Harm Ohlmeyer, Aufsichtsratsmitglied des SV Werder Bremen, spricht im DeichStube-Interview mit Reporter Björn Knips über einen Investor und das Leistungszentrum.
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Harm Ohlmeyer, Aufsichtsratsmitglied des SV Werder Bremen, spricht im DeichStube-Interview mit Reporter Björn Knips über einen Investor und das Leistungszentrum.

Gespräch im Zillertal

Aufsichtsrat Harm Ohlmeyer im DeichStube-Interview: Investor bei Werder? „Wir müssen 2023 dazu bereit sein“

Zell am Ziller – In den vergangenen Monaten hat sich Harm Ohlmeyer beim SV Werder Bremen eher im Hintergrund gehalten. Doch untätig war der vor knapp einem Jahr neu gewählte Aufsichtsrat nicht. Der Finanzvorstand von adidas hat die Vorbereitungen für den möglichen Einstieg eines Investors vorangetrieben und die Ergebnisse nun seinen Kollegen im Kontrollgremium beim Workshop im Trainingslager vorgestellt. Im Interview mit der DeichStube kündigt der 54-Jährige an, dass er nicht nur in dieses Thema Schwung bringen will, sondern auch in die Diskussion um die Zukunft des Leistungszentrums (LZ).

Dürfen Sie als adidas-Finanzvorstand das Trikot von Umbro oder auch andere Sachen dieses Herstellers überhaupt tragen?

Wie Sie sehen, mache ich es. Aber ich habe heute Morgen wirklich mit mir gekämpft: Ziehe ich jetzt ein Polo-Shirt von adidas oder doch eines von Umbro an? In meiner Funktion bei Werder mache ich das jetzt, ansonsten bin ich da schon sehr markenaffin und trage fast nur adidas.

Warum sorgen Sie nicht dafür, dass Werder künftig auch Adidas trägt?

Das würde es für mich einfacher machen (lacht). Aber das ist nicht meine Entscheidung bei adidas. Wir haben da aber schon viel gemacht, konzentrieren uns nicht mehr nur auf die besten Clubs - in Deutschland war das Bayern München. Jetzt sind wir auch beim Hamburger SV, Fortuna Düsseldorf, Union Berlin, dem 1. FC Nürnberg und Schalke 04 aktiv. Aber es gibt nun mal bestehende Verträge bei Werder, deswegen ist das aktuell kein Thema.

Wie wichtig ist so ein Trikot aus Ihrer Sicht für einen Club?

Das sollte man nicht überbewerten. Mit einem Trikot kann man nicht viel gewinnen, aber viel verlieren. Wenn das Trikot grottenschlecht ist, dann wird es ein Thema. Natürlich spielen die Sponsoren eine Rolle, die auf dem Trikot zu sehen sind. Der Hersteller sicher auch. Es ist schon ein Statement, wenn das eine der beiden großen Fußball-Marken, also adidas oder Nike, ist.

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Werder Bremen-Aufsichtsrat Harm Ohlmeyer: Strategischer Partner? „Wir müssen da etwas tun“

Als Sie vor knapp einem Jahr in den Aufsichtsrat gewählt wurden, haben Sie angekündigt, einen Investor finden zu wollen. Wie läuft die Partnersuche?

Das ist nach wie vor mein Ziel. Investor ist ein großes Wort und speziell in Bremen nicht so positiv belegt. Deswegen spreche ich gerne von einem strategischen Partner. Und da wollen wir den richtigen finden. Der muss die Werte von Werder kennen und wissen, dass er gewisse Dinge bei Werder nicht anfassen darf.

Welche?

Die Farben Grün und Weiß, das Logo, den Standort Bremen. Es geht auch um eine Langfristigkeit. Wir suchen keinen Mäzen oder Investoren aus Ländern, die nicht so opportun sind. Es gibt darüber hinaus noch genügend andere mögliche Partner. Ich möchte dabei eines betonen: Glücklicherweise sind wir nach einem Jahr wieder aufgestiegen, aber das löst nicht alle Probleme, die wir haben. Es macht die finanzielle Situation besser, mehr aber auch nicht. Wir können jetzt alle hoffen, dass wir viele Spiele gewinnen und den Marktwert unserer Spieler steigern, um sie dann zu verkaufen. Aber da ist natürlich viel Hoffnung drin. Das allein reicht mir nicht. Es gibt gute Beispiele in der Bundesliga. Frankfurt hat das mit einigen Partnern gut gemacht, auch Köln hat sich finanziell stabilisiert. Wir müssen da etwas tun.

