Zwei für die Zukunft des SV Werder Bremen: Manuel Mbom (li.) und Romano Schmid.
+
Zwei für die Zukunft des SV Werder Bremen: Manuel Mbom (li.) und Romano Schmid.

Jung soll in Bremen Teuer ersetzen

Günstiger statt schlanker: Wie der SV Werder Bremen im Kader sparen will

Bremen – Das offizielle Teamfoto des Sommers 2019 zeigt 28 Spieler. Weil in Nachwuchskraft David Philipp einer fehlte an dem Tag, an dem das Foto geschossen wurde, hätten es eigentlich 29 sein müssen. Das war die Kadergröße, die der SV Werder Bremen für die gerade abgelaufene Saison eingeplant hatte.

Jetzt weiß man: Mit den 28+1 auf dem Bild ist der SV Werder Bremen bei weitem nicht durch die von Verletzungen durchseuchte Saison gekommen. Es stießen im Winter noch Kevin Vogt und Davie Selke dazu, zuvor hatte Coach Florian Kohfeldt auch die Jung-Stürmer Nick Woltemade und Luc Ihorst kurzfristig ins Profi-Team befördert und ins kalte Bundesliga-Wasser geworfen.

Insgesamt setzten die Bremer in der abgelaufenen Spielzeit 30 unterschiedliche Akteure ein. Hinter Hertha BSC (32) und 1899 Hoffenheim (31) ist das Platz drei im Liga-Ranking und zeigt, dass Werder Bremen den großen Personalapparat mit der U23 als stille Reserve gut gebrauchen konnte. Und es zeigt auch, dass die Bremer beim Thema „Verschlanken“, was aktuell zu so etwas wie einem Modewort in der Branche geworden ist, sehr vor- und umsichtig vorgehen müssen.

Werder Bremen will Spielerzahl nicht reduzieren

Im Grunde will sich in diesem Sommer jeder Club irgendwie verschlanken, um den durch die Coronavirus-Pandemie verursachten Mindereinnahmen zu begegnen. Mit Ausnahme der ganz Großen des Business und der neureichen Hertha aus Berlin vielleicht. Der Rest aber will abspecken, muss abspecken. Personalkosten sollen reduziert werden, das geschieht teils durch Stellenabbau bei übermäßig aufgeblähten Kadern oder mittels einer gezielt durchgetauschten Belegschaft. Dieses Prinzip wird beim SV Werder Bremen greifen.

Eine Reduzierung der Spieleranzahl ist laut Sportchef Frank Baumann trotz aller bekannten Sparzwänge nicht vorgesehen. „Wir müssen bei der Kadergröße auch die Situation sehen, dass wir in der kommenden Saison ein enges Programm mit einigen englischen Wochen haben werden“, sagt Baumann und argumentiert, dass deshalb eigentlich ein, zwei Spieler mehr nötig seien. Die Umstände werden das aber nicht erlauben. Gefühlt bleibe es „bei einer ähnlichen Größe wie letztes Jahr“, erklärt Baumann. Also wieder 29 Spieler.

Werder Bremen zahlt fast 72 Millionen Euro für Gehälter

Aber: Die neuen 29 dürfen nicht mehr so viel kosten wie die alten 29. Es muss gespart werden - und zwar kräftig. Wer Klaus Filbry, den Vorsitzenden der Geschäftsführung, von Einnahmeeinbußen von 30 Millionen Euro in zwei Spielzeiten hat reden hören, kann sich vorstellen, was Baumanns Auftrag ist. Er selbst sagt: „Einsparungen müssen ja nicht über die Anzahl der Spieler erreicht werden, sondern auch über das Gehaltsgefüge.“

In der Saison 2018/19 zahlte Werder Bremen an alle Mitarbeiter knapp 72 Millionen Euro an Gehältern aus – was gegenüber dem Jahr davor ein Plus von 14 Millionen war. In der vergangenen Spielzeit dürfte diese Zahl durch die Not-Verpflichtungen von Ömer Toprak im Sommer sowie von Vogt und Selke im Winter weiter leicht gestiegen sein. Nun muss sie aber wieder gesenkt werden. Dabei kommt Werder entgegen, dass einige Alt-Verträge gerade ausgelaufen sind. Allen voran der von Nuri Sahin mit einem Jahresgehalt von zwei Millionen Euro. Auch Claudio Pizarro, Philipp Bargfrede, Fin Bartels und Sebastian Langkamp sind runter von der Gehaltsliste. Damit dürften weitere drei bis vier Millionen Euro frei geworden sein im Etat.

Werder Bremen: Talente statt Altstars - Kader wird billiger, aber nicht schlanker

Die Planstellen werden nun mit jungen, günstigeren Spieler besetzt. Jean-Manuel Mbom ersetzt Sahin, Romano Schmid tritt an Bartels‘ Stelle. Bundesliga-Newcomer übernehmen die Posten der Altgedienten - so kann es gehen. Und Baumann stellt schon mal fest: „Der Kader wird jünger werden - definitiv.“ Und billiger. Aber nicht schlanker.

Doch auch die „29“ ist als Ziel derzeit noch weit weg. Mit allen zuletzt ausgeliehenen und zurückgekehrten Spielern sowie den Neuverpflichtungen Felix Agu, Johan Mina und Oscar Schönfelder umfasst der Kader im Moment 35 Spieler. Davon müssen also noch mindestens sechs gehen – und bei jeder Verstärkung von extern noch einer mehr. In Benjamin Goller (zum Karlsruher SC) und Jan-Niklas Beste (zu Jahn Regensburg) hat Werder Bremen bereits zwei junge Spieler in die Zweite Liga verliehen. Weitere werden folgen. Luca PlogmannSimon Straudi und David Philipp sind Leihkandidaten, bei den Rückkehrern gilt laut Baumann dies: „Von dem einen oder anderen werden wir uns auch ganz trennen, andere möchten wir halten.“ (csa)

Auch interessant

Neu und nur in der DeichStube!

DIE DEICHSTUBE ALS KOSTENLOSE APP

Die DeichStube gibt es jetzt auch als kostenlose App. Einfach downloaden!

Kommentare