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Starkes Duo: Fin Bartels (l.) und Max Kruse erzielten 23 der 61 Bremer Saisontore.

Teil 6: Was war, was wird?

Werder-Kadercheck: Angriff - King Kruse und die Fragezeichen

Bremen - 61 Tore hat Werder Bremen in der vergangenen Bundesliga-Saison erzielt. In der Offensive war Musik drin. Der Sturm ist Thema im sechstes Teil des Werder-Kaderchecks.

Allerdings lag die Offensivstärke nicht an Claudio Pizarro, dessen Vergangenheit so groß ist wie seine sportliche Zukunft unsicher. Auch nicht an Aron Johannsson, der wie Pizarro nur einen Treffer zur Bilanz beitrug. Max Kruse und Fin Bartels hießen die Stürmer, die zu begeistern wussten. Kruse ragte mit 15 Saisontoren heraus und wurde von den Usern der DeichStube wenig überraschend und mit glasklarem Vorsprung zum Spieler der Saison gewählt. Platz zwei ging an Bartels – das sagt viel über die Leistung des Bremer Angrifssduos aus.

Fin Bartels

Sein Saisonstart? Miserabel. Rot wegen einer Tätlichkeit beim Pokal-Aus in Lotte, Note 6 beim 0:6 in München. Danach lange der Bartels, wie ihn sich seine Kritiker gemeinhin vorstellen: Dabei, aber nicht mittendrin. Doch ab Spieltag 23 brummte es bei dem flinken Angreifer so richtig. Fünf Tore und sieben Assists lieferte er in den letzten zwölf Saisonspielen, insbesondere das Zusammenspiel mit Max Kruse war bemerkenswert. Insgesamt kam der 30-Jährige in seiner bislang erfolgreichsten Bundesliga-Spielzeit auf acht Treffer und neun Assists.

Durchschnittsnote: 3,41 (28 bewertete Spiele)*

Claudio Pizarro

Es war eine ziemlich traurige Saison für die Werder-Legende. Viele Verletzungsprobleme, nur ein Saisontor, dazu die (noch nicht beendete) Diskussion, ob er noch gut genug ist für die Bundesliga – irgendwie ist diese Spielzeit wie ein Fleck auf Pizarros ansonsten edel glänzender Karriere. Vereinzelte gute Auftritte können nicht kaschieren, dass die Probleme des 38-Jährigen, mitzuhalten, immer größer werden. Es sieht insgesamt sehr danach aus, dass Pizarro den Punkt, an dem Routine und Cleverness fehlendes Tempo und Dynamik nicht mehr ausgleichen können, mittlerweile erreicht hat.

Durchschnittsnote: 4,15 (10 bewertete Spiele)

Stammplatz Ersatzbank – so erlebten Aron Johannsson (l.) und Claudio Pizarro (M.) den Großteil der Saison.

Max Kruse

Thomas Delaney ist stark, Niklas Moisander wertvoll – aber Max Kruse ist der Spieler, der Werder Bremen auf ein anderes, höheres Level gehoben hat. Sein Spielverständnis, seine Laufwege, seine Tore und Vorlagen waren einige der Hauptzutaten für die Serie von elf Spielen ohne Niederlage. 15 Treffer hat Kruse, der für 8,5 Millionen Euro aus Wolfsburg gekommen war, selbst erzielt, sieben weitere vorbereitet. In nur 23 Spielen kam er so auf 22 Scorerpunkte. Unvergessen dabei sein Viererpack beim 4:2-Sieg über den FC Ingolstadt. Und man stellt sich unweigerlich die Frage, was noch alles möglich gewesen wäre für Werder und Kruse, wenn der Stürmer wegen einer Außenbandverletzung nicht die ersten zehn Partien verpasst hätte.

Durchschnittsnote: 2,80 (23 bewertete Spiele)

Ousman Manneh

Er war – den Trainerwechsel von Viktor Skripnik zu Alexander Nouri mal ausgeklammert – das Thema des ersten Saisondrittels. Dank Nouri wurde Manneh zum ersten Flüchtling, der es in die Bundesliga schaffte. Die Geschichte war so gut, dass sie landauf, landab erzählt wurde. Und sie wurde noch besser, als Manneh Werder mit seinem ersten (und bislang einzigen) Bundesliga-Tor zum 2:1-Sieg über Bayer Leverkusen schoss. Das war am neunten Spieltag, zwei torlose Spiele später war der Zauber vorbei. Mannehs sechster Bundesliga-Einsatz war sein vorerst letzter. Weil Kruse und Pizarro ins Team zurückkehrten, fand der Gambier keine Berücksichtigung mehr. Immerhin hatte er mit läuferischer Stärke überzeugt und Torgefährlichkeit nachgewiesen. Es hatte sich aber auch gezeigt, dass der 20 Jahre alte Stürmer noch ein sehr unfertiger Spieler mit technischen Schwächen ist.

