Spieler, Trainer, Scout - eine Legende sagt „Tschüß“: Karl-Heinz Kamp verlässt den SV Werder Bremen nach 50 Jahren in den Ruhestand.
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Spieler, Trainer, Scout - eine Legende sagt „Tschüß“: Karl-Heinz Kamp verlässt den SV Werder Bremen nach 50 Jahren in den Ruhestand.

Werder-Legende hört auf

Schampus sagt Tschüss: Nach 50 Jahren Werder verabschiedet sich Karl-Heinz Kamp in den Ruhestand

Bremen – Wenn der Abend weit fortgeschritten und so manches Glas wieder und wieder ausgetrunken war, dann war das Hotel „Stadt Bremen“ im ansonsten durch und durch beschaulichen Achim plötzlich kein sicherer Ort mehr. Denn dann ging Karl-Heinz Kamp um. Während der Weihnachtsfeiern von Werder Bremen hatte das früher Tradition.

„Er war berüchtigt dafür, dass er den Leuten gerne die Krawatten abgeschnitten hat“, erinnert sich Werders Ehrenpräsident Klaus-Dieter Fischer. Karl-Heinz Kamp, der Schelm mit Schere, den sie in Bremen einst „Zapf“, dann „Schampus“ und „Kalli“ sowieso riefen – und der nun einen Vereinsrekord für die Ewigkeit aufgestellt hat. Am 30. Juni 2020 hat sich der Ex-Spieler, Ex-Trainer und Ex-Scout nach 50 Jahren hauptamtlicher Tätigkeit für den SV Werder Bremen in den Ruhestand verabschiedet. Eine Würdigung.

Werder Bremen: „Karl-Heinz Kamp mochte es nie, im Rampenlicht zu stehen“

Eines gleich vorweg, weil sich der Charakter von Karl-Heinz Kamp wohl kaum treffender auf den Punkt bringen lässt: Wäre es nur nach ihm gegangen, dann wäre dieser Text hier nie erschienen. „Er mochte es noch nie, im Rampenlicht zu stehen“, sagt Thomas Schaaf, der mit Kamp im Laufe der Jahre in den verschiedensten Konstellationen zusammengearbeitet hat. Erst waren sie Mitspieler, ganz normal, dann Spieler (Schaaf) und Co-Trainer (Kamp) und später, im Spätwerk, Cheftrainer (Schaaf) und immer noch Co-Trainer (Kamp). „Kalli war immer da, hat nie gefehlt“, sagt Schaaf. Und genau deshalb wird Werder ab sofort etwas fehlen.

Zeitsprung, Sommer 1970. Weil Werders Vorsitzender Dr. Franz Böhmert und auch dessen erster Stellvertreter Wilhelm Riethmöller mit der Mannschaft auf Weltreise sind, schlägt die Stunde des jungen Klaus-Dieter Fischer: Der 3. Vorsitzende schließt seinen allerersten Vertrag mit einem Neuzugang ab. Karl-Heinz Kamp, damals 23 Jahre alt, kommt von Opel Rüsselsheim, Ablöse: 90.000 DM, Grundgehalt: 1.800 DM. Zahlen aus einer anderen Welt. Werders Trainer Robert „Zapf“ Gebhardt kennt den gebürtigen Bingener Kamp noch aus der fränkischen Heimat, will ihn unbedingt, weshalb der Neue von den Mitspielern zunächst nur „Zapf“ gerufen wird. Auf Anhieb setzt er sich bei Werder durch, als – und das dürfte es so nie wieder gegeben haben – Stürmer, der keine Tore schießt. „Er ist auf dem Platz Schritt für Schritt weiter nach hinten gerutscht“, sagt Fischer, ehe er den Spieler Kamp mit nur einem Wort beschreibt: „Kämpfertyp“.

Urgestein Karl-Heinz Kamp: Als Spieler 361 Mal in der Bundesliga für Werder Bremen am Ball

Bis zum Karriereende im Sommer 1984 hält Kamp für Werder 361 Mal in der Bundesliga die Knochen hin, macht den Abstieg in die 2. Liga und die sofortige Rückkehr ins Oberhaus mit und ist – heute gar nicht mehr vorstellbar so was – ab 1980 sogar in Doppelfunktion unterwegs. Kamp, Mitglied des Profikaders und Kamp, Trainer der Amateure, mit denen er 1985 und 1991 die Deutsche Amateurmeisterschaft gewinnt. Chef in der Bundesliga will er nie werden.

„Er hat sich in seiner Rolle immer wohlgefühlt“, erinnert sich Schaaf, der mit Co-Trainer Kamp 1999 Pokalsieger wird und 2004 das Double an die Weser holt. Zuvor hatte der Assistent an der Seite von Otto Rehhagel, der anderen Bremer Trainerikone, jahrelang Erfolge gefeiert: 2x Deutscher Meister, 2x Pokalsieger, 1x Europapokalsieger. Und dabei immer, quer durch die Generationen hinweg, ein enger Vertrauter der Profis. Das hat auch Werders heutiger Sportchef Frank Baumann noch erfahren dürfen.

Werder Bremen-Sportchef Baumann über Karl-Heinz Kamp: „Für mich und viele andere ein wichtiger Anker“

„Er war für mich und viele andere ein wichtiger Anker“, sagt der Ehrenspielführer, der sich besonders gern an die Kreisspiele während des Trainings mit Kamp erinnert. „Es gab Runden, da mussten Kalli und Torsten Frings in der Mitte eine dreistellige Anzahl an Kontakten über sich ergehen lassen“, sagt Baumann – und schmunzelt: „An Kalli lag das nicht.“ 2005 macht Werder sein Urgestein dann zum Spielerscout, Schwerpunkt Skandinavien, und auch das mit Erfolg. Bei den Verpflichtungen von Thomas Delaney und Ludwig Augustinsson spielt Kamp eine Schlüsselrolle. Und jetzt? Ist tatsächlich Schluss.

„Schampus“, Kamps letzter Spitzname, eine Verballhornung seines Nachnamens, sagt im Alter von 73 Jahren Tschüss, zumindest offiziell. Baumann: „Er ist zwar nicht mehr bei uns angestellt, aber wir haben vereinbart, dass wir ihn anrufen können, wenn wir Hilfe brauchen.“ Die Antwort kann man sich ziemlich gut vorstellen. (dco)

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