Jiri Pavlenka (gelbes Trikot) prallte im Spiel beim VfL Bochum mit Takuma Asano zusammen - Angst vor weiteren Zusammenstößen hat der Torwart von Werder Bremen aber nicht!
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Jiri Pavlenka (gelbes Trikot) prallte im Spiel beim VfL Bochum mit Takuma Asano zusammen - Angst vor weiteren Zusammenstößen hat der Torwart von Werder Bremen aber nicht!

Werder-Torwart erneut am Kopf getroffen

Torwart ohne Angst: Werder-Keeper Jiri Pavlenka lässt sich von den wiederholten Kopftreffern nicht kleinkriegen

Bremen – Natürlich war es nur Zufall. Aber einer, der ins Bild passte. Zumindest im Fall von Jiri Pavlenka. Der Torhüter des SV Werder Bremen ist am vergangenen Wochenende schließlich schon zum dritten Mal in dieser Saison heftiger am Kopf getroffen worden. Und während am folgenden Montag der offizielle deutsche Kopfschmerztag begangen wurde, brummte auch dem 30-Jährigen noch immer etwas der Schädel. Knapp 24 Stunden später, als er im Wohninvest Weserstadion zu einer Medienrunde antrat, war er ebenfalls noch nicht ohne Nachwehen. „Es war natürlich etwas schmerzhaft, da tun der Rücken und der Nacken schon weh“, erzählte Pavlenka. „Ich hatte aber schon meine Behandlungen und will nun wieder auf dem Platz sein und trainieren.“

Das tat der Tscheche dann kurz darauf zum Start in die neue Trainingswoche des SV Werder Bremen auch. Und ein Einsatz am Freitag im Heimspiel gegen den FC Augsburg (20.30 Uhr im DeichStube-Liveticker) ist laut eigener Aussage auch nicht gefährdet. „Ich will dabei sein“, betonte Jiri Pavlenka. „Der Schmerz ist nicht so groß, dass ich nicht trainieren oder spielen könnte.“ Die Nummer eins der Bremer wirkte reichlich entspannt, als er über die unschönen Augenblicke seiner bisherigen Saison sprach. Da war erst der Nasenbeinbruch im Training, der ihn beeinträchtigte. Kurz darauf gab es einen Zusammenprall während des Auswärtsspiel bei Borussia Dortmund mit Angreifer Anthony Modeste – und jetzt in Bochum eben den nächsten Wirkungstreffer durch VfL-Profi Takuma Asano. Warum es ihn in kürzester Zeit gleich drei Mal erwischt hat? „Ich weiß es auch nicht“, meinte Pavlenka und lacht. „Aber das ist Fußball und kein Tanzen oder so. Im Fußball tut es eben manchmal weh, aber es ist ja nichts Schlimmes passiert. Meine Nase ist wieder okay und ich habe jetzt auch keine Gehirnerschütterung.“

Werder-Bremen-Keeper Jiri Pavlenka kann sich nicht vorstellen, wie Torwart-Legende Petr Cech mit Helm zu spielen

Dass es auch ganz anders ausgehen kann, weiß Jiri Pavlenka nur zu gut. 2018 war es, als es den Keeper bei einem Zusammenprall in der Partie gegen Eintracht Frankfurt heftiger erwischte. Kurzzeitig verlor er das Bewusstsein, musste kurz darauf mit einer Gehirnerschütterung ausgewechselt werden. Und eines seiner großen Vorbilder, Landsmann Petr Cech, zog sich 2006 sogar einmal einen Schädelbasisbruch zu. Nach seinem Comeback sah man die Torhüter-Legende nur noch mit Helm, der fortan sein Markenzeichen wurde, spielen. Pavlenka kann sich eine solche Schutzmaßnahme für sich selbst allerdings nicht vorstellen. „Die Verletzung von Petr Cech damals war sehr schlimm und etwas komplett anderes“, erklärte der Schlussmann des SV Werder Bremen. „Ich denke nicht, dass ich aktuell einen Helm brauche, weil ich mir keine weiteren Knochen des Kopfes gebrochen hatte. Es war nur die Nase – und da hatten die Ärzte zwar auch gesagt, dass es besser wäre, wenn ich mit einer Maske spielen würde, aber für mich war das ein Problem.“ Folglich verzichtete der Werder-Keeper auf den Gesichtsprotektor und vermied ein eingeschränktes Sichtfeld. „Im Training habe ich sie getragen, aber beim Spiel kam das für mich nicht infrage.“

