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Johannes Eggestein steht vor seiner zweiten Saison als fester Bestandteil des Bremer Profi-Kaders – und hat festgestellt, dass sich sein Standing im Team verändert hat: „Meine Mitspieler nehmen mich viel mehr wahr.“

Über das Gewinnen gegen Kohfeldt und seine Ziele

Johannes Eggestein im DeichStube-Interview: „Jeder Fußballer hat so seine Macke“

Grassau – Es ist schon Abend in Grassau, ein paar Tage Trainingslager hat Johannes Eggestein schon in den Knochen. Trotzdem kommt der Profi von Werder Bremen im Teamhotel bestens gelaunt zum Interview-Termin mit der DeichStube.

Dem 21-Jährigen ist die Vorfreude auf die neue Saison deutlich anzumerken, dabei droht ihm erst mal die Bank bei Werder Bremen. Die Konkurrenz in der Offensive ist enorm, Trainer Florian Kohfeldt setzt aktuell in der Startelf auf andere Spieler. Johannes Eggestein fühlt sich trotzdem wohler als noch vor einem Jahr, verrät, wo er sich verbessern will und spricht über eine Macke von ihm.

Herr Eggestein, der Golfplatz ist direkt nebenan, haben Sie schon eine Runde gespielt?

Nein, das ist noch nicht mein Sport. Vielleicht später mal. Es gibt schon den einen oder anderen Kollegen, der spielt. Meistens sind es aber die Älteren. Ich bin eher der Tennis- und Tischtennis-Typ.

Wie Trainer Florian Kohfeldt. Haben Sie ihn schon besiegt?

Beim Tennis noch nicht, das würde ich aber gerne mal machen (lacht). Beim Tischtennis habe ich ihn ja schon mal geschlagen.

Moment mal, Florian Kohfeldt behauptet immer, er sei der beste Tischtennisspieler bei Werder Bremen.

Er ist auch wirklich gut, trotzdem habe ich ihn schon mal geschlagen. Er kann zwar nicht so gut verlieren, aber das hatte keine Konsequenzen für mich (lacht).

Sie standen vergangene Saison in 23 Bundesliga-Spielen auf dem Platz. Wie fühlt es sich an, erstmals als gestandener Profi eine Vorbereitung zu absolvieren?

Es ist alles irgendwie anders. Durch die U21-EM bin ich später zur Mannschaft gekommen. In der habe ich jetzt auch eine andere Rolle, bin etablierter.

Wie macht sich das bemerkbar?

Meine Mitspieler nehmen mich auf und neben dem Platz viel mehr wahr. Als junger Spieler bist du ohnehin zurückhaltender, also nicht beim Training oder Spiel, aber in der Kabine oder im Hotel. Mittlerweile bin ich bei den Diskussionen dabei, sage auch meine Meinung. Ich fühle mich akzeptiert und dadurch sicherer und wohler.

Sind Sie trotzdem noch der Herausforderer?

Das weiß ich nicht. In der Offensive ist es schwer zu sagen, wer die Herausforderer und wer die Stammspieler sind. Es hängt viel von der Taktik ab und auch von der Trainingsleistung.

Johannes Eggestein stellte sich im Interview den Fragen von DeichStube-Reporter Björn Knips.

Florian Kohfeldt hat allerdings schon zahlreiche Stammplätze öffentlich vergeben. Ihr Name fiel dabei nicht. Warum?

Ich habe nicht genau gehört, was er gesagt hat. Aber wir spielen verschiedene Systeme, das bietet immer neue Möglichkeiten. Nehmen wir die Raute, da habe ich schon auf der Acht gespielt. Ich bin sehr flexibel aufgestellt und werde um meinen Platz kämpfen.

Ist es manchmal für Trainer vielleicht zu einfach, Sie auf die Bank zu setzen, weil Sie so ein umgänglicher Typ sind?

Ich glaube nicht, dass der Trainer danach entscheidet. Wenn ich der Meinung wäre, dass ich benachteiligt werde, würde ich das dem Trainer auch unter vier Augen sagen. Aber das war bislang nicht der Fall.

Kommt dieses Image des braven Profis davon, dass Sie nicht so extrovertiert sind wie andere Spieler?

Das kann schon sein. Das ist aber auch meiner Erziehung zu verdanken. Ich habe überhaupt kein Problem damit, dass ich so wirke. Ich bin, wie ich bin. Ich muss keinem auf Teufel komm' raus zeigen, dass ich auch mal eine andere Seite haben kann. Wenn es mal aus mir herauskommen sollte, dann ist das so. Aber ich will authentisch sein.

