+
Gegen Wolfsburg und Freiburg hatte Theodor Gebre Selassie jeweils den Siegtreffer auf dem Fuß und vergab.

Auch Theodor Gebre Selassie stützt den Trainer

„Nouri hat die richtigen Ideen“

Bremen - Das grün-weiße Glück springt Theodor Gebre Selassie quasi von den Wänden an. Fotos von jubelnden Helden der Werder-Vergangenheit hängen in der Spielerloge über der Ostkurve – Micoud, Ailton, Frings, Völler, „Pico“ Schütz als Zeugnisse besserer Bremer Tage und Momente. Derzeit erlebt der SV Werder einmal mehr einen schwierigen Saisonstart.

Darüber zu reden, macht gewiss keinen großen Spaß, Theodor Gebre Selassie stellt sich trotzdem. Der Tscheche ist auch eine Figur des Fehlstarts, weil er in den Schlussphasen der Spiele gegen Wolfsburg (1:1) und Freiburg (0:0) jeweils den Siegtreffer auf dem Fuß hatte und vergab. Frische Jubelbilder vom 30-Jährigen gibt es deshalb nicht – privat bekommt sein Glück in Kürze aber Zuwachs.

Herr Gebre Selassie, die wichtigste Frage zuerst: Wie geht es Ihrer hochschwangeren Frau?

Theodor Gebre Selassie: Gut, aber die letzten Wochen der Schwangerschaft sind sehr anstrengend für sie. Jede Bewegung ist schwierig – und deshalb freut sie sich, dass das Kind bald kommt.

Sind Sie entspannter, weil es Ihr zweites Kind ist?

Gebre Selassie: Na ja, diesmal ist die Geburt in Bremen und nicht wie damals in der Sommerpause in Tschechien. Ich habe schon etwas Respekt vor der Sprachbarriere.

Aber Sie sprechen doch sehr gut deutsch.

Gebre Selassie: Wenn alles gut verläuft, ist das sicherlich kein Problem im Krankenhaus. Und darauf hoffe ich auch.

Werden Sie bei der Geburt dabei sein?

Gebre Selassie: Ich denke schon, beim ersten Kind war ich auch dabei.

Wir sitzen hier in der Spielerloge des Weserstadions und überall hängen Bilder mit jubelnden Werder-Profis. Wann jubeln Sie endlich wieder?

Gebre Selassie: Wenn wir endlich ein paar Tore schießen.

Wieso klappt es nicht?

Gebre Selassie: Wir sind einfach nicht so effektiv wie in der Rückrunde. Da hatten wir sogar weniger Chancen als jetzt, haben diese aber eiskalt genutzt.

Jubelnden Helden der Werder-Vergangenheit

Sie haben in der laufenden Saison auch schon einige Chancen ausgelassen – belastet Sie das?

Gebre Selassie: Ich bin mir sicher, dass ich aus meinen Chancen in der Rückrunde noch drei Tore gemacht hätte. Aber die aktuelle Rolle auf dem Platz (Gebre Selassie spielt im 3-5-2 rechts vor der Dreierkette, d. Red.) ist für mich auch neu, so viele Chancen hatte ich früher nicht. Das ist schon eine geile Position, das macht mir wirklich Spaß. Jetzt denke ich nach dem Spiel nicht mehr, ob ich hinten einen Fehler gemacht habe, sondern, warum ich vorne nicht getroffen habe. Gegen Wolfsburg muss ich den Ball aber einfach reinmachen. So ist das leider auch.

Am Dienstag stand ganz viel Torschusstraining auf dem Plan...

Gebre Selassie: ...das lief in dieser Saison noch nicht ganz so optimal (lacht). Daran müssen wir arbeiten. Es wird in letzter Zeit auch häufiger von Alex Nouri und Markus Feldhoff angesetzt.

Co-Trainer Feldhoff war selbst Stürmer, wie sehr kann er da helfen?

Gebre Selassie: Er macht wirklich viele verschiedene Übungen. Das bringt Sicherheit und Selbstvertrauen.

Das Selbstvertrauen dürfte nach sieben sieglosen Spielen nicht das größte sein, spüren Sie die Anspannung im Team?

