Der Rechtsstreit zwischen Ivan Klasnic (40) und den ehemaligen Mannschaftsärzten des SV Werder Bremen steht offenbar vor dem Abschluss.
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Der Rechtsstreit zwischen Ivan Klasnic (40) und den ehemaligen Mannschaftsärzten des SV Werder Bremen steht offenbar vor dem Abschluss.

Rechtsstreit um Nierenbehandlung

Ex-Werder-Star Klasnic: Gibt es nun doch den Millionen-Vergleich mit den Teamärzten?

Bremen – Der Rechtsstreit zwischen Ivan Klasnic (40) und den ehemaligen Werder-Mannschaftsärzten Dr. Götz Dimanski und Dr. Manju Guha steht offenbar vor dem Abschluss.

Nach zwölf Jahren, in denen die Gerichte trotz Hinzuziehung mehrerer Gutachter die Frage, wer Schuld hat an Klasnics schwerer Nierenerkrankung, nie haben klären können, läuft es nun auf einen Vergleich zwischen den streitenden Parteien hinaus. Vor dem Hintergrund laufender Verhandlungen hat das Hanseatische Oberlandesgericht eine für den 25. Juni geplante Fortsetzung der mündlichen Verhandlung ausgesetzt. „Ich kann das bestätigen, wir sind in Gesprächen. Wir werden sehen, was passiert“, erklärte Ivan Klasnic dazu auf Nachfrage der DeichStube.

Vergleich vor Gericht? Ivan Klasnic bestätigt Gespräche

Nach einer mündlichen Verhandlung im September 2018 hatte der ehemalige Werder-Stürmer und Double-Sieger von 2004 einen Vergleich noch abgelehnt. Drei Millionen Euro – das war damals der Vorschlag des Vorsitzenden Richters Peter Lüttringhaus gewesen. Nicht genug für Ivan Klasnic. Er lehnte ab, zeigte sich weiter kampfwillig. „Jetzt dauert der Prozess schon zehn Jahre, dann kann er auch 15 Jahre dauern, das ist mir egal“, sagte er.

Ivan Klasnic hatte ursprünglich einen zweistelligen Millionenbetrag von den Medizinern gefordert – als Ausgleich für entgangene Verdienste. Klasnics Karriere endete 2013 im Alter von nur 33 Jahren. Der Ex-Profi des SV Werder Bremen wirft den Mannschaftsärzten und anderen Medizinern vor, in den Jahren 2002 und 2003 eine Niereninsuffizienz bei ihm nicht erkannt und deshalb nicht rechtzeitig behandelt zu haben. In der Folge musste dem ehemaligen kroatischen Nationalspieler bereits dreimal eine Niere transplantiert werden – zuletzt im Oktober 2017.

Werder Bremen: Ex-Stürmer Ivan Klasnic im Rechtsstreit mit Teamärzten

Knapp ein Jahr später standen sich die Parteien zuletzt vor Gericht gegenüber. Der Vorsitzende Richter appellierte damals eindringlich, sich auf einen Vergleich zu einigen – mit einem klaren Rat an Ivan Klasnic: „Dieser Prozess wird noch ganz viel Zeit kosten – und man weiß nicht, ob der Kläger in zehn Jahren noch hier sitzen kann.“

In erster Instanz hatte Klasnic vor dem Landgericht Bremen Recht bekommen. Ihm wurden 100 000 Euro Schmerzensgeld zuerkannt, zudem wurden die Mediziner verurteilt, alle mit der Krankheit in Verbindung stehenden Kosten tragen zu müssen. (csa)

Letzte Meldung vom 22. September 2018:

Ivan Klasnic lehnt Vergleich über drei Millionen Euro ab

Am Ende bleibt dieser Vorschlag: Drei Millionen Euro für Ivan Klasnic – damit könnte unter den sich scheinbar endlos hinziehenden Prozess um Schadenersatz und Schmerzensgeld für den nierentransplantierten Ex-Profi des SV Werder Bremen endlich ein Schlussstrich gezogen werden.

Der Vorsitzende Richter am Oberlandesgericht Bremen, Peter Lüttringhaus, hatte den streitenden Parteien nach einer sechs Stunden dauernden Berufungsverhandlung am Freitag diesen Vergleich nahe gelegt. „Wir halten es für dringend geboten, darüber nachzudenken, sich zu verständigen“, riet der Richter, nachdem er mit seinen beiden Kollegen einsehen musste, dass der Fall Klasnic auch mit einem Urteil in dem Berufungsverfahren kaum zu einem Abschluss zu bringen sein wird.

Verhärtete Fronten

Doch die Fronten bleiben offenbar verhärtet. In einer ersten Reaktion lehnte Klasnic die Möglichkeit eines Vergleichs kategorisch ab. „Jetzt dauert er Prozess schon zehn Jahre, dann kann er auch 15 Jahre dauern, das ist mir egal“, sagte der Ex-Profi.

