Kevin Möhwald arbeitet auf sein Comeback bei Werder Bremen hin.
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Kevin Möhwald arbeitet auf sein Comeback bei Werder Bremen hin.

Profi über Rückkehr und Rolle bei Werder

Werder-Rückkehrer Kevin Möhwald im DeichStube-Interview: „Da war das Knie völlig egal“

Bremen – Kevin Möhwald spricht im Interview über seine Rückkehr von der Verletzung, die Horror-Saison von Werder Bremen, seine künftige Rolle und ob Florian Kohfeldts Training in der letzten Sommer-Vorbereitung zu hart war.

45 Minuten im DFB-Pokal gegen den SV Atlas Delmenhorst, danach, am zweiten Spieltag, noch 73 in der Bundesliga gegen Hoffenheim – dann war die Saison 2019/20 für Kevin Möhwald urplötzlich gelaufen: Knieverletzung, Operation, Reha. Es ist ein langer Weg, der hinter dem inzwischen 27-Jährigen liegt. Vor wenigen Tagen ist Möhwald nun als erster Werder-Profi in die Vorbereitung auf die neue Saison gestartet. Im Gespräch mit der DeichStube erklärt er, wie schwer es war, Werders historisch schlechte Spielzeit als Zuschauer zu erleben und wie er dabei helfen kann, dass es im nächsten Jahr deutlich besser läuft.

Herr Möhwald, die ersten individuellen Einheiten auf dem Platz liegen hinter Ihnen, deshalb die wichtigste Frage vorweg: Wie geht’s dem Knie?

Alles in Ordnung, danke. Ich habe die erste Woche bisher gut vertragen, das Knie hat sich gut angefühlt. Jetzt muss sich noch zeigen, wie sehr mir die Menge an Einheiten bekommt, aber ich bin ganz guter Dinge, dass ich einen Großteil der Vorbereitung gemeinsam mit der Mannschaft machen kann.

Wie sieht denn der Plan aus? Werden Sie direkt in der kommenden Woche dabei sein, wenn die Mannschaft wieder mit dem Training startet?

Wir müssen uns da nochmal zusammensetzen, denn das Thema ist noch nicht final besprochen. Ich glaube nicht, dass ich direkt alle Einheiten mitmachen werde, aber das klare Ziel ist, dass ich zum Ende der Vorbereitung soweit wiederhergestellt bin, dass ich spielen kann. Wenn die Saison startet, will ich körperlich bei 100 Prozent sein, und das ist auch realistisch. Das Knie ist gesund. Der letzte Schritt der Reha ist jetzt, dass ich mich wieder an die Belastung und Spielformen gewöhnen muss. Deshalb werde ich zum Ende der Woche schon ein paar Einheiten bei der U23 mitmachen.

Ihre Rückkehr wird bei Werder sehnsüchtig erwartet. Trainer Florian Kohfeldt hat betont, wie sehr Sie der Mannschaft auch als Typ gefehlt haben, der mal den Mund aufmacht, wenn es nicht läuft. Fühlen Sie sich da richtig eingeordnet?

Ja, denn ich spreche Dinge, die mir auffallen, offen an. Wenn im Sinne der Mannschaft etwas gesagt werden muss, dann sage ich das. Zuallererst müssen aber die eigenen Auftritte auf dem Platz stimmen. Mir würde doch keiner zuhören, wenn ich keine Leistung bringe, aber den Mund aufmache. Wenn ich selbst nicht oder nicht gut spiele, bin ich sehr, sehr vorsichtig damit, Mitspieler zu kritisieren.

Kurios ist es ja schon: Nach einem Jahr, in dem Sie sich sportlich überhaupt nicht zeigen konnten, kommen Sie dennoch mit verbessertem Status zurück. Aus dem Herausforderer Möhwald ist der erhoffte Führungsspieler Möhwald geworden. Anders lassen sich die Aussagen von Trainer Kohfeldt und Sportchef Frank Baumann nicht deuten. Wie gehen Sie damit um?

Die Aussagen haben mich persönlich sehr gefreut, weil sie das große Vertrauen und die Rückendeckung, die ich hier spüre, unterstreichen. Aber ich weiß eben auch, wie das Fußballgeschäft läuft. Ich werde auf jeden Fall nicht spielen, wenn ich da draußen rumhumpele. Für mich geht es darum, zu meiner Bestform zurückzufinden. Dann bin ich der Meinung, dass ich der Mannschaft auf jeden Fall helfen kann. Dafür arbeite ich jeden Tag hart.

Werder Bremen: Kevin Möhwald und die große Erleichterung über den Klassenerhalt

Im vergangenen Sommer wollten Sie nach einer guten Debüt-Saison bei Werder mit 27 Pflichtspieleinsätzen und drei Toren nachlegen. Dann kam die Verletzung. Wie schwer war das Jahr für Sie?

Oh, das war extrem schwer. Im ersten Moment war es einfach nur niederschmetternd. Ich hatte in Erfurt mal einen Adduktorenabriss, durch den ich drei Monate lang ausgefallen bin. Damals musste ich wenigstens nicht operiert werden. Nach der OP am Knie kam aber schnell der Punkt, an dem klar war: Okay, es bringt nichts, nur Trübsal zu blasen. Ich habe dann in der Reha Gas gegeben. Zunächst hieß es ja, dass ich schneller zurückkommen könnte, aber am Ende hat es eben so lange gedauert, wie es gedauert hat. Jetzt ist alles ausgeheilt, und ich habe keine Probleme mehr.