Wie gehen Sie das an?

Ich investiere schon einiges an Zeit. Da ich noch nie einen strategischen Partner für einen Verein gesucht habe, habe ich mir auch Rat von außen geholt.

Kommt ein Investor bei Werder Bremen? Harm Ohlmeyer: „Wir müssen 2023 dazu bereit sein“

Werder-Verantwortliche sprechen schon seit Jahren davon, dieses Thema angehen zu wollen, nur ist es bislang stets bei dem Wollen geblieben.

Das ist so ein Werder-Problem. Es wird viel über etwas gesprochen, aber dann muss man es auch machen. Ich schieße keine Tore und habe auch ansonsten keinen Beitrag zum Aufstieg geleistet. Aber genau bei diesem Thema sehe ich meine Rolle: Fragen stellen, anschieben, Druck machen. Was wollen wir? Welchen Zeitplan haben wir, um das umzusetzen? Ein möglicher Partner will genau wissen, was wir wollen. Da geht es auch um die nächsten fünf bis zehn Jahre. Dafür benötigt man einen klaren Investitionsplan, wofür das Geld eingesetzt werden soll. Da sind wir dran.

Wie weit sind Sie?

Wir sind bei 80 Prozent von dem, was ich mir vorstelle, um den nächsten Schritt einleiten zu können - also konkret auf Partner zuzugehen.

Wann wollen Sie, dass etwas passiert?

Wir brauchen sicher noch sechs bis neun Monate, um auf die 100 Prozent zu kommen. Dabei geht es auch um die richtige finanzielle Bewertung von Werder Bremen. Was denken wir darüber, wie sehen das andere?

Könnte Werder also 2023 einen strategischen Partner bekommen?

Das ist mein persönliches Ziel. Dieses Ziel ist aber auch mit dem Aufsichtsrat und der Geschäftsführung abgestimmt. Wir müssen 2023 zumindest bereit dazu sein. Situationen können sich auch durch sportlichen Erfolg verändern.

Werder Bremen-Aufsichtsrat Harm Ohlmeyer über die Investoren-Suche: „Der richtige Partner wird nicht von sich aus kommen“

Sie wirken sehr optimistisch, einen Partner zu finden – warum?

Der richtige Partner wird nicht von sich aus zu uns kommen. Wir müssen selbst aktiv werden. Und ich sehe deshalb gute Chancen, weil Werder ein besonderer, ein guter Verein ist. Das kommt an.

Wie viele Anteile sollte Werder abgeben?

Das kann von fünf bis theoretisch 49,9 Prozent alles sein. Die 50+1-Regel steht, also ist das die Grenze. Man wird im ersten Schritt sicher nicht an das Maximale gehen, sondern es werden gegebenenfalls ein zweiter und dritter Schritt folgen. Es hängt auch davon ab, was wir mit dem Geld machen wollen und wo wir als Verein zu diesem Zeitpunkt stehen.

Was würden Sie empfehlen?

Unsere Kernbotschaft ist, dass wir ein Ausbildungsverein sind. Dann ist das Leistungszentrum ein wichtiger Bestandteil. Auch da reden wir seit Jahren drüber - und ich frage mich: Was ist denn da jetzt der Plan? Wenn wir da keinen guten Plan haben, werden wir auch keinen strategischen Partner finden. Denn dessen erste Frage wird immer sein, und ich habe da schon mit einigen gesprochen: Was ist denn euer Plan, um erfolgreich zu sein? Dann bezeichnen wir uns als Ausbildungsverein, können aber nicht sagen, wie es mit dem LZ weitergeht.

