Serge Gnabry vor dem Weserstadion
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Serge Gnabry vor dem Weserstadion

Exklusiv: Serge Gnabry im Interview

„Ich will Titel gewinnen!“

Bremen - Er ist dabei. Nach kurzer Pause wegen einer Erkältung meldete sich Serge Gnabry am Freitag im Teamtraining zurück. Bereit für das Heimspiel gegen Hertha BSC (Samstag, 15.30 Uhr) ist er also. Allerdings muss sich der 21-Jährige darauf einstellen, wieder auf der Bank zu sitzen.

Doch das ist nur eine Momentaufnahme, Gnabry gehört fraglos die Zukunft. Ob bei Werder Bremen oder anderswo, ist eine Frage, für die er selbst noch keine Antwort gefunden hat und die deshalb im Interview nicht den größten Raum einnimmt. Es gibt andere Themen, über die der Nationalspieler völlig entspannt plaudert.

Herr Gnabry, was brauchen Sie, um sich wohlzufühlen?
Serge Gnabry: Ein gutes Umfeld – Familie, Freunde, Freundin. Also Menschen, die zu mir halten, in guten und in schlechten Zeiten. Und ich brauche meine Ziele, mit denen ich mich beschäftige.
Welche sind das?
Gnabry: Ich will Titel gewinnen und mich so gut wie möglich weiterentwickeln.
Gibt es einen Plan, wann Sie wo sein wollen, um Ihre Ziele erreichen zu können?
Gnabry: Es gibt nicht nur eine Mannschaft, mit der man einen Titel gewinnen kann. Das wechselt ja auch ständig, weil Vereine besser oder schlechter werden.
Welche Rolle spielt Werder dabei?
Gnabry: Der Verein, in dem man gerade spielt, ist immer der wichtígste. Ich habe mich bewusst für Werder entschieden und fühle mich sehr wohl. Aber was in der Zukunft ist, das kann ich noch nicht sagen.
Sie sind im Sommer aus der Weltmetropole London ins eher beschauliche Bremen gekommen. Keine ganz einfache Umstellung, oder?
Gnabry: Das stimmt (lacht). Aber mir gefällt es hier. Die Menschen sind nett. Es ist ruhig, alles nah. Und du kannst dich noch besser auf den Fußball fokussieren, weil es nicht so viele Verlockungen gibt wie in London (lacht).
Es zieht Sie immer mal wieder nach London – wie am vergangenen Sonntag. Wie wichtig sind solche Reisen?
Gnabry: London ist schon eine Heimat für mich. Da habe ich meine wichtigsten Jahre erlebt. Ich habe da noch viele Freunde. Es tut gut, mal wieder dort zu sein.
Weniger gut tut es dagegen, auf der Bank zu sitzen. War es eine neue Erfahrung für Sie, nach überstandener Verletzung sowohl im Nordderby als auch in Ingolstadt nicht in der Startelf zu stehen?
Gnabry: Nicht ganz, ich habe ja schon ein paar Jährchen auf der Bank hinter mir (lacht). Aber mein Ehrgeiz, zu spielen, ist schon riesengroß.
Nationalspieler sind nach ihrer Genesung meistens gleich wieder gesetzt. Waren Sie da nicht überrascht?
Gnabry: Natürlich ist es schwer, das zu akzeptieren. Aber ich war ein paar Wochen verletzt. Da ist es auf längere Sicht wahrscheinlich sogar besser, nicht sofort wieder Vollgas zu geben. Deswegen bin ich da voll entspannt. Ich spiele bestimmt noch zehn Jahre, da bringt mich ein Spiel mehr oder weniger nicht um.
Sie haben bis zu Ihrer Verletzung aufgrund starker Leistungen extrem im Fokus gestanden. Jetzt richtet sich der Blick vor allem auf Max Kruse oder auf Felix Wiedwald – ist das auch angenehm für Sie?
Gnabry: Das weiß ich nicht. Mir ist das alles relativ egal. Ich gucke nicht so viel, was die Medien machen. Ich lasse mir auch keinen Druck aufschwatzen. Außerdem ist die Mannschaft größer als ein Spieler. Sobald die Mannschaft funktioniert, ist es das Beste für jeden Spieler.
WerderStuben Reporter Daniel Cottäus (li) und Björn Knips (re) im Gespräch mit Serge Gnabry
Werden Sie in Bremen oft von Fans angesprochen?
Gnabry: Natürlich. Bremen ist aber auch extrem fußballverrückt. Werder findest du überall, fast alles ist grün.
Konnten Sie in London besser untertauchen?
Gnabry: Das würde ich gar nicht sagen. In England ist der Stellenwert des Fußballs noch eine Stufe höher. Da wirst du sogar von alten Omas angesprochen, weil sie dich erkannt haben.
