Das Jahr 2020 war für den SV Werder Bremen ein ganz besonderes Jahr.
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Das Jahr 2020 war für den SV Werder Bremen ein ganz besonderes Jahr.

Jahresrückblick

Das war Werder 2020: Die Chronik eines ganz besonderen Jahres

2020 war für den SV Werder Bremen das Jahr, in dem man denkbar knapp den Abstieg in die zweite Liga verhinderte. Es war das Jahr, in dem die Coronavirus-Pandemie die Gesellschaft und somit auch die Fußball-Bundesliga lahmlegte. Die Chronik eines ganz besonderen Jahres.

Werder Bremen: Der Januar 2020

9. Januar: Im Trainingslager auf Mallorca kündigt Aufsichtsrats-Chef Marco Bode an, für eine Winter-Verstärkung auch ins finanzielle Risiko gehen zu wollen. „Wir haben kein Limit definiert“, sagt er. Und heraus kommt das: Erst leiht Werder Bremen Kevin Vogt für das defensive Mittelfeld von 1899 Hoffenheim aus (was sich als Glücksfall erweist), dann wird Davie Selke auf den letzten Drücker von Hertha BSC ebenfalls auf Leihbasis verpflichtet. Anders als bei Vogt wird aber eine 2021 greifende Kaufoption vereinbart. Ablösesumme: elf Millionen Euro. Anders als Vogt ist Selke keine Soforthilfe für das Team.

16. Januar: Eine bakterielle Entzündung im Fuß zwingt Florian Kohfeldt noch vor Ausbruch der Corona-Pandemie ins Homeoffice. Der Coach verpasst einige Trainingseinheiten, sitzt beim wichtigen Sieg zum Rückrundenauftakt (1:0 bei Fortuna Düsseldorf) aber im Regiestuhl am Spielfeldrand.

Werder Bremen: Der Februar 2020

1. Februar: Mit 17 Jahren, 11 Monaten und 18 Tagen avanciert Nick Woltemade im Spiel gegen den FC Augsburg (1:2) zum jüngsten Bremer Bundesliga-Spieler aller Zeiten. Der Offensivspieler ist genau einen Tag jünger als es der bisherige Rekordhalter Thomas Schaaf bei dessen Debüt im April 1979 war.

4. Februar: Während Werder in der Liga im Abstiegssumpf versinkt und um Florian Kohfeldt längst eine Trainerdebatte tobt, gelingt im DFB-Pokal-Achtelfinale die kleine Sensation: Mit 3:2 schmeißt Werder Bremen Borussia Dortmund aus dem Wettbewerb. Es bleibt für lange Zeit das letzte gute Spiel des SV Werder.

22. Februar: Tiefpunkt erreicht? Mit einem 0:2 gegen Borussia Dortmund kassiert Werder Bremen in der Bundesliga die sechste Heimniederlage in Folge und bleibt dabei zum fünften Mal in Serie ohne eigenes Tor - beide Marken sind Negativrekorde in der Vereinsgeschichte.

25. Februar: Der Trainer darf trotz immer neuer Niederlagen und Platz 17 in der Tabelle bleiben, dafür rasiert Werder Bremen drei andere Mitarbeiter. Wegen interner Differenzen, die sich durch die ganze Saison ziehen und mit ursächlich für die Verletztenmisere sein sollen, entlässt der Club den Chef-Physiotherapeuten Uwe Schellhammer und zieht Axel Dörrfuß, Leiter der Abteilung Performance, von der Bundesliga-Mannschaft ab. Außerdem trennt sich der Club nach vier Jahren von seinem Teampsychologen Andreas Marlovits.

27. Februar: Bereits Ende November war alles klar, aber erst jetzt kommt es ans Licht: Geschäftsführer Klaus Filbry hat seinen Vertrag bis 2024 verlängert. Wegen der sportlichen Krise wurde die News zunächst zurückgehalten, Aufsichtsrats-Chef Marco Bode wollte hinsichtlich der Verkündung „auf den richtigen Moment“ warten. Doch mangels sportlichem Aufschwung kam dieser Moment nicht.

28. Februar: Es beginnt mit einem Abklatschverbot. Die Werder-Profis sollen sich nicht mehr dreimal am Tag die Hand geben – weil: Corona ist im Anmarsch.

