Kevin Möhwald im Zweikampf während des Testspiels von Werder Bremen gegen den FC St. Pauli
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Kevin Möhwald, hier während des Testspiels gegen den FC St. Pauli, ist wieder fit und wird nach dem Abgang von Davy Klaassen zum Hoffnungsträger im Mittelfeld des SV Werder Bremen.

Werder-Trainer bremst Erwartungen

Warum Kevin Möhwald bei Werder Bremen kein Klaassen-Nachfolger sein soll

Bremen – Der SV Werder Bremen reist am Freitagnachmittag per Flugzeug nach Freiburg – und einen möchte Trainer Florian Kohfeldt dabei gerne „noch etwas unter dem Radar fliegen lassen“: Kevin Möhwald.

Nun muss der Mittelfeldspieler des SV Werder Bremen nicht befürchten, keinen Sitzplatz zu bekommen. Die Aussage des Trainers gehört vielmehr zum Konzept der Wiedereingliederung nach einer langen Verletzungspause. Dass Kevin Möhwald bereits als Nachfolger von Davy Klaassen (jetzt Ajax Amsterdam) gehandelt wird, schmeckt Kohfeldt nicht. „Man sollte Kevin nicht aufbürden, dass er nun der Klaassen-Nachfolger ist“, fordert der Coach: „Er kommt aus einer 14-monatigen Verletzung. Er soll seine Leistungen bringen, sich auf sich konzentrieren. Er muss noch nicht so viel drumherum gestalten. Das wird kommen, wenn er wieder im Rhythmus ist.“ Und selbst dann verbiete sich ein Vergleich mit Davy Klaassen. „Kevin ist ein eigener Charakter, ein eigener Spielertyp. Kevin hatte schon, als Davy noch da war, einen wichtigen Anteil an dieser Mannschaft.“

Werder Bremen: Warum Kevin Möhwald kein Ersatz für Davy Klaassen sein soll

In der Saison 2018/19 war das gewesen. In seinem ersten Werder-Jahr nach dem Wechsel vom 1. FC Nürnberg spielte Kevin Möhwald immerhin 23 Mal für Werder Bremen in der Bundesliga, davon sieben Mal in der Startelf. Drei Tore und ein Assist standen am Ende auf seinem Konto – und für die folgende Saison wurde der ganz große Durchbruch erwartet. Doch dann streikte Ende August 2019 das Knie, eine Operation war unumgänglich. Möhwald musste viel Geduld aufbringen, durfte allerdings auch lesen, dass ihn die Werder-Verantwortlichen als Führungs- und Mentalitätsspieler vermissten. Das steigert natürlich die Erwartungshaltung der Öffentlichkeit.

Nun äußern sich Sportchef Frank Baumann, Kohfeldt und Co. zurückhaltender, geben dem 27-Jährigen viel Zeit beim SV Werder Bremen, um keinen neuerlichen Ausfall zu riskieren. In Freiburg könnte Kevin Möhwald zum ersten Mal wieder im Profi-Kader des SV Werder Bremen bei einem Pflichtspiel stehen. Für 90 Minuten würde die Fitness gewiss noch nicht reichen, so Kohfeldt, aber alles andere sei vorstellbar. Nur eines nicht, wie der Coach noch einmal ganz deutlich macht: „Kevin ist mit Sicherheit nicht der Klaassen-Nachfolger, aber er ist ein extrem wichtiger Bestandteil unserer Mannschaft.“ (kni)

Werder Bremen gegen den SC Freiburg gibt es hier im Live-Ticker der DeichStube!

Letzte Meldung vom 8. Oktober 2020:

Kevin Möhwald steht kurz vor dem Comeback für Werder Bremen – und wird dringender gebraucht denn je

Kevin Möhwald ist ein ehrlicher Typ. So einer, für den diese abgedroschene Floskel, dass er sein Herz auf der Zunge trage, einst hätte erfunden worden sein können – weil er einfach sagt, was er denkt. Am Mittwochabend, im Bremer Nieselregen und eingehüllt in eine dicke schwarze Trainingsjacke, lieferte der 27-Jährige das jüngste Beispiel dafür. „Normalerweise sind Testspiele in Länderspielpausen nicht so mein Ding“, gestand Möhwald, kurz nachdem er mit Werder Bremen in genau so einem Testspiel einen 4:1-Erfolg über den FC St. Pauli verbucht hatte.

