Im DeichStube-Interview spricht Jens Stage über den Start bei Werder Bremen und einen Anschlag auf seine Wohnung!
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Im DeichStube-Interview spricht Jens Stage über den Start bei Werder Bremen und einen Anschlag auf seine Wohnung!

Werder-Neuzugang im DeichStube-Interview

„Ich war nie das größte Talent“: Jens Stage über seine Karriere, den Start bei Werder Bremen und einen Anschlag auf seine Wohnung

Bremen - Gut gelaunt erscheint Jens Stage zum Interview-Termin. Der 25-jährige Neuzugang des SV Werder Bremen hat auch allen Grund, in bester Stimmung zu sein.

Der Däne stand in den ersten Liga-Partien jeweils in der Startelf des SV Werder Bremen, deutete dabei bereits an, wie wertvoll er für das Bremer Mittelfeld sein kann. Auch in Werders Auswärtsspiel bei Borussia Dortmund (Samstag, 15.30 Uhr im DeichStube-Liveticker) könnte Stage wieder in der Startelf stehen. Im Gespräch mit der DeichStube zeigt sich, dass es aber auch triste Momente in seiner bisheriger Karriere gab - Jens Stage sich davon aber nie den Spaß im Alltag nehmen ließ.

Herr Stage, Sie müssen es doch wissen: Wie dänisch ist Bremen eigentlich?

Man kann sicherlich Plätze in der Welt finden, die weiter davon entfernt sind, dänisch zu sein (lacht). Es ist hier zwar nicht genauso wie in Dänemark, aber in Bremen ist es sehr einfach, sich willkommen zu fühlen. Das tägliche Leben hier ist nicht weit weg von dem, was ich gewohnt bin.

Haben sich die Bremer denn schon Ihr Gesicht eingeprägt oder gehen Sie noch weitgehend unerkannt durch die Straßen der Stadt?

Bislang kann ich noch ganz in Ruhe durch die Stadt spazieren. Ich weiß nicht, ob es daran liegt, dass sie mich noch nicht erkennen oder weil ich noch nicht so gut Deutsch spreche. Am Trainingsplatz und rund um das Stadion ist es natürlich eine ganz andere Welt, da sind täglich viele Fans, die Fotos oder Autogramme wollen. Es ist schön, wenn man so für ihre Unterstützung zumindest ein kleines Bisschen zurückgeben kann.

Werder Bremens Jens Stage darüber, ob er als Kind davon geträumt hat, ein Fußball-Star zu sein: „Natürlich habe ich das“

Was empfinden Sie, wenn Sie jemand als Fußballstar bezeichnet?

Das ist mir egal. Wenn ich nicht auf dem Platz stehe, bin ich wie jeder andere Mensch auch. Ich bin ein ganz normaler Typ namens Jens, der über niemandem steht und einfach herumläuft und das Leben zu genießen versucht. Mir ist aber bewusst, dass ich mich auf diesem großen Platz im Wohninvest Weserstadion zeigen darf und viele Kinder in Bremen genau davon selbst träumen. Ich bin da sehr demütig, aber zugleich sehr glücklich, dass ich diese Möglichkeit habe.

Haben Sie auch als Kind davon geträumt, ein Fußball-Star zu sein?

Natürlich habe ich das. Auch in Dänemark liebt jeder Fußball. In einem Stadion wie diesem zu spielen, war mein Traum als Kind.

Ihre fußballerische Jugendzeit war jedoch nicht immer einfach. Als Sie das erste Mal zu Ihrem späteren Club Aarhus GF wechseln wollten, wurden Sie in der U17 noch abgelehnt. Wie sind Sie mit diesem Rückschlag umgegangen?

Ich hatte niemals geplant, Profi zu werden – auch wenn ich es mir gewünscht habe. Mein Ziel war es einfach, Spaß zu haben. Und den hatte ich dadurch, dass ich mit meinen Freunden auf dem Schulhof und im Verein Fußball spielen konnte. Ich habe dadurch ganz andere Erfahrungen gesammelt und einen anderen Blick auf das Geschäft als die Spieler, die durch die großen Akademien von Vereinen gegangen sind. Aber jetzt bin ich hier in meinem Traum und es geht nur noch darum, das Beste herauszuholen.

Werder-Bremen Neuzugang Jens Stage: „Es stört mich nicht, wenn ich der Underdog bin und von hinten erst nach vorne kommen muss“

Inwiefern genau hat Sie diese Zeit stärker gemacht?

Es stört mich nicht, wenn ich der Underdog bin und von hinten erst nach vorne kommen muss. Das kenne ich schon. Ich denke, dass ich so mit Rückschlägen besser umgehen kann und mich auf das fokussiere, was wirklich wichtig ist. Das wird mir hoffentlich auch hier helfen, falls wir mal in schwierige Situationen kommen sollten. 