Werder Bremen: Der März 2020

4. März: Aus im DFB-Pokal. Werder Bremen verliert das Viertelfinale im DFB-Pokal bei Eintracht Frankfurt mit 0:2. Was jetzt noch bleibt, ist der Abstiegskampf.

7. März: Hertha BSC gegen den SV Werder Bremen – das ist auch das Duell zwischen dem ehemaligen Bremer Chefcoach Alexander Nouri und seinem Nachfolger Florian Kohfeldt. Das Spiel endet 2:2, obwohl Werder schon 2:0 vorne gelegen hatte. Nach eigener Führung haben die Bremer nunmehr schon 22 Punkte abgegeben – Liga-Rekord in der laufenden Saison. „Zu schlecht für die Liga“, kommentiert die Deichstube. Aber immerhin: Josh Sargent beendet in der Partie eine Werder-Durststrecke von 789 Minuten ohne selbst erzieltes Tor.

13. März: Geisterspiel gegen Bayer Leverkusen? Fan-Versammlung vor dem Weserstadion? Der SV Werder und die Bremer Politik schlagen sich mit den Anfangsproblemen der Corona-Pandemie herum. Schlussendlich wird der komplette Bundesliga-Spieltag abgesagt. Mehr noch: Die Absage weitet sich zum wochenlangen Lockdown aus. Im Klammergriff des Virus’ steht auch der Fußball vorübergehend still. Keine Spiele, kein Training – vor allem aber keine Einnahmen. Erste Reaktion von Werder-Geschäftsführer Klaus Filbry: „Die wirtschaftliche Herausforderung ist groß. Wir sind aber zuversichtlich, dass wir die Situation kurz- und mittelfristig bewältigen können.“

23. März: Statt über Tore und den VAR wird in der Bundesliga jetzt über Gehaltsverzicht der Profis diskutiert. Bei Werder geht das Thema verhältnismäßig geräuschlos über die Bühne. Der Mannschaftsrat selbst bietet den Gehaltsverzicht an. Wie hoch dieser ausfällt und ob es sich um einen echten Verzicht oder zum Teil nur um eine Stundung handelt, wird nie öffentlich bekanntgegeben.

Werder Bremen: Der April 2020

6. April: Im Fan-Shop verkauft Werder Bremen spezielle „Stay-at-home“-Shirts, gleichzeitig kämpft der Club aber darum, seine Profis wieder in Gruppen auf den Trainingsplatz schicken zu dürfen. Bremens Innensenator schiebt diesen Plänen einen Riegel vor. Während an anderen Bundesliga-Standorten nach dem Ende des „Homeoffice“ wieder in Gruppen oder gar in Mannschaftsstärke geübt werden soll, scheitert Werder im Bremer Senat zunächst mit dem Antrag, in Zehnergruppen trainieren zu dürfen. Sportchef Frank Baumann beklagt eine „Wettbewerbsverzerrung“. Dann gibt es doch das Okay für Übungen in Vierergruppen. Der Senat gibt dem Club aber einen 15 Punkte umfassenden Auflagenkatalog an die Hand. Darin steht, was die Spieler jetzt müssen, dürfen und nicht dürfen. „Wir werden weiter ohne Körperkontakt trainieren und die Abstandsregelungen bei den Übungen einhalten“, verspricht Baumann. Allerdings wird noch ohne fixes Ziel trainiert. Wann es in der Liga weitergeht? Niemand weiß es.

16. April: Das Thema Rashica-Transfer nimmt Fahrt auf. Berater Altin Lala bestätigt im albanischen Fernsehen den Wechselwunsch seines Klienten: „Für Milot ist es an der Zeit, den nächsten Schritt in seiner Karriere zu machen.“ Es beginnt eine Zeit mit immer neuen Spekulationen, wohin es Rashica wohl ziehen und wie viele Millionen Werder für ihn – per Ausstiegsklausel oder nicht – kassieren wird. Am Ende eines für ihn enttäuschenden Jahres ist Milot Rashica aber immer noch in Bremen und fällt noch dazu zum wiederholten Mal verletzt aus.

