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Das Trikot von Jiri Pavlenka bleibt grün: Der Torwart wechselt zu Werder Bremen.

Werder wechselt Torhüter

Pavlenka ist da, Wiedwald vor der Flucht nach England

Bremen - Jiri Pavlenka ist da, Felix Wiedwald so gut wie weg, und Michael Zetterer wird die neue Nummer zwei: Werder Bremen hat den Topf mit den Torhütern kräftig durchgerührt und eine neue Hierarchie mit neuer Besetzung geschaffen.

Der Tscheche Pavlenka, für den die Bremer letztlich drei Millionen Euro Ablöse gezahlt haben sollen, wird die Stammkraft zwischen den Pfosten, Zetterer sein Stellvertreter. Felix Wiedwald mischt hingegen nicht mehr mit, er hat um seine Freigabe für einen Wechsel gebeten. Vermutliches Ziel: Leeds United, ein Traditionsclub aus der zweiten englischen Liga.

Sportchef Frank Baumann bestätigte am Dienstag zwar noch nicht den Wechsel der bisherigen Bremer Nummer eins, aber die Gespräche mit einem „interessierten Verein“. Dass diese Gespräche auch in einen Transfer münden werden, deutete Baumann mehr als nur an: „Wir sind bestrebt, eine für alle drei Seiten vernünftige Lösung zu finden.“

Baumann bestätigt Wiedwalds Wechsel-Wunsch

Was bedeutet, dass Wiedwald der Wechsel nicht mit einer sonderlich hohen Ablösesumme erschwert wird. Vermutlich wird sich der Betrag zwischen 500.000 und einer Million Euro bewegen. Für einen Spieler, der in der Rückrunde maßgeblich am Erfolgslauf seiner Mannschaft beteiligt gewesen war, ist das ein Preis, der relativ weit unten angesiedelt ist auf der Geht-gerade-noch-so-Skala.

„Felix hat sich bei uns nie etwas zu Schulden kommen lassen“, erklärte Baumann, der noch einmal bekräftigte, dass er Wiedwald gerne im Kader behalten hätte. Als Konkurrent für Pavlenka. „Aber Felix hat uns klar zu verstehen gegeben, dass er uns verlassen möchte“, erklärte der Geschäftsführer, der tags zuvor die Wechselgedanken des Keepers noch als „Gerücht“ bezeichnet hatte. Mittlerweile gilt nicht mehr der FC Nantes aus Frankreich als Wiedwalds Favorit, sondern eben Leeds United. Der dreimalige englische Meister verpasste in der vergangenen Saison als Tabellensiebter die Rückkehr in die Premier League.

Baumann: Pavlenka ein „relativ kompletter Torwart“

Dass Werder den Wechsel im Tor so enorm forciert hat, liegt zum einen am 1,96 Meter großen Jiri Pavlenka, dem Baumann neben einer „sehr guten Präsenz im Tor“ auch eine „sehr gute Entwicklung in den letzten ein, zwei Jahren“ bescheinigte. Zum anderen aber natürlich auch an Wiedwald. Obwohl auch er in der vergangenen Saison einen enormen Leistungssprung gemacht hat, entschied sich die sportliche Leitung um Trainer Alexander Nouri und Baumann („Es war eine Gemeinschaftsentscheidung“, so der Sportchef) dazu, einen neuen Impuls zu setzen. Und die Antwort auf die Frage, ob Wiedwald in der letzten, starken Halbserie oder in den drei mäßigen davor sein wahres Gesicht gezeigt hat, heißt Jiri Pavlenka.

„Er ist ein relativ kompletter Torwart. Wir glauben, dass wir mit ihm einen sehr guten Schlussmann bekommen werden“, sagte Baumann. Über die Laufzeit des Vertrages macht er keine Angaben. Pavlenka, der über Banik Ostrau und eineinhalb Jahre bei Meister Slavia Prag den Weg in die Nationalmannschaft seines Landes gefunden hat, sei ein mutiger Torwart, einer, der mitspielt, und keine Angst hat, bei Flanken oder Eins-gegen-eins-Situationen aus dem Kasten zu kommen, so Baumann: „Wir sind überzeugt von ihm.“ Und Alex Nouri sagte in einer Club-Mitteilung: „Jiri wird unsere Mannschaft sportlich wie menschlich hervorragend ergänzen. Es steckt noch Entwicklungspotenzial in ihm. Das möchten wir herauskitzeln.“

Pavlenka suchte Rat bei Drobny und Gebre Selassie

Pavlenka spricht bislang außer Tschechisch nur Englisch, kein Deutsch. Er wird Zeit zur Eingewöhnung benötigen, kann sich dabei jedoch auf die Unterstützung seiner Landsleute Jaroslav Drobny und Theodor Gebre Selassie verlassen. „Ich habe von Theo und Jaro nur Gutes über Werder und Bremen gehört. Ich freue mich darauf, in Zukunft Teil dieser Mannschaft zu sein“, wird Pavlenka von seinem neuen Arbeitgeber zitiert.

Obwohl er schon 25 Jahre alt ist und damit nicht mehr am Anfang seiner Karriere steht, hat Pavlenka noch nie im Ausland gespielt. Das erscheint wie ein Nachteil, Frank Baumann sieht ihn jedoch nicht: „Vielleicht ist er ein Spätstarter. Aber wichtig ist, dass er sich entwickelt – und das hat er in den letzten Jahren getan.“ Außerdem: Auch Thomas Delaney sei schon 25 Jahre alt gewesen, als er aus Dänemark in die Bundesliga zum SV Werder wechselte. Und es muss zweifelsfrei festgestellt werden: Der schlechteste Bremer Transfer war das nicht.

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