Dann schob er schnell hinterher: „Aber heute hatte ich richtig Bock!“ Was nur verständlich war. Schließlich war das Spiel für Kevin Möhwald der nächste, wichtige Schritt hin zum Comeback gewesen, das sie bei Werder Bremen sehnlichst erwarten.

Mit Möhwald, so die Idee, lässt sich womöglich das Loch stopfen, das der Abgang von Davy Klaassen ins Bremer Mittelfeld gerissen hat. Dass so einer 13 Monate nach seiner schweren Knieverletzung dann erstmals wieder über die vollen 90 Minuten auf dem Fußballplatz steht und dabei auch noch gute Ansätze zeigt, beschert ihm zwangsläufig die Rolle des Hoffnungsträgers – ob er das nun will oder nicht. „Davy war ein sehr wichtiger Spieler für uns“, sagte Möhwald, „ihn eins-zu-eins zu ersetzen, wird nicht gehen“. Vielmehr müsse die Last auf mehrere Schultern verteilt werden. Ob zwei davon ihm gehören? „Ich hoffe es doch!“

Werder Bremen: Kevin Möhwald ist ein Kader-Kandidat gegen den SC Freiburg

Kurzer Rückblick, nur um sich den langen Weg, der im Herbst 2020 hinter Kevin Möhwald liegt, noch einmal zu vergegenwärtigen. Am 30. August 2019, es ist der Abend vor dem Heimspiel gegen den FC Augsburg, merkt Möhwald plötzlich, dass mit seinem Knie etwas nicht stimmt. Er lässt sich behandeln, doch am nächsten Morgen ist das Gelenk dick geschwollen – und die Saison für den Mittelfeldspieler des SV Werder Bremen schon vor dem 3. Spieltag vorbei. Es folgen: Eine OP und ein langwieriger Reha-Prozess, dessen Ende mehrfach nach hinten korrigiert wird. Auch die letzte Prognose, Möhwald könne womöglich noch in den Schlussspurt der wegen der Corona-Pause verlängerten Saison eingreifen, tritt nicht ein. Die Relegationsspiele gegen den 1. FC Heidenheim verfolgt er Anfang Juli von der Tribüne. Bis heute sind 411 Tage seit Möhwalds letztem Einsatz in der Bundesliga vergangen. Sein nächster – es wäre erst sein 25. Spiel im Oberhaus – könnte nun aber unmittelbar bevorstehen.

Wenn Werder am Samstag, 17. Oktober, beim SC Freiburg gastiert, ist Möhwald aller Voraussicht nach wieder ein Kandidat für den Kader. „Er ist mit Sicherheit keiner, der in Freiburg 90 Minuten spielen kann“, sagte Trainer Florian Kohfeldt, „aber er ist jetzt wieder eine Alternative, und das ist wichtig.“ Als obligatorischen Klaassen-Nachfolger sieht der Coach Möhwald zwar nicht („Nominell sind sie andere Spielertypen“), aber er weiß natürlich, dass der Rückkehrer für die Neu-Ausrichtung des Mittelfelds ein elementarer Baustein ist. Das hatte der Mann mit der Rückennummer 6 in der ersten Halbzeit des Testspiels gegen St. Pauli eindrucksvoll angedeutet.

Werder Bremen: Kevin Möhwald-Comeback in Freiburg? „Das entscheidet der Trainer“

Natürlich war Möhwald nicht alles gelungen, natürlich unterliefen ihm Fehler, aber er stand auf der anderen Seite eben für etwas, was Werder Bremen dringend braucht: Mut im Offensivspiel gepaart mit einer ordentlichen Portion Spielwitz. Seine beiden Torvorlagen gegen St. Pauli zum 2:0 und 3:0 zeugten davon. „Ich glaube, dass es für mich wichtig war, die 90 Minuten zu sammeln“, sagte Möhwald, der nun davon ausgeht, „dass ich in den nächsten zehn Tagen weiter daran arbeiten kann, noch fitter zu werden und dann auf jeden Fall wieder zu einer Alternative werde“.

Heißt also Comeback in Freiburg? Die Antwort fiel profikonform unverbindlich aus: „Ich bin auf einem guten Weg, und den Rest entscheidet der Trainer.“ Bei aller eingangs erwähnten Offenheit – von wegen Herz auf der Zunge und so – Kevin Möhwald weiß natürlich auch, wie die Rhetorik der Fußballbranche funktioniert. Und er dürfte vor allem wissen, dass es nach einer so langen Pause, wie sie inzwischen hinter ihm liegt, wenig Sinn ergibt, auf den letzten Metern die Geduld zu verlieren. (dco)

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