Seit 2008 streitet er mit den ehemaligen Bremer Teamärzten Dr. Götz Dimanski und Dr. Manju Guha darum, wer die Verantwortung für seine Niereninsuffizienz trägt, die ihn zu einem schwerkranken Mann gemacht hat. Vor elf Monaten hat Klasnic bereits zum dritten Mal eine Niere transplantiert bekommen. Die Schuld daran weist er den beiden Ärzten zu und bekam in erster Instanz vor dem Landgericht Bremen auch Recht. 100 000 Euro Schmerzensgeld und den grundsätzlichen Anspruch auf die Erstattung entgangener Einnahmen sowie die Erstattung aller entstandenen und noch entstehender Kosten, die in Zusammenhang mit seiner Nierenkrankheit stehen – so lautete das Urteil dort.

Die Mediziner gingen jedoch in Berufung, und vor dem Oberlandesgericht wurde deshalb die Uhr noch einmal in die Jahre 2002 und 2003 zurückgedreht, um zu klären, wer Klasnics Nierenwerte in dieser Zeit gar nicht oder falsch interpretiert hat, wer Informationen nicht korrekt weitergegeben oder sogar missachtet hat. Um es abzukürzen: Eine eindeutige Antwort wurde wieder nicht gefunden.

Allerdings rückt durch die Einschätzung des medizinischen Gutachters Dr. Arno Kerling, Internist und ehemaliger Mannschaftsarzt von Hannover 96, auch die Praxis des 2015 verstorbenen Prof. Dr. Hermann Holzhüter in den Fokus. Dort wurden Klasnics Nierenwerte 2002 auf Veranlassung von Dr. Dimanski überprüft und trotz deutlich erhöhter Kreatininwerte die Diagnose „leichte Niereninsuffizienz“ gestellt. „Eine Fehldiagnose“, so Dr. Kerling, „es handelte sich bereits um eine „mittelschwere Insuffizienz“. Die falsche Diagnose sei ursächlich für vieles gewesen, was danach passierte.

Klasnic fordert angeblich zweistelligen Millionen-Betrag

Vermutlich wegen der Rolle der Praxis Holzhüter sprach Richter Lüttringhaus davon, die drei Millionen Euro auf drei Parteien zu verteilen: Dimanski, Guha, Holzhüter. Dimanski-Anwalt Helmar Maeder sagte zwar, „grundsätzlich vergleichsbereit“ zu sein, „aber über das Volumen gibt es völlig unterschiedliche Vorstellungen“. Während das Gericht von eben drei Millionen Euro spricht, mit denen alle Ansprüche Klasnics abgegolten wären, fordert der Ex-Profi angeblich einen zweistelligen Millionen-Betrag.

Sollte der Versuch eines Vergleichs wie schon in den zurückliegenden Jahren erneut scheitern, wird das Oberlandesgericht am 18. Oktober mitteilen, wie es in dem Verfahren weitergeht. Vermutlich wird ein weiterer medizinischer Gutachter zu Rate gezogen – dann einer, der das Thema nicht nur aus der Sicht eines Internisten, sondern aus der Perspektive eines Nicht-Internisten und Sportmediziners wie Dr. Dimanski beurteilt. Die Bestellung eines neuen Gutachters kann das Verfahren allerdings um weitere eineinhalb bis zwei Jahre verzögern. Klasnic schert sich nicht darum, der Vorsitzende Richter schon. An Klasnic gerichtet sagte er: „Dieser Prozess wird noch ganz viel Zeit kosten – und man weiß nicht, ob der Kläger in zehn Jahren noch hier sitzen kann.“

Klasnic: „Das war eine schlimme Zeit“

Zu Beginn der Verhandlung hatte Ivan Klasnic über seinen aktuellen Gesundheitszustand berichtet. In Kroatien habe er vor elf Monaten die Niere einer jungen Frau transplantiert gekommen, nachdem er zuvor 18 Monate lang ein Dialysepatient gewesen war. „Das war eine schlimme Zeit. Aber jetzt kann ich wieder ein einigermaßen normales Leben führen. Wobei nie vergessen werden darf, dass ich jeden Tag um mein Leben kämpfen muss. Ich muss aufpassen, dass ich nicht krank werde oder mich vergifte“, berichtete der 38-Jährige. 

Zudem ist seine persönliche Perspektive deprimierend. Die eingesetzte Niere könne noch einen Tag oder zehn Jahre halten, sagte er – Fakt ist dabei: Wenn er wieder eine neue Niere braucht, es wäre die vierte – läge die Wahrscheinlichkeit, einen geeigneten Spender zu finden, bei nur noch 20 Prozent. Klasnic: „Das ist wie Lotterie.“

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