Wiedersehen: Kevin Vogt von der TSG Hoffenheim umarmt seinen ehemaligen Trainer Florian Kohfeldt. Am Sonntag spielt Werder Bremen bei der TSG.
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Wiedersehen: Kevin Vogt von der TSG Hoffenheim umarmt seinen ehemaligen Trainer Florian Kohfeldt. Am Sonntag spielt Werder Bremen bei der TSG.

Vor Wiedersehen mit Werder

Ex-Werder-Profi Kevin Vogt im DeichStube-Interview: „Wir waren auf einer Wellenlänge“

Sinsheim – Er kam in einer Phase, in der für Werder Bremen alles auf dem Spiel stand – und half dabei mit, dass die Sache am Ende glimpflich ausging. Insgesamt 17 Pflichtspiele hat Kevin Vogt (29) in der Vorsaison für die Bremer absolviert, erst nach dem letzten davon war der Klassenerhalt perfekt – und der Defensiv-Allrounder kehrte zu 1899 Hoffenheim zurück.

Wenn Werder Bremen am Sonntag in Sinsheim bei der TSG Hoffenheim antritt, muss Kevin Vogt zwar gesperrt zuschauen. Im Interview mit der DeichStube hat er trotzdem verraten, dass er bis heute engen Kontakt nach Bremen pflegt, was er Ex-Mitspieler Marco Friedl raten würde und weshalb es für ihn nie ein Thema war, länger an der Weser zu bleiben. 

Sie haben am vergangenen Wochenende Ihre fünfte Gelbe Karte gesehen und sind nun gesperrt. Wie sehr ärgert es Sie, dass Sie im Spiel gegen Ihren Ex-Club Werder nicht mitwirken können, Kevin Vogt?

Die Sperre ärgert mich schon arg. Gleich auf dem Platz habe ich es natürlich realisiert, dass ich nun ausfallen werde. Ausgerechnet gegen Werder, der denkbar ungünstigste Zeitpunkt, nachdem ich wochenlang die vier Verwarnungen mit mir herumgeschleppt habe.

Im Hinspiel im Weserstadion waren Sie dabei. Welche Erinnerungen haben Sie an das 1:1?

Werder ist gut gestartet, hat ein frühes Tor gemacht. Wir sind nicht gut ins Spiel gekommen, haben uns dann aber stabilisiert und Mitte der ersten Hälfte den Ausgleich erzielt. Insgesamt stand am Ende ein gerechtes Resultat.

Hoffenheims Kevin Vogt über Draht zu Ex-Club Werder Bremen: „Sehr intensiven Kontakt in einer WhatsApp-Gruppe“

Haben Sie noch Kontakt zu den früheren Kollegen aus Bremen?

Einen sehr intensiven Kontakt sogar in einer WhatsApp-Gruppe, die sich gebildet hat. Mitunter sind wir sogar fast täglich aktiv und tauschen uns aus.

Wer gehört zu dieser Gruppe?

Marco Friedl, Davie Selke und Leo Bittencourt zum Beispiel. Auch zum gesamten Trainerteam habe ich weiterhin einen sehr guten Draht.

Die Kommunikation in der besagten Gruppe ist in dieser Woche gewiss etwas spärlicher gewesen, oder?

Nein, warum denn auch? Natürlich werden wir am Abend vor dem Spiel die Gespräche sein lassen. Doch zu Wochenbeginn haben wir noch kommuniziert. Wir sprechen ja nicht nur über Fußball, sondern auch über andere Dinge.

Vor einem Jahr sind Sie als Leihspieler zum SV Werder Bremen gekommen. Wie haben Sie das dann folgende Halbjahr erlebt?

Es war eine sehr anspruchsvolle, aber auch lehrreiche Zeit für mich. In Hoffenheim hatten wir in den Jahren zuvor europäisch gespielt und lagen auch in dieser Saison wieder auf Kurs. Also ging es im übertragenen Sinne aus der Komfortzone zu einem Club, der in den Abstiegskampf verwickelt war. Ich habe gespürt, wie von Woche zu Woche der Druck gewachsen ist. Es war eine spannende Zeit. Ich hatte mir vorgenommen, bei Werder neue Elemente reinzubringen, meine Erfahrungen zu vermitteln und der Mannschaft zu helfen. Ich glaube, es ist mir weitgehend gelungen. Dass es zum Schluss zum Klassenverbleib gereicht hat, war natürlich riesig. Ich wollte mich mit einem Lächeln aus Bremen verabschieden. Das hat geklappt.

Wären Sie gerne länger geblieben?

Es sind nie Gespräche in diese Richtung geführt worden. Zumal die Vereinbarung auch klar definiert war und die Leihe nur für ein halbes Jahr fixiert war. Ich habe damals auch früh mit unserem neuen Trainer in Hoffenheim, Sebastian Hoeneß, geredet, der mir die Perspektiven aufgezeigt hat. Somit war klar, dass die Reise mit Hoffenheim für mich noch nicht zu Ende war.

Mit dem Vorgänger von Sebastian Hoeneß, dem Niederländer Alfred Schreuder, sind Sie nicht klargekommen, haben deshalb das kurzzeitige Engagement in Bremen gestartet. Hätte es den Trainerwechsel von Schreuder zu Hoeneß nicht gegeben, wären Werders Chancen möglicherweise größer gewesen, Sie langfristig zu binden?

Sie haben recht, wäre Alfred Schreuder noch Coach in Hoffenheim, wären vielleicht die Chancen für Werder größer gewesen, mich zu halten.

Aus dem Bremer Umfeld heißt es, dass Ihr Verhältnis zu Werder-Trainer Florian Kohfeldt exzellent gewesen sei.