Hätten Sie in solchen Momenten eine Bitte an die Fans?
Gnabry: Es gibt solche und solche. Ich habe kein Problem damit, Autogramme zu geben und Fotos zu machen. Aber ich mag es nicht, wenn ich einfach so angefasst werde. Natürlich wäre es schön, wenn die Privatsphäre mehr respektiert würde. Wir sind auch nur normale Menschen. Aber das ist wohl der Preis, wenn man so in der Öffentlichkeit steht.
Ist es fair, dass die öffentliche Erwartungshaltung an Profi-Fußballer Woche für Woche enorm ist?
Gnabry: Wenn ich nein sagen würde, was würde das bringen? Das wird sich nicht ändern. Ich versuche, mich auf mich zu konzentrieren und meine Erwartungen zu erfüllen.
Dafür schieben Sie auch Sonderschichten mit einem Neuro-Athletik-Training. Worum geht es dabei?
Gnabry: Das ist eine besondere Trainingsform, um fitter und vor allem gedankenschneller zu werden. Es hat viel mit dem Gehirn zu tun. Ich möchte meinen Körper so gut wie möglich auf den Wettkampf vorbereiten.
Machen Sie da noch mehr?
Gnabry: Ab und zu Yoga. Und natürlich Krafttraining nach jedem Training.
Fußballer und Yoga – muss sich das erst finden?
Gnabry: Durchaus. Früher haben das ja nur Hippies gemacht. Es ist einfach eine gute Form, den Körper zu entspannen. Gerade bei unserem Turnus, jeden Tag mit Vollgas zu trainieren, ist es wichtig, wieder runterzukommen. Mir bringt es was. Aber ich mache jetzt nicht jeden Tag drei Stunden Yoga, sondern meistens direkt nach dem Aufstehen ein paar Übungen.
Hängt dieser Mehreinsatz auch mit Ihrer verletzungsreichen Vergangenheit zusammen?
Gnabry: Auf jeden Fall. Ich versuche, meinen Körper so gut wie möglich im Griff zu haben. Bis zu den fünf Wochen Pause jetzt hatte ich kein Spiel verpasst. Das war ein Riesenstep für mich – vor allem mit Olympia davor.
Welche Rolle spielt der Trainer für Sie, was wünschen Sie sich von ihm?
Gnabry: Er muss gut sein.
Was ist ein guter Trainer?
Gnabry: Einer, der dich nach vorne bringt, der dir Sachen vermittelt. Aber ganz ehrlich: Es ist gar nicht so einfach, das zu definieren.
Die Medien beurteilen die Arbeit eines Trainers meistens nach dem Erfolg. Wie machen Sie das?
Gnabry: Na ja, der Ergebnisdruck von den Medien und von Vereinsseite ist schon sehr groß. Da fliegen manchmal sehr gute Trainer mit viel Wissen nach kurzer Zeit schon wieder raus. Was ich dann denke, das hat darauf keinen Einfluss. Für mich steht deshalb meine Entwicklung im Vordergrund.
Sie hatten beim FC Arsenal einen berühmten Trainer. Wie sehr hat Sie Arsene Wenger geprägt?
Gnabry: Enorm. Die drei, vier Jahre, in denen ich mit ihm bei den Profis zusammenarbeiten durfte, habe ich brutal viel gelernt. Bei Arsenal ist es für Offensivspieler einfach geil, zu kicken, weil du so viel Ballbesitz hast.
Werder spielt ganz anders, setzt nicht auf Ballbesitz – ist das schwierig für Sie?
Gnabry: Nein, dann muss man sich umstellen.
Auf welcher Position fühlen Sie sich am wohlsten?
Gnabry: Hinter den Spitzen oder auf dem linken Flügel. Ich liebe es, offensiv zu spielen, torgefährlich zu sein und Tore vorzubereiten.
Welche Rolle spielt Per Mertesacker, mit dem Sie bei Arsenal gespielt haben?
Gnabry: Wir waren am Sonntag in London essen. Wir sind gut befreundet. Das gilt auch für Mesut Özil.
Sprechen Sie mit diesen erfahrenen Kollegen auch darüber, wie es in Ihrer Karriere weitergehen könnte?
Gnabry: Natürlich. Egal in welchem Bereich, du lernst immer von erfahrenen Menschen, die so etwas schon durchgemacht haben. Aber es gibt keine Karriere, die noch mal genauso verläuft wie die eines anderen. Also muss man es selbst entscheiden.
Muss ein Spieler gegenüber seinem Club auch Dankbarkeit zeigen, weil er dort die Chance bekommen hat, oder ist das im Fußball schwierig?
Gnabry: Da würde ich gerne Ihre letzten Worte als Antwort nehmen (lacht).