Überrascht es Sie manchmal selbst, dass Sie sich keine zehn Jahre später plötzlich dänischer Meister und Nationalspieler nennen dürfen, inzwischen sogar mit Werder in einer der Topligen Europas spielen?

Wenn man mich das vor zehn Jahren gefragt hätte, dann wäre ich sicherlich überrascht. Aber jetzt zeigt es mir einfach, dass wenn du etwas unbedingt willst und den richtigen Fokus hast, du weit kommen kannst. Ich war nie das größte Talent, war nie der beste Fußballer in meinem Alter. Aber ich hatte die richtige Mischung aus Spaß am Spiel und der Einstellung, dem Team zu geben, was es gerade braucht – und nicht das, was ich gerade brauche.

Mit dem FC Kopenhagen lief es zuletzt richtig gut, Sie hätten bald womöglich in der Champions League spielen können. Warum haben Sie trotzdem darauf verzichtet?

Ich wollte mich jede Woche auf einem höheren Level beweisen. Ich habe in Dänemark in allen Stadien gegen jeden möglichen Gegner gespielt, bin Meister geworden – jetzt wollte ich aus dieser kleinen Blase herauskommen und mich auf größeren Bühnen in dem größtmöglichen Verein versuchen. Als dann das Angebot von Werder kam, hat es direkt gepasst und die Entscheidung war sehr einfach für mich. Nichtsdestotrotz hoffe ich natürlich, dass Kopenhagen sich am nächsten Mittwoch endgültig für die Champions League qualifiziert (das Hinspiel gegen Trabzonspor gewann der FCK mit 2:1, Anm. d. Red.).

Werder-Bremen-Neuzugang Jens Stage über Unterschied zwischen Bundesliga und dänischer Superliga: „Ganz klar das Tempo“

Jetzt haben Sie zwei Spiele in der Bundesliga absolviert, was ist der größte Unterschied zur dänischen Superliga?

Ganz klar das Tempo. Das ist ein Schlüsselelement und das komplette Gegenteil von einem normalen Superliga-Spiel. Dort ist vieles statischer, jeder konzentriert sich vorrangig auf das Verteidigen – gerade gegen einen großen Club wie den FC Kopenhagen. Hier ist es so viel aktiver und intensiver. Ein toller Fußball, den ich sehr gerne spiele.

Sie haben schon einiges mitgemacht, auch abseits des Platzes. Kurz nach Ihrem Wechsel zum FC Kopenhagen im Juli 2019 hat es nachts in Aarhus einen Anschlag auf Ihre dortige Wohnung gegeben. Was ist da genau passiert?

Ich bin in Aarhus geboren worden, habe dort die ersten 21 Jahre meines Lebens gelebt. Ich war also ein Spieler aus der Stadt.

Ein sogenannter „Hometown Hero“…

Ja, in etwa, aber ich würde mich nicht als Helden bezeichnen. Als ich dann die Chance hatte, mich beim größten Team in Skandinavien zu beweisen, sind ein paar Aarhus-Fans durchgedreht. Obwohl ich sie eigentlich nicht als AGF-Fans bezeichnen möchte. Einer von ihnen hat beschlossen, eine Rauchbombe in das Appartement zu werfen, das ich in Aarhus hatte. Ich war nicht zu Hause, aber mein bester Freund, der mein Mitbewohner war, und seine Freundin waren es. Er ist sogar vor Angst aus dem Fenster gesprungen, weil es etwas gebrannt hat. Zum Glück war es nur aus dem ersten Stock.

So seht ihr das Bundesliga-Spiel zwischen Borussia Dortmund und Werder Bremen live im TV und im Live-Stream!

Werder Bremens Jens Stage über Anschlag auf seine Wohnung: „Ein paar Aarhus-Fans sind durchgedreht“

Der Täter und zwei Helfer sind später zu Gefängnisstrafen verurteilt worden. Welche Spuren hat der Anschlag bei Ihnen hinterlassen?

Es hatte insgesamt keinen großen Einfluss. Ich war allerdings – und bin es noch heute – sehr traurig, dass ich meinen Freund in solch eine Situation gebracht habe. Dass ausgerechnet er unter einem Problem leiden musste, das aufgrund meiner Person ausgelöst wurde.

Aber Sie sind noch immer befreundet?

Ja, sind wir. Und als ich gehört habe, dass er damals okay war, habe ich insgesamt auch nicht mehr daran gedacht, weil es die unüberlegte Tat eines Einzelnen war. Das kann leider überall passieren. Ich hatte aber nie Angst, nach Aarhus zurückzukehren, bin da auch weiterhin sehr häufig und jeder ist nett zu mir.

