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Jörg Löhr ist der neue alte Mentaltrainer des SV Werder Bremen.

Neuer Mentalcoach

Löhr will Werder helfen: „Cooler Typ“, der Funken versprüht

Bremen – Der Geschäftsmann Jörg Löhr bedient sich natürlich der ganzen Palette der Möglichkeiten. Was der Motivations- und Persönlichkeitstrainer mitzuteilen hat, kann man in Büchern nachlesen oder sich in Online-Kursen einimpfen lassen. Doch wenn es um Werder Bremen geht, dann wird es Jörg Löhr nur live und leibhaftig geben.

Der renommierte Mentalcoach soll die Profis des SV Werder Bremen auf den Rest der Saison einschwören, ihnen im schweren Abstiegskampf helfen. Und das funktioniere nicht per Buch und auch nicht per Videokonferenz, sagt der 58-Jährige im Gespräch mit der „Augsburger Allgemeinen“.

„Als Mentaltrainer muss man direkt mit den Menschen zusammenarbeiten. Der Funke muss überspringen, das geht nur in persönlichem Kontakt“, erklärt Löhr, der bereits zum zweiten Mal vom SV Werder engagiert wurde. 2011 hatte er das erste Mal im Abstiegskampf geholfen, 2020 wird die Aufgabe aber ungleich schwerer. Werder steckt diesmal noch viel tiefer im sportlichen Schlamassel und muss zudem in Spielen ohne Zuschauer die volle Motivation für den Abstiegskampf aufbringen. Ein Job für Jörg Löhr. „Es geht jetzt darum, sich für ein Szenario mit Geisterspielen aufzurüsten“, sagt er.

Mentaltrainer Jörg Löhr half Werder Bremen schon einmal auf dem Weg zum Klassenerhalt

2011 hatte der damalige Chefcoach Thomas Schaaf die Hilfe Löhrs gesucht. Werder hatte zu der Zeit zwar viele prominente und erfolgsverwöhnte Profis auf dem Platz, dennoch steckte das Team im Kampf um den Klassenerhalt. Und gewann letztlich. Unter anderem dank Jörg Löhr, den Werder nun wieder engagiert hat. Weil es damals ganz gut funktioniert habe, „hat man sich wohl an mich erinnert“, meint Löhr.

Doch wie groß war der Anteil des externen Unterstützers vor neun Jahren tatsächlich gewesen? Thomas Schaaf findet auf diese Frage im Gespräch mit der DeichStube keine wirkliche Antwort. Lachend sagt er: „Es ist gleichermaßen Vor- und Nachteil der Psychologie, dass man das nicht messen kann.“

Torsten Frings über Werder Bremens Mentaltrainer Jörg Löhr: „Er ist ein cooler Typ“

Torsten Frings, 2011 Führungsspieler im Bremer Team, vermag auch nicht zu sagen, ob damals in den Köpfen der Profis etwas in Gang gesetzt worden war, was vorher stillgestanden hatte. Er kann aber berichten, dass Löhr gut ankommt bei Sportlern. Weil er früher selber einer war, Handball-Nationalspieler sogar. „Er ist ein cooler Typ, der weiß, wovon er spricht und was in einer Mannschaft abläuft“, sagt Frings deshalb.

Löhr, der coole Typ, ist aber auch und vor allem einer der erfolgreichsten „Speaker“ in Deutschland. Er betreibt eine eigene Akademie, bietet Seminare zur Persönlichkeitsentwicklung an, ist Buchautor, auf seinen Vortragstouren füllt er riesige Hallen, zu seinen Kunden gehören Top-Wirtschaftsunternehmen. Und jetzt auch wieder Werder Bremen.

Werder Bremens Mentaltrainer ist Fan und Mitglied beim FC Augsburg

Wie genau die Zusammenarbeit aussehen wird, hat der Club noch nicht verraten. Löhr sagt, dass er generell mit auftraggebenden Clubs Stillschweigen über seine Arbeit vereinbare. 2011 war es aber so, dass der gebürtige Augsburger (Fan und Mitglied des FCA) vor Spieltagen zum Einsatz kam, um bei den Profis die Gier auf Erfolg zu steigern. Und vielleicht auch, um die lähmende Angst vor dem Scheitern zu nehmen. Schaaf hatte Löhr nicht dazugeholt, weil er auf ein Wunder hoffte, sondern weil er die Arbeit des Mentaltrainers als weiteren Baustein sah: „Trainer selbst sind ja auch psychologisch geschult. Manchmal ist es für Spieler aber ganz gut, wenn sie das Gleiche nochmal von jemand anderem hören.“

Jörg Löhr habe 2011 in einem gestrauchelten Team „den Bereich Motivation aktiviert“, sagt Schaaf, „er lässt die Spieler wieder an gewisse Sachen glauben.“ Wobei „gewisse Sachen“ in letzter Konsequenz sicher Erfolg und Siege bedeuten soll. Werder, der aktuelle Tabellenvorletzte, braucht beides dringend, wenn die Bundesliga demnächst wieder loslegen sollte.

Werder Bremen: Thomas Schaaf lobt „sehr angenehmen“ Mentalcoach Jörg Löhr

Als Mensch sei Jörg Löhr „sehr angenehm“, meint Schaaf, keiner dieser Durchlauferhitzer, kein Chaka-Chaka-Typ, „nein, das ist er nicht. Er ist sehr offen, stellt schnell eine Verbindung zwischen sich und seinem Gegenüber her. Er stellt sich nicht vor die Spieler und sagt: ,Ich erklär dir mal, wie es geht.' Er begegnet ihnen vielmehr auf der gleichen Ebene.“ Von Sportler zu Sportler eben, auch wenn Löhrs Zeit als Handballer nun schon bald drei Jahrzehnte zurückliegt.

Eigentlich hätte Jörg Löhr, der mit dem neuen Bremer Teampsychologen Mathias Kleine-Möllhoff kooperieren wird, seine Arbeit bei Werder schon längst aufgenommen. Geeinigt habe er sich mit dem Club schon im Februar. Aber: „Wegen der Corona-Pandemie ist dann alles erst mal auf Eis gelegt worden.“ Mit der Mannschaft hat es deshalb bislang noch kein Treffen gegeben. Los geht's erst, wenn Werder und die ganze Bundesliga einen klaren Termin für den Neustart bekommen haben. (csa)

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