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Österreicher unter sich: Zlatko Junuzovic (r.) ist der neue Werder-Kapitän, Florian Kainz die neue Hoffnung im offensiven Mittelfeld.

Teil 5: Was war, was wird?

Werder-Kadercheck: Offensives Mittelfeld - Kainz bleibt Hoffnungsträger

Bremen - Wer bestimmt den Pulsschlag im Herzen des Spiels bei Werder Bremen? Teil fünf des Kaderchecks widmet sich dem offensiven Mittelfeld.

Thomas Delaney

Kam im Winter, schlug ein wie eine Bombe und ist aus dem Team nicht mehr wegzudenken. Delaney ist im Mittelfeld der Spieler, den Werder brauchte, ein Alleskönner und Allesmacher. Der Däne begann als Sechser, tendierte aber stets mehr Richtung Offensive, Richtung Halbposition, wo er sich selbst am stärksten sieht und wo er auch im dänischen Nationalteam spielt. Das Highlight seiner ersten Halbserie in der Bundesliga war der Dreierpack beim 5:2 in Freiburg – so viele Tore in einem Spiel waren Delaney nie zuvor gelungen. Im Saison-Schlussspurt allerdings mit einem Leistungsknick, der jedoch zu erklären ist. Denn der 25-Jährige hatte bereits 35 Saisonspiele in Champions League, der dänischen Superliga sowie für das Nationalteam in den Knochen, bevor er im Januar zu Werder kam.

Durchschnittsnote: 3,25 (12 bewertete Spiele)*

Zlatko Junuzovic

28 Mal stand er in der Bremer Startelf – diesen Wert toppt nur Niklas Moisander (29). Obwohl es gewiss keine überragende Saison von Junuzovic war, stechen zwei weitere Daten doch heraus. Der Mittelfeldmann spulte auf dem Platz mit 332,86 Kilometern das mit Abstand größte Laufpensum ab. Zudem lieferte er 50 Torschussvorlagen – Top-Wert gemeinsam mit Max Kruse. Jede fünfte seiner Vorlagen führte auch zu einem Treffer – sprich: Zehn Assists stehen auf seinem Konto, dazu vier eigene Tore.

Durchschnittsnote: 3,53 (29 bewertete Spiele)

Serge Gnabry

In der Hinrunde ein Held. Als Torschützenkönig und Silbermedaillen-Gewinner des Olympischen Turniers kam Gnabry nach Bremen und wurde sogleich der große Hoffnungsträger. Schnell, trickreich, selbstbewusst, torgefährlich, technisch stark, dazu auch defensiv einigermaßen diszipliniert – Gnabry, der mitunter auch ganz vorne agierte, hauchte dem Werder-Mittelfeld kräftig Leben ein. In der ersten Saisonhälfte traf er siebenmal, in der Rückrunde schob er zudem die Serie von elf Spielen ohne Niederlage mit dem Führungstreffer beim 2:0 in Mainz und dem Doppelpack beim 2:1 in Wolfsburg entscheidend an. Um es zusammenzufassen: Gnabry war die große Nummer bei Werder. Doch diesen Part übernahm im letzten Saisondrittel Max Kruse – auch weil Gnabry sieben Spiele verletzt verpasste. Danach war plötzlich kein Platz mehr für ihn in einem gut funktionierenden Bremer Team. Vermutlich hat diese Erfahrung mit den Ausschlag dafür gegeben, die Ausstiegsklausel zu nutzen und zum FC Bayern zu wechseln.

Durchschnittsnote: 3,62 (25 bewertete Spiele)

Thomas Delaney legte bei Werder einen Traumstart hin.

Izet Hajrovic

Sein Abschied stand auf der Bremer Sommer-Agenda 2016: Der Bosnier sollte nach einer gefloppten Ausleihe nach Spanien (SD Eibar) verkauft werden. Doch niemand wollte ihn haben. Also blieb Hajrovic und wurde unter Trainer Alexander Nouri sogar ein Startelf-Spieler. Mit zunächst ansprechenden Leistungen auf dem rechten Flügel. Hajrovic gelang es, sein Tempo und seine Quirligkeit sinnvoll einzubringen. Dann ging die Leistungskurve wieder nach unten – ehe das jähe Ende kam: Kreuzbandriss am 13. Spieltag. Erst zum Start der Vorbereitung auf die neue Saison ist er nun wieder dabei.

Durchschnittsnote: 3,66 (6 bewertete Spiele)

Florian Kainz

3,5 Millionen Euro hatte Werder an Rapid Wien gezahlt, um Kainz zu bekommen. Und dann saßen diese 3,5 Millionen Euro eine Halbserie lang nutzlos auf Bank und Tribüne herum. Es war ein Fehlstart, wie er im Buche steht für den Österreicher. Er galt schon als grandioser Transferflop. Doch dieses Urteil musste in der Rückrunde revidiert werden. Kainz kam zu Einwechslungen, deutete nach und nach sein Potenzial als Dampfmacher auf der linken Seite an und schaffte es sogar in die Herzen der Fans. Grund: das 2:1-Siegtor im Nordderby gegen den Hamburger SV. Und plötzlich ist der vemeintliche Fehleinkauf ein Hoffnungsträger für die kommende Saison.

Durchschnittsnote: 3,00 (3 bewertete Spiele)

Was wird?

Eines vorweg: So zu tun, als hätte der Verlust von Serge Gnabry sportlich nahezu keine Bedeutung für Werder, wäre naiv. Natürlich werden die besonderen Fähigkeiten des 21-Jährigen fehlen. Eine Gnabry-Kopie kann es nicht geben, wird es nicht geben. Und dennoch müssen andere an seine Stelle treten. Wer? Florian Kainz wird bei dieser Frage sicherlich den Finger heben. Was er auch soll. Denn nach den zarten Ansätzen in der Rückrunde wird von ihm mehr erwartet. Durchbruch im zweiten Werder-Jahr? Nur zu!

Die Säulen im offensiven Mittelfeld bleiben sicherlich Neu-Kapitän Zlatko Junuzovic und Thomas Delaney. An ihrer Seite kann Kainz reifen, an ihrer Seite wird auch Izet Hajrovic einen neuen Anlauf nehmen. Im letzten Vertragsjahr gilt es für ihn – und zwar bereits in der Vorbereitung. Entweder setzt er sich in den Wochen bis zum Saisonstart durch, oder er wird in diesem Sommer wieder zu einem Verkaufskandidaten.

*Die Durchschnittsnote wird aus den von der DeichStube vergebenen Spielnoten ermittelt.

Die weiteren Teile der Serie:

Teil 1: Die Torhüter - Ein Problem zwischen zwei Pfosten

Teil 2: Die Innenverteidiger - Caldirola erweitert die Möglichkeiten

Teil 3: Die Außenverteidiger - Augustinsson wertet Werder auf

Teil 4: Das defensive Mittelfeld - Operation am offenen Herzen

Teil 6: Der Angriff - King Kruse und die Fragezeichen

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