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Jerome Gondorf hatte am Sonntagnachmittag sichtlich Spaß bei Werders Auftakttraining.

Werder-Neuzugang will sich durchbeißen

Gondorf: „Mich hatten immer nur wenige auf dem Zettel“

Bremen - Lange wohnt er noch nicht in Bremen, aber für einen kurzen Spaziergang mit seiner Frau und der gemeinsamen Tochter hat es für den neuen Werder-Profi Jerome Gondorf in den ersten Tagen schon gereicht.

„Wir sind von Schwachhausen ins Viertel gelaufen und weiter in die Innenstadt. An der Schlachte waren wir auch schon“, berichtete Werders Neuzugang – und ließ dann einen wichtigen Satz folgen: „Hier gibt es sehr viel Wasser, das mag ich.“ Die Liebe zum nassen Element – sie ist eine wichtige Voraussetzung, um sich in Bremen heimisch zu fühlen. Aber auch darüber hinaus machte dieser Jerome Gondorf, 29, am Sonntag den Eindruck, dass das mit ihm und Werder ziemlich gut passen könnte.

1,2 Millionen Euro – so viel Geld haben die Bremer an Bundesliga-Absteiger Darmstadt 98 überwiesen, um sich die Dienste des Mittelfeldspielers zu sichern. Sportchef Frank Baumann hatte bei der Bekanntgabe des Deals im Mai gesagt, Gondorf sei kein spektakulärer Transfer. Eine Einschätzung, die der neue Mann teilt. „Ein spektakulärer Transfer kostet heutzutage mehrere Millionen Euro und hat eine ganz andere Vita als ich“, erklärte Gondorf, betonte aber auch: „Mich hatten immer nur wenige auf dem Zettel, aber ich habe es immer geschafft, mich durchzubeißen.“ In der Tat liest sich die Karriere des gebürtigen Karlsruhers wie ein Gegenentwurf zu denen, mit der es Jungprofis aus den Nachwuchsleistungszentren in die Bundesliga schaffen.

Gondorf spielte in der Jugend für seinen Heimatverein TSV Palmbach, wagte 2005 den Sprung in die A-Jugend des Karlsruher SC. „Nach zwei Jahren wurde ich dort nicht übernommen“, berichtete der Rechtsfuß, für den damals Plan B griff: „In vorderster Linie stand danach mein Abitur. Das war mit meinen Eltern so abgesprochen.“ Fußballerisch hieß Gondorfs Zukunft SV Spielberg, es folgte der ASV Durlach. „Dass man dann nicht mehr damit rechnet, in die Bundesliga zu kommen, ist doch klar.“ Gondorf schaffte es dennoch.

Über die Stuttgarter Kickers wechselte er 2013 nach Darmstadt und marschierte mit den „Lilien“ von der Dritten bis in die Erste Liga. 29 Spiele hat er dort inzwischen absolviert, drei Tore geschossen – und mit seinen Leistungen Werder auf sich aufmerksam gemacht. Nun ist er angekommen bei einem der Traditionsclubs der Liga, sagt: „Für mich ist Bremen immer noch einer der größten Vereine Deutschlands.“ Sein Karriereweg habe ihn zu einem Mensch werden lassen, „der sehr geerdet ist“, betonte Gondorf.

„Ich muss mich hier erstmal beweisen“

Ob er die Konkurrenz im Bremer Mittelfeld denn nicht fürchte, wurde er noch gefragt. „Ich habe mich auch für Bremen entschieden wegen der Persönlichkeiten, mit denen ich mich messen werde. Bei aller Demut: Werder hat mich sicher nicht umsonst geholt“, lautete seine Antwort. Beim SVW schätzen sie Gondorfs unermüdlichen Einsatz, seine Kampfkraft, für die der Neu-Bremer eine einfache Erklärung hat. „Ich komme aus einer Großfamilie und musste mich immer durchsetzen“, sagte Gondorf, der vier Brüder und eine Schwester hat.

Bei seinem ersten Spaziergang durch Bremen mit Frau und Tochter, auch das verriet der Mann, der künftig die Rückennummer acht trägt, sei er übrigens nicht von Fans angesprochen worden. Dann folgte noch so ein Satz, der für seine Bodenständigkeit steht: „Ich muss mich hier ja auch erstmal beweisen, um eine gewisse Prominenz zu erreichen.“

Trainingsauftakt mit Neuzugang Jerome Gondorf

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