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Die DeichStube blickt auf das Werder-Jahr 2019 zurück. Ein Ereignis, das hängen bleibt: Der Abgang von Spielmacher Max Kruse.

Jahresrückblick

Das war Werder 2019: Die Chronik eines Jahres

2019 war für Werder Bremen das Jahr, in dem man denkbar knapp den Einzug in die Europa League verpasste. 2019 war aber auch das Jahr der großen Enttäuschung. Die Chronik des Jahres.

Januar

06. Januar: Werder-Legende Wynton Rufer (56) erleidet in seiner Heimat Neuseeland einen Herzinfarkt. Er wird auf der Straße wiederbelebt, erholt sich anschließend schnell.

12. Januar: Tschüss, Südafrika! Zehn Tage lang hatte sich Werder in Johannesburg auf die Rückrunde vorbereitet. Nicht alles lief dabei wie gewünscht. Die Trainingsplätze schlecht, einer von zwei Tests wegen eines Unwetters abgebrochen, teils große Hitze, dazu kaum ein Widerhall des Bremer Besuchs in südafrikanischen Medien – dennoch waren die Bremer mit dem sportlichen Ertrag zufrieden. Das beeindruckendste Erlebnis blieb aber der Besuch eines Townships.

Eines der Highlights im Trainingslager in Südafrika: Die Löwen-Safari.

15. Januar: Florian Kainz wechselt zum 1. FC Köln. Für 3,3 Millionen Euro Ablöse lässt Werder den österreichischen Außenstürmer ziehen.

19. Januar: Mit einem 1:0 bei Hannover 96 starten die Bremer in die Rückrunde. Milot Rashica erzielt das Tor des Spiels.

25. Januar: Der einzige Italiener, der je für Werder in der Bundesliga gespielt hat, geht: Luca Caldirola, in die U 23 abgeschobener Innenverteidiger, wechselt in die Heimat zu Zweitligist Benevento Calcio.

31. Januar: Ohne Winter-Neuzugang endet für Werder die Transferphase. Coach Kohfeldt sagt, er sei zufrieden, scherzt aber: „Einen Cristiano Ronaldo hätte ich schon gerne genommen.“

Februar

04. Februar: Happy Birthday, Werder! Der Club wird 120 Jahre alt. Gefeiert wird in den Tagen darauf mit einem festlichen Empfang, einer eigenen CD plus großer Konzert-Party, einem heiß begehrten Jubiläumstrikot sowie einer tollen Fan-Choreo im Spiel gegen den FC Augsburg.

05. Februar: Das beste Geschenk macht sich Werder selbst. In einem spektakulären Match werfen die Bremer Borussia Dortmund aus dem DFB-Pokal. Im Achtelfinale heißt es nach 90 Minuten 1:1, nach 120 Minuten 3:3 und nach dem Elfmeterschießen 7:5 für Werder. Keeper Pavlenka wird mit zwei Paraden zum Matchwinner.

Nach dem 7:5-Triumph des SV Werder im Elfmeterschießen gegen den BVB gab es beim Jubel keine Grenzen mehr.

06. Februar: Rudi Assauer ist tot! Der ehemalige Spieler und Manager des SV Werder ist im Alter von 74 Jahren nach langer schwerer Krankheit verstorben.

16. Februar: Ein Freistoß, gar nicht mal sonderlich kunstvoll geschossen, aber zweimal glücklich abgefälscht, macht Claudio Pizarro zum ältesten Torschützen der Bundesliga-Geschichte. 40 Jahre und 136 Tage zählt der Peruaner, als er gegen Hertha BSC in der Nachspielzeit das 1:1 erzielt.

26. Februar: Ein neuer Vertrag für Josh Sargent. Werder bindet den 19 Jahre alten Stürmer langfristig an sich, muss dem US-Amerikaner aber eine Ausstiegsklausel einräumen.

März

08. März: Fin Bartels ist zurück in der Bundesliga! 454 Tage nach seinem Achillessehnenriss feiert Bartels beim 4:2 über Schalke 04 sein Comeback. Es folgt eine Woche später ein weiterer Einsatz, mehr aber nicht. Eine Muskelverletzung und eine Knie-OP im Sommer stoppen ihn erneut.

