Florian Kohfeldt ist mit dem Trainingslager des SV Werder Bremen im Zillertal zufrieden. Aber wie ist der Stand in den einzelnen Mannschaftsteilen? Die DeichStube macht den Check.
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Florian Kohfeldt ist mit dem Trainingslager des SV Werder Bremen im Zillertal zufrieden. Aber wie ist der Stand in den einzelnen Mannschaftsteilen? Die DeichStube macht den Check.

Werder-Kader in der Analyse

Ist „gut“ schon gut genug? Wie der SV Werder Bremen im Trainingslager vorangekommen ist - Der Kader im Check

Zell am Ziller – Als Florian Kohfeldt ein letztes Mal über den Rasen des Parkstadions in Zell am Ziller geht, da lächelt der Coach des SV Werder Bremen. Der schwache Auftritt beim 4:2-Testspielsieg gegen Austria Lustenau hat ihn zwar verärgert, aber den Gesamteindruck des nun beendeten Trainingslagers nur ein bisschen geschmälert.

Der Coach gibt Werder Bremen nach elf Tagen Vorbereitung im Zillertal die Note „gut“. Die DeichStube war in Österreich dabei – eine Analyse.

Torhüter des SV Werder Bremen

„,Pavlas‘ geht mit einem klaren Vorsprung in die Saison. Es müsste schon viel passieren, dass er nicht die Nummer eins ist“, spricht sich Florian Kohfeldt klar für Jiri Pavlenka aus, macht aber auch Ersatzmann Stefanos Kapino Mut: „Ich würde mich auch mit ihm als Nummer eins wohlfühlen. Aber ich sehe ,Pavlas‘ einen Tick besser.“ Kapino liebäugelt mit einem Wechsel, um nach zwei Jahren auf der Bremer Bank wieder regelmäßig spielen zu können. Und wer weiß, möglicherweise taucht doch noch ein interessantes Angebot für Pavlenka auf. Eigentlich wollte der 28-Jährige in diesem Sommer den nächsten Schritt machen. Aktuell ist Werder Bremen auf dieser Position top besetzt.

Abwehr des SV Werder Bremen

Der Konkurrenzkampf in der Defensive ist zwar angefacht worden, dennoch sind drei Plätze in der Viererkette eigentlich fest vergeben – und zwar an Theodor Gebre Selassie, Ömer Toprak und Ludwig Augustinsson. Ausgerechnet Kapitän Niklas Moisander muss um seinen Platz fürchten, weil Marco Friedl mit seinen 22 Jahren zum Mann geworden und damit zu einer echten Alternative für den linken Posten der Innenverteidigung gereift ist. 

Milos Veljkovic konnte verletzungsbedingt noch nicht Toprak attackieren. Auf den Außen machen das die Neuzugänge Felix Agu und Manuel Mbom zwar schon ganz gut, aber in der Bundesliga dürften sie es noch schwer haben. Viel hängt wirklich von Toprak ab. Fehlerfrei war der 31-Jährige bislang nicht, weshalb noch Zweifel angebracht sind, ob die Abwehr wirklich besser ist als in der schwachen Vorsaison.

Mittelfeld des SV Werder Bremen

Kohfeldt hat selbst angesprochen, wo bei Werder Bremen noch der Schuh drückt: auf der Sechs. Gesucht wird ein dynamischer Spieler mit Offensivdrang. Neuzugang Patrick Erras ist zwar ein solider Akteur auf der Position, aber einer ohne wirklichen Esprit. Maximilian Eggestein ist weiter als Achter eingeplant und wird von Kohfeldt nicht als Erstbesetzung für die zentrale Position auf der Sechs geführt. 

Davy Klaassen bleibt im Mittelfeld natürlich gesetzt. Als Achter bieten sich auch Leonardo Bittencourt, Kevin Möhwald und Romano Schmid an, wenngleich der junge Österreicher in der zweiten Hälfte des Trainingslagers stark nachgelassen hat. Yuya Osako ist als Zehner immer ein Thema – oder auch als falsche Neun. Auch Nick Woltemade kann zentral spielen, dass er allerdings schon Bundesliga-Reife besitzt, muss der 18-Jährige erst noch zeigen. Kohfeldt hat offensiv im Mittelfeld aber in jedem Fall eine quantitativ gute Auswahl.

Angriff des SV Werder Bremen

Acht Tore in den zwei Testspielen gegen Erstligist Linz und Zweitligist Lustenau, dazu noch einige vergebene Chancen – im Angriff läuft es bei Werder Bremen schon ganz gut. Kohfeldt freut sich vor allem über die neue Möglichkeit im Angriff wie gegen Lustenau zuerst „flügellastiger“ mit zwei Außen wie Neuzugang Tahith Chong und Johannes Eggestein sowie einem echten Mittelstürmer wie Davie Selke zu agieren, dann aber auch „zentrumslastiger“ – also mit zwei Stürmern wie Niclas Füllkrug und Yuya Osako. Profis wie Johannes Eggestein, Josh Sargent, Nick Woltemade und Milot Rashica würden diesen Wechsel sogar während einer Partie ohne Spielertausch ermöglichen. „Das ist schön, da geht das Trainerherz auf, da kannst du variieren“, schwärmt Kohfeldt.

Es gibt aber noch viele Fragezeichen. Bleibt Rashica? Eher nicht, Werder Bremen braucht das Geld. Hält das Knie von Füllkrug? Er schont sich nicht, Werder will ihn vorsichtig aufbauen. Schafft Selke die Wende? Er hängt sich voll rein, wirkt fast schon übermotiviert und vor dem Tor wechseln sich noch Licht und Schatten ab. Und kann Chong mit seinen 20 Jahren und wenig Premier-League-Erfahrung schon in der Bundesliga funktionieren? „Ja“, sagt Kohfeldt. Der Niederländer sei schon ein Kandidat für die Startelf. Chong hat sein Potenzial in der Tat schon angedeutet, der schnelle Außenstürmer macht Spaß, verlässt sich aber noch zu sehr auf seine beste Waffe, den Robben-Move, von rechts reinziehen und dann mit links abziehen.

Fazit

Die Mannschaft ist hungrig, sie will die Wiedergutmachung für die verkorkste Vorsaison. Das ist deutlich zu spüren. Manchmal ging es ganz schön rustikal zu, Füllkrug testete mal kurz sein Verhältnis zum Coach, der keine Extrawürste duldete. Der „Platzverweis“ war ein gutes Signal von Florian Kohfeldt. Die neuen, jungen Spieler bringen frischen Wind rein. Ob die Qualität für bessere Zeiten ausreicht, muss sich zeigen. Spannend bleibt auch, ob Werder Bremen das Problem mit den vielen muskulären Verletzungen und den Wiedereingliederungen in den Griff bekommen hat. Im Moment sieht es danach aus, die aktuellen Ausfälle resultieren aus Trainingsunfällen. (kni)

Hier gibt es Werder Bremens Testspiel-Doppelpack gegen Groningen und St. Pauli im Liveticker.

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