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Er war 19 Wochen lang im Krankenhaus, jetzt geht es ihm wieder besser: Klaus-Dieter Fischer, Ehrenpräsident von Werder Bremen.

Werder-Ehrenpräsident hat schlimme Monate hinter sich

Klaus-Dieter Fischer im Interview: „Ich vermisse Max Kruse“

Bremen – Wo war eigentlich Klaus-Dieter Fischer? Der Ehrenpräsident des SV Werder Bremen hat sich seit Sommer aus der Öffentlichkeit ferngehalten – und das alles andere als freiwillig.

Der 78-Jährige musste mehrere Monate im Krankenhaus verbringen. „Das war eine ganz schreckliche Zeit“, erinnert sich Fischer. Nun geht es dem langjährigen Geschäftsführer und Präsidenten der Grün-Weißen wieder besser. Im Interview mit der DeichStube spricht er über seine Erkrankung, redet aber natürlich viel lieber über seinen SV Werder Bremen. Dabei vermisst Fischer Ex-Kapitän Max Kruse, der zu Fenerbahce Istanbul gewechselt ist, und er empfiehlt einen Strategiewechsel beim Thema Nachwuchsleistungszentrum.

Herr Fischer, wie geht es Ihnen?

Ich genieße es, endlich wieder ins Weserstadion gehen zu können. Im Pokal gegen Heidenheim war ich zum ersten Mal wieder da und durfte gleich jubeln. Davor habe ich 19 Wochen im Krankenhaus gelegen, danach kamen noch drei Wochen Reha – das war eine ganz schreckliche Zeit.

Wie kam es dazu?

Im Endeffekt war es ein Keim, der sich in meiner Wirbelsäule festgesetzt und den man erst sehr spät entdeckt hat. Der Keim hat meinen Körper mit Schmerzen übersät. Inzwischen wurde er herausgeschnitten und herausgekratzt. Ich bin dem Team des Diako in Bremen sehr dankbar – und natürlich meiner Frau und meinem Sohn, die mir sehr viel Kraft gegeben haben. Man sieht mir die Strapazen der letzten Wochen zwar noch an, aber ich bin im Weserstadion trotzdem noch wiedererkannt worden (lacht).

Wie schätzen Sie die aktuelle sportliche Situation bei Werder ein?

Die Mannschaft spielt besser, als es der Tabellenstand ausdrückt. Aber jeder weiß: Das ist auch eine gefährliche Situation. Ich bin mir allerdings sicher, dass die Spieler und vor allem die sportliche Leitung mit Frank Baumann und Florian Kohfeldt die Lage richtig einschätzen.

Trainer Kohfeldt hält an seinem fußballerischen Weg fest. Ist das richtig?

Ja! Denn das bedeutet nicht zwangsläufig, nicht auf den Abstiegskampf vorbereitet zu sein. Florian kennt den Abstiegskampf, hat ihn als Trainer und davor als Co-Trainer erlebt. Die Situation trifft ihn nicht unvorbereitet.

Liegt es nur an dem Verletzungspech und dem fehlenden Spielglück, dass Werder zu wenig Punkte gesammelt hat?

Glück und Pech sind für mich keine echten Argumente. Was ich beklage, ist: Wir sind zu Beginn der Halbzeiten und in der Nachspielzeit einfach nicht konsequent genug, verschenken da zu viel. Gerade am Ende ist das grausam – nicht nur für die Mannschaft, sondern auch für die Fans.

Glauben Sie das die Stimmung kippen könnte?

Natürlich wächst die Ungeduld, wenn die Spiele nicht gewonnen werden. Deshalb ist das Spiel gegen Schalke extrem wichtig, da muss ein Sieg her. Das wird schwer, aber die Mannschaft hat das Potenzial.

Werder Bremen: Klaus-Dieter Fischer ärgert sich über Politik

Vermissen Sie Max Kruse?

Ja, ich vermisse Max Kruse nicht nur als Fußballer, sondern auch als Menschen. Ich habe ihn persönlich sehr gut gekannt, er hat uns oft besucht. Max ist unersetzbar gewesen – als Torschütze und als Vorbereiter. Er war aber auch ein Typ, der seinen Mund aufgemacht hat, wenