Der Kabinen-Zoff bei Werder Bremen zwischen Clemens Fritz und Niclas Füllkrug schlug große Wellen. Die Werder-Doku gibt neue Einblicke.
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Der Kabinen-Zoff bei Werder Bremen zwischen Clemens Fritz und Niclas Füllkrug schlug große Wellen. Die Werder-Doku „Ein Jahr zweite Liga“ gibt neue Einblicke.

Werders Kabinen-Ärger

„Halt den Mund jetzt endlich“: Neue Werder-Doku zeigt erstmals Bilder vom Kabinen-Streit zwischen Fritz und Füllkrug

Bremen – Ein schmaler Gang ist zu sehen, plötzlich gibt es Gebrüll. Einige Spieler des SV Werder Bremen schauen ebenso erschrocken drein wie Mitglieder des Betreuerstabs. Die Stimme, die zu hören ist, gehört Clemens Fritz – und der Leiter Profifußball ist mächtig angefressen. „Halt den Mund jetzt endlich“, schimpft er. „Du nimmst dich immer raus.“ Adressat seiner Worte ist Stürmer Niclas Füllkrug.

Die Bilder zu dieser Szene stammen bereits aus dem vergangenen Jahr. Doch erst jetzt ist dank der dritten Folge der Werder-Doku „Ein Jahr Zweite Liga“, die am Montag auf DAZN veröffentlicht wurde, das sichtbar geworden, worüber schon viel gesprochen und geschrieben wurde: der Bremer Kabinen-Eklat nach dem Zweitliga-Auswärtsspiel des SV Werder Bremen beim SV Darmstadt 98 (0:3) im Oktober 2021.

Was genau Clemens Fritz so in Rage gebracht hat, bleibt zunächst im Unklaren. Stattdessen schaukelt sich die Situation hoch. Niclas Füllkrug erwidert nämlich zuerst „Was mache ich?!“, worauf Fritz mit einem „Was du der Mannschaft für eine Scheiße antust“ kontert. „Wo nehme ich mich raus?“, fragt der Stürmer des SV Werder Bremen daraufhin gleich mehrmals, ehe Keeper Michael Zetterer mit vollem Einsatz eine körperliche Auseinandersetzung der beiden Streithähne verhindern muss. „Ich habe Niclas zur Seite geschoben und gesagt, dass er es einfach gut sein lassen soll“, beschreibt Fritz mit etwas Abstand vor laufender Kamera den Konflikt und gibt auch den Auslöser preis: „Es ist ein Satz gefallen, der mir nicht so gefallen hat.“

Werder Bremen-Doku gibt Einblicke in den Kabinen-Zoff zwischen Niclas Füllkrug und Clemens Fritz

Und genau diese Aussage ist es auch, die wenig später im Mittelpunkt steht, als Fritz, Sportchef Frank Baumann und der damalige Coach Markus Anfang hinter verschlossenen Türen im Weserstadion über die Zukunft von Niclas Füllkrug diskutieren. Und wieder ist die Kamera mit dabei und gewährt sonst verborgene Einblicke. „Er hat jetzt nicht die Mannschaft beschimpft“, nimmt Baumann den Angreifer in Schutz. „Er hat die Mannschaft zutiefst attackiert“, entgegnet Anfang: „Was will ich denn machen mit dieser Mannschaft? – so nach dem Motto war das.“

Es ist ein offenes Geheimnis, dass das Verhältnis zwischen Trainer und Stürmer nicht das beste war. Markus Anfang hat das stets bestritten. In der kleinen Krisensitzung aus der Werder-Doku zählt er zwar auf, wie wenig dem Angreifer bis dato sportlich gelungen sei, behauptet aber auch: „Die DeichStube, die Bild-Zeitung, die haben ihn komplett zerlegt in der Öffentlichkeit. Und ich habe ihn geschützt.“ Was allerdings auch ganz anders gesehen werden kann. Ausgerechnet nach dem Darmstadt-Spiel stellte der damalige Coach des SV Werder Bremen den Stürmer in einer kleinen Medienrunde gleich zwei Mal ungefragt an den Pranger. Da wusste Anfang übrigens noch gar nichts vom Zoff in der Kabine. Zurück zur Krisensitzung, in der Fritz in Bezug auf Niclas Füllkrug fordert: „Wir dürfen ihn nicht rausnehmen und auf gar keinen Fall auf einen Sockel stellen.“ Statt einer Sonderbehandlung einigen sich alle Beteiligten schließlich auf eine kurze Suspendierung Füllkrugs samt saftiger Geldstrafe.

Nach Kabinen-Zoff mit Clemens Fritz dreht Niclas Füllkrug beim SV Werder Bremen mächtig auf

Der Stürmer selbst entschuldigt sich bei Fritz und der Mannschaft – auch wenn diese Bilder in der Doku nicht zu sehen sind. Fast schon prophetisch kommt derweil in einer Szene Teamkollege Marvin Ducksch daher, der aus eigener Erfahrung weiß, wie es sich anfühlt, mit einer Torflaute und großer Unzufriedenheit umgehen zu müssen: „Jetzt kann natürlich genau das Gegenteil passieren und plötzlich geht alles. Das wäre natürlich sehr gut für uns“. Ducksch sollte Recht behalten. Niclas Füllkrug traf bereits im nächsten Spiel gegen Sandhausen für Werder Bremen, spurtete danach direkt zur Bank. „Ich wollte mit dem Torjubel dokumentieren, dass es unter uns geklärt ist und alle dazugehören“, erklärt er rückblickend. Und für den inzwischen 29-Jährigen wurden der Vorfall in Darmstadt und dessen Folgen quasi zu einer Art Neustart. Niclas Füllkrug avancierte schließlich zum erhofften Leistungsträger, war mit 19 Treffern, acht Vorlagen und reichlich Führungsqualitäten ein ganz zentraler Faktor des Aufstiegs. Und danach hatte es nach dem Eklat in Darmstadt nun wahrlich nicht ausgesehen. (mbü)

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