Kevin Möhwald (re.) im Gespräch mit DeichStube-Reporter Björn Knips. Möhwald will bei Werder Bremen nach seiner Verletzung wieder ein Faktor werden.
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Kevin Möhwald (re.) im Gespräch mit DeichStube-Reporter Björn Knips. Möhwald will bei Werder Bremen nach seiner Verletzung wieder ein Faktor werden.

Möhwald über seine Verletzung, Abstiegskampf und den Deadline Day

Kevin Möhwald: „Werde nicht Fingernagel kauend vor dem Fernseher sitzen“

Bremen – Turnschuhe, kurze Trainingshose, Langarmshirt: Kevin Möhwald kommt so sportlich gekleidet zum Termin mit der DeichStube, als würde er gleich mit seinen Kollegen ganz normal auf dem Platz trainieren. Doch davon ist der Werder-Profi nach seiner Knieverletzung mit anschließender Operation im vergangenen September noch weit entfernt.

Der 26-jährige Kevin Möhwald will aber unbedingt in dieser Saison sein Comeback feiern, denn auch ihm macht der Abstiegskampf schwer zu schaffen. Wie sich dieser Druck auf die Psyche eines Fußball-Profis auswirkt, warum seine Kollegen gerade nicht so gut funktionieren und weshalb das Team nun Trainer Florian Kohfeldt helfen muss, das erzählt Möhwald im Interview und macht dabei allen Fans des SV Werder Bremen ganz viel Mut.

Herr Möhwald, die wichtigste Frage zuerst: Wie geht es Ihrem Knie?

Gut, es wird immer besser. Ich bin absolut im Zeitplan und seit einem Monat schon auf einem speziellen Laufband unterwegs, bei dem nur 80 Prozent des Körpergewichts auf die Beine einwirken. Nächste Woche darf ich hoffentlich endlich mal raus und dort laufen. Ich mache schon jetzt immer das Fenster auf, um die Jungs beim Training zu sehen (lacht).

Werden Sie in dieser Saison wieder spielen?

Das ist mein Ziel. Dafür arbeite ich jeden Tag sehr hart. Ich will noch einmal ein Faktor für die Mannschaft sein. Aber so eine Reha ist schwer vorhersehbar. Ich bin acht Wochen an Krücken gegangen. Das war keine leichte Zeit. Aber so langsam sehe ich das Licht am Ende des Tunnels.

Wie haben Sie die Zeit gemeistert?

Meine Mutter und meine Freundin haben mir zu Hause geholfen. Da war ich im am Anfang echt etwas unbeholfen auf Krücken. Aber man fuchst sich ja in alle Dinge irgendwie rein. Außerdem bin ich ein absolut positiver Mensch, deswegen gab es nie den Punkt, dass ich mal keine Lust hatte. Außerdem ist da ja auch noch Niclas Füllkrug.

Inwiefern?

Wir machen in der Reha sehr viel gemeinsam. Wir haben uns ja fast zeitgleich am Knie verletzt, sind also auf einem ähnlichen Stand. Mir wäre es zwar lieber, dass Niclas auf dem Platz steht, aber es macht schon Spaß mit ihm im Kraftraum (lacht).

Haben Sie die komplette Reha bislang in Bremen absolviert oder waren Sie wie andere Kollegen auch mal für ein paar Wochen woanders?

Ich war nur hier, denn ich habe großes Vertrauen in unsere Mitarbeiter, fühle mich bei Florian Lauerer und Marcel Abanoz bestens aufgehoben. Das ist eine sehr gute Zusammenarbeit.

Kevin Möhwald über das Verletzungspech bei Werder Bremen: „Es ist verhext“

Das werden die Betroffenen gerne hören, schließlich ist diese Abteilung durch die vielen Ausfälle zuletzt öffentlich sehr in den Fokus geraten.

Es ist ja auch verhext. Ich sehe die Arbeit der Jungs jeden Tag, die machen das wirklich gut. Aber natürlich muss man alles auf den Kopf stellen. Diese Häufung an Verletzungen ist nicht normal und kann nicht nur mit Pech begründet werden. Deswegen nehmen die Verantwortlichen auch eine gründliche Ursachenforschung vor. Ich für mich habe keine Erklärung für meine Verletzung. Ich habe mich in der Vorbereitung sehr gut gefühlt, war auf einem so hohen Level wie noch nie. Und dann ist es einfach passiert.

So war es bei vielen anderen Spielern auch.

Es ist wirklich unglaublich. Wir haben so einen super Kader, sind noch besser besetzt als in der vergangenen Saison, in der wir schon sehr gut gespielt haben.

Liegt es nur an den Ausfällen, dass Werder Bremen um den Klassenerhalt bangen muss?

Das erinnert mich sehr an mein erstes Jahr in Erfurt. Das war zwar nur Dritte Liga, aber vom Kopf her war die Situation identisch. Wenn du erst einmal in diesen Negativlauf geraten bist, denkst du über Sachen nach, die du vorher automatisch gemacht hast. Das ist verrückt. Alles fällt dir plötzlich schwerer. Und das sieht man bei unseren Jungs. Man kann doch niemandem ernsthaft vorwerfen, dass er nicht alles gibt. Aber es fehlt einfach die nötige Leichtigkeit, um unseren Fußball auf den Platz zu bringen. Ich hatte gehofft, dass es durch den Sieg gegen Düsseldorf besser wird, und es sah gegen Hoffenheim bis zu den Toren auch wirklich gut aus. Ist doch klar, dass du dann wieder ins Grübeln gerätst.

