Kevin Möhwald weist seine Mitspieler an.
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Kevin Möhwald hat bei Werder Bremen sein Comeback gefeiert - und übernimmt direkt Verantwortung.

Nach Bundesliga-Comeback

Werder-Rückkehrer plötzlich Wortführer: Mit Möhwald zu mehr Mentalität

Bremen – Offen die eigene Meinung sagen, Mentalität vorleben und die Kollegen auf dem Platz, falls nötig, gerne lautstark wachrütteln – genau das ist es, was Florian Kohfeldt von Kevin Möhwald bei Werder Bremen sehen möchte. Wiederholt hatte der Werder-Trainer in der Vergangenheit betont, wie sehr Möhwald für „dieses Element“ stehe und wie wichtig er für die Mannschaft sei.

Auch deswegen hatte Kohfeldt die Rückkehr des lange verletzten Mittelfeldspielers auf den Platz herbeigesehnt. Doch als es am Samstag endlich so weit war, ging das mit dem „Offen-die-eigene-Meinung-sagen“ plötzlich irgendwie nach hinten los. „Es war eine dumme Aktion von mir. Ich bin ja keine 18 oder 19 Jahre mehr alt und muss mir der Außenwirkung bewusst sein“, sagte Kevin Möhwald am Mittwoch über die Szene, die während des Auswärtsspiels des SV Werder Bremen in Freiburg (1:1) für reichlich Irritationen gesorgt hatte.

Nachdem Möhwald zur zweiten Hälfte eingewechselt und in der 87. Minute wieder vom Platz genommen worden war, verweigerte er Florian Kohfeldt beim Gang in die Kabine die Umarmung. Der Disput der beiden Männer war dabei nicht zu übersehen. „Es ging nicht um die Auswechslung“, stellte Möhwald nun klar, „es ging um eine Sache, die mir im Spiel nicht gepasst hat“. Um welche genau, verriet der 27-Jährige nicht. Das Thema sei nach einem klärenden Gespräch mit dem Trainer abgehakt, sagte Kevin Möhwald, der in Freiburg – ganz unabhängig von der späten Szene an der Außenlinie – einen sehr emotionalen Nachmittag erlebt hatte.

Werder Bremen: 420 Tage war Kevin Möhwald in der Bundesliga außer Gefecht

420 Tage. So lang war der Zeitraum, den Möhwald seit August 2019 auf seinen nächsten Einsatz in der Bundesliga hatte warten müssen. Eine schwere Knieverletzung setzte ihn 14 Monate lang außer Gefecht. Nun ist er wieder da, auf dem Weg zurück zu alter Form und Fitness. Freiburg war der erste Schritt. „Es war ein extrem schöner Moment für mich, endlich wieder in der Bundesliga spielen zu können, fast wie eine Befreiung“, betonte Kevin Möhwald, bremste die Erwartungen an mögliche Startelfeinsätze in der nahen Zukunft aber direkt etwas aus: „Ich muss körperlich noch dahin kommen, mehr Minuten spielen zu können, denn 14 Monate sind eine lange Zeit, und ein Bundesligaspiel ist etwas anderes als ein Testspiel.“ Das Knie habe die Belastung aber gut verkraftet: „Es ist alles in Ordnung“.

Ähnlich wie Werder Bremen mit Stürmer Niclas Füllkrug nach dessen Kreuzbandriss verfahren war, soll nun auch Möhwald ganz behutsam wieder herangeführt werden. Beide Profis haben einen Teil ihrer Reha zusammen verbracht. „Ich hätte gerne darauf verzichtet, ihn dabei zu haben, wenn er dafür fit gewesen wäre“, sagte Möhwald, für den sich Füllkrug während der schweren Zeit allerdings als „extrem große Hilfe“ herausstellen sollte. Weil es für den Angreifer bereits die vierte schwere Knieverletzung war, konnte er Möhwald reichlich Tipps geben – und ist für den Kollegen nun das beste Beispiel dafür, dass Werders Umgang mit Spielern nach Knieverletzungen der richtige ist. „Dass es bei ihm gut funktioniert, hilft mir, noch einmal mehr daran zu glauben“, sagte Kevin Möhwald, dessen sportliches Standing in der Mannschaft während der langen Verletzungspause übrigens nicht gelitten hat, sondern – ganz im Gegenteil – sogar deutlich gestiegen ist. Nach dem Abgang von Davy Klaassen zu Ajax Amsterdam gilt der Rückkehrer plötzlich als Hoffnungsträger im Mittelfeld, als jemand, der die Lücke schließen kann, die der Niederländer hinterlassen hat.

Werder Bremen-Profi Kevin Möhwald: „Es ist klar, dass mein Name bei der Davy-Klaassen-Nachfolge relativ schnell fällt“

„Es ist klar, dass mein Name da relativ schnell fällt, allein vom Positionsprofil her“, sagte Kevin Möhwald, sieht sich aber trotzdem als ganz anderen Spielertypen als Klaassen. Sollte er körperlich wieder bei 100 Prozent sein, traut es sich der Rechtsfuß aber allemal zu, die Lücke zu schließen: „Dann habe ich für mich den Anspruch, dass ich spielen will. Und das Selbstvertrauen zu sagen, dass ich der Mannschaft sehr gut helfen kann.“ Während Möhwalds 42 Spielminuten in Freiburg war das in Ansätzen durchaus schon zu erkennen gewesen. Florian Kohfeldt bewertete den Auftritt hinterher zum größten Teil mit „gut bis sehr gut“, worauf sich ohne Frage aufbauen lässt – in einer Saison, die Kevin Möhwald für sich persönlich als „sehr, sehr wichtig“ einstuft.

103 Mal hat der gebürtige Erfurter in seiner Laufbahn in der 3. Liga gespielt, dazu kommen 87 Einsätze in der 2. Liga – und bisher 25 im Oberhaus. Kevin Möhwald weiß, dass es bei Werder Bremen nach seiner ordentlichen Debüt-Saison 2018/19 (23 Ligaspiele) und dem vergangenen Seuchenjahr mit Knieverletzung (zwei Ligaspiele) nun wieder aufwärts gehen muss, „weil ich auch nicht mehr der Jüngste bin“. Aber dafür einer, der sagt, was er denkt, der sich in Dinge „reinbeißen“ kann und auf dem Platz für diese Mentalität steht, die Werder im Vorjahr so abgegangen ist. „Ich hasse es, zu verlieren“, sagte Möhwald – und manchmal bekommt deswegen sogar der Trainer etwas zu hören. (dco) Auch interessant: Nun hat es auch den SV Werder Bremen erwischt - ein Bundesliga-Profi ist positiv auf Covid-19 getestet worden.

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