Nach Tor gegen Eintracht Frankfurt

„Das entmutigt mich nicht“ - Werder-Angreifer Josh Sargent sammelt Argumente gegen seine Kritiker

Bremen – Worum es genau ging, ist nicht überliefert. Denn aus der Entfernung war es ganz einfach nicht nachzuvollziehen, weshalb sich Josh Sargent und Nick Woltemade nach dem Training des SV Werder Bremen am Mittwoch plötzlich mitten auf dem Platz gegenseitig am Schlafittchen packten.

Das breite Lächeln der beiden Männer verriet allerdings schnell: Einen ernsten Hintergrund hatte die Sache nicht. Ganz im Gegenteil. Sargent und Woltemade rauften miteinander, sie balgten herum und wirkten dabei derart ausgelassen, dass sich der Gedanke an zwei Schüler auf dem Pausenhof förmlich aufdrängte. Gute Laune zum Zuschauen, wenn man so möchte. Und darüber hinaus ein schönes Sinnbild dafür, dass es für beide Stürmer gerade gut läuft. Für Woltemade, weil er nach einer langwierigen Virusinfektion endlich wieder voll mitmischen kann – und noch etwas mehr für Josh Sargent, dessen Treffer gegen Frankfurt so wertvoll gewesen war. Wertvoll für Werder Bremen, aber auch wertvoll für ihn selbst.

„Es war definitiv sehr wichtig für mich“, sagte Sargent am Donnerstag in einer Online-Medienrunde über das Tor, das seiner Mannschaft am vergangenen Spieltag einen überraschenden 2:1-Sieg beschert und ihm persönlich ein gutes Argument gegenüber seinen Kritikern geliefert hatte: Seht her, ich kann doch Tore schießen! In den Wochen zuvor war Sargents Ausbeute vor dem gegnerischen Kasten unter Fans und Beobachtern erneut zum Thema geworden. Tenor: Muss da nicht eigentlich mehr kommen?

Werder Bremen: Josh Sargent arbeitet hart, erzielt aber noch nicht genug Tore

Josh Sargent hat die Debatte durchaus vernommen, auch wenn er zu verstehen gibt, sich nicht so sehr mit dem zu beschäftigen, was von außerhalb des Vereins kommt. „Das entmutigt mich nicht“, sagt der 21-Jährige über die kritischen Stimmen – und verspricht: „Ich gebe immer mein Bestes und arbeite so hart, wie ich kann.“

Ein Problem mit der Einstellung kann dem Angreifer in der Tat niemand unterstellen, der Sargents Auftritte auch nur halbwegs aufmerksam verfolgt hat, denn einen fleißigeren Stürmer dürfte Werder Bremen lange nicht gehabt haben. Der Nationalspieler (zwölf A-Länderspiele für die USA) arbeitet diszipliniert nach hinten mit, scheut keinen Zweikampf und kein Kopfballduell und hält die Laufintensität dabei 90 Minuten lang hoch. „Ich denke sehr kompetitiv, und ich mag es einfach, hart für die Mannschaft zu arbeiten“, sagt Sargent. Eine Einstellung, dank der nicht wenige Fußballer vor ihm schon in den Rang des Publikumslieblings aufgestiegen sind. Dass Sargent davon in Bremen noch ein gutes Stück weit entfernt ist, liegt ganz einfach daran, dass für ihn als Stürmer eine andere Währung zählt: Tore, Tore, Tore. Und die liefert Sargent eben noch nicht zuverlässig genug.

Werder Bremen: Hohe Erwartungen und Kritik an Josh Sargent

In der laufenden Saison sind es drei Treffer in 21 Ligaspielen, insgesamt neun Tore nach 59 Einsätzen. Keine desaströse Quote für einen jungen Angreifer, aber eben auch wahrlich keine überragende. „Natürlich würde ich gerne mehr Tore schießen“, sagt Josh Sargent und erklärt: „Ich suche ständig nach Kleinigkeiten, die mir dabei helfen können.“ Allerdings sei er eben auch noch „ein sehr junger Spieler“ und habe deshalb noch „viel Zeit, um zu lernen“.

Was zweifellos richtig ist. Dass die Geduld einiger Fans und Beobachter beim Thema Sargent trotzdem nicht mehr unendlich erscheint, dürfte vornehmlich drei Gründe haben: 1.) Es gibt ganz einfach Spieler, die mit 21 Jahren schon für ganz andere Torquoten stehen. 2.) Mit der Erfahrung von fast 60 Bundesliga-Spielen geht Sargent nicht mehr als Talent durch. Und 3.) hat ihn Trainer Florian Kohfeldt vor der Saison bei Werder Bremen zum unumstrittenen Stammspieler gemacht, was nachvollziehbar war, aber eben auch die Erwartungshaltung noch oben schraubt.

Werder Bremen: Josh Sargent hält an Tor-Ziel fest - „Saison ist ja noch nicht vorbei“

Vor diesem Hintergrund verwundert es nicht, dass Sargent den Treffer gegen Frankfurt am Tag nach dem Spiel in einem Sponsoren-Talk als „very relieving“, als sehr befreiend einordnete. Dass er das Tor auf dem Platz nicht so richtig feiern konnte, weil er sich zunächst unsicher war, ob er nicht doch im Abseits gestanden hatte – geschenkt! Denn zum richtigen Zeitpunkt hatte er es in jedem Fall erzielt.

Erstmals in dieser Saison stehen Trainer Kohfeldt nun alle zentralen Angreifer zur Verfügung, vor allem Niclas Füllkrug und Davie Selke hätten ihn gerne, Sargents Platz in der Startelf. Kampflos hergeben wird ihn der US-Amerikaner aber bestimmt nicht. Schließlich gibt es da noch dieses Ziel, das er vor dem Saisonstart öffentlich formuliert hat: Sargent möchte Werders bester Torschütze der Saison werden. Auf die Frage einer Journalistin, was bei diesem Plan denn bisher schiefgelaufen sei, reagierte der Mann mit der Rückennummer 19 am Donnerstag irritiert. „Warum schiefgelaufen? Ich habe gesagt, dass es mein Ziel ist, bester Torschütze zu werden. Als Stürmer wäre es doch dumm, etwas anderes zu sagen“, hielt Sargent fest – und schob hinterher: „Die Saison ist ja noch nicht vorbei.“ (dco) Auch interessant: Jetzt ist Niclas Füllkrug dran - die Aufstellung von Werder Bremen gegen 1. FC Köln. Und: So seht Ihr das Bundesliga-Spiel Werder Bremen gegen 1. FC Köln live im TV und im Live-Stream.

Rubriklistenbild: © gumzmedia / nordphoto

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