24. April: So viel ist jetzt schon klar: Werder Bremen muss erstmals in der Vereinsgeschichte massiv Schulden machen, um den Spielbetrieb finanzieren zu können. Die zu erwartenden Verluste wegen der Anti-Corona-Maßnahmen beziffert Geschäftsführer Klaus Filbry im besten Fall auf 20 Millionen Euro – Tendenz mit jedem weiteren Geisterspiel in der neuen Saison steigend. Werder beantragt einen KfW-Kredit. Die Genehmigung lässt aber auf sich warten.

Werder Bremen: Der Mai 2020

18. Mai: Nach hitzigen Diskussionen über den Neustart der Bundesliga, in denen sich der Fußball ein egoistisches Verhalten vorwerfen lassen musste, geht es tatsächlich wieder los für Werder. Und wie! An einem Montagabend wird im leeren Weserstadion aus der Hoffnung auf Besserung nach der zweimonatigen Auszeit die pure Verzweiflung. Werder verliert gegen Bayer Leverkusen mit 1:4 und spielt unterirdisch. Die einhellige Meinung zu diesem Zeitpunkt: Noch neun Spiele bis zum Abstieg. Und Ex-Profi Rune Bratseth empfiehlt die Trennung von Trainer Kohfeldt: „Das sollte sein letztes Spiel gewesen sein.“ In Dieter Burdenski schlägt eine weitere Werder-Legende Alarm, geht auf Trainer und Vereinsführung los. Die Werder-Familie ist in Aufruhr!

23. Mai: Und es geht doch noch was! Werder Bremen gewinnt beim SC Freiburg mit 1:0 und sendet Lebenszeichen im Abstiegskampf.

Werder Bremen: Der Juni 2020

3. Juni: 1:0 gegen Freiburg, 0:0 gegen Gladbach, 1:0 gegen Schalke – aber nun verliert Werder Bremen wieder. Im Nachholspiel bei Eintracht Frankfurt setzt es eine 0:3-Pleite.

16. Juni: Zum ersten Mal in der Geschichte der Bundesliga wird im Weserstadion ein Meister gekürt. Es ist der FC Bayern, der mit einem 1:0 in Bremen seinen achten Titel in Folge einfährt. Für Werder Bremen ist es im 16. Heimspiel der Saison die zwölfte Niederlage.

20. Juni: Das Spiel in Mainz ist die letzte Chance, noch den direkten Klassenerhalt zu schaffen. Doch Werder Bremen versemmelt sie grandios. 1:3 geht die Mannschaft im Kellerduell unter. Hoffnung? Eigentlich nicht mehr.

27. Juni: Und dann passiert es doch: Werder Bremen deklassiert lustlose Kölner mit 6:1 und springt dank eines 0:3 von Fortuna Düsseldorf bei Union Berlin noch auf den Relegationsrang. Hoffnung? Na sicher!

Werder Bremen: Der Juli 2020

6. Juli: Man will ja nicht übertreiben, aber dieser Beinahe-Abstiegstag wird für Werder Bremen zum Freudentag. Nach einem 0:0 im Hinspiel gegen den Zweitliga-Dritten 1. FC Heidenheim schaffen die Bremer auswärts mit einem 2:2 die Rettung. „Sorry für diese Scheiß-Saison, aber am Ende sind wir erstklassig“, sagt Trainer Kohfeldt. Ein Eigentor des Ex-Bremers Norman Theuerkauf und ein Treffer von Ludwig Augustinsson beenden das Zittern. Mit dem Klassenerhalt ist auch klar: Kohfeldt bleibt! Nach dem Spiel lassen die Bremer Profis Claudio Pizarro hochleben. Sein Karriereende war von Corona-Krise und Abstiegskampf überdeckt worden, und am Ende hatte er auch nicht das entscheidende Tor geschossen, hatte nicht mal mehr gespielt. Trotzdem waren nach dem Abpfiff alle bei ihm. Mit 41 Jahren verabschiedete sich einer der besten Fußballer der Bundesliga-Geschichte und vielleicht der beste, der je für Werder gespielt hat, in den Ruhestand. „Jetzt ist das Karriereende, und ich muss gehen“, sagt der Torjäger, der für immer einen Platz in den Herzen der Werder-Fans haben wird.