Durchschnittsnote: 3,66 (6 bewertete Spiele)

Aron Johannsson

Als der Isländer mit dem US-Pass neulich seine Situation reflektierte, kam ein Satz dabei heraus, der im Grunde alles sagt. „Es ist für mich kaum zu ertragen“, sagte Johannsson und meinte seine Rolle als Bankdrücker oder Tribünengast sowie die Tatsache, dass selbst „halbe“ Stürmer wie Bartels oder Serge Gnabry ihm vorgezogen werden. So stehen in Johannssons Bilanz lediglich 269 gespielte Minuten verteilt auf neun Einsätze sowie zwei verpasste Chancen, positiv auf sich aufmerksam zu machen. So hätte er am 19. Spieltag die Partie beim FC Augsburg mit dem Treffer zum 3:1 entscheiden können, doch der 26-Jährige vergab freistehend, und Werder verlor noch 2:3. Sechs Spieltage später die nächste Großchance beim 3:0 gegen Leipzig – wieder blieb sie ungenutzt, mit dem einzigen Unterschied, dass der Abpraller zur Vorlage für Florian Kainz wurde. Aber Johannsson hatte wieder keine Argumente für sich gesammelt. Dass er Werder trotz des bis 2019 laufenden Vertrages noch verlassen wird, gilt als sehr wahrscheinlich.

Durchschnittsnote: 4,66 (3 bewertete Spiele)

Was wird?

Das Fragezeichen hinter „Was wird“ müsste in diesem Fall eigentlich riesengroß geschrieben werden. Denn im Angriff ist vieles noch sehr unklar. Bisher ist nur bekannt, dass Werder nach einem neuen zentralen Stürmer sucht und dass Davie Selke nicht dieser Stürmer sein wird. Er war für Werder nicht zu bezahlen. Und sonst? Was wird aus Pizarro, bekommt er noch den Einjahresvertrag, den er sich wünscht? Oder geht Werder den harten Weg und zieht nach insgesamt acht Pizarro-Jahren in Bremen den endgültigen Schlussstrich? Welche Lösung findet sich im Fall des in die Sackgasse geratenen Johannsson? Ebenfalls spannend: Schafft Johannes Eggestein, das 18 Jahre alte Talent aus der U23, den erhofften und erwarteten Sprung ins Bundesliga-Team?

Fragen über Fragen, die jedoch alle von einer weiteren in den Schatten gestellt werden. Sie lautet: Bleibt Max Kruse wirklich bei Werder? Es wäre total irre, wenn den 29-Jährigen nach seiner überragenden Rückrunde mit 13 Treffern keine Angebote sportlich und finanziell besser gestellter Clubs erreichen würden. Aus China zum Beispiel. Oder Dortmund. Und es wäre auch irre, wenn sich Kruse bei seinem Wechsel vor einem Jahr keine Ausstiegsklausel in seinen bis 2019 gültigen Vertrag hat schreiben lassen. Am verrücktesten wäre es aber, auf Kruses Vereinstreue zu vertrauen. Der Mann hat schließlich in den vergangenen fünf Jahren viermal den Arbeitgeber gewechselt. Ob er vor einem fünften Mal zurückschrecken würde, nur weil es bei Werder so gut für ihn läuft?

*Die Durchschnittsnote wird aus den von der DeichStube vergebenen Spielnoten ermittelt.

Die weiteren Teile der Serie:

Teil 1: Die Torhüter - Ein Problem zwischen zwei Pfosten

Teil 2: Die Innenverteidiger - Caldirola erweitert die Möglichkeiten

Teil 3: Die Außenverteidiger - Augustinsson wertet Werder auf

Teil 4: Das defensive Mittelfeld - Operation am offenen Herzen

Teil 5: Das offensive Mittelfeld - Kainz bleibt Hoffnungsträger

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