15. März: Da ist sie! Maximilian Eggestein flattert die erste Berufung in die deutsche Nationalmannschaft ins Haus. In den Spielen gegen Serbien und die Niederlande bleibt er dann aber ohne Einsatz. Auf weitere Nominierungen wartet Eggestein dann vergeblich.

28. März: Das hat noch kein Werder-Coach vor ihm geschafft: Florian Kohfeldt wird vom DFB als „Trainer des Jahres“ ausgezeichnet. Es ist eine frühe Ehrung für den 36-Jährigen, der noch in seiner ersten richtigen Bundesliga-Saison steckt.

Werder-Trainer Florian Kohfeldt wurde vom DFB zum Trainer des Jahres 2018 gekürt.

29. März: Das Bundesverwaltungsgericht hat entschieden: Sportverbände und -vereine dürfen künftig an den Kosten für zusätzliche Polizeieinsätze bei Hochrisikospielen beteiligt werden. Das Land Bremen gewinnt damit einen Rechtsstreit mit der Deutschen Fußball-Liga. Für Werder Bremen hat das weitreichende Folgen. Der Club bekommt von der DFL die vom Land Bremen aufgebrummten Rechnungen weitergereicht. Das betrifft zwar nur wenige Spiele, dennoch sieht der SVW einen Wettbewerbsnachteil. Kein anderer Verein der beiden Bundesligen wird mit diesen Kosten belastet.

30. März: Plötzlich Sechster! Werder springt durch ein 3:1 über Mainz 05 auf den begehrten Europapokal-Platz. Das vor der Saison ausgegebene Ziel scheint greifbar nahe. Außerdem stellt Werder eine neue Bestmarke auf. Saisonübergreifend hat das Team in 28 Spielen in Folge ein Tor erzielt – das hat es in der Bundesliga-Geschichte des Clubs noch nie gegeben.

April

8. April: Teil 1 des Eggestein-Plans ist abgearbeitet! Werder Bremen verkündet die Vertragsverlängerung mit Johannes, dem jüngeren der beiden Brüder. Obwohl der 20-Jährige angeblich das Interesse vieler anderer Clubs geweckt hat, beteuert er doch: „Ich habe mit keinem anderen Verein gesprochen. Die Gefahr, dass ich Werder verlassen könnte, war nicht groß.“ Über die Eckdaten des neuen Vertrages – Laufzeit, Ausstiegsklausel etc. – kann mangels Informationen nur spekuliert werden.

10. April: Der Nächste, bitte! Auch Maximilian Eggestein bleibt Werder erhalten. Der 22-Jährige verlängert seinen Vertrag vorzeitig, ignoriert – wie sein Bruder – Offerten von außerhalb. Unter anderem Borussia Dortmund soll heiß auf den Mittelfeldspieler gewesen. Doch Eggestein, der Ältere, bleibt auf dem Werder-Weg. „Wir können gemeinsam wachsen“, sagt er und fasst den Eggestein-Doppelschlag so zusammen: „Jojo und ich sind beide nicht die Typen, die es in ihrer Karriere darauf anlegen, möglichst häufig zu wechseln. Es wäre schön, wenn es am Ende nicht allzu viele Vereine geworden sind.“

20. April: 0:1 bei Bayern München – Werder kassiert die erste Niederlage des Jahres. Davy Klaassen fälscht einen an sich harmlosen Schuss von Niklas Süle unhaltbar ab. Das Punktspiel ist die Generalprobe für das DFB-Pokal-Halbfinale vier Tage später in Bremen.

Vor dem DFB-Pokal-Halbfinale gegen den FC Bayern bereiten die Werder-Fans ihrer Mannschaft einen Wahnsinnsempfang.

