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Die klare Nummer 1 bei Werder Bremen: Jiri Pavlenka genießt das volle Vertrauen von Trainer Florian Kohfeldt. Auch vereinzelte Fehler ändern daran nichts.

Werder-Torhüter über Verarbeitung von Fehlern

Werder-Torwart Jiri Pavlenka im DeichStube-Interview: „Es war eine schlechte Entscheidung“

Bremen – Es hat nur einen kurzen Moment gedauert, da hatte Jiri Pavlenka (27) seinen Patzer im Spiel des SV Werder Bremen gegen den SC Freiburg schon abgehakt.

Noch auf dem Platz richtete er den Blick wieder nach vorn, wie er im Interview mit der DeichStube verriet. Während des Gesprächs erklärte der Werder-Torhüter seinen Umgang mit Fehlern, sprach über gestiegene Erwartungen und seinen Sohn – und das alles erstmals überhaupt auf Deutsch.

Verfolgt das Bundesliga-Spiel von Werder Bremen gegen Borussia Mönchengladbach im Live-Ticker der DeichStube.

Herr Pavlenka, Sie haben im Vorfeld angekündigt, das Interview komplett in deutscher Sprache führen zu wollen – das wird jetzt also eine echte Premiere für Sie...

(lacht) Ja, und um ehrlich zu sein, bin ich mir gar nicht sicher, ob ich dafür wirklich schon bereit bin. Ich möchte es aber gerne probieren.

Sehr gerne! Allein Ihre erste Antwort zeigt doch schon, dass der Sprachunterricht gefruchtet hat.

Es geht besser und besser. Manchmal bräuchte ich aber noch etwas mehr Zeit zum Lernen. Das ist gerade eher schwer. Ich bin im Sommer Vater geworden. Da möchte ich natürlich lieber bei meinem kleinen Sohn und meiner Frau sein und die Nase nicht ins Buch stecken. Dabei ist es gerade für meinen Sohn wichtig.

Warum?

Na ja, ich möchte zum Beispiel verstehen können, was der Kinderarzt mir erklärt. Das macht vieles einfacher und gibt mir einfach ein gutes Gefühl.

Wie ist es denn zu Hause mit Kind? Alles anders?

Ja, das kann man so sagen: Alles ist anders, aber es ist wirklich schön. Wer Vater ist, wird wissen, dass es nichts Schöneres gibt. Ich bin so stolz auf meine Frau. Sie sorgt sich um fast alles. Wenn ein Training oder Spiel ansteht, darf ich schlafen, damit ich nicht müde zur Arbeit gehen muss. Aber wenn wir zwei Tage frei haben, dann helfe ich nachts natürlich auch. Das ist doch klar.

Sie gelten ohnehin als ruhiger, fokussierter Typ. Sind Sie durch die Vaterrolle noch gelassener geworden?

Das weiß ich nicht. Seit mein Sohn da ist, probiere ich aber, meine Arbeit nicht mit nach Hause zu nehmen. Die Arbeit bleibt im Stadion, zu Hause zählt nur die Familie.

Stichwort „Arbeit“ – um das Freiburg-Spiel kommen wir in diesem Interview leider nicht herum...

(lacht) Das ist schon okay. Beim ersten Tor habe ich einen Fehler gemacht. Unsere Idee ist es, immer Fußball zu spielen. Deswegen wollte ich auch diese Situation spielerisch lösen. Das war eine schlechte Entscheidung. Ich habe es später nochmal im Video gesehen und sofort gedacht: Da muss ich eher den langen Ball spielen.

Torwart Jiri Pavlenka wird in seiner dritten Saison bei Werder Bremen kritischer bewertet als bisher.

Werder Bremen: So schüttelt Jiri Pavlenka Fehler ab

Wie gehen Sie mit solchen Momenten, mit solchen Fehlern um? Hadern Sie? Schütteln Sie es sofort ab?

Es geht schon direkt auf dem Platz darum, die Szene so schnell es geht aus dem Kopf zu bekommen. Ich muss ja weitermachen. Mir hilft der Gedanke, dass es nicht mein erster und sicher nicht mein letzter Fehler im Leben war. Das lässt den Moment nicht so groß erscheinen.