Moment mal, Werder will doch seit Jahren das marode LZ in der Pauliner Marsch neben dem Weserstadion durch einen Neubau ersetzen und ein kleines Stadion bauen.

Wenn man mal ganz unbelastet an die Sache rangeht, muss man sich doch fragen: Überschwemmungsgebiet? Schwierig! Kann man das LZ genauso vor Hochwasser absichern wie das Stadion? Schwierig! Und die Anwohner? Nicht einfach. Finanzierung? Schwierig! Der Wunsch aller ist es sicherlich, weiterhin in der Pauliner Marsch zu bauen. Aber wenn das nicht weitergeht, müssen wir den nächsten Schritt machen und einen anderen Standort suchen, sonst wird es nie weitergehen. Da würde ich als Aufsichtsrat gerne etwas Schwung reinbringen. Und da ist es vielleicht ganz gut, wenn man wie ich etwas Distanz zu Bremen hat, weil ich woanders lebe. Ich verstehe die ganzen Emotionen, aber am Ende muss man den Entscheidungsprozess neutral abarbeiten.

Werder Bremen-Aufsichtsratsmitglied Harm Ohlmeyer: „Die letzten Jahre haben ein großes finanzielles Loch gerissen“

Welches sportliche Ziel muss Werder langfristig haben?

Kurzfristig wollen wir Werder wieder in der Bundesliga etablieren, aber irgendwann natürlich auch wieder europäisch spielen. Wenn man dieses Ziel nicht angeht und nicht für die notwendigen Investitionen sorgt, dann besteht die Gefahr, dass Werder eine dieser Fahrstuhl-Mannschaften wird. Ja, es war schön erfolgreich in der 2. Liga, aber dort werden wir uns finanziell nicht sanieren. Und die letzten Jahre haben ein großes finanzielles Loch gerissen.

Für Jens Stage wurde dem Vernehmen nach eine Ablösesumme von vier Millionen Euro gezahlt. Wie sehr musste der Aufsichtsrat bei der Zustimmung mit den Zähnen knirschen?

Gar nicht. Man gibt ein Budget vor und bespricht, welches Risiko man eingehen will. Und wir wollen schon ein gewisses Selbstvertrauen ausstrahlen, dass wir an den Trainer und die Mannschaft glauben. Deswegen gehen wir ein bisschen mehr ins Risiko, um uns in der Bundesliga zu etablieren.

Ihre Vorgänger im Aufsichtsrat sind gemeinsam mit der Geschäftsführung vor einigen Jahren noch mehr ins Risiko gegangen mit den Kaufverpflichtungen für Leonardo Bittencourt und Ömer Toprak. Das ging gehörig schief.

Im Nachhinein ist es immer einfach, das zu kritisieren. Es war bestimmt eine bewusste Entscheidung - wie jetzt auch bei uns. Wir haben das lange diskutiert, geschaut, wie die Gewinn-und-Verlust-Rechnung aussieht und so weiter. Dann haben wir den Rahmen abgesteckt – und der ist verantwortungsvoll genutzt worden.

Zum Schluss noch zu Ihnen persönlich: Sie sind seit gut einem halben Jahr Aufsichtsrat. Ist es so gekommen, wie Sie es sich vorgestellt haben?

Ich muss gestehen, dass ich ein eher unemotionaler Typ bin. Aber nach dem Kiel-Spiel hat es mich wirklich erwischt. Das war ein schwieriges Wochenende. Da haben Fußball und Werder für mich eine andere Emotionalität bekommen. Das hätte ich so nicht erwartet. Ansonsten ist vieles sehr gut gelaufen, es hat Spaß gemacht. Ich habe schon viel in meinem Leben erreicht - familiär mit zwei Kindern, beruflich mit einer guten Karriere. In dem Buch „The Second Mountain“ von David Brooks heißt es: Wenn man seinen ersten Berg erklommen hat, dann muss der zweite Berg nicht höher sein, nur ein anderer, auf dem man etwas zurückgibt. Das möchte ich bei Werder tun und gerne noch mehr Einfluss nehmen, um etwas zu hinterlassen, wenn ich irgendwann wieder etwas anderes mache. (kni)

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