24. April: Wieder Bayern – diesmal aber im Pokal. Werder will ins Finale, holt in einem dramastischen Spiel einen 0:2-Rückstand auf und verliert am Ende doch mit 2:3, weil Schiedsrichter Daniel Siebert den Münchnern einen Elfmeter schenkt. Theo Gebre Selassie soll Kingsley Coman gefoult haben. Obwohl er die Möglichkeit hätte, nutzt Siebert den Videobeweis nicht, sondern bleibt bei seiner Entscheidung. „Das verstehe ich nicht, das kann ich nicht nachvollziehen“, schnaubt Werder-Sportchef Frank Baumann. Coach Florian Kohfeldt ärgert sich ebenfalls, lobt jedoch auch sein Team für die Leistung: „Glückwunsch! Es war einfach geil.“ Bemerkenswert: Tage nach dem Halbfinale räumt der DFB eine Fehlentscheidung des Referees beim Elfmeter ein.

25. April: Es ist perfekt! Werder holt Niclas Füllkrug zurück. Der 26 Jahre alte Stürmer verlässt Absteiger Hannover 96, die Bremer zahlen 6,3 Millionen Euro Ablöse.

Mai

17. Mai: Lange hat Max Kruse den SV Werder und dessen Fans zappeln lassen, jetzt reicht's! Werder will eine Entscheidung von seinem Kapitän und bekommt eine: Kruse wird seinen auslaufenden Vertrag nicht verlängern und Bremen am Saisonende verlassen. „Ich weiß, es ist schwer, aber ich bitte euch, meine Entscheidung zu akzeptieren und zu respektieren. Sie ist mir definitiv nicht leichtgefallen“, sagt der 31-Jährige in einem auf Facebook veröffentlichten Video. Kruse will nach drei Jahren bei Werder noch mal etwas Neues machen. Wohin es ihn zieht? Noch ist es ein Geheimnis.

18. Mai: Europa verpasst! Am letzten Spieltag der Bundesliga-Saison gewinnt Werder zwar mit 2:1 gegen RB Leipzig, doch weil der VfL Wolfsburg zeitgleich den FC Augsburg mit 8:1 überfährt, bleibt den Bremern in der Abschlusstabelle mit 53 Punkten lediglich Platz acht. Am Ende fehlen ein Zähler und drei Tore zu Platz sieben, der die Teilnahme an der Qualifikationsrunde zur Europa League garantiert hätte. Verpasst wurde das große Ziel wegen einer eklatanten Schwäche gegen die Kellerkinder der Liga. Aus den sechs Partien gegen die späteren Absteiger Nürnberg, Hannover und Stuttgart holte Werder nur sieben von 18 möglichen Punkten.

Die DeichStube blickt auf das Werder-Jahr 2019 zurück. Ein Ereignis, das hängen bleibt: Der Abgang von Spielmacher Max Kruse.

18. Mai: Während der Abschied von Max Kruse vor dem letzten Spiel der Saison mehr höflich als herzlich ausfällt, wird ein anderer Werder-Star heftig bejubelt: Claudio Pizarro. Auch mit 40 Jahren hat er noch nicht genug und verlängert seinen Vertrag um eine weitere Saison. 2020 ist dann aber definitiv Schluss: „Ich möchte aufhören, solange ich noch fit bin“, sagt er. Dass er es zu diesem Zeitpunkt noch ist, beweist er mit dem Siegtreffer gegen Leipzig.

18. Mai: Manfred Burgsmüller ist tot. Der ehemalige Werder-Torjäger, 1988 mit den Bremern Meister, stirbt überraschend im Alter von 69 Jahren.

30. Mai: Abwehrspieler Marco Friedl (21) wird ein richtiger Bremer. Nach eineinhalb Jahren als Leihspieler überweist Werder mehr als drei Millionen Euro Ablöse an den FC Bayern.

31. Mai: Ein heikles Thema kommt auf den Tisch: Die Bremer Weserstadion GmbH (BWS), an der Werder mit 50 Prozent beteiligt ist, verkauft die Rechte am Stadionnamen an das Immobilien Unternehmen Wohninvest. Künftig heißt die Bremer Arena „Wohninvest Weserstadion“. Der Vertrag wird über zehn Jahre geschlossen und hat ein Gesamtvolumen von 30 Millionen Euro. Das Geld hat die BWS dringend nötig, weil die EWE aus Oldenburg, die jahrelang für das Namensrecht gezahlt hatte, ohne es zu nutzen, aus diesem Deal ausgestiegen war. Trotz der wirtschaftlichen Notwendigkeit wollen die Bremer Ultras den Vornamen für das Weserstadion nicht akzeptieren. Sie laufen bis heute Sturm gegen den neuen Namenspaten. Teils mit Aktionen im Stadion, die die Polizei auf den Plan rufen.