9. Juli: Als mehrtägig darf die Saisonanalyse gelten, ein Marathon war sie aber nicht. Nur drei Tage nach der Rettung verkünden Aufsichtsrat und Geschäftsführung, dass Sportchef Frank Baumann und Trainer Florian Kohfeldt trotz der Krisensaison auf ihren Posten bleiben. Umwälzungen sind laut Aufsichtsratschef Marco Bode nicht geplant: „Mit Extremen können wir nicht dienen. Werder muss auch Werder bleiben.“ Diese Haltung der Club-Bosse erntet Zuspruch und Kritik gleichermaßen. Baumann wird eine verfehlte Personalpoltik vorgeworfen - was der Sportchef sogar einräumt: „Viele der Ideen, die wir hatten, sind nicht aufgegangen.“ Kohfeldt steht ebenfalls am Pranger, und auch er zeigt sich selbstkritisch: In der Vorbereitung auf die Saison sei es zu einer „Überlastung“ einiger Spieler gekommen – möglicherweise ein Grund für die zahlreichen Muskelverletzungen: „Die Verantwortung für die Trainingssteuerung liegt bei mir. Das darf mir nicht noch mal passieren.“ Auf die Probleme der Saison reagiert Werder Bremen letztlich mit Veränderungen im Stab der Co-Trainer – Thomas Horsch muss gehen, Ilia Gruev bekommt eine andere Funktion, neu dazu kommt der Österreicher Danijel Zenkovic - sowie mit der Installation von Clemens Fritz als Leiter Profi-Fußball. Er soll fortan für weniger Reibungsverluste an den Schnittstellen zwischen den verschiedenen Abteilungen rund um das Bundesliga-Team sorgen.

24. Juli: Sören Lerby legt sich fest: Davy Klaassen wird Werder Bremen nicht verlassen. Das verkündet der Berater des Niederländers im Brustton der Überzeugung. Wenige Wochen später sind alle – inklusive Lerby – schlauer. Klaassen geht zurück zu Ajax Amsterdam, Werder kassiert dafür dringend benötigte 14 Millionen Euro Ablöse.

30. Juli: VW steigt bei Werder als Auto-Partner aus. Der Deal, der den Bremern jährlich 1,3 Millionen Euro und eine Dienstwagen-Flotte versprach, wird nicht verlängert. Werder schließt später eine Mini-Kooperation mit Mercedes ab, die aber an die VW-Dimensionen bei weitem nicht heranreicht. Die Sparkasse Bremen bleibt dem SVW dagegen treu. Auch für die kommenden drei Jahre fließt pro Saison eine halbe Million Euro in die Club-Kasse.

Werder Bremen: Der August 2020

3. August: Werder Bremen ohne Philipp Bargfrede – geht das überhaupt? Offenbar schon! Nach 16 Jahren im Verein und 205 Bundesligaspielen bekommt die Nummer 44 keinen neuen Vertrag mehr. „Ich war ziemlich überrascht“, gibt der 31-Jährige zu. Doch im Oktober ist er schon wieder zurück, Werder engagiert den Routinier für die U23, wo er die jungen Spieler führen soll. Werder Bremen ohne Bargfrede? Geht eben doch nicht.

5. August: Es war die Spekulation des Sommers: Kehrt Max Kruse nach Bremen zurück? Seinen Vertrag bei Fenerbahce hatte der ehemalige Werder-Kapitän gekündigt, ein Comeback in Grün-Weiß wird es dennoch nicht geben. „Max wird nicht zu uns kommen“, verkündet Sportchef Frank Baumann. Am Ende stellt sich heraus: Beide Seiten wollten nicht. Kruse geht schließlich zu Union Berlin und schlägt dort unfassbar gut ein.

5. August: Fin Bartels kehrt zurück in die Heimat. Weil er wie Bargfrede, Nuri Sahin und Sebastian Langkamp keinen neuen Vertrag mehr bekam, schließt sich der Angreifer Holstein Kiel an. Eine gute Entscheidung. Am Jahresende sind die Kieler Spitzenreiter der Zweiten Liga – auch dank Bartels.

14. August: Frische Power für die Offensive: Werder Bremen leiht Tahith Chong für eine Saison von Manchester United aus. Optisch auffällig mit dunkler Lockenpracht, fußballerisch aber noch ungeschliffen: Der Kicker aus der Karibik (aber mit niederländischem Pass) erfüllt die Erwartungen zunächst nicht.