Es stimmt, ich konnte mit Flo vom ersten Tag an sehr gut. Wir waren auf einer Wellenlänge. Ich bin ein Mensch, der direkt und offen ist, da passte es zwischen uns, so glaube ich, sehr gut. Außerdem hat ihm wohl gefallen, dass ich neue Komponenten hereingebracht habe, meine Stärken in den Dienst der Mannschaft gestellt habe. Eine Elf mit unglaublich guten Charakteren, die mich übrigens sehr gut und sehr schnell aufgenommen hat.

Wie Kohfeldt zählt auch Ihr aktueller Coach Sebastian Hoeneß zur jungen Trainergeneration. Ähneln sich die beiden?

Ich habe in der Tat gute Erfahrungen mit jungen Trainern gemacht. Ich durfte ja auch schon mit Julian Nagelsmann arbeiten, auch einem Vertreter dieser neuen Generation. Bei den dreien gibt es schon Parallelen, wie sie Fußball gestalten möchten.

Abfällig werden diese Fußballlehrer oft als Laptop-Trainer bezeichnet, die den Sport zu sehr verwissenschaftlichen. Ein aktuelles Beispiel: Nürnbergs Trainer Robert Klauß, der am Wochenende seinen Matchplan in einer Sprache kommuniziert hat, die nicht alle verstanden haben. Wie ist das bei Ihnen? Haben Sie alles nachvollziehen können, was Ihre jungen Vorgesetzten verlangten?

Ich konnte das nachvollziehen, ich habe diese Sprache schon mal gehört. Robert Klauß war Assistent von Julian Nagelsmann in Leipzig, von daher war mir diese Art der Anweisungen nicht ganz fremd. (lacht)

In der letzten Saison entwickelte sich Werder Bremen zur Schießbude der Liga. In diesem Spieljahr zeichnet eine neu gewonnene defensive Stabilität die Mannschaft aus. Sind Sie verwundert über diese Entwicklung?

Ich bin nicht mehr nah genug dran, um die Ursachen zu benennen. Doch Fakt ist, dass die Bremer Mannschaft aktuell sehr gut verteidigt, kaum Gegentore kassiert. Was manchmal natürlich auch auf Kosten des Angriffsspiels geht. Doch es scheint etwas zusammengewachsen zu sein, zumal sich die Stabilität kontinuierlich abzeichnet. Das ist eine gute Basis für Erfolg.

Sie sind sehr flexibel in Ihrem Spiel, haben schon als Innenverteidiger oder auf der Sechser-Position geglänzt. Haben Sie eine Lieblingsrolle?

Heutzutage, wo viele Systemwechsel in einer Mannschaft angesagt sind, ist es enorm wichtig, möglichst flexibel und variabel zu sein. Ich fühle mich im Zentrum schon recht wohl, obwohl ich auch schon mal als Halbverteidiger gespielt habe. Aber ich glaube, dass ich in dieser zentralen Rolle auch der Elf am meisten helfen kann.

Vor Wiedersehen mit Werder Bremen: Traut Hoffenheims Kevin Vogt seinem Ex-Kollegen Marco Friedl einen Wechsel zum FC Bayern zu?

Marco Friedl, Ihr Mitspieler von einst und Kumpel aus der WhatsApp-Gruppe, wurde gerade mit Bayern München in Verbindung gebracht. Trauen Sie ihm zu, reif genug für einen Topclub zu sein? Und raten Sie ihm dazu?

Ich halte viel von Marco, auch menschlich ein ganz feiner Kerl. Ein Spieler mit großen Qualitäten, der noch jung ist, nun mehr Konstanz in sein Spiel gebracht hat. Wenn er mich fragen würde, was er übrigens nicht getan hat bislang, so lautete mein Rat: Sammel weiter deine Erfahrungen, versuche weiter, deine Leistung zu stabilisieren! Es kommt darauf an, auf lange Sicht überdurchschnittliche Leistungen zu bringen.

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Zum Duell am Sonntag: Werder Bremen hat augenblicklich Hoffenheim in der Liga überholt. Nur eine Momentaufnahme?

Aktuell stellt sich die Lage so dar. Wir hatten uns in Hoffenheim vor dem Start einen Tick mehr erwartet, doch es lief nicht ganz so, weil vieles weggebrochen ist durch Corona und andere Widrigkeiten. Wir hatten in der Hinrunde über Monate zehn bis zwölf Ausfälle. Das muss man bei der Bewertung berücksichtigen. Aber so langsam kommen wir wieder in die Spur, holen Punkte und holen auf.

Ist Europa noch ein realistisches Ziel?

Das ist gegenwärtig aus unseren Köpfen raus. Wir spielen in der laufenden Saison im Europacup, darüber sollten wir uns freuen.

Am Wochenende haben Sie mit dem Dortmunder Haaland für eine Szene gesorgt, nach der wieder über den Video-Assistenten arg diskutiert wurde. Foul von Ihnen nicht gepfiffen, im Gegenzug ein Tor anerkannt. Wie haben Sie es gesehen?

Auf dem Platz habe ich es anders wahrgenommen, als später die TV-Bilder zeigten. Der Ball kommt von außen, wir beide stehen mit dem Gesicht zum Tor, wir kollidieren. Wie dann festgestellt worden ist, gab die Situation doch keinen Eingriff des Video-Assistenten her.

Und grundsätzlich: Wie beurteilen Sie das Wirken des oft kritisierten VAR?

Schwere Frage, normalerweise sollten wir uns damit angefreundet haben. Alles sei fairer geworden, sagt man. Doch es haben sich zuletzt Fälle gehäuft, in denen Fehler nicht korrigiert worden sind. Ich bin ein Befürworter von mehr Emotionen im Spiel und bin daher kein so großer Freund dieser Entwicklung.

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