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Kevin Vogt vom SV Werder Bremen vermisst in Zeiten der Coronavirus-Pandemie seinen Beruf: das Fußballspielen. Dennoch hat bei ihm die Gesundheit absolute Priorität.

Werder-Verteidiger zurück in Bremen

„Ich habe keine Angst“: Werder-Verteidiger Kevin Vogt über Corona, Home-Office und einen Re-Start der Bundesliga

Bremen – Kevin Vogt ist prominent. Lässt sich ja nicht vermeiden als Fußball-Profi des SV Werder Bremen. In Köln, wo er seit seiner Zeit beim 1. FC seinen Lebensmittelpunkt hat, sollten ihn alle kennen.

Und wer dennoch bisher nichts mit dem 28 Jahre alten Verteidiger anzufangen wusste, aber regelmäßiger Spaziergänger in den Grünanlagen der Stadt ist, der wird spätestens seit den vergangenen Tagen wissen, um wen es sich bei Kevin Vogt handelt: um den schwer schnaufenden und japsenden Mann in den Jogging-Klamotten. 

„Die Leute“, lacht Vogt, „werden sich sicher gefragt haben, ob das alles so Sinn macht, wenn sie mich haben atmen hören.“ Es war das Fitnessprogramm, das ihm vom SV Werder Bremen aufgebürdet worden war, das Vogt in den Kölner Parks abspulte und das ihn schwer forderte. Über dieses Thema sowie andere Gedanken, die den Werder-Leihspieler in diesen von der Coronavirus-Pandemie geprägten Tagen begleiten, sprach Vogt am Donnerstag in einer Video-Medienrunde – teils launig, teils sehr ernst.

Das Fitnessprogramm bei Werder Bremen

Die Frage war diese: Was hat Kevin Vogt zusätzlich zum verordneten Fitnessprogramm getan, um sich für die Wiederaufnahme des Trainingsbetriebs vorzubereiten? Die Reaktion war belustigtes Staunen und die Gegenfrage: „Hat mal jemand unseren Fitnessplan gesehen? Wer da noch etwas zusätzlich absolviert hat, den bestell‘ ich zum Rapport. Bei mir hat es gerade noch zu Spaziergängen mit dem Hund gereicht. Viel mehr war nicht drin.“ 

Okay, so schlimm also. Das Programm hatte übrigens Fitnesscoach Günter Stoxreiter entwickelt, und Vogt sagt, nachdem er es hinter sich gebracht hat: „Es war sehr anspruchsvoll. Läuferisch bin ich jetzt auf dem Weg in die Spitze. Heute sage ich, es war gut. Aber es gab auch Tage, an denen ich Stoxi verflucht habe.“

Werder Bremen: Kevin Vogt über die Zeit zu Hause in der Coronavirus-Krise

Und zwischen den Läufen? Langeweile? Kevin Vogt sagt es so: „Wahrscheinlich war es bei mir wie bei den meisten anderen auch. Ich war viel zu Hause, die einzigen Ausflüge waren die Läufe und Spaziergänge. Ansonsten wäre ich bereit, professionell Kniffel und Uno zu spielen – da bin ich jetzt extrem stark drin.“

Der Wiedereinstieg trotz Coronavirus: Werder Bremen nimmt das Training auf

Werder Bremen hat seine Profis zurückbeordert, ab Montag wird wieder in Bremen trainiert. Vogt ist schon da, findet die Situation in der Kabine „schon speziell. Es ist ein komisches Gefühl, wenn du da reinkommst, und niemand ist da – oder nur maximal ein, zwei Spieler.“ So wird es aber auch dann bleiben, wenn alle zurück sind. Trainiert wird fortan zeitversetzt in kleinen Gruppen, die Umkleidemöglichkeiten werden, um direkte Kontakte so gut es geht zu vermeiden, auf alle geeigneten Räume im Stadioninneren verteilt. Von Alltag im eigentlichen Sinn kann folglich nicht die Rede sein. Kevin Vogt will versuchen, das Beste draus zu machen: „Unsere Aufgabe ist es, topfit zu sein, wenn es wieder losgeht. Aber nicht mal Experten wissen, ob und wann es soweit sein wird.“

Werder Bremen: Kevin Vogt über die Ansteckungsgefahr des Coronavirus

Es ist ein hypothetischer Fall, keine Frage. Aber was wäre eigentlich, sollte sich ein Bundesliga-Profi aus Angst vor Ansteckung weigern, in Gruppen zu trainieren oder – wenn es so weit sein sollte – im Stadion aufzulaufen? Kevin Vogt wäre mindestens solidarisch, sagt er: „Das ist ein sehr sensibles Thema. Ich persönlich habe keine Angst, aber ich habe in meinem unmittelbaren Umfeld auch keine Risikopersonen. Es ist etwas anderes, wenn du in einem Haushalt mit deinen Kindern und vielleicht der Oma lebst. Das Spektrum ist da sehr breit, und ich finde, dass man für alles Verständnis haben muss.“

Werder Bremen-Verteidiger Kevin Vogt über die Ablenkung durch Fußball

DFL-Chef Christian Seifert hatte den Unterhaltungs-Faktor, den der Fußball bietet, als Argument für einen Re-Start der Bundesliga angeführt. Kevin Vogt schließt sich an. „Ich glaube, dass sich viele Menschen, die den größten Teil ihres Tages zu Hause verbringen, einfach den Sport und den Fußball zurückwünschen. Sei es im Stadion – und das ist wahrscheinlich der größte Wunsch von allen – oder im Fernsehen. Allerdings muss man dagegenhalten, dass die Gesundheit – und das sage ich auch als Fußballer, der seinen Beruf gerade sehr vermisst – über allem steht. Da sollten wir den Experten die Entscheidung überlassen, was zu tun ist.“

Werder Bremen und die Geisterspiele

Wenn die Saison noch fortgesetzt werden sollte, dann nur ohne Zuschauer in den Stadien. Nicht schön, aber laut Kevin Vogt, der noch bis 2022 bei der TSG Hoffenheim unter Vertrag steht, das kleinere Übel gegenüber eines Saisonabbruchs. „Es ist klar, dass es für viele Vereine ums nackte Überleben geht. Ich will mich nicht zu weit aus dem Fenster lehnen, aber wenn man die Zahlen sieht (der Liga droht ein Einnahmeausfall von 750 Millionen Euro, d. Red.), wird schon klar, dass sich das Rad weiterdrehen muss. Es ist für die Vereine wichtig, dass die Spiele stattfinden. Deshalb: Lieber ohne Zuschauer als gar keine Spiele“, meint der Verteidiger des SV Werder Bremen.(csa)

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