Juni

5. Juni: Kaderplaner Tim Steidten verlässt den SV Werder und wechselt zum Ligakonkurrenten Bayer Leverkusen. Als Leiter der Scoutingabteilung war Steidten einer der engsten Mitarbeiter von Sportchef Frank Baumann. Die Stelle bleibt lange offen, wird erst im Dezember offiziell neu besetzt. Der neue Steidten heißt Clemens Fritz und ist Werder-Ehrenspielführer.

6. Juni: Böse Überraschung für Josh Sargent: Der 19 Jahre alte Stürmer gehört nicht zum Aufgebot des US-Nationalteams für den „Gold Cup“, der Nord- und Mittelamerikameisterschaft.

6. Juni: Bremens Innensenator Ulrich Mäurer stellt im Polizeikostenstreit seine Idee von einem Solidarfonds im deutschen Profi-Fußball vor. Grob gesagt will Mäurer, dass jeder der 36 Profi-Clubs pro Saison eine Million Euro einzahlt, damit wären die bei Hochrisikospielen entstehenden Mehrkosten gedeckt. „Einfach, elegant, gerecht“ soll es sein, meint Mäurer, der später aber sowohl bei den Clubs als auch bei den Innenministern der Länder mit seinen Vorstellungen abblitzt.

Bremens Innensenator Urich Mäurer steht im Polizeikostenstreit nicht auf der Seite des SV Werder Bremen.

10. Juni: Die Ultras gehen auf die Straße und verkünden auf einem mehrere Meter breiten Banner ihr Anliegen. „Für immer Weserstadion“ fordern sie bei einer groß angelegten Demo in der Bremer Innenstadt. 500 Fans machen mit. Zweite Hauptbotschaft des Tages: „Scheiß Wohninvest!“

15. Juni: Traumlos im DFB-Pokal: Für die erste Runde bekommt Werder Bremen den Nachbarn Atlas Delmenhorst zugelost. Riesenfreude bei dem Oberligisten, der sofort die Chance wittert, große Kasse zu machen. Gemeinsam setzen die Clubs durch, dass die Partie im Weserstadion ausgetragen werden darf.

28. Juni: Max Kruse hat gepokert, das kann er ja ganz gut. Doch in diesem Fall hat er sich wohl verzockt. Der Ex-Kapitän des SV Werder hat den Bremern einen Korb gegeben, aber keinen Top-Club von sich überzeugen können. Kruse unterschreibt bei Fenerbahce Istanbul, einem ins Mittelmaß abgerutschten türkischen Traditionsclub.

29. Juni: Werder wollte ihn, aber Marko Grujic wollte Berlin. Der serbische Mittelfeldspieler, um dessen Dienste sich die Bremer bemüht hatten, lässt sich vom FC Liverpool erneut an Hertha BSC ausleihen. Werder ist aus dem Rennen.

Juli

19. Juli: Sicherheitsleute als Sicherheitsrisiko? Der SV Werder bestätigt, dass bei Heimspielen im Weserstadion zwei Odnungskräfte eingesetzt worden waren, die Kontakte zur gewaltbereiten islamistischen Szene haben sollen. Die beiden Personen, laut WDR handelt es sich um aus Tschetschenien stammende Brüder, waren über ein mit Werder-Dienstleister Elko kooperierendes Unternehmen zu den Jobs am Weserstadion gekommen.

22. Juli: Weiter, immer weiter! Werder und Hauptsponsor Wiesenhof haben ihre Zusammenarbeit vorzeitig bis 2022 verlängert. Künftig kassiert der Club bis zu acht Millionen Euro pro Jahr von seinem Premium-Partner. Bei Ablauf des neuen Vertrages wird Wiesenhof zehn Jahre lang der Trikotsponsor bei Werder sein – Rekord.