Wie ist die Geschichte mit Erfurt ausgegangen?

Wir sind nicht abgestiegen. Das habe ich noch nicht in meiner Vita, das will ich auch nicht und das werde ich auch nicht. Wir hatten damals wirklich eine gute Qualität auf dem Platz, aber alle haben zu viel gegrübelt, unser Fußball war grauenhaft anzusehen.

Wie hat es die Mannschaft trotzdem geschafft, was ist in dieser Phase entscheidend?

Das Wichtigste ist, dass man sich als Team nicht auseinanderbringen lässt. Man darf nicht übereinander sprechen, sondern muss miteinander reden. Diese Gefahr ist in einer Mannschaft immer da, aber bei uns sehe ich das im Moment nicht. Da können auch wir verletzten Spieler gut mithelfen.

Kevin Möhwald legt sich im Interview mit der DeichStube fest: Werder Bremen steigt nicht ab.

Was kann man noch tun?

Die Jungs dürfen das nicht zu sehr an sich heranlassen, sollten nicht so viel lesen, was geschrieben wird. Aber das ist in der heutigen Zeit schwierig.

Haben denn Berichte tatsächlich einen so großen Einfluss auf die Leistung?

Natürlich beschäftigt es dich, wenn du nach dem Spiel Interviews gegeben hast und du anschließend – wie zuletzt Davy Klaassen – als Schönredner-Kapitän tituliert wirst. Da finde ich die Schlagzeile respektlos. Da muss ich einfach auch mal meinen Mitspieler schützen. Er hat doch nicht aus heiterem Himmel erzählt, dass unser Spiel gar nicht so schlecht war. Natürlich hatten wir nicht so viele Torchancen, aber Hoffenheim auch nicht. Und nach 41 Gegentoren in der Hinrunde ist es doch klar, dass du etwas vorsichtiger agierst und kein Offensiv-Feuerwerk abbrennst. Aber diese Extreme in der Berichterstattung gehören leider im Fußball heutzutage dazu.

Wie meinen Sie das?

Wie war das noch bei Max Kruse vergangene Saison? Nach vier Spieltagen wurde er zu Joachim Löw geschrieben, nach sieben Spieltagen war er dann zu dick. Genau das ist es, diese Extreme dürfen wir nicht an uns heranlassen. Wir müssen arbeiten, unseren Fußball verbessern und Punkte holen.

Kevin Möhwald über die Werder Bremen-Krise: „An unseren Fans liegt es nun wirklich nicht“

Haben Sie das Gefühl, dass die Stimmung in Bremen kippt?

Nein. Aber wenn du das letzte Heimspiel vor der Winterpause 0:5 und das erste danach mit 0:3 verlierst, sind alle konsterniert. Aber die Unterstützung ist immer noch spürbar. An unseren Fans liegt es nun wirklich nicht.

Mit Fortuna Düsseldorf hat der nächste abstiegsgefährdete Club seinen Trainer entlassen. Sie kennen das Geschäft, machen Sie sich Sorgen, dass es irgendwann auch Ihren Coach Florian Kohfeldt erwischen könnte?

Da bin ich froh, dass ich bei diesem Verein spiele. Hier wird Ruhe bewahrt. Damit will ich nicht die Arbeit anderer Clubs bewerten. Florian ist ein sehr, sehr guter Trainer und genau der Trainer, den wir brauchen. Wir sind dafür verantwortlich, Florian in der öffentlichen Wahrnehmung wieder dahinzubekommen, wo er hingehört. Es wäre für mich der völlig falsche Weg, über den Trainer zu diskutieren.

Werder Bremen-Transfers: So verfolgt Kevin Möhwald den Deadline-Day

Wie erleben Sie eigentlich als Profi diesen berühmten Deadline-Day, also den letzten Tag einer Transferphase?

Ich finde das schon interessant. Vor allem, wenn die berühmten Domino-Effekte einsetzen und mehrere Spieler nacheinander wechseln.

Wünschen Sie sich für Werder noch eine Verstärkung?

Jeder von uns würde einen Spieler, der uns weiterhilft, willkommen heißen. Denn man will das Bestmögliche mit der Mannschaft erreichen. Ich werde aber nicht Fingernägel kauend vor dem Fernseher sitzen und hoffen, dass wir noch einen neuen Spieler bekommen.

Fast in jeder Saison erwischt es eine Mannschaft, die vorher nicht damit gerechnet hat. Haben Sie keine Angst vor dem Abstieg?

Ein Verein wie Werder gehört nicht in die Zweite Liga und wird da auch nicht hinkommen. Dafür gebe ich mein letztes Hemd! Hoffentlich in dieser Saison noch auf dem Platz. Aber da muss ich auch realistisch sein. Es bringt nichts, wenn ich nur mit 60 Prozent spielen kann und davon auch noch 20 Minuten rumhumpele. Mein Körper wird mir das Signal geben, wann ich wieder soweit bin.

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