Dritter Spieltag, rote Laterne für die Grün-Weißen.
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Dritter Spieltag, rote Laterne für die Grün-Weißen.

Kader komplett, Baumann „zufrieden und glücklich“

Ist Werder wirklich besser geworden?

Bremen - Ishak Belfodil schlug die Tür hinter sich zu. Er war der Letzte, der in der Sommer-Transferperiode ins Haus Werder Bremen geschlüpft ist – als Neuzugang Nummer fünf.

Die Aktivitäten an der Wechselbörse waren im Vergleich zur Vorsaison, als 13 Spieler kamen und 13 gingen, eher mäßig. Werder verabschiedete diesmal die Routiniers Clemens Fritz und Claudio Pizarro, dazu Serge Gnabry, Santiago Garcia, Felix Wiedwald und Florian Grillitsch. 

Es sind prominente Abgänge, die Sportchef Frank Baumann aber adäquat ersetzt glaubt. Er sei „glücklich und zufrieden“ mit der Transferausbeute, sagt der 41-Jährige und führt aus: „Wir haben viele Spieler, die flexibel einsetzbar sind, wir haben eine Führungsachse, wir haben junge Spieler, die den nächsten Schritt machen werden.“ Ein Streifzug durch die Mannschaftsteile zeigt aber, dass nach Verbesserungen schon gezielt gesucht werden muss.

Tor

Die klaren Verhältnisse wurden nicht auf dem Platz, sondern am Schreibtisch geschaffen. Ohne einen Wettbewerb um die Nummer eins wurde Jiri Pavlenka zur selbigen. Sein Vorgänger Felix Wiedwald hatte nach der Verpflichtung des Tschechen das Weite gesucht. Nun steht Pavlenka im Werder-Tor – beinahe konkurrenzlos. Denn sein Stellvertreter Michael Zetterer ist mit 22 Jahren und ohne Erstliga-Erfahrung noch nicht so weit, um in Konkurrenz zu dem tschechischen Auswahl-Keeper zu treten. Floppt Pavlenka, hätte Werder ein Problem. Bislang hat er sich in drei Pflichtspielen aber nichts zu Schulden kommen lassen. 

Tendenz: keine Verbesserung

Jiri Pavlenka ist die neue Nummer eins im Werder-Kasten. Wenig verwunderlich, dass Felix Wiedwald den Verein verlassen hat.

Abwehrkette

Wer Abwehr sagt, muss auch Augustinsson sagen! Der schwedische Nationalspieler ist der neue Mann für die linke Seite – also der, der ein Problem lösen soll, das Werder über Jahre mit sich herumgeschleppt hat. Nie schien die Besetzung auf der Position ausreichend, doch nun gibt es ja Augustinsson. Er ist der Königstransfer des Sommers und der Neue, von dem sich Verein und Fans am meisten versprechen. Im Zentrum der Defensive blieb personell alles unverändert. Lamine Sane, der zum Saisonstart verletzte Niklas Moisander und Milos Veljkovic sind grundsätzlich erste Wahl. Robert Bauer musste sich wegen der MoisanderZwangspause zur Alternative in der Innenverteidigung entwickeln, Luca Caldirola sieht derzeit wie der große Verlierer aus. Nur wenn Bauer in der Dreierkette dauerhaft funktioniert, darf man sagen, dass Baumann und Coach Alexander Nouri mit ihrer Entscheidung, keinen weiteren Innenverteidiger mehr zu verpflichten, richtig lagen. Wegen Augustinsson gilt: 

Tendenz: Verbesserung

Ludwig Augustinsson, für 2,5 Millionen Euro vom FC Kopenhagen verpflichtet, gilt als großer Hoffnungsträger des Transfersommers.

Defensives Mittelfeld 

Clemens Fritz weg, Florian Grillitsch weg – zwei Stammkräfte aus der Aufräumabteilung im Mittelfeld haben die Mannschaft verlassen. Zum Ausgleich wurde Jerome Gondorf geholt, doch der Ex-Darmstädter spielt bislang offensiver als angenommen. Was auch daran liegt, dass Maximilian Eggestein in die Rolle des alleinigen Sechsers hineingewachsen ist. Der 20- Jährige macht seine Sache gut. Doch Leistungsdellen werden kommen, alles andere wäre ungewöhnlich bei einem Spieler in seinem Alter. Ob Philipp Bargfrede es dann noch einmal schafft, in die erste Reihe zu drängen? Wenn nicht: Thomas Delaney oder Gondorf können aushelfen. Außerdem gehören im bislang überwiegend praktizierten 3-5-2-System irgendwie auch die Außenverteidiger Augustinsson und Theodor Gebre Selassie im fließenden Übergang zum defensiven Mittelfeld. Dennoch hat Werder in dem Bereich keinen Qualitätssprung gemacht. 

Tendenz: keine Verbesserung

Die Werder-Wunschelf im 3-5-2 / mit allen Optionen auf den Positionen

Offensives Mittelfeld 

Hier schlägt das Herz des SV Werder, hier entsteht der Wind, der noch weiter vorne zum Sturm werden soll, hier läuft die Führungsachse von Sane/Moisander über Junuzovic/Delaney weiter zu Max Kruse. Und: Hier entscheidet sich auch, ob Werder im 3-5-2-System oder in einer 3-4-3-Formation antritt. Bislang hat Nouri vor allem auf das 3-5-2 mit zwei „Achtern“ als Motoren des Angrifssspiels vertraut – im Idealfall sind das Thomas Delaney und Kapitän Zlatko Junuzovic. Für die beiden hält der Kader etliche Stellvertreter bereit, von Florian Kainz über Gondorf bis Izet Hajrovic oder auch Fin Bartels. Wechselt Werder ins offensivere 3-4-3 muss wegen des dritten Stürmers ein Achter oder der Sechser weichen. Der Fortschritt liegt in diesem Bereich allenfalls in der Variabilität, nicht aber in der personellen Ausstattung. Denn dort hat sich kaum etwas getan. Der Versuch, den Verlust von Nur-ein-Jahr-Werderaner Serge Gnabry mit einem Neuzugang aufzufangen, wurde gar nicht erst unternommen. Kainz soll die Rolle übernehmen. Ob das funktioniert? 

Tendenz: keine Verbesserung

Die Bremer "Allzweckwaffe" Florian Kainz.

Angriff

Angriff In Last-Minute-Verpflichtung Ishak Belfodil hat Werder einen Mann ins Team geholt, von dem noch niemand wirklich sagen kann, ob er eine Bereicherung ist. Unklar ist sogar, auf welcher Position der von Standard Lüttich ausgeliehene Angreifer als Stoß- stürmer spielen soll, als hängende Spitze oder gar als Spielmacher. Er kann alles – das behauptet er jedenfalls von sich selbst. Wie der Algerier tatsächlich ins Team eingebunden wird, ist noch der Fantasie des Trainers überlassen. Gebraucht wird Belfodil definitiv im Sturmzentrum, wo nicht erst seit der Trennung von Claudio Pizarro eine Lücke klafft. Yuning Zhang, Sponsorenmagnet aus China und fußballerisches Fragezeichen in einer Person, wird diese Lücke gewiss nicht schließen. Und Nachwuchsmann Johannes Eggestein (19) muss sein großes Talent erst noch mit Bundesliga-Härte bereichern. Viel bleibt deshalb wohl auch in dieser Saison an Top-Star Max Kruse hängen. 

Tendenz: keine Verbesserung

Max Kruse ist noch nicht auf Betriebstemperatur.

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