23. Juli: Marco Bode, Chef des Werder-Aufsichtsrates, wird 50 Jahre alt. Einer seiner Wünsche für die Zukunft: Ein paar Jahre in Irland leben. Daraus wird jedoch wohl nichts. Bode: „Meiner Frau ist das Wetter dort zu schlecht.“

30. Juli: Es wurde viel drüber geredet und geschrieben, nun ist es perfekt: Werder vermeldet, dass Cheftrainer Florian Kohfeldt seinen bis 2021 laufenden Vertrag vorzeitig bis 2023 verlängert hat. Sportchef Baumann lobt die „hervorragende Arbeit“ des Coaches. Kohfeldt sagt, dass es eine leichte Entscheidung für ihn war: „Ich bin fest davon überzeugt, dass wir mit diesem Verein noch lange nicht da sind, wo wir sein könnten.“

August

1. August: Niklas Moisander ist der neue Kapitän des SV Werder. Der Finne beerbt wie erwartet den zu Fenerbahce abgewanderten Max Kruse.

4. August: Werder ist Weltmeister! Allerdings nur an der Konsole. Mohammed „MoAuba“ Harkous gewinnt in London das Finale des Fifa eWorld-Cups 2019. Der Bremer VBL-Zocker ist der erste Deutsche, dem dies gelingt. Sein Preisgeld: 250 000 US-Dollar.

6. August: Siege feiern und Frust runterspülen ist bei Werder eine kostspielige Angelegenheiten. Denn im Bundesliga-Vergleich gibt es keinen höheren Bierpreis als im Weserstadion. 4,40 Euro für den halben Liter bedeuten gemeinsam mit Hertha BSC, Bayern München, Eintracht Frankfurt und RB Leipzig Platz eins auf der Preisskala.

Trainer Florian Kohfeldt hat seinen neuen Kapitän bestimmt: Es ist Abwehrchef Niklas Moisander.

10. August: Als Gast im eigenen Stadion – solche Geschichten liefert nur der DFB-Pokal. In einem Erstrundenduell mit viel Lokalkolorit setzt sich Werder im Weserstadion mit 6:1 gegen Atlas Delmenhorst durch. Das Spiel geht in die Geschichte des Wettbewerbs ein, weil es mit 41 500 Zuschauern das bestbesuchteste Erstrundenmatch aller Zeiten ist. Aber die Partie hat auch eine Schattenseite. Nach dem Spiel geraten gewaltbereite Werder-Fans mit der Polizei aneinander, vier Beamte werden verletzt, einer davon ist auch Ende November noch dienstunfähig.

11. August: Ömer Toprak heißt die Antwort auf die langfristigen Ausfälle der Innenverteidiger Milos Veljkovic und Sebastian Langkamp. Werder leiht den 30-Jährigen zunächst von Borussia Dortmund aus, muss im kommenden Sommer aber fünf Millionen Euro Ablöse nachschießen. Tragisch: Toprak wird ebenfalls zum Opfer der Bremer Verletzungsmisere absolviert bis Jahresende nur 279 Spielminuten, verteilt auf vier Einsätze.

17. August: Fehlstart in die Bundesliga: Mit 1:3 gegen Fortuna Düsseldorf setzt Werder den Saisonauftakt in den Sand. Das Ergebnis sowie die Verletzungen von Milot Rashica (Muskelfaserriss) und Ömer Toprak (Brustprellung) sind die ersten Vorboten einer Bremer Horror-Hinrunde.

26. August: Probleme hatte er schon seit den Trainingslagern, nun muss Ludwig Augustinsson unters Messer. Aus dem rechten Kniegelenk wird mittels einer Arthroskopie ein Knochenfragment entfernt. Erst Ende November kehrt Augustinsson auf den Platz zurück.

29. August: Sportchef Frank Baumann hatte die Verpflichtung eines Außenverteidigers bereits angekündigt – hier ist er: Der Schweizer Nationalspieler Michael Lang wechselt auf Leihbasis für ein Jahr von Borussia Mönchengladbach zum SV Werder.

