Reicht die Qualität im Kader des SV Werder Bremen aus, um auch ohne Neuzugänge weiterhin erfolgreich zu sein und um den Aufstieg in die Bundesliga zu spielen?
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Reicht die Qualität im Kader des SV Werder Bremen aus, um auch ohne Neuzugänge weiterhin erfolgreich zu sein und um den Aufstieg in die Bundesliga zu spielen?

Vertrauen statt neuer Impulse

Der SV Werder Bremen will mit dem aktuellen Kader weiter erfolgreich sein – aber hat der denn überhaupt das Zeug dazu?

Bremen - In der Ruhe soll für den SV Werder Bremen nun die größte Kraft liegen. Nach ereignisreichen Monaten ist die Sehnsucht nach neuen Nebengeräuschen nicht allzu ausgeprägt, weshalb das aktuelle Stillleben geradezu genossen wird – und zum Schlüssel für den weiteren Saisonverlauf werden soll. Auf Neuverpflichtungen wurde verzichtet, weil es nie die hundertprozentige Garantie gibt, ob eine Soforthilfe eben genau das ist. Oder sich am Ende vielleicht doch als Störfaktor entpuppt. Da ist es dann auch egal, dass der ein oder andere Konkurrent auf dem Transfermarkt zugeschlagen hat. „Die Frage ist nicht, was andere Mannschaft gemacht haben, sondern womit wir uns wohlfühlen und wie wir uns aufstellen, um die größte Aussicht auf Erfolg zu haben“, sagt Trainer Ole Werner. „Wir haben das Gefühl, dass man durch die Arbeit, die man in den eigenen vier Wänden macht, erfolgreich sein kann.“

Genau deshalb galt das Hauptaugenmerk dem Erhalt des bestehenden Gerüstes. „Die Situation war anders als im Sommer, aber in der Hinsicht komfortabel, dass wir selbst bestimmen konnten, was passiert“, sagt Trainer Ole Werner. „Daher war unser Bestreben, niemanden abzugeben, der zuletzt eine tragende Rolle auf dem Platz gespielt hat. Dass wir jetzt niemanden dazugenommen haben, ist ein Ausdruck dessen, dass wir uns gut aufgestellt sehen. Es brauchte nicht zwingend noch einmal einen Impuls von außen, sondern es liegt allein an uns als Gruppe, wie erfolgreich wir sind.“ Aber ist der Kader des SV Werder Bremen dazu wirklich in der Lage? Ein Überblick.

Ist Werder Bremens Kader stark genug für den Aufstieg? Ein Überblick!

Tor: Mit Jiri Pavlenka besitzt der SV Werder Bremen einen Keeper, der nicht frei von Fehlern ist, aber trotzdem immer auch Punkte rettet. Bester Beleg war das jüngste Spiel in Paderborn, wo er sich zwar abermals aus großer Distanz böse düpieren ließ, im Gegenzug aber mehrere starke Paraden zeigte. Dahinter sitzt mit Michael Zetterer ein Schlussmann auf der Bank, der als der bessere Fußballer gilt, seit seiner Demission in der Hinrunde aber zum Zuschauen verdammt ist. Sollte ein erneuter Tausch noch einmal nötig sein – aus welchem Grund auch immer –, dürfte das bei Trainerteam und Fans gleichermaßen nicht für allzu große Bauchschmerzen sorgen.

Abwehr: Das Stammpersonal der Dreierkette gehört fraglos zum Besten, was die 2. Bundesliga in dieser Saison zu bieten hat. Wenn Milos Veljkovic, Ömer Toprak und Marco Friedl fit sind, haben es gegnerischen Angreifer in der Regel schwer. Allerdings verletzte sich Ömer Toprak im Training und droht nun gegen den FC Ingolstadt auszufallen. Doch das Trio kann mehr als „nur“ verteidigen, zeigt auch beim Spielaufbau, bei öffnenden Diagonalpässen oder als kopfballstarkes Zielobjekt bei Standards seine Qualitäten. Muss doch ein Ausfall kompensiert werden, könnten die erfahrenen Anthony Jung oder Christian Groß einrücken, mit Lars Lukas Mai ist zudem ein junger Profi vorhanden, der an der Seite von routinierten Nebenleuten ebenfalls funktionieren kann. Dass Werder Bremens Defensive meist überzeugt, liegt auch an den Flügelspielern. Felix Agu und Anthony Jung sind gesetzt, Agu kann sogar auf beiden Seiten spielen. Mit Mitchell Weiser und Manuel Mbom gibt es zumindest rechts weitere Optionen, links ist die qualitative Vielfalt mit dem eigentlich offensiver ausgerichteten Oscar Schönfelder sowie dem noch unerfahrenen Kyu-Hyun Park dünner.

Kein Mittelfeld-Transfer: Werder Bremen hat die Fan-Sehnsucht nach einem neuen Sechser mal wieder ignoriert

Defensives Mittelfeld: Von vielen Fans sehnsüchtig gefordert, von Werder Bremen erneut ignoriert: die Alternative auf der Sechs. Seit Jahren tut sich nichts zentral vor der Abwehr, auch das Winter-Transferfenster 2022 schloss wieder ohne personelle Neuerung. Doch so groß der Frust bei manchem Anhänger auch ist, so gelassen sind die Verantwortlichen. Mehr noch: Für Ole Werner könnte die Situation eigentlich kaum besser sein. „Ich kann nur die Spiele unter meiner Leitung bewerten, und da hat meistens Christian Groß dort gespielt. Wenn wir uns dessen Leistung anschauen, war das überwiegend sehr überzeugend“, sagt Werders Cheftrainer und setzt anschließend zur Aufzählung an. „Wir haben dahinter mit Ilia Gruev einen Spieler, der eine Perspektive besitzt und schon gezeigt hat, dass er für sein Alter sehr gute Spiele in der 2. Liga macht. Wir haben Nicolai Rapp, der weiß, wie man in dieser Liga auf dieser Position spielt. Und dann haben wir Manuel Mbom, den man dort einsetzen kann, wenn man mal mit zwei Sechsern spielt.“

Diese Auswahl wiederum lässt Ole Werner zu folgendem Schluss kommen: „Welcher Zweitligist ist auf dieser Position so viel besser aufgestellt, dass man sagen könnte, mit denen möchte ich tauschen? Da fällt mir nicht so viel ein.“ Die folgenden Wochen dürften zeigen, ob der 33-Jährige mit dieser Einschätzung wirklich richtig liegt.

Offensives Mittelfeld: Die Kreativabteilung vom Osterdeich kann sich fraglos sehen lassen. Leonardo Bittencourt, Romano Schmid und Niklas Schmidt haben im Laufe der Saison allesamt bewiesen, wie wichtig sie für die Mannschaft sind – als Torschützen und als Vorbereiter. An guten Tagen sprühen die Einzelteile dieses Trios nur so vor Kreativität und stellen jede Abwehr vor große Herausforderungen. Ihr Wert für das Team ist enorm, zumal es gerade im Fall von Leonardo Bittencourt nicht überrascht hätte, wenn er andernorts ein höherklassiges Abenteuer gewagt hätte. Doch auch er blieb – und will mit Werder Bremen selbst die Kurve kriegen. Zuletzt gelang das bekanntlich ziemlich gut.

Bei Werder Bremen dürfen nicht zu viele Leistungsträger ausfallen - aber welchem Verein geht das eigentlich nicht so?

Angriff: Zwei Namen überstrahlen alles: Marvin Ducksch und Niclas Füllkrug. Jeder für sich allein kann für einen Verein schon den Unterschied ausmachen, Seite an Seite entfaltet sich ihre Qualität aktuell mehr und mehr. Optimaler kann ein Zweitliga-Club im Sturm nicht aufgestellt sein. Das Duo soll es sein, das Werder Bremen zum Aufstieg schießt – und womöglich muss es das auch. Denn wo derart viel (teuer bezahlte) Klasse in der ersten Reihe strahlt, ist der Schatten dahinter umso länger. Eren Dinkci zeigt immer wieder, was er kann, doch ein echter Knipser war er bislang auch in Testspielen trotz teils hochkarätiger Chancen nicht. Roger Assalé ist stets bemüht, aber das war es dann fast auch schon. Und Nick Woltemade wird bei Werder hochgeschätzt, nimmt nach seiner längeren Verletzungspause aber gerade erst wieder einen neuen Anlauf in Richtung endgültigem Durchbruch.

Kurzum: Werder Bremen hat vor allem dank der ersten Elf allerbeste Chancen, auch weiterhin zu den Topteams der Liga zu gehören. Mit dieser Mannschaft müssen die Bremer das sogar. Aber es dürfen halt nicht zu viele entscheidende Leistungsträger ausfallen. Ein, zwei Lücken lassen sich vielleicht stopfen – größere Baustellen wären Gift. Aber welchem Verein geht das eigentlich nicht so? (mbü)

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