicklungen können wir keine Rücksicht nehmen“

Das Bremer Polster auf den Relegationsrang ist durch die vier Niederlagen von elf auf vier Punkte geschrumpft. Als wie bedrohlich ordnen Sie die Lage ein?

Vier Punkte sind nicht mehr viel. Aber es ist trotzdem ein großer Unterschied zur vergangenen Saison, als wir das Thema Abstiegskampf vielleicht etwas länger beiseite geschoben hatten. Dieses Jahr war uns immer bewusst, dass da noch unruhige Wochen kommen können. Für uns ändert sich eigentlich nichts, wir müssen weiter arbeiten und in jedem Spiel um unsere Chance kämpfen.

Der Blick auf die Tabelle, die Negativserie mit vier Pleiten in Folge – ist das auch mentaler Ballast?

Ja, aber damit muss man umgehen können. Wir haben jetzt ein bisschen mehr Druck, haben uns selbst in diese Situation gebracht. Doch ich erinnere daran, dass wir in der Hinrunde eine ähnliche Niederlagenserie gegen beinahe die gleichen Gegner hatten. Damals haben wir es hingebogen, und das können wir jetzt wieder machen. Ich will damit nicht sagen, dass mir der Vergleich mit der Hinrunde Zuversicht gibt, ich empfinde deshalb aber auch nichts Negatives. Ich hätte natürlich auf beide Serien gerne verzichtet, und vier Niederlagen am Stück nerven auch total, allerdings können wir das wieder in die andere Richtung drehen.

Trainer Florian Kohfeldt ist in seiner Erinnerung noch ein Jahr weiter zurückgegangen und hat an die Phase vor Weihnachten 2019 erinnert, als Werder völlig von der Rolle war und sich als Team verloren hatte. Er sagt, das dürfe jetzt auf keinen Fall wieder passieren.

Er hat aber auch gesagt, dass er keine Anzeichen dafür sieht. Und mir geht es da genauso. Klar, die roten Alarmlampen scheinen seit kurzem etwas kräftiger bei uns, aber wenn ich die Mannschaft auf dem Trainingsplatz oder auch in den meisten Spielen beobachte, dann glaube ich nicht, dass wir wieder in eine solche Situation geraten.

Als Schlüsselspiel wird die Partie gegen Mainz 05 am kommenden Mittwoch gesehen. Gehen Sie da mit?

Erstmal ist Dortmund dran, das ist die nächste Chance, drei Punkte zu holen. Danach können wir uns über das Mainz-Spiel unterhalten. Aber ich will mich auch nicht verstecken: Ja, Mainz wird ein sehr wichtiges Spiel. Dortmund ist jedoch nicht weniger wichtig.

Coach Kohfeldt hat nach dem Pokal-Viertelfinale in Regensburg erklärt, Werder werde zeitnah die für den Klassenerhalt nötigen Punkte holen. Zeitnah heißt nicht am 33. Spieltag, sondern jetzt. Gegen Leipzig hat das schon mal nicht geklappt. Gegen Dortmund wird es auch schwer. Hat er den Mund am Ende zu voll genommen?

Nein, das hat doch nichts damit zu tun, den Mund zu voll zu nehmen. Es ist doch eine Devise, in jedem Spiel punkten zu wollen. Hätte er etwas anderes gesagt, wäre das einfach nicht clever gewesen.

Seit sich Werder aus der defensiven Sicherheit heraus spielerisch weiterentwickeln will, fehlen die Punkte. Also: Rückkehr zum teils unansehnlichen Sicherheitsfußball für die letzten sechs Spiele?

Ich muss ehrlich sein: In den kommenden Wochen geht es nur darum, dass wir die Punkte holen, unsere Spiele gewinnen. Auf Entwicklungen können wir keine Rücksicht nehmen. Wir müssen das machen, was uns die größte Wahrscheinlichkeit auf Punkte liefert.

Werder Bremen ohne Ömer Toprak gegen BVB und Erling Haaland - Kevin Möhwald ist aber „nicht bange“

Jetzt fällt Abwehrchef Ömer Toprak mit einem Muskelfaserriss wochenlang aus. Was bedeutet das für die Mannschaft?

Das ist ein Ausfall, der uns trifft. Ömer hat in dieser Saison gezeigt, warum Werder ihn verpflichtet hat. Er hat zuletzt konstant gute bis sehr gute Leistungen gebracht, war in der Abwehrkette der Fels in der Brandung und der Spieler, an dem man sich auch mal aufrichten konnte.

Niklas Moisander kommt nun von der Bank und wird seinen Platz übernehmen. Kann er das leisten, was Toprak geleistet hat?

Immer, wenn Niklas gespielt hat, hat er gute Leistungen gebracht. Ich schätze ihn extrem – sowohl menschlich als auch sportlich. Wenn er gebraucht wird, ist er auch da.

Dennoch ist er hinter Marco Friedl in die zweite Reihe gerückt. Wie haben Sie ihn als Kapitän, der auf der Bank sitzt, erlebt?

Er hat sich überragend verhalten. Er hat vermutlich nicht damit gerechnet, den Stammplatz zu verlieren. Dennoch hat er nie nachgelassen, gibt immer noch in jedem Training alles. Ich kann über ihn wirklich nur Gutes sagen. Verärgert, beleidigt oder schmollend habe ich ihn nie erlebt. Das muss man ihm hoch anrechnen.

Topraks Job gegen Dortmund wäre ganz sicher die Bewachung von Erling Haaland gewesen. Wie kriegt Werder den Norweger jetzt in den Griff?

Wir haben Moisander, Veljkovic, Friedl – gute Innenverteidiger. Da ist mir nicht bange. Am wichtigsten ist aber, dass wir wieder ein anderes Gesicht zeigen als in der ersten Halbzeit gegen Leipzig.

Der wichtigste Faktor dabei?

Wir müssen wieder ekelig sein in den Zweikämpfen. (csa)

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