Marco Friedl spricht im DeichStube-Interview über seine Rolle als Kapitän beim SV Werder Bremen, Pläne und Ziele.
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Werder Bremens Kapitän Marco Friedl spricht im DeichStube-Interview übers Pumpen mit Kumpel David Alaba, seine Zeit als Skirennfahrer und einen möglichen Füllkrug-Transfer!

DeichStube-Interview

„Ich will noch robuster werden“: Fitness, Spanisch, Skirennen – Werders Kapitän Marco Friedl hat noch viel vor

Bremen – Die Zeit ist etwas knapp, der Termin zuvor dauerte etwas länger. Doch mit Marco Friedl ist das kein Problem. Der Kapitän des SV Werder Bremen kommt bei seinen Antworten im Interview mit der DeichStube sofort zur Sache, redet nicht drumherum, sagt, was er denkt. Der 24-Jährige hat eine enorme Entwicklung hinter sich – und sieht sich noch lange nicht am Ziel. Der Österreicher erzählt nicht nur, wie hart er dafür gemeinsam mit seinem berühmten Freund David Alaba von Real Madrid arbeitet, sondern spricht auch über seine Zeit als Skirennfahrer und natürlich Werders Plus im Kampf um den Klassenerhalt.

Marco Friedl, haben sie sich zuletzt etwas schlapp gefühlt?

Die letzten zwei Tage schon, weil wir hart trainiert haben.

Dann passt es ja, dass Sie neuerdings Werbung für das angeblich beste Erfrischungsgetränk Österreichs machen.

(lacht) Das stimmt. Das gehört einem Freund von mir, der hat mir ein paar Dosen geschickt. Also habe ich das bei Instagram gepostet. Es ist auch wirklich erfrischend und hat mir gutgetan.

Wie anstrengend war denn das erste halbe Jahr als Werder-Kapitän?

Anstrengend gar nicht. Aber es war schon etwas Neues. In so eine Rolle musst du reinwachsen.

Was hat Sie überrascht?

Du wirst über alles rund um das Team informiert, weißt auch über vieles im Verein Bescheid.

Was heißt das?

Nehmen wir die Planungen für das Trainingslager, da werde ich eingebunden. Auch in andere organisatorische Dinge rund um die Mannschaft. Es ist schon einiges mehr, was außerhalb des Platzes auf einen zukommt. Aber wir haben gute Jungs im Mannschaftsrat, da teilen wir uns das auf.

Zu jung? Marco Friedl über seine Rolle als Kapitän des SV Werder Bremen

Gibt es etwas, das weniger Spaß macht?

Nein. Ich mag es auch, viel zu kommunizieren – mit dem Trainer, mit den Kollegen, gerade auch den jüngeren.

Wie ist Ihre Bilanz bei der Platzwahl?

Ich habe relativ viele gewonnen, ich bin im Plus (grinst).

Als Sie Kapitän geworden sind, gab es durchaus Bedenken wegen Ihres Alters. Es hieß, als erst 24-Jähriger könnte Sie diese Aufgabe überfordern und sich negativ auf Ihre Leistung auswirken.

Mir war klar, dass dieses Thema sofort aufkommen würde, wenn ich nicht so gut spiele.

So kam es dann auch.

Ja, die ersten zwei, drei Spiele waren nicht optimal von mir. Ich hatte generell richtig gute Phasen, habe aber auch Zweikämpfe verloren, die ich nicht verlieren darf. Deswegen spreche ich insgesamt nur von einer ordentlichen ersten Serie, es ist noch Luft nach oben. Aber das alles hat nichts mit dem Kapitänsamt zu tun.

Haben Sie sich wirklich keine Gedanken darüber gemacht?

Nullkommanull!

Ist denn der Druck als Kapitän nicht größer geworden?

Ich hatte hier bei Werder so viel Druck – beim knappen Nicht-Abstieg, danach bei der Relegation, dann doch der Abstieg. Ich war in diesen Spielen, in denen es um die Wurst ging, immer dabei. Deshalb bin ich den Druck gewohnt und er macht mir nichts aus.

Warum schafft Werder den Klassenerhalt?

Weil wir eine Mannschaft sind, die weiß, worum es geht. Weil wir ein unglaubliches Kämpferherz und eine große Moral haben. Weil wir als Mannschaft nach dem Aufstieg fast komplett zusammengeblieben sind. Jeder weiß, dass wir nur als Team funktionieren können. Da ziehen alle an einem Strang. Wir können unsere Qualität auf den Platz bringen und sind für jeden Gegner unangenehm.

Worauf muss nun aufgepasst werden?

Wir müssen uns richtig gut vorbereiten, weil wir gleich zwei richtig wichtige Spiele vor der Brust haben – in Köln und gegen Union Berlin. Da müssen wir sofort wieder in die Spur finden. Wir haben zuletzt gegen Leipzig ordentlich gespielt, aber nicht gepunktet. Das erinnert mich an die Schlussphase der Abstiegssaison, in der wir zum Teil auch ordentlich gespielt, aber nicht mehr gepunktet haben. Und so etwas will ich nie wieder erleben.

Darf man als Tabellen-Neunter auch mal nach oben gucken?

Natürlich – aber unser Ziel bleibt der Klassenerhalt. Das wollen wir so schnell wie möglich schaffen.

Was machen Sie als Kapitän, wenn es sich in die falsche Richtung entwickelt?

Ich würde auf den Tisch hauen und die Probleme klar ansprechen – aber nicht nur ich, der ganze Mannschaftsrat würde das machen. Ich habe gelernt: Das Schlimmste, was du machen kannst, ist, in guten Phasen locker zu lassen. Das beginnt schon in der Trainingswoche, und am Wochenende punktest du dann nicht.

