Johannes Eggestein und DFB-Coach Stefan Kuntz stehen vor einem Neuanfang. Der Profi des SV Werder Bremen war bis zuletzt Kapitän der deutschen U21, ist nun aber nicht einmal für den Kader nominiert.
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Johannes Eggestein und DFB-Coach Stefan Kuntz stehen vor einem Neuanfang. Der Profi des SV Werder Bremen war bis zuletzt Kapitän der deutschen U21, ist nun aber nicht einmal für den Kader nominiert.

U21-Nationaltrainer im DeichStube-Interview

DFB-Coach Kuntz sieht Werder-Profi Jojo Eggestein im DeichStube-Interview vor Neuanfang: „Er startet wieder von null aus“

Bremen – Das letzte Spiel der deutschen U21-Auswahl liegt schon eine kleine Ewigkeit zurück. Am 17. November 2019 verlor das Team von DFB-Trainer Stefan Kuntz in der EM-Qualifikation gegen Belgien mit 2:3. Kapitän der deutschen Mannschaft war Johannes Eggestein, auf der Bank saß Werder Bremens Neuzugang Felix Agu. 

Wenn aber am 3. und 8. September gegen Moldau und erneut Belgien die ersten U21-Länderspiele nach der Corona-Zwangspause anstehen, fehlen die beiden Profis des SV Werder Bremen in Kuntz' Aufgebot. Wieso? Die DeichStube hat bei dem 57-Jährigen nachgefragt.

Sie haben Ihre beiden Kandidaten von Werder Bremen für die kommenden Länderspiele der U21 nicht nominiert. Können Sie noch mal Ihre Beweggründe erläutern, warum Sie aktuell auf Johannes Eggestein und Felix Agu verzichten, Stefan Kuntz?

Die Entscheidung habe ich aus eigenen Überlegungen und auch nach Absprache mit den Werder-Verantwortlichen getroffen. Frank Baumann und Florian Kohfeldt haben diese Maßnahme begrüßt. Primär bleibt für mich, so zu handeln, wie es am besten ist für die Spieler. Ich glaube, es tut beiden gut, dass sie nun in der Vorbereitung sich auf die Arbeit im Verein konzentrieren.

Können Sie bitte Ihre Gedanken in dieser Hinsicht konkretisieren!

Jojo Eggestein, der als Kapitän der Ländermannschaft ein hohes Ansehen genießt, erlebte 2020 eine kleine Delle in seiner Entwicklung. Ein ganz normaler Vorgang bei jungen Spielern. Zuletzt stand er manchmal nicht einmal mehr im Kader von Werder. Es ist so, dass er nun wieder von null aus startet, die Vorbereitung soll ein Neuanfang sein, in der er sich auf das Mannschaftstraining in Bremen fokussiert. Bei Felix Agu denke ich, dass es vorteilhaft für ihn ist, wenn er sich in der neuen Umgebung einfindet. So hat er auch die Möglichkeit, sich bei seinem neuen Trainer zu präsentieren.

Werder Bremen: „Nicht ausgeschlossen, dass Jojo Eggestein im Oktober wieder beim DFB ist“

Die Nachrichten aus dem Werder-Trainingslager im Zillertal klangen vielversprechend, vor allem bezüglich Eggestein. Spricht dies für Ihre Entscheidungen?

Ich habe auch mitbekommen, dass „Flo“ Kohfeldt, den jungen Eggestein ausdrücklich gelobt hat. Es ist ein guter Anfang für „Jojo“.

Ist es realistisch, dass die beiden Bremer bei den folgenden Qualifikationsspielen im Oktober und November wieder berufen werden?

Es ist nicht ausgeschlossen, dass die beiden dann wieder dabei sind. Wir reagieren immer auf den aktuellen Leistungsstand. Sowohl Jojo Eggestein als auch Felix Agu zählen natürlich zu dem erweiterten Kader, der etwa 35 Spieler umfasst.