Trainieren Sie speziell dafür, um mental stark zu sein, um Selbstzweifel gar nicht erst aufkommen zu lassen?

Nein. Es geht mir aber darum, einerseits aus Fehlern zu lernen, andererseits aber weiterzumachen. Wenn du immer nur an den Fehler denkst, der ja ohnehin nicht mehr rückgängig zu machen ist, kann das nicht gut sein für das nächste Spiel.

Konnten Sie denn auch nach dem Freiburg-Spiel Arbeit und Familie trennen, oder musste Ihre Frau Sie doch etwas aufbauen?

Ich hatte erst noch ein Interview im Stadion, danach bin ich nach Hause gefahren. Mein Sohn hat schon geschlafen. Ich habe ihn angesehen, und das hat schon geholfen.

Werders Ex-Torwart Tim Wiese hat Sie nach dem Spiel öffentlich kritisiert, hat ihnen auch das zweite Gegentor angekreidet. Wie gehen Sie mit solchen Aussagen um?

Es stimmt schon, dass ich beim zweiten Gegentor zum Ball hätte gehen können. Wenn Leute von außen mich kritisieren, stört es mich aber eher weniger. Ich lese nicht viel Zeitung und lasse solche Dinge nicht an mich heran.

Nach zehn Spielen hat Ihre Mannschaft 21 Gegentore kassiert. Können Sie mit diesen Zahlen leben?

Nicht gut. Wir haben leider viel zu viele Tore nach Standards bekommen. Wir haben zwar nicht sechs Spieler, die zwei Meter groß sind, aber trotzdem müssen wir es einfach besser machen.

Jiri Pavlenka mit bisherigen Saisons für Werder Bremen nicht zufrieden

Was denken Sie denn inzwischen, wenn Sie auf der Torlinie stehen und einen Eckball des Gegners erwarten?

Natürlich sind das aktuell die Szenen, auf die jeder schaut. Das ist im Fußball nunmal so. Aber ich mache mir darüber keine Gedanken, es wird auch wieder anders laufen.

Sie sind seit Sommer 2017 bei Werder. Ihr erstes Jahr in der Bundesliga war fantastisch, das zweite sehr gut – und das dritte? Ist es Ihr bisher schwerstes in Bremen?

Wer mich kennt, weiß, dass ich schon mit meiner ersten Saison nicht zufrieden war. Mit der zweiten auch nicht. In jedem Training und Spiel gibt es Sachen, die du besser machen kannst. Das will ich: besser sein. Dafür trainiere ich hart. Jetzt habe ich Fehler gemacht, das war unglücklich, aber mit harter Arbeit kommt man da raus.

Finden Sie es denn fair, dass Sie von der Öffentlichkeit inzwischen kritischer bewertet werden als noch zu Beginn?

Das ist doch vollkommen normal. Ich kann mich am Ende ja ohnehin nur auf meine Arbeit fokussieren. Das ist der beste Weg.

Und wie wichtig wäre dafür das erste Spiel ohne Gegentor in dieser Saison?

Wenn wir jetzt schon 18 Punkte hätten und hätten immer ein Gegentor kassiert, würde mich das nicht so sehr stören, dann wäre ich zufrieden. Wir haben aber erst elf Punkte und kein Zu-Null-Spiel. Das ist nicht gut. Wir haben uns schließlich ein Ziel gesteckt, wie viele Spiele wir zu null spielen wollen.

Tatsächlich? Wie viele denn?

(lacht) Das verrate ich Ihnen gerne nach dem 34. Spieltag.

Kann der erste Schritt, das erste Spiel ohne Gegentor, denn am Sonntag beim Tabellenführer Gladbach gelingen?

Warum nicht? Gladbach hat gerade ein hartes Programm. Pokal, Liga, Europa League, dann wieder Liga gegen uns. Sie könnten ein bisschen müde sein. Wir haben gut gespielt in Dortmund, in Frankfurt und auch in Leverkusen. Dann ist auch ein Sieg in Gladbach möglich.

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