Marco Friedl im DeichStube-Interview: Niclas Füllkrug muss beim SV Werder Bremen bleiben

Ihr Teamkollege Niclas Füllkrug hat bei der WM für Furore gesorgt. Was machen Sie, damit er nicht weggekauft wird?

Ich werde mit ihm, mit Frank Baumann, mit Clemens Fritz, wenn nötig mit jedem im Verein reden, dass er nicht gehen darf. ,Fülle’ ist unglaublich wichtig für uns und wenn er fit ist, ist er schwer zu ersetzen. Was hätte er nicht alles schon erreicht, wenn er nicht so oft verletzt gewesen wäre. ,Fülle’ ist so schwer zu verteidigen, wenn er fit ist. Klar, wenn du so eine Saison und so eine WM spielst, gibt es Vereine, die sich für dich interessieren. Aber ,Fülle’ muss bleiben!

Die WM hat Ihnen einen ungewohnten Urlaub im Spätherbst beschert, wie haben Sie den genutzt?

Ich war in Österreich bei meiner Familie, habe Freunde getroffen. Die sehe ich ja sonst alle nicht so oft. Da konnte ich gut abschalten. Aber ich habe auch das eine oder andere Mal mit einem Coach in München trainiert. Das habe ich schon öfter gemacht.

Sie sprechen Matthias Blankenburg an, der auch schon Franck Ribery oder Ihren Freund David Alaba auf das nächste Level gebracht hat, heißt es zumindest auf dessen Internetseite. Wie geht das?

,Mat’ ist ein Personaltrainer, der speziell für dich Übungen macht und dich eins zu eins betreut. Er kennt mich schon länger, weiß, was ich brauche – speziell für meinen Rücken. Da habe ich ab und zu Probleme, deshalb möchte ich dort noch stabiler werden. Diesmal war ich vier Tage in München, David war auch dort.

Leiden Sie und David dann als Freunde gemeinsam?

Das kann man schon so sagen, manchmal zerlegt dich das Training ganz schön. Aber das ist wichtig, das gehört dazu. Und wenn du siehst, dass du nicht alleine stirbst, sondern auch der Freund daneben, ist es erträglicher (grinst).

Sie haben im Vergleich zu Ihrer Anfangszeit bei Werder vor fast fünf Jahren körperlich ordentlich zugelegt, wo soll das noch hinführen?

Ich versuche, mich Woche für Woche zu verbessern – auch körperlich. Ich will noch robuster werden.

Noch robuster?

Natürlich! Die Athletiktrainer sind sehr wichtig für mich, und ich trainiere auch an meinen freien Tagen – wie zum Beispiel in München. Ich brauche diesen Mix. Als Innenverteidiger möchte ich noch körperbetonter spielen, um weniger Probleme mit Stürmern zu haben.

Marco Friedl will Spanisch lernen - Werder Bremen-Kollege Michael Zetterer bremst

Sie haben mal erzählt, dass Sie Spanisch lernen möchten. Wie läuft es?

,Zetti’ (Teamkollege Michael Zetterer, Anm. d. Red.) will auch unbedingt eine Sprache lernen. Also haben wir uns zusammen einen Lehrer genommen. Und bitte fragen Sie den ,Zetti’: Ich habe jedes Mal Druck gemacht, dass es losgehen soll. Aber er lässt es schleifen. Ich habe ihm jetzt noch Zeit bis nach dem Trainingslager im Januar gegeben: Entweder er macht mit oder ich mache es alleine. Ich habe keine Lust mehr zu warten (lacht).

Wenn ein Profi Spanisch lernt, denkt man sofort, der will bestimmt in die Primera Division wechseln.

Nein, nein. Ich habe erst im vergangenen Sommer meinen Vertrag bei Werder verlängert, deswegen ist es nicht mein Ziel, im nächsten Sommer zu gehen. Ich habe einfach Lust, mehrere Sprachen zu sprechen. Das liegt mir. Englisch kann ich schon ganz gut, jetzt soll Spanisch dazukommen.

Geht es Weihnachten wieder nach Österreich?

Ja wieder zur Familie – und über Silvester bin ich dann noch mit ein paar Jungs in Österreich unterwegs.

Nun hat sich gerade Bayern-Keeper Manuel Neuer bei einer Skitour schwer verletzt – müssen sich die Werder-Fans um Sie sorgen?

Ganz ehrlich: Ich habe jedes Jahr auf der Piste gestanden. Dieses Jahr aber vielleicht nicht, weil ich kein Risiko eingehen möchte.

Wegen der Neuer-Geschichte?

Natürlich ist das im Kopf. Aber ich bin in den Bergen aufgewachsen, ich kann das schon recht gut.

Marco Friedl vom SV Werder Bremen ließ Ski-Karriere für den Fußball sausen

Ist Ihnen schon mal etwas passiert?

Früher mal, als ich noch Skirennen gefahren bin. Da habe ich mir den Arm gebrochen. Da war ich elf oder zwölf.

Wie lange ging das mit den Skirennen?

Bis ich 15 war. In der Woche habe ich beim FC Bayern Fußball gespielt, am Wochenende waren dann ebenso die Skirennen, wenn es gepasst hat. Als ich mich entscheiden musste, war es aber klar, dass es der Fußball ist.

Hätte aus Ihnen auch ein Weltcup-Fahrer werden können?

Das weiß ich nicht. Aus meinem Ort hat es Christina Ager in den Weltcup geschafft, andere aus meiner Zeit sind eine Stufe darunter. Ich habe das für mich aber zu keiner Sekunde bereut. Vielleicht fahre ich nach der Fußball-Karriere mal wieder ein Rennen.

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