Gebre Selassie: Natürlich ist es keine angenehme Situation. Aber was war, das können wir nicht mehr verändern. Wir müssen nach vorne schauen.

Wie schwer ist es, Lockerheit reinzubringen und gegen ein mögliches Hadern anzukämpfen?

Gebre Selassie: Wir dürfen in der Tat nicht verkrampfen, weil wir jetzt unbedingt gewinnen wollen. Eine gewisse Lockerheit und auch Spaß sind ganz wichtig. Zum Training zu fahren, nur an die Situation zu denken und nicht zu lachen, das wäre falsch.

Wer ist der Spaßmacher im Team?

Gebre Selassie: Unter anderem Jaroslav Drobny. Der sorgt mit seinen Sprüchen immer wieder für gute Stimmung. Aber: Wenn du den Ball einmal auf den Parkplatz schießt, wird gelacht. Beim fünten Mal nicht mehr.

Thomas Delaney hat neulich gesagt, die Mannschaft würde zu sehr ans Nicht-Verlieren denken. Fehlt die Siegermentalität?

Gebre Selassie: Nein. Wir wissen doch, dass wir endlich einen Sieg holen müssen. Wir wollen immer drei Punkte holen. Aber wir müssen trotzdem vorsichtig sein – das ist die Bundesliga, da ist es schwierig, nach einem Rückstand zurückzukommen. Wenn wir von Anfang an alle nach vorne laufen, liegen wir vielleicht schon nach fünf Minuten 0:2 zurück. Was dann?

Ist das auch die Gefahr für das Heimspiel gegen Mönchengladbach, in dem sich das Publikum sofort Attacke und natürlich auch einen Sieg wünscht?

Gebre Selassie: Natürlich müssen wir in unserem Stadion mutiger sein als zuletzt in Hamburg. Aber man darf nicht vergessen, welch schnelle Spieler Gladbach hat. Wenn die vorne viel Platz haben, wird es richtig gefährlich. Danach wird sich sicherlich auch unsere Taktik richten. Aber das ist Sache des Trainers.

Sie sprechen den Trainer an. Die Medien diskutieren nach sieben sieglosen Spielen schon über die Zukunft von Alexander Nouri. Wie bekommt die Mannschaft das mit und wie beeinflusst das die Arbeit?

Gebre Selassie: Also ich bin nicht blind und lese die Überschriften. Aber ich habe gelernt, dass es in solchen Zeiten nicht die beste Idee ist, so etwas zu lesen. Denn was kann da stehen, wenn man so lange nicht gewonnen hat? Für den Trainer ist das sicherlich nicht angenehm, aber so ist nun mal das Geschäft. Nach solchen Ergebnissen wird nun mal über den Trainer und die Spieler diskutiert.

Ihr Teamkollege Lamine Sane hat gesagt, dass er am Sonntag auch für den Trainer spielen wird.

Gebre Selassie: Das mache ich auch – und ich kann für alle sprechen: Wir sind mit dem Trainer alle zufrieden. Wir denken nicht, dass wir im Training etwas falsch machen. Nouri hat die richtigen Ideen.

Nach dem 0:0 im letzten Heimspiel gegen Freiburg gab es Pfiffe von den Fans. Haben Sie Sorge, dass gegen Gladbach früher gepfiffen wird, wenn es nicht läuft?

Gebre Selassie: Nein. Wir haben so viel Glück mit unseren Fans, die haben uns doch immer unterstützt. Und die letzten Jahre waren nicht einfach. Ich kann verstehen, dass sie nach dem Spiel pfeifen. Das ist nicht angenehm, aber nicht so schlimm wie während des Spiels.

Weil es keinen Einfluss mehr auf das Spiel hat?

Gebre Selassie: Ja, du bekommst das auf dem Platz schon mit – und das hilft dir in dem Moment nicht. Aber am besten gewinnen wir, dann wird bestimmt nicht gepfiffen.

Theodor Gebre Selassies Karriere in Bildern

Auch interessant

Was denkst Du über den Artikel?

Nichts mehr verpassen

Kommentare