Wynton Rufer und Josh Sargent
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Wynton Rufer (li.), spielte von 1989 bis 1994 bei Werder Bremen und gilt als Entdecker von Stürmer Josh Sargent.

Jetzt spricht der Entdecker des Werder-Angreifers

Entdecker Wynton Rufer über Werder-Talent Josh Sargent: „Das Tor hat er gebraucht“ 

Auckland/Bremen – Der Schuss ins kurze Eck zum 1:0 war schon ziemlich frech von Josh Sargent. Damit hatte der junge Stürmer von Werder Bremen den erfahrenen Eintracht-Torwart Kevin Trapp am Samstag ziemlich düpiert. Aber war das vom 20-Jährigen wirklich so gewollt? Die Frage hat Sargent bislang nicht beantwortet – und sollte es dabei auch belassen. Das rät ihm zumindest kein Geringerer als sein Entdecker, die Werder-Legende Wynton Rufer.

In seiner Heimatstadt Auckland, auf der anderen Seite der Welt in Neuseeland, hat der 57-Jährige die Partie natürlich verfolgt – wie fast alle Spiele von Werder Bremen. „Es ist doch egal, wie ein Ball reingeht“, sagt Wynton Rufer im Gespräch mit der DeichStube zum Bremer Führungstor beim 1:1 in Frankfurt. Die Situation, als Josh Sargent allein auf den Keeper zulief, etwas von außen kommend, hätte sicherlich eher für einen Schuss in die lange Ecke gesprochen. Davon war offenbar auch Trapp ausgegangen. Doch Sargent wählte die kurze Ecke, die ein Torwart eigentlich immer dichthalten sollte. Ganz schön clever. „Vielleicht war es Absicht, vielleicht auch nicht. In jedem Fall war es Instinkt“, findet Rufer: „Am Ende spielt es keine Rolle. Josh sollte auch gar nicht groß darüber sprechen. Denn es ist besser, wenn die Keeper nicht wissen, was er wie macht. Du musst als Stürmer unberechenbar sein.“

Werder Bremen: Josh-Sargent-Entdecker Wynton Rufer kam 1989 an die Weser

Wynton Rufer selbst hatte dieses Unberechenbare in seiner Karriere auf die Spitze getrieben. „Vor einem Elfmeter habe ich zum Torwart schon mal gesagt, dass er stehen bleiben muss, wenn er den Ball halten will. Der Torwart ist natürlich trotzdem in eine Ecke gesprungen – und mein Schuss ging in der Mitte rein“, erinnert sich Ozeaniens Spieler des Jahrhunderts und lacht. Zur Nachahmung empfiehlt Rufer das allerdings nicht – zumindest nicht zu Beginn einer Karriere. Er selbst hätte sich erst zum Schlitzohr entwickeln müssen. Schließlich war der Neuseeländer schon 26 Jahre alt, als er 1989 aus der Schweiz zu Werder Bremen gewechselt war.

Josh Sargent ist dagegen erst 20. „Das vergessen viele“, sagt Wynton Rufer, der mit Werder Bremen den Europapokal der Pokalsieger, eine Meisterschaft und zwei Mal mit Werder den DFB-Pokal gewonnen hat. Er schätzt den US-Amerikaner sehr: „Josh ist ein bodenständiger Typ. Er weiß, dass es nicht einfach ist in diesem Geschäft und geht Schritt für Schritt seinen Weg.“ Es sei mehr als bemerkenswert, dass Sargent schon 44 Bundesligaspiele absolviert und dabei immerhin acht Treffer erzielt habe. „Alles okay“, sagt Rufer, betont aber auch: „Das Tor von ihm kam jetzt zum richtigen Zeitpunkt. Er hat zuletzt viel gekämpft, ist viel für die Mannschaft gelaufen. Aber dann brauchst du als Stürmer einfach auch mal wieder ein Tor für dein Selbstvertrauen. Deshalb habe ich mich sehr für ihn gefreut, dass es gegen Frankfurt geklappt hat.“

Werder Bremen hat den Vertrag von Josh Sargent 2019 vorzeitig bis 2023 verlängert

Es war Sargents erster Treffer in dieser Bundesliga-Saison. Und natürlich kommt sofort die Frage auf, was für den Stürmer in dieser Spielzeit noch alles möglich ist. Doch da winkt Rufer sofort ab. „Da denke ich wie ein Trainer und schaue nur auf das nächste Spiel. So sollte es auch Josh machen. Seine Entwicklung ist gut, da muss man gar nicht zu weit in die Zukunft schauen.“ Beim „Florida Showcase“, einem der größten Sichtungsturniere für US-Talente, hatten Wynton Rufer und Werders Nachwuchskoordinator Heiko Flottmann den talentierten Stürmer im Dezember 2016 entdeckt. 2018 kam Josh Sargent dann tatsächlich zu Werder Bremen und feierte am 7. Dezember 2018 sein Bundesliga-Debüt – und das gleich mit einem Tor beim 3:1-Sieg gegen Fortuna Düsseldorf. Sein Vertrag wurde 2019 vorzeitig bis 2023 verlängert und beinhaltet eine Ausstiegsklausel. Die festgeschriebene Ablösesumme soll nach Informationen der DeichStube weit über 20 Millionen Euro liegen.

Werder Bremen: Transfer von Josh Sargent aktuell kein Thema

Ein Wechsel ist aktuell aber kein Thema, wenngleich Werder Bremen Einnahmen gut gebrauchen könnte. Doch Josh Sargent soll erst noch zu einem Star reifen und dabei der Mannschaft mit seinem Einsatz und seinen Toren helfen. „Jedes Spiel ist für ihn jetzt wichtig“, sagt Rufer und blickt gespannt auf die Partie am Freitag gegen den 1. FC Köln: „Wenn Werder gewinnt, dann wäre es ein super Saisonstart. Je besser die Mannschaft dasteht, umso einfacher wird es für so junge Spieler wie Josh, konstant ihre Leistungen zu zeigen.“ (kni)

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