Früher zentraler Stürmer, dann auf der Außenbahn und auch im Mittelfeld eingesetzt – Eggestein scheint noch nicht auf eine Position festgelegt. Nun deutet Trainer Kohfeldt an, dass er ihn wieder als Stürmer einsetzen möchte. Wie sieht aus Ihrer Sicht die ideale Position für den Jungprofi aus?

Es ist ein Unterschied, ob „Jojo“ in der U21 gegen gleichaltrige Kontrahenten spielt oder in der Bundesliga gegen ältere und erfahrene Gegner. Doch ich sehe ihn vorrangig in der Spitze, ähnlich den jüngsten Überlegungen meines Kollegen. Eggestein kann neben einem zentralen Stürmer sich am besten entfalten, weil er ein gutes Gefühl für Räume hat und sehr stark im Abschluss ist.

Wie fällt Ihre Beschreibung des Profils beim Neuzugang Agu aus? Ein Rechtsverteidiger oder doch lieber links wie aktuell bei Werder?

Ich würde mich da noch nicht so festlegen wollen. Felix kann auch links verteidigen, ist nicht nur auf die rechte Seite beschränkt. Dass er beidfüßig ist, kommt ihm entgegen.

Nationaltrainer Stefan Kuntz hat Johannes Eggestein und Felix Agu vom SV Werder Bremen für die kommenden U21-Länderspiele der DFB-Auswahl nicht berücksichtigt.

U21-Nationalcoach Stefan Kuntz: „Fand es klasse, dass Werder Bremen an Flo Kohfeldt festgehalten hat“

Wie sehen Sie die Perspektiven dieses Jahrgangs im internationalen Vergleich?

Ich erzähle nichts Neues, wenn ich nochmals betone, dass nun in Deutschland die schwächeren Jahrgänge kommen. Es fing schon ein wenig an mit der Mannschaft, die Vize-Europameister in Udine geworden ist. Unser erstes Ziel ist, uns für die EM erneut zu qualifizieren, auch um mehr Vergleiche auf hohem Niveau zu haben. Meine Zuversicht besteht auch darin, dass bei jungen Spielern enorme Entwicklungsschritte möglich sind.

Zum zweiten Eggestein-Bruder: Sie kennen Maximilian recht gut. Hat Ihr Führungsspieler von einst in der letzten Saison eher einen Rückschritt gemacht?

„Maxi“ zählt seit geraumer Zeit nicht mehr zu „meinen Spielern“. Von daher halte ich mich mit Einstufungen zurück, weil es immer schwer ist, von außen das Leistungsvermögen zu beurteilen. Das überlasse ich den Verantwortlichen bei Werder, die für mich hohe Kompetenz ausstrahlen.

Wie bewerten Sie das letzte Spieljahr von Werder?

Für mich ein Beispiel, wie sich im Fußball alles schnell drehen und ändern kann. Nach einem sensationellen Jahr erlebte Werder einen Abschwung und musste eine schwere Spielzeit bestehen. Sie haben es überstanden und meiner Auffassung nach intern gut analysiert. Klasse fand ich, dass die Bremer an Florian Kohfeldt festgehalten haben.

Was ist in der neuen Saison von Bremen zu erwarten?

Ich schätze, dass die Bestandsaufnahme der Fehlentwicklungen dazu geführt hat, die Erwartungshaltung zurückzuschrauben. Damit ziele ich nicht auf die ambitionierte Zielsetzung ab, vor einem Jahr die Qualifikation für Europa auszurufen. Ich meine weniger die Entscheidungsträger sondern eher das Umfeld, in dem eine große, nicht gerade förderliche Euphorie zu verzeichnen gewesen ist. Werder, durch die Corona-Krise arg gebeutelt, bietet sich somit die Chance, in diesem Jahr mit den verarbeiteten Erfahrungen des letzten Jahres eine gute Rolle in der startenden Bundesligasaison zu spielen, mit geerdeten Erwartungen im Umfeld – das tut dem Club gut.

Das Interview führte Hans-Günter Klemm.

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