Werder-Bremen-Torwart Jiri Pavlenka über Furcht vor Zweikämpfen nach mehreren Zusammenstößen: „Ich habe überhaupt keine Angst“

Gerächt hat sich diese Entscheidung trotz der weiteren Zusammenstöße bislang nicht. Weder physisch, noch mental. Denn eine Furcht vor Zweikämpfen verspürt Jiri Pavlenka auch weiterhin nicht. „Nein, wenn ich Angst hätte, dann wäre ich schon nach meinem Nasenbeinbruch nicht in das Duell mit Modeste gegangen“, sagte er. „Ich habe überhaupt keine Angst.“ Anders könnte das bei seinen Liebsten aus der Familie aussehen, schließlich lag der Stammtorhüter von Werder Bremen zuletzt zwei Mal komplett regungslos in seinem Strafraum, nachdem er getroffen worden war. Erst nach ein paar Sekunden hatte sich Pavlenka wieder langsam bewegt. „Meine Eltern haben mir direkt geschrieben, ob alles okay ist“, verriet der 14-fache Nationalkeeper. „Meine Frau hatte mit unseren zwei Kindern keine Zeit, um Fußball zu gucken. Deshalb hat sie davon nichts gesehen – und das ist wahrscheinlich besser so.“

Besser ist auch das Niveau im deutschen Fußball-Oberhaus. Nach einem Jahr in der 2. Liga muss sich Jiri Pavlenka trotzdem nicht großartig umstellen, wie er berichtet. „Ich muss die Bälle halten, das ist für mich das Wichtigste“, unterstrich er grinsend. „Aber natürlich gibt es einen Unterschied, weil die Spieler in der 1. Liga eine höhere Qualität haben.“ Auch wenn das vielleicht nicht an jedem Wochenende sichtbar wird. „In der Bundesliga wird normalerweise mehr gespielt, in der 2. Liga gibt es eher mehr Zweikämpfe“, hat er beobachtet. „Unser Spiel in Bochum war daher für mich eher ein klassisches Zweitligaspiel. Umso wichtiger war es, dass wir trotzdem gewonnen und weitere Punkte geholt haben.“ Und dann auch noch ohne Gegentreffer, was den Torwart des SV Werder Bremen verständlicherweise besonders freute.

Werder-Bremen-Torwart Jiri Pavlenka über Konkurrent Michael Zetterer: „Ich sehe, wie Zetti mir Druck machen will“

Noch vor einem Jahr war die Laune nicht ganz so gut. Nach einer Rückenverletzung hatte Jiri Pavlenka unter dem damaligen Trainer Markus Anfang seinen Stammplatz an Michael Zetterer verloren. Erst später kehrten sich die Verhältnisse wieder um, nun ist Zetterer wieder der Herausforderer. Der 27-Jährige hat erst kürzlich im DeichStube-Interview betont: „An mich selbst habe ich den Anspruch, Pavlas in jeder Trainingseinheit zu fordern. Man soll sehen, dass ich etwas vorhabe.“ Sein Konkurrent spürt diese Angriffslust tatsächlich. „Ich sehe, wie Zetti mir Druck machen will“, gestand der Schlussmann des SV Werder Bremen. „Das ist aber ganz normal. Er ist ein super Torwart und ein super Typ, ich mag ihn sehr. Und der Druck, den er ausübt, sorgt natürlich dafür, dass auch ich noch besser sein will.“ Das gegenseitige Antreiben zu stärkeren Leistungen wird also weitergehen – auf zusätzliche Kopfschmerzen können aber alle Beteiligten gut verzichten. (mbü) Schon gelesen? So könnte die Startelf-Aufstellung des SV Werder gegen den FCA aussehen!

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