Eine der großen Rivalitäten in Dänemark gibt es zwischen dem FC Kopenhagen und Bröndby. Sie haben bei diesem Stadtderby sogar einst gegen Ihren heutigen Teamkollegen Anthony Jung gespielt. Welche Erinnerungen haben Sie aus dieser Zeit an ihn?

Wir sind jetzt Feinde (lacht). Nein, im Ernst: Für mich war er schon immer ein großartiger Spieler, der in Dänemark immer ein wenig unterschätzt wurde. Damals hat er meistens Innenverteidiger gespielt, und davon war er einer der besten in der Liga. Ich wusste bei meinem Wechsel also, dass Werder einiges an Qualität im Kader hat. Kürzlich habe ich Tony noch erzählt, dass der FC Kopenhagen gerade mit 4:1 gegen Bröndby gewonnen hat – da war er dann nicht so erfreut drüber (grinst).

Jens Stage über Start bei Werder Bremen: „Von Anfang an ist hier sehr gut auf mich aufgepasst worden“

Ihr Start in Bremen ist ziemlich gut gelungen. Nach dem Spiel gegen Wolfsburg gab es viel Lob. Waren Sie selbst überrascht, wie gut Ihr Debüt nach der aufgrund einer vorherigen Verletzung dosierten Vorbereitung war?

Von Anfang an ist hier auf und neben dem Platz sehr gut auf mich aufgepasst worden. Die Offiziellen haben einen hervorragenden Job dabei gemacht, mich wieder auf hundert Prozent zu bringen. Natürlich hätte ich gerade im Trainingslager gern mehr gemacht, als sie mir erlaubt haben, aber am Ende haben sie Recht gehabt und ich bin jetzt fit. (lacht)

So wie es aussieht, haben Sie Romano Schmid erst einmal den Stammplatz weggeschnappt. Merken Sie, dass da vielleicht gerade einer nicht ganz so gut auf Sie zu sprechen ist?

Nein, überhaupt nicht. Ich habe aber auch noch nicht einen Spieler hier getroffen, der möglicherweise böse auf mich ist. Es ist eine so tolle Gruppe mit so vielen netten Persönlichkeiten. Der Konkurrenzkampf ist trotzdem groß, aber das war er auch in Kopenhagen, wo es fünf, sechs starke Spieler im Mittelfeld gab. Ich denke, dass es diesen Konkurrenzkampf bis zum Saisonende geben wird. Und das macht uns gemeinsam stärker.

Nehmen wir an, dass Trainer Ole Werner sie beide neben Leonardo Bittencourt auf dem Platz sehen wollen würde. Wie gut sind Ihre Qualitäten als Sechser?

Ich spiele dort, wo der Trainer mich haben will. Auch dort würde ich alles geben. Ich möchte aber eigentlich nicht so gern über das sprechen, von dem ich denke, was ich gut oder nicht so gut kann. Das sollen andere beurteilen.

Werder Bremens Jens Stage vor dem Spiel beim BVB: „Ich hoffe, unsere Stärke uns die Punkte am Ende bringt“

Wir haben schon über Fans geredet. Am Samstag wartet auf Sie und Ihre Mannschaft eine ganz besondere Herausforderung: Es geht vor mehr als 80.000 Zuschauern gegen Borussia Dortmund. Wie sehr fiebern Sie Ihrer Premiere vor solch einer Kulisse entgegen?

Das wird eine tolle Erfahrung, auf die ich mich sehr freue. Aber wenn der Anpfiff ertönt, dann interessiert mich das nicht mehr. Dann geht es von der ersten Sekunde an nur noch darum zu punkten. Wir haben da harte Arbeit vor uns – vielleicht können wir dann danach die Atmosphäre im Stadion genießen.

Es gibt nicht Wenige, die glauben, dass Werder jetzt die erste Saisonniederlage kassiert. Warum liegen sie alle falsch?

Weil ich glaube, dass wir eine starke Gruppe haben. Jedes Mal, wenn ich über diese Mannschaft spreche, endet es damit, dass ich sage, dass hier das Team selbst die größte Stärke ist. Es gibt hier auch viel individuelle Qualität, aber der Zusammenhalt und die Mentalität sind stark. Ja, Dortmund hat eine unglaubliche individuelle Klasse, aber ich hoffe, dass unsere Stärke uns die Punkte am Ende bringt.

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Abschließende Frage: Glauben Sie, dass sich Werder und der FC Kopenhagen eines Tages mit Ihnen auf dem Platz begegnen – und zwar nicht in einem Freundschaftsspiel?

Oh. (lacht) Dafür bräuchten wir noch einige Punkte mehr, um nach Europa zu kommen. Das wäre ein großer Erfolg für den Verein. Lasst uns also hoffen, dass wir in ein paar Jahren die Chance dazu bekommen, gegen Kopenhagen zu spielen. Das wäre sicherlich ein richtig gutes Spiel. (mbü)

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