Sie wussten noch wie es sich anfühlt Tore für Werder Bremen zu schießen: Ex-Stürmer Ivan Klasnic, Frank Neubarth und Bernd Hobsch (v.l.n.r.).
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Sie wussten noch wie es sich anfühlt Tore für Werder Bremen zu schießen: Ex-Stürmer Ivan Klasnic, Frank Neubarth und Bernd Hobsch (v.l.n.r.).

Klasnic, Neubarth, Hobsch

„Vielleicht mal mit Schuhen ins Bett“: Ex-Werder-Stürmer über die aktuelle Torflaute

Bremen – Vor jedem Spiel des SV Werder Bremen der gleiche Ablauf, die immer gleichen Handbewegungen. So oft ausgeführt, dass es fast schon von alleine ging.

Und zwar so: Erst der rechte Stutzen, dann der linke. Im Anschluss auch bei den Schuhen, ganz strikt: rechts vor links. Ivan Klasnic hat daran Zeit seiner Karriere festgehalten. Weil ihm das kleine Ritual Sicherheit geben sollte. „Ich hatte doch auch so meine Phasen, in denen es nicht lief“, sagt der Ex-Stürmer, der dieses „nicht lief“ kurz darauf präzisiert: „In denen ich keinen Müllwagen getroffen habe.“ Und schon ist das Gespräch in der Gegenwart angekommen. Denn Müllwagen werden am Osterdeich schon länger nicht mehr getroffen. 30 Tore nach 30 Spieltagen – ungefährlicher war Werder Bremen in seiner Bundesliga-Historie noch nie. Auch deshalb droht der Abstieg. Also, Ivan Klasnic, wie lässt sich das beheben?

Ivan Klasnic holte mit Werder Bremen das Double

Wer 49 Tore für den Club geschossen und mit ihm große Erfolge (Double!) gefeiert hat, müsste das doch wissen. „Vielleicht mal mit Schuhen ins Bett, danach putzen, schön wachsen und weiter geht’s“, scherzt der heute 40-Jährige am Telefon, ehe sein Tonfall ernster wird. Denn Werder Bremen liegt ihm schließlich am Herzen. „Im Fußball musst du immer an dich glauben, ganz egal, was ist“, sagt Klasnic. Und diesen Glauben könne man sich zur Not auch im Training zurückholen: „Werders Stürmer sollten Extraschichten mit Torschüssen dranhängen.“ Schön müsse es ja gar nicht aussehen, „es muss nur einfach mal wieder irgendein Kullerball rein.“

Bern Hobsch schoss 33 Tore für Werder Bremen

Kullerbälle, das waren früher auch Bälle, nach denen Bernd Hobsch regelmäßig im Werder-Trikot jubelnd abdrehte. Ein echter Wühler im Strafraum, den Florian Kohfeldt heute wohl „Box-Spieler“ nennen würde. 33 Tore für Werder Bremen, Meister 1993, auch in der Luft stark, Stichwort: Hobschrauber. „Schwierig“ ist das erste Wort, was ihm zu Werders Angriff 2020 einfällt. „Es liegt aber nicht nur an den Stürmern.“ Was Hobsch vermisst: Torgefahr aus dem Mittelfeld, mehr Distanzschüsse. „Die beiden Tore von Bittencourt haben doch gezeigt, dass das helfen kann.“ Werder wolle die Bälle aber zu oft „reintragen“, was Hobsch bei mehreren Teams aufgefallen ist. Dass jetzt Rückkehrer Niclas Füllkrug nach seinem Kreuzbandriss zum Lebensretter wird – Hobsch glaubt es nicht: „Vielleicht hat er eine Wirkung als Typ, aber auf dem Platz wird er Zeit brauchen.“

Werder Bremen: Frank Neubarth ist drittbester Torschütze der Vereinsgeschichte

Frank Neubarth sieht das genauso. Mehr noch: Für ihn ist das Hoffen auf Füllkrug bezeichnend. „Dass man jetzt auf jemanden hofft, der so lange verletzt war, zeigt doch die ganze Misere“, sagt Werders ehemaliger „Mister Europacup“, der mit 97 Bundesligatreffern bis heute drittbester Torschütze der Vereinsgeschichte ist.

Immerhin: Zwei Punkte könnten aus Neubarths Sicht für Füllkrug sprechen. „Erstens hat er nicht diesen Rucksack, den alle anderen seit Wochen schleppen. Er kann befreit aufspielen.“ Und zweitens? Neubarth, jetzt mit reichlich Galgenhumor: „Viel schlechter als die anderen kann er es ja gar nicht machen.“ Ähnlich wie Klasnic fordert auch Neubarth, der heute übrigens den Landesligisten FC Verden 04 trainiert: Schießen, schießen, schießen! „Es geht nur, wenn man sich im Training die Sicherheit holt. Dann platzt der Knoten vielleicht.“ Viel Zeit ist allerdings nicht mehr. Noch immer drei Punkte hinter dem Relegationsplatz, nur noch vier Spiele – und folgende Frage deshalb unausweichlich. Herr Klasnic, Herr Hobsch, Herr Neubarth, reicht’s am Ende?

Frank Neubarth träumt von Relegation Werder Bremen gegen den HSV

Und da ist sie plötzlich dreimal rauszuhören, ganz deutlich sogar, die alte Verbundenheit zum SV Werder Bremen. „Gegen Paderborn trifft ein Stürmer, Werder gewinnt und rettet sich am Ende“, sagt Klasnic, der dabei kein bisschen flapsig klingt, sondern genau daran glaubt. Hobsch unterdessen wird bei der Frage regelrecht nostalgisch: „Ich kann und will mir Bremen gar nicht in der zweiten Liga vorstellen. Beim Abstieg 1980 war ich zehn Jahre alt und wusste zum Glück noch nicht, wie man Bremen schreibt.“ Frank Neubarth setzt sogar auf das ganz große Finale. „Zwei schöne Spiele in der Relegation gegen den HSV und dann drinbleiben. Das hätte doch was.“ Zweifellos. (dco)

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