Serge Gnabry: Seine Karriere in Bildern

Serge Gnabry - ein Talent auf dem Weg zum Superstar. Das Leben des heutigen Bundesliga-Profis war früh auf Fußball ausgerichtet. Der gebürtige Stuttgarter schnürte die Fußballschuhe zuerst für den TSV Weissach, kam über mehrere weitere Stationen zum VfB Stuttgart...
Serge Gnabry - ein Talent auf dem Weg zum Superstar. Das Leben des heutigen Bundesliga-Profis war früh auf Fußball ausgerichtet. Der gebürtige Stuttgarter schnürte die Fußballschuhe zuerst für den TSV Weissach, kam über mehrere weitere Stationen zum VfB Stuttgart... © gumzmedia
... spielte dort B-Junioren-Bundesliga. Schon damals wurde der FC Arsenal auf ihn aufmerksam. Als 16-Jähriger wechselte er zum Weltklasse-Club nach London, trainierte später auch an der Seite des Ex-Bremers Per Mertesacker.
... spielte dort B-Junioren-Bundesliga. Schon damals wurde der FC Arsenal auf ihn aufmerksam. Als 16-Jähriger wechselte er zum Weltklasse-Club nach London, trainierte später auch an der Seite des Ex-Bremers Per Mertesacker. © imago
Mit 17 Jahren unterschrieb Gnabry im Sommer 2012 seinen ersten Profivertrag. Den Durchbruch schaffte der junge Dribbler beim Champions-League-Teilnehmer aber nicht. Er kam nur auf zehn Spiele (ein Tor) in der Premier League, wurde 2015/2016 zu West Bromwich Albion verliehen.
Mit 17 Jahren unterschrieb Gnabry im Sommer 2012 seinen ersten Profivertrag. Den Durchbruch schaffte der junge Dribbler beim Champions-League-Teilnehmer aber nicht. Er kam nur auf zehn Spiele (ein Tor) in der Premier League, wurde 2015/2016 zu West Bromwich Albion verliehen. © imago
Wie talentiert Gnabry aber ist, sah die Welt bei den Olympischen Spielen 2016 in Rio, als er mit der deutschen Auswahl Silber holte. Gnabry erzielte sechs Tore im Turnier - keiner schoss mehr.
Wie talentiert Gnabry aber ist, sah die Welt bei den Olympischen Spielen 2016 in Rio, als er mit der deutschen Auswahl Silber holte. Gnabry erzielte sechs Tore im Turnier - keiner schoss mehr. © imago
Plötzlich war Gnabry begehrt, sehr begehrt. Den Zuschlag bekam etwas überraschend der SV Werder. Für rund fünf Millionen Euro wechselte der Außenbahnspieler in die Bundesliga, um endlich mehr Einsatzzeiten zu bekommen und seiner Karriere mehr Schwung zu verleihen.
Plötzlich war Gnabry begehrt, sehr begehrt. Den Zuschlag bekam etwas überraschend der SV Werder. Für rund fünf Millionen Euro wechselte der Außenbahnspieler in die Bundesliga, um endlich mehr Einsatzzeiten zu bekommen und seiner Karriere mehr Schwung zu verleihen. © gumzmedia
Und Gnabry schlug voll ein, schoss alleine in der Hinrunde der Saison 2016/17 sieben Tore. Seinen ersten Doppelpack erzielte er am 22. Spieltag beim VfL Wolfsburg.
Und Gnabry schlug voll ein, schoss alleine in der Hinrunde der Saison 2016/17 sieben Tore. Seinen ersten Doppelpack erzielte er am 22. Spieltag beim VfL Wolfsburg. © gumzmedia
Gnabry zog wieder viele Augen auf sich - auch die des Bundestrainers. Joachim Löw nominierte ihn im November 2016 erstmals für die A-Nationalmannschaft. Bei seinem Debüt, einem 8:0 in der WM-Qualifikation gegen San Marino, schoss Gnabry drei Tore.
Gnabry zog wieder viele Augen auf sich - auch die des Bundestrainers. Joachim Löw nominierte ihn im November 2016 erstmals für die A-Nationalmannschaft. Bei seinem Debüt, einem 8:0 in der WM-Qualifikation gegen San Marino, schoss Gnabry drei Tore. © imago
Klarheit nach Wochen der Spekulationen: Am 8. Juni 2017 teilten Serge Gnabry und der SV Werder mit, dass der 21-Jährige den Verein nach nur einem Jahr wieder verlässt. Wenige Tage später wurde bekannt: Gnabry geht zum FC Bayern München.
Klarheit nach Wochen der Spekulationen: Am 8. Juni 2017 teilten Serge Gnabry und der SV Werder mit, dass der 21-Jährige den Verein nach nur einem Jahr wieder verlässt. Wenige Tage später wurde bekannt: Gnabry geht zum FC Bayern München. © gumzmedia
Von den Bayern wurde er allerdings direkt an 1899 Hoffenheim verliehen.
Von den Bayern wurde er allerdings direkt an 1899 Hoffenheim verliehen. © imago
Nach einem Jahr Leihe kehrte Gnabry dann zur Saison 2018/2019 zum FC Bayern zurück.
Nach einem Jahr Leihe kehrte Gnabry dann zur Saison 2018/2019 zum FC Bayern zurück. © imago
Am 01. Dezember 2018 ist es dann soweit. Serge Gnabry trifft mit dem FC Bayern im Bremer Weserstadion auf seinen Ex-Verein Werder.
Am 01. Dezember 2018 ist es dann soweit. Serge Gnabry trifft mit dem FC Bayern im Bremer Weserstadion auf seinen Ex-Verein Werder. © gumzmedia
Und er knipst auch noch! Bayern gewinnt mit 2:1 in Bremen und beide Tore erzielt Serge Gnabry.
Und er trifft auch noch! Bayern gewinnt mit 2:1 in Bremen und beide Tore erzielt Serge Gnabry. © imago
Sie sind viel in den sozialen Medien unterwegs.