18. August: Es knirscht im Trainingslager! Coach Kohfeldt schmeißt ausgerechnet Niclas Füllkrug vom Trainingsplatz. „Wenn du keine Lust hast, dann geh runter“, pflaumt der Trainer den Torjäger an. Aber hinterher haben sich schnell alle wieder lieb – sagen sie jedenfalls. Füllkrug hat auch an anderer Stelle Ärger. In Berlin fährt ein Clan-Mitglied mit dem geleasten Luxus-Mercedes des Werder-Profis durch die Stadt. Füllkrug beteuert, davon nichts zu wissen, das Auto habe er einem Bekannten anvertraut.

24. August: Im Trainingslager in Zell am Ziller meldet sich Kevin Möhwald nach einem Jahr Pause wegen einer Knieverletzung zurück. Im Testspiel gegen Austria Lustenau kommt er erstmals wieder zum Einsatz.

30. August: Ailton hat Heimweh! Der Brasilianer, Double-Sieger und Bundesliga-Torschützenkönig 2004 sowie ewiger Fan-Liebling, zieht wieder nach Bremen. „Ich habe hier immer noch so viele Termine - wieso nicht ganz zurückkommen?“, sagt der „Kugelblitz“, der mit seiner Familie viele Jahre in Dallas/USA gelebt hat. Nun wird Bremen wieder zum Lebensmittelpunkt.

Werder Bremen: Der September 2020

5. September: Die Saison-Vorbereitung ist abgeschlossen – und Werder Bremen hat in sieben Testspielen sieben Siege gefeiert. Allerdings fehlte ein echter Top-Gegner.

10: September: Es ist eine Entscheidung, die im Moment logisch erscheint, Wochen später aber doch merkwürdig wird. Florian Kohfeldt bestätigt Niklas Moisander im Amt des Teamkapitäns, degradiert ihn im Spielbetrieb dann aber zum Reservisten.

19. September: Werder versemmelt den Saisonstart. Bei der (kurzzeitigen) Rückkehr der Fans ins Weserstadion – 8500 dürfen rein – kassieren die Bremer eine 1:4-Pleite gegen Hertha BSC. Yuya Osako erlebt die Härte des Geschäfts. Als er ausgewechselt wird, klatscht das Publikum.

24. September: Ex-Club-Chef Jürgen L. Born feiert seinen 80. Geburtstag. Im kleinen Rahmen gratulieren einige Werder-Legenden, und Born erzählt im Geburtstagsinterview mit der DeichStube von Kidnappern und glücklichen Jahren.

Werder Bremen: Der Oktober 2020

4. Oktober: Davy Klaassen ist weg! Weil Werder Bremen dringend Geld braucht, wird der Niederländer einen Tag vor Transferschluss an Ajax Amsterdam verkauft. Ablöse: im Idealfall 14 Millionen Euro. Der Deal stopft Löcher in der Kasse, reißt aber welche im Team.

5. Oktober: Der Vertrag mit Bayer Leverkusen war ausgehandelt, angeblich sogar schon unterschrieben. Dennoch platzt der Transfer von Milot Rashica am „Deadline Day“ in letzter Sekunde. Die Clubs hatten es nicht geschafft, nach zähen Verhandlungen bis zum Transferschluss um 18.00 Uhr alle Formalitäten zu erledigen. Ein bisschen peinlich. Rashica, der letztlich für RB Leipzig kein Thema war, bleibt bei Werder Bremen, ist aber keine Hilfe mehr. Kaum hatte er nach Knieproblemen wieder zur Form gefunden, stoppt ihn am neunten Spieltag eine Oberschenkelverletzung – erst Ende Januar 2021 wird er wieder spielen können.

5. Oktober: Zwei andere Personalien: Martin Harniks Vertrag ist aufgelöst, der 33-Jährige beendet seine Profi-Karriere und kickt künftig in der Oberliga-Hamburg. Johannes Eggestein wird an der Linzer ASK verliehen und dreht in Österreich richtig auf. Einen Last-Minute-Neuzugang gibt es dagegen nicht zu verzeichnen bei Werder. Einfache Erklärung: kein Geld. Die finanzielle Lage sei „hochdramatisch“, sagt Coach Kohfeldt.

