Jürgen Born, Ex-Boss des SV Werder Bremen, rät im Kampf mit der DFL rechtliche Schritte zu überlegen.
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Jürgen Born, Ex-Boss des SV Werder Bremen, rät im Kampf mit der DFL rechtliche Schritte zu überlegen.

Jürgen Born rät im Streit mit DFL zu „juristischen Überlegungen“

Ex-Boss Jürgen Born prophezeit im Interview: Werder Bremen spielt gegen den HSV

Bremen – Von 1999 bis 2009 war er der Boss von Werder Bremen – und natürlich fiebert Jürgen L. Born auch heute noch mit seinem Herzensclub.

Im Interview mit der DeichStube erklärt der 79-Jährige, warum der Ball unbedingt wieder rollen muss, wie sich Werder Bremen gegen einen möglichen Zwangsabstieg bei einem Saison-Abbruch wehren sollte und was er nun von der Mannschaft erwartet.

Herr Born, freuen Sie sich auf den Wiederbeginn der Bundesliga?

Natürlich, es wird Zeit. Gut, dass der Ball wieder rollt. Ich war schon fast entwöhnt.

In der Öffentlichkeit wird der Unmut über die Politik der Liga immer lauter. Können Sie diese kritischen Stimmen verstehen?

Es muss unbedingt gespielt werden. Es gibt doch keine Alternative. Wenn die Saison nicht weitergeht, sind einige Vereine weg vom Fenster.

Der wirtschaftliche Zwang ist bekannt. Doch was ist mit dem Sport und einem fairen Wettbewerb?

Gut, es gab einige Ungereimtheiten. Vieles, was passiert ist, sehe auch ich kritisch. Doch es ist nun mal so gelaufen. Es herrschen fast identische Startbedingungen für alle, darauf muss man sich einstellen.

Diskutiert wird auch der Notfallplan der DFL, wonach es einen Meister und zwei Absteiger geben soll nach dem Stand der Tabelle bei einem eventuellen Abbruch der Saison. Wie sehen Sie diese Maßnahme?

Nicht nur weil Bremen bis jetzt noch ein Spiel weniger ausgetragen hat, scheint mir an dieser Stelle eine Grundlage gegeben für juristische Überlegungen und Überprüfungen.

Geschäftsführer Frank Baumann hat Nachteile für Werder Bremen betont und in Anlehnung an die berühmte Comicserie davon gesprochen, die Bremer seien wie die kleinen Gallier im Kampf gegen die mächtigen Römer. Können Sie dies nachvollziehen? Macht sich Werder zu klein?

Ich will es nicht bewerten. Doch Tatsache ist, dass jedes Wort in die Überschrift rückt, wenn der Erfolg ausbleibt und du unten stehst. Das kenne ich aus meiner Zeit als Vorstandsvorsitzender. Völlig egal, wie die Verantwortlichen es sehen, alle müssen sich nun auf das Sportliche konzentrieren und den Kopf freimachen von solchen Gedanken.

Wie optimistisch sind Sie, dass Werder den Klassenerhalt schafft?

Es ist noch nichts verloren. Doch Voraussetzung ist, dass die Mannschaft ganz anders auftreten muss als vor der Unterbrechung der Saison.

Was meinen Sie konkret?

In der Pause, als kein Live-Fußball lief, habe ich mir einige Konserven gegönnt von Bremer Spielen. Ich hätte es besser bleiben lassen. Da waren Spiele dabei, in der die Elf nicht gut aufgetreten ist. Die Spieler haben sich in dem einen oder anderen Spiel quasi ergeben. Ich denke vor allem an die schwache Leistung gegen Union Berlin oder gegen Freiburg.

Welchen Tabellenplatz kann Werder noch erreichen?

Für mich geht es nur noch um den Relegationsplatz, an eine direkte Rettung mag ich nicht mehr glauben. Es wird schwer genug, den drittletzten Rang zu erreichen. Und dann? Ich darf nicht darüber nachdenken, aus meiner Sicht droht ein Alptraum. In der Relegation, so prophezeie ich, treffen wir auf den HSV, was ich als unbequem erachte.

Halten Sie es für richtig, dass Ihre Nachfolger in der Vereinsführung treu und fest zum Trainer stehen?

Ich möchte mich in diese Personalie nicht öffentlich einmischen. Doch ich halte Florian Kohfeldt für einen ausgezeichneten Mann, einen Trainer mit enormem Sachverstand, einen Trainer, der die Nerven behält, wie ich registriert habe. Zudem ist er ein eingefleischter Bremer Junge, ein Werder-Fan. Und in der letzten Saison hat er beste Arbeit und Resultate geliefert. Über Nacht kann er nicht seine Fähigkeiten verloren haben. Es bleibt für mich ein Rätsel, wie fast die identische Mannschaft zum Vorjahr, ohne Max Kruse allerdings, so ins Strudeln geraten ist. Es läuft halt nichts zusammen.

Was ist, wenn Werder Bremen nicht die Kurve kriegt? Wenn es zum zweiten Abstieg in der Vereinsgeschichte kommt?

Läuft alles so weiter, wird es keine Wende geben. Dann wäre ein Abstieg nur folgerichtig und logisch nach dieser Spielzeit. Damit müssten wir uns abfinden, aber es wäre auch kein Weltuntergang. (Das Interview führte Hans-Günter Klemm)

Unterdessen muss ein Spieler des SV Werder Bremen in Quarantäne.

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