Gnabry: Zu viel?

Gnabry: Zu viel?
Nicht unbedingt. Warum machen Sie das überhaupt?
Gnabry: Ich könnte gut ohne leben. Aber ich mache das für die Fans. Ich bin noch jung, kriege diese ganzen neuen Technologien mit, da will ich auch dabei sein.
Gibt es für Sie da Grenzen?
Gnabry: Das sieht man doch.
Also keine Homestory?
Gnabry: Weiß ich nicht. Aber zu Hause denke ich weniger daran, mich zu filmen.
Immer mehr Fußballer werden als Marke aufgebaut, auch um Sie kümmert sich eine Agentur. Ist das inzwischen Pflicht für berühmte Spieler?
Gnabry: Vor einem Jahr hätte ich noch mit nein geantwortet. Aber inzwischen beschäftige ich mich damit viel mehr. (…) Aber es ist nicht so, dass ich mich jetzt nur auf Social Media konzentriere, an Foto-Shootings denke oder zur Fashion-Week gehe. Der Fußball steht für mich immer an oberster Stelle.
Wissen Sie schon, ob Sie im Sommer den Confed-Cup spielen oder die U 21-EM?
Gnabry: Nein.
Wo wären Sie lieber dabei?
Gnabry: Das ist mir egal. Urlaub habe ich in dieser Zeit jedenfalls noch nicht gebucht (lacht). Ich freue mich einfach, Fußball zu spielen. Gerade mit meiner Historie, in den zwei Jahren vor Werder so wenig gespielt zu haben.
Samstag geht es gegen die Hertha – hält die Bremer Serie?
Gnabry: Wir hoffen natürlich auf die drei Punkte, das würde uns unserem neuen Ziel näher bringen. Wir wollen jetzt oben angreifen.
Eine irre Entwicklung, oder?
Gnabry: Das ist schon ein bisschen krank (lacht). Aber so schnell geht das. Das gibt es nur im Sport.

Zum Spieler-Profil von Serge Gnabry

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