30. August: Vier Namen sorgen bei Fans und Medien den Sommer über für gespannte Erwartung: Michael Gregoritsch, Marko Grujic, Benjamin Henrichs und Nabil Bentaleb. Keiner von ihnen kommt letztendlich nach Bremen. Für Gregoritsch (FC Augsburg) ist nach der Toprak-Verpflichtung kein Geld mehr da, Henrichs (AS Monaco) und Grujic (Hertha BSC) sagen Werder ab. Bei Bentaleb durchkreuzt eine Verletzung alle Transferpläne.

September

1. September: Erst wird ihm verdeutlicht, dass seine Einsatzchancen bei Werder schlecht sind, dann wird auf einen Abnehmer für Martin Harnik gewartet. Und der kommt auch: Kurz vor Transferschluss wechselt der 32 Jahre alte Martin Harnik auf Leihbasis zum Nordrivalen und Zweitligisten Hamburger SV. Im Falle des HSV-Aufstiegs im Sommer würde eine Kaufverpflichtung greifen.

2. September: Auf den letzten Drücker zieht Werder Leonardo Bittencourt ins Team. Der 25-Jährige soll Mittelfeld und Offensive beleben. Zunächst wird er von 1899 Hoffenheim nur ausgeliehen, der Plan für eine feste Verpflichtung am Saisonende steht aber schon.

9. September: Kevin Möhwald wird in Augsburg am Knie operiert. Ohne erkennbare äußere Einwirkung war der Mittelfeldspieler wenige Tage zuvor mit einem geschwollenen Knie aufgewacht. Werder hält die Art der Verletzung geheim, Coach Kohfeldt spricht lediglich von einer „Akutverletzung“. Fakt ist: Möhwald wird erst im Frühjahr wieder spielen können - frühestens. Die Zahl der lang- und mittelfristig verletzten Profis steht mittlerweile bei acht – Tendenz steigend.

13. September: Nummer neun! Kapitän Niklas erleidet eine Wadenverletzung, fällt für zunächst unbestimmte Zeit aus. Damit sind alle vier Innenverteidiger zeitgleich nicht einsatzfähig. Moisander kehrt erst im Dezember auf den Platz zurück.

Der wohl bitterste Werder-Moment des Jahres 2019: Stürmer Niclas Füllkrug reißt sich nach einem Zweikampf im Training das Kreuzband.

14. September: Werder behilft sich gegen Union Berlin mit Theo Gebre Selassie sowie U23-Kapitän Christian Groß im Abwehrzentrum und gewinnt mit 2:1. Der Fehlstart mit zwei Niederlagen am Stück scheint nach dem zweiten Sieg in Serie ausgebügelt. Christian Groß erlebt dabei als Startelfspieler sein ganz persönliches Märchen. Mit 30 Jahren startet er in der Bundesliga durch, nachdem er bis dahin seine gesamte Karriere in der dritten und vierten Liga verbracht hat.

18. September: Es ist schon nicht mehr zu glauben: Auch Yuya Osako hat sich verletzt und wird Werder sechs Wochen nicht zur Verfügung stehen. Längst ist der Club auf der Suche nach Gründen für die unheimliche Serie. Wird falsch trainiert? Ist es der Rasen? Stimmt die medizinische Betreuung nicht? Werder wird nicht fündig. „Auch kein Externer, der alle Informationen hat, konnte ein Muster erkennen“, sagt Trainer Kohfeldt.

20. September: Der dramatische Höhepunkt der Verletzungsseuche ist erreicht: Niclas Füllkrug, mit 6,3 Millionen Euro Ablöse der Königstransfer des Sommers, erleidet im Training einen Kreuzbandriss sowie einen Außenmeniskusriss im linken Knie. „Das ist der absolute worst case“, klagt Kohfeldt. Für Füllkrug ist es nach zwei Knorpelschäden rechts und einem links die vierte schwere Knieverletzung seiner Karriere. Sechs Monate Pause stehen ihm bevor.

Oktober

10. Oktober: Eine Aussage von Sportchef Frank Baumann sorgt für Wirbel. „Ich mache das maximal, bis ich 50 bin. Für mich ist definitiv klar, dass ich dann eine Auszeit von einem Jahr nehmen werde. Das ist mit allen Beteiligten so besprochen“, sagt der Sportchef. Heißt: 2025 ist für ihn (vorübergehend?) Schluss bei Werder.

18. Oktober: In einem Interview mit der DeichStube spricht Niclas Füllkrug erstmals über seinen Kreuzbandriss. Der Schock „war brutal“, sagt er. Aber er blickt auch schon voraus. „Ich will noch mal meine 14-Tore-Saison in der Bundesliga bestätigen. Ich war da wirklich auf einem guten Weg. Hier bei Werder hat alles gepasst. Ich habe auch gespürt, dass die Mannschaft mir vertraut, dass vielleicht genau so ein Typ wie ich da vorne gefehlt hat.“

20. Oktober: Kuriose Geschichte: Thomas Schaaf, Trainer-Legende bei Werder Bremen, hilft mit 58 Jahren als Co-Trainer bei der U 23 aus. Befristet bis Jahresende, denn so lange wird der eigentliche Co-Trainer Björn Dreyer wegen einer Achillessehnenverletzung fehlen. Schaaf, im Hauptberuf Technischer Direktor bei Werder, über seinen Zweitjob: „Ich bin bei allen Spielen und vielen Trainingseinheiten dabei, kenne die Spieler. Da war es naheliegend, dass ich es mache.“ 

Thomas Schaaf kehrt bei Werder Bremen nochmal auf die Trainer-Bank zurück, allerdings als Interims-Co-Trainer der U23.

29. Oktober: Mannschaftsarzt Dr. Benjamin Schnee verlässt Werder nach nur wenigen Monaten wieder. Vor der Saison hatte er seinen Dienst angetreten, nun kehrt der Mediziner aus privaten Gründen, wie es heißt, nach Berlin zurück. Mit der beispiellosen Verletztenserie mit bis zu elf Ausfällen habe die Vertragsauflösung nichts zu tun, beteuert der SV Werder.

31. Oktober: Neue Eskalationsstufe im Streit zwischen Werder und den Ultras um Stadionpartner Wohninvest. Weil vor dem DFB-Pokalspiel gegen den 1. FC Heidenheim ein bekanntes Protestbanner unerlaubt oberhalb der Wohninvest-Loge platziert wird, kommt es zu Auseinandersetzungen mit dem Ordnungsdienst. Die Polizei schreitet ein. Das Klima zwischen Ultras und Verein verschlechtert sich mehr und mehr.

November

2. November: Werder spielt 2:2 gegen den SC Freiburg, ausgerechnet Nils Petersen klaut dem Ex-Club mit zwei Toren zwei Punkte. Den Ausgleich in der Nachspielzeit kassiert Werder nach einem ruhenden Ball – neben den Verletzungen sind die Standards das zweite große Dauerthema der Hinrunde. Für Werder ist es das fünfte Remis in Folge – Vereinsrekord aus der Saison 1990/91 eingestellt. In der Partie gerät Torhüter Jiri Pavlenka wegen eines schweren Patzers in die Kritik. Er selbst gibt dem Fehler aber nicht zu viel Größe: „Mir hilft der Gedanke, dass es nicht mein erster und nicht mein letzter Fehler war.“

13. November: Theo Gebre Selassie verlängert zum vermutlich letzten Mal seinen Vertrag beim SV Werder. Statt bis 2020 bleibt er nun bis 2021.

19. November: 41 Jahre ist Claudio Pizarro alt, aber immer noch für Überraschungen gut. Zum Training erscheint die Stürmer-Legende aus Peru mit strohblonden Haaren. Was das soll? Pizarro sagt, er wolle ein Zeichen setzen, damit sich auch in der seit sieben Spielen sieglosen Mannschaft etwas tut. Es bringt nichts. Werder verliert Tage später auch gegen Schalke 04 (1:2).

Trägt die Haare jetzt blond: Werder-Legende Claudio Pizarro.

23. November: Nach dem Heimspiel gegen Schalke kommt es in Stadionnähe zu einem Überfall einer Gruppe vermummter Werder-Anhänger auf zwei Schalker Fans, Vater und Sohn. Der Vater muss stationär behandelt werden. Der Vorfall zieht weitreichende Ermittlungen der Polizei nach sich.

25. November: Auf der Mitgliederversammlung verkündet Geschäftsführer Klaus Filbry mit 157,1 Millionen Euro einen neuen Umsatzrekord. Der Gewinn liegt bei 3,5 Millionen Euro. Im Zuge der Veranstaltung werden zwei Personalien bekanntgegeben: Kapitän Niklas Moisander hat seinen auslaufenden Vertrag um eine Saison verlängert. Und: Ehrenspielführer Clemens Fritz wird offiziell zum neuen Leiter der Scouting-Abteilung ernannt. In seiner Rede kritisiert Geschäftsführer Hubertus Hess-Grunewald die Gewaltexzesse Bremer Fans nach den Spielen gegen Delmenhorst und Schalke: „So kann es nicht weitergehen. Wir wollen keine Gewalt rund um unsere Spiele.“ Den Ultras redet er ins Gewissen, sich von solchen Aktionen deutlich zu distanzieren. Es sei ihm „unverständlich“, dass sie sich „nicht selbstkritisch äußern und klar positionieren“.

27. November: Kurz mal rübergesprungen nach Berlin! Dort wird Ex-Werder-Trainer Alexander Nouri künftig für Hertha BSC arbeiten – als Assistent des neuen Cheftrainers Jürgen Klinsmann. Nouri und Klinsmann - was für eine Geschichte!

Dezember

1. Dezember: Es ist vorbei! Dachte man. Nach acht Spielen endet die Sieglosserie des SV Werder. Beim VfL Wolfsburg gewinnen die mittlerweile abstiegsgefährdeten Bremer mit 3:2. Es ist jedoch nur ein Strohfeuer, wie sich heraustellen soll.

8. Dezember: Jähes Ende der kurzen Freude. Statt nachzulegen, verliert der SV Werder im eigenen Stadion mit 0:1 gegen Schlusslicht SC Paderborn. Eine Blamage. Geschichte am Rande: Werder-Ultras verdunkeln für einige Minute mit einem großen schwarzen Tuch die Wohninvest-Loge. Der wie vielte Teil der Fehde das mittlerweile ist? Keine Ahnung...

11. Dezember: Werder im Tabellenkeller – da schließt Sportchef Frank Baumann Neuzugänge im Winter nicht mehr aus. „In einem gewissen Rahmen sind Möglichkeiten da. Es wird aber keinen Zehn-Millionen-Transfer geben.“

14. Dezember: Der Traum von Europa ist schon lange geplatzt, jetzt ruft erstmals auch Chefcoach Florian Kohfeldt den Abstiegskampf aus. Anlass ist die 1:6-Packung beim FC Bayern. „Es geht jetzt darum, die Klasse zu halten. Darauf müssen wir alles ausrichten“, sagt der Coach und zieht schon nach 15 Spielen eine erste Bilanz: „Wir spielen eine Scheiß-Saison.“

Leere Blicke nach der 1:6-Klatsche des SV Werder gegen die Bayern.

16. Dezember: 200 Polizei-Beamte schwärmen aus und untersuchen im Zuge der Ermittlungen nach dem Überfall auf zwei Schalke-Fans und einem Angriff auf ein Lokal an der Bremer Schlachte Anfang Oktober. Bei den Tatverdächtigen gibt es personelle Überschneidungen.

17. Dezember: “Es ist eine Schande”, sagt Claudio Pizarro. “Wir müssen uns schämen”, meint Niklas Moisander. Nach der 0:5-Heimpleite gegen Mainz 05 wird das Werder-Trikot zum Büßerhemd. Es ist am Ende eines Jahres, das von großen Träumen geprägt war, ein sportlicher Tiefpunkt. Obwohl die Mannschaft die schlechteste Leistung seit Jahren gezeigt und in nur vier Tagen elf Gegentore kassiert hat, steht Sportchef Frank Baumann fest zu Trainer Florian Kohfeldt. Das Vertrauen in ihn sei weiter grenzenlos.

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