Wann war der Punkt erreicht, als Ihnen klar war: Diese Saison wird es nichts mehr mit Fußball?

Bevor die Corona-Pause kam, war ich mir sicher, dass es bis zum Saisonende nicht mehr klappen würde. Durch die Unterbrechung der Saison war dann aber schon nochmal die Hoffnung da, dass es nach hinten raus klappt, dass ich in den letzten Spielen noch eingreifen kann. Aber letztlich war es einfach eine Frage der Vernunft. Der Verein und ich wollten das Risiko nicht eingehen. Wenn ich jetzt schon 34 Jahre alt wäre, hätte ich es vielleicht anders entschieden, aber ich bin gerade erst 27 geworden. Ich habe noch ein paar gute Jahre vor mir, da kommt es auf einen Monat nicht an.

Nun hatten Sie nicht nur die schwere Situation mit dem Knie zu bestehen. Ihre Kollegen haben Ihnen zu allem Überfluss auch nicht gerade eine Super-Saison zum Zuschauen beschert...

Zuschauen macht als Fußballer natürlich nie Spaß, egal, ob es gut oder schlecht läuft. Teilweise habe ich mich selbst dabei erwischt, das Ganze eher als Fan zu sehen. Dann musste ich mich daran erinnern: Hey, wenn du auf dem Platz stehst, ist das anders. Aber um es deutlich zu sagen: Die Saison ist einfach scheiße gelaufen, mit allem drum und dran. Wir können einfach nur drei Kreuze machen, dass wir noch in der Bundesliga sind.

Sie saßen während des Relegations-Rückspiels in Heidenheim zwischen Ihren Kollegen auf der Tribüne. Ihr Abend in nur einem Wort?

Erleichterung! Egal, wo man bei uns hingeschaut hat. Ob es das Medienteam war, die Aufsichtsräte, die Spieler oder Trainer – überall große Erleichterung. Den Moment haben wir einfach genossen.

Mussten Sie beim Jubeln sehr auf Ihr Knie achten?

(lacht) Nein, das war mir in dem Moment völlig egal. Ich habe nach dem Schlusspfiff mehr Sprünge gemacht als in der gesamten Rehaphase. Ich bin aus einer Mannschaft rausgegangen, die um Europa kämpfen sollte, dann schaust du die Saison mit an und kehrst nur haarscharf nicht zu einem Absteiger zurück. Deshalb war ich einfach froh, dass es gut gegangen ist.

Kevin Möhwald will noch viele Jahre bei Werder Bremen spielen

Sportchef Frank Baumann hat Ihr vergangenes Jahr ein „verlorenes Jahr“ genannt. Hat er damit recht?

Sportlich gesehen auf jeden Fall, da war es ein verlorenes Jahr. In der Vorbereitung hatte ich das Gefühl, dass ich den nächsten Schritt schaffe, weil ich einfach gut drauf war und gespürt habe, dass sich mein Standing beim Trainer verbessert hat. Dann wurde ich hart ausgebremst. Aber ich muss auch sagen: Menschlich bringt dich so etwas weiter. Ich habe gelernt, die Dinge ein bisschen anders zu betrachten, dass es neben dem Platz auch noch andere wichtige Dinge gibt. Meine Liebe zum Fußball ist aber kein Stück geringer geworden, eher im Gegenteil.

Was sind denn Ihre sportlichen Ziele für die neue Saison?

Wenn man so lange verletzt war wie ich, kann es erstmal nur darum gehen, gesund zu bleiben und schnellstmöglich das beste Leistungslevel zu erreichen. So eine Verletzung macht einen definitiv ein Stück demütiger. Ich freue mich im Moment einfach darüber, dass sich die Bewegungen auf dem Platz wieder gut anfühlen.

Auf was für ein Jahr stellen Sie sich denn mit Werder ein? Wieder Abstiegskampf, oder läuft es entspannter?

Damit befasse ich mich noch gar nicht. Es geht erstmal darum, dass die Jungs nach der Saison die Köpfe freibekommen. Mental war das eine sehr hohe Belastung. Dann hoffe ich darauf, dass wir nicht wieder so viele Verletzte haben. Ohne diese Misere wären wir ziemlich sicher nicht in diese brenzlige Situation bekommen.

Der Trainer hat Fehler bei der Gestaltung der Vorbereitung im vergangenen Sommer eingeräumt und die Misere damit auf seine Kappe genommen. War das Training zu hart?

Ich glaube, unsere Verantwortlichen haben sich ihre Gedanken gemacht und das gut analysiert. Natürlich gab es Einheiten, nach denen du sehr kaputt warst, aber das gehört dazu. Ich hatte jedenfalls nicht das Gefühl, dass Verletzungen leichtfertig in Kauf genommen wurden.

Von Frank Baumann stammt der Satz „Kein Spieler bei uns ist unverkäuflich“, ausgesprochen Mitte Juli. Da Ihr Vertrag im nächsten Jahr ausläuft, wäre man nun normalerweise schnell bei Ihnen als Verkaufskandidat bei Werder. Können wir das angesichts Ihrer langen Verletzung streichen?

Ich habe das schon ein paar Mal gehört, habe aber keine Ahnung, woher das kommt, dass mein Vertrag nächstes Jahr auslaufen soll. Ich bin sehr gerne in Bremen, freue mich auf die nächste Saison und habe überhaupt nichts gegen viele weitere erfolgreiche Jahre bei Werder. (dco)

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