Bei Ihrem Bruder Maximilian wirkt es schon so, als würde nun die böse Seite etwas zum Vorschein kommen. Er lässt sich auf dem Platz kaum noch etwas gefallen und geht gerne mal in den Disput mit Gegenspielern. Ist Ihnen das auch schon aufgefallen?

Ja, aber ich habe mir noch nicht so den Kopf darum gemacht. Maxi ist natürlich durch seine vielen Spiele und seine guten Leistungen selbstbewusster geworden. Deswegen ist das vollkommen in Ordnung und gehört zur Entwicklung dazu.

Müssen Sie auch unangenehmer werden auf dem Platz?

Ich weiß nicht, ob man das wirklich muss. Cleverness und Abgezocktheit wären mir da wichtiger. Aber was heißt überhaupt unangenehm? Dem Gegenspieler einen Ellbogencheck zu geben, ist das für mich jedenfalls nicht, das gehört sich nicht. Ich würde es eher über meinen Spielstil machen, dass ich dem Gegner vielleicht im Rücken weglaufe und er deshalb hinterher sagt, es ist unangenehm gegen mich zu spielen.

Johannes Eggestein will mit Werder Bremen auch in der neuen Saison die internationalen Plätze angreifen.

Wo wollen Sie sich noch verbessern?

Im athletischen Bereich. Ich möchte noch ein besseres Gefühl dafür bekommen, wie ich mir meine Kraft am besten einteile. Als junger Spieler willst du auf dem Platz so viel wie möglich machen, um dich zu zeigen. Das ist aber nicht immer sinnvoll. Ich habe manchmal auch zu viel in die Defensivarbeit investiert und dann fehlte mir etwas im Umschaltmoment.

Ist das der Moment, in dem Sie ihre Backen aufblasen, was fast schon zu Ihrem Markenzeichen geworden ist?

(lacht) Das ist wirklich eine Angewohnheit von mir, aber nicht in dem angesprochenen Moment. Meistens mache ich das beim Torschuss – und da bin ich eigentlich nicht kaputt. Ich weiß nicht, warum ich das mache. Jeder Fußballer hat so seine Macke.

Was macht an einem Trainingslager am meisten Spaß?

Mit dem Team zusammen zu sein. Man erfährt einfach mehr über seine Mitspieler und hat viel Spaß zusammen.

Gibt es bei Werder auch so Rituale, dass die Verlierer des Trainingsspiels beim Abendessen die Gewinner bedienen müssen?

Das ist eine gute Idee. Wir machen das aber anders: Die Verlierer müssen nach dem Training alles vom Platz räumen. Sonst machen das die fünf jüngsten Spieler.

Gehören Sie mit 21 Jahren noch dazu?

Das kommt immer darauf an, wie viele Spieler aus der U23 dabei sind. Jetzt sind in Grassau Marin Pudic und Julian Rieckmann dazugekommen – und schon bin ich raus. Natürlich ist es nicht so schön, das machen zu müssen, aber die älteren Spieler sagen mir immer: Genieß es, dass du noch so jung bist.

Wie lautet das Saisonziel?

Wir als Mannschaft haben klar gesagt, dass Europa schon das Ziel sein soll. Aber ich persönlich finde darüber hinaus, dass es das Ziel von Werder Bremen sein sollte, sich dauerhaft unter den ersten neun Mannschaften zu platzieren und dann immer wieder auf die internationalen Plätze zu schauen. Das würde dem Verein gut tun. Denn wir haben in den letzten Jahren leider zu viele Schwankungen erlebt.

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Nach Trainer Florian Kohfeldt will bald auch Sportchef Frank Baumann seinen Vertrag bei Werder Bremen verlängern. Derweil hat sich bei den Grün-Weißen eine kuriose Szene ereignet. Am Rande des Trainings wurde Florian Kohfeldt um ein Autogramm gebeten – auf einem Trikot des FC Bayern, doch da macht der Trainer von Werder Bremen nicht mit. Achtung, Werder Bremen! Lazio Rom jagt Mittelfeld-Star Davy Klaassen als Nachfolger von Sergej Milinkovic-Savic, der vor einem Wechsel zu Manchester United steht. Unterdessen droht ein Wechsel zu platzen: War es das mit Werder Bremen und Benjamin Henrichs? Nur 28 Minuten in den letzten fünf Bundesliga-Spielen: Florian Kohfeldt erklärt, warum Johannes Eggestein bei Werder Bremen derzeit kaum eine Rolle spielt.

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