22. Oktober: Als erster (und bislang einziger) Werder-Profi wird Felix Agu positiv auf das Corona-Virus getestet. Der Neuzugang klagt nur über leichte Symptome, alle anderen Tests im Team fallen negativ aus.

Werder Bremen: Der November 2020

19. November: Mit einem Interview in der DeichStube leitet Ex-Aufsichtsratchef Willi Lemke einen Prozess ein, der zu Veränderungen in der Chefetage des SV Werder Bremen führen soll. Lemke kritisiert die angedachte Vertragsverlängerung mit Frank Baumann aus formalen Gründen als „Affront“ und kündigt an, dass sich „hochqualifizierte Personen“ um einen Platz im Aufsichtsrat bewerben werden. Allerdings wird erst im Frühjahr gewählt, die Mitgliederversammlung muss wegen der Corona-Pandemie verschoben werden. Vor dieser Wahl solle auch nicht mit Baumann verlängert werden, fordert Lemke. Marco Bode, Vorsitzender des Aufsichtsrates, wehrt sich und bezeichnet es als „fahrlässig“, wenn der Sportchef bis ins Frühjahr keinen neuen Vertrag bekäme. Der aktuelle endet im Sommer 2021. Das Thema gärt.

20. November: Noch mehr Stress mit Ehemaligen! Ehrenpräsident Klaus-Dieter Fischer beschwert sich, von Werder Bremen aus der Ehrenloge hinauskomplimentiert worden zu sein. Es ist ein Streit um kritische Interviews und zugesicherte Privilegien.

21. November: Mitten in die Querelen platzt dieses Ergebnis: Werder luchst Bayern München beim 1:1 einen Punkt ab. Nach zuvor 22 Niederlagen am Stück gegen den Rekordmeister wird das Remis als historisch gefeiert. Zugleich ist es für Werder Bremen das fünfte 1:1 in Serie - Rekord. „Wahrscheinlich aber der zweitlangweiligste, den es gibt“, witzelte Kohfeldt. langweiliger sind nur fünf 0:0s.

Werder Bremen: Der Dezember 2020

04. Dezember: Zunächst hatte er eine Kandidatur nur als Möglichkeit bezeichnet, „wenn ich gefragt werde“. Doch nun räumt Jörg Wontorra ein, dass er schon längst gefragt wurde, viele Unterstützer hinter sich wisse und für einen Sitz im Aufsichtsrat kandidieren werde. Damit steht der 72-Jährige an der Spitze einer „Gruppe besorgter Vereinsmitglieder“, von der auch Willi Lemke schon gesprochen hatte. Wontorra garniert seine Kandidatur mit klarer Kritik an der Werder-Geschäftsführung. Ihr fehle es an „Kompetenz“, „Innovationen und Visionen“: „Werder muss weltmännischer werden, dafür braucht es andere Manager“, sagt der TV-Journalist und meint Klaus Filbry sowie Hubertus Hess-Grunewald. Sportchef Frank Baumann wird dagegen gelobt. Mit seinen Äußerungen liefert Wontorra die Ouvertüre zu einem Kampf, der sich erst im Frühjahr 2021 vor der Aufsichtsratswahl zuspitzen wird.

10. Dezember: Auch Henning Lühr, ehemaliger Staatsrat im Bremer Finanzressort, möchte in den Aufsichtsrat. Anders als Wontorra poltert er nicht, sondern bietet seine Hilfe an: „Bei mir ist es keine Kandidatur aus Unzufriedenheit, sondern aus Verbundenheit.“

11. Dezember: Werder-Verletzungen 2020, letztes Kapitel: Nach Niclas Füllkrug (Wade) und Milot Rashica (Oberschenkel) ist auch Davie Selke nach kurzem Comeback wieder verletzt. Ein Oberschenkel macht Probleme. Drei Stürmer k.o. – Werder Bremen in Not.

19. Dezember: Aus der Not wird aber eine Tugend: Eren Dinkci, 19 Jahre alter Torjäger aus der U23, trifft bei seinem Bundesliga-Debüt in der Schlussminute zum 1:0-Sieg über Mainz 05. Erstes Tor mit der ersten Ballberührung – ein Märchen. Für Werder Bremen endet mit dem Sieg eine Serie von vier Niederlagen in Folge und neun sieglosen Spielen. Das Jahr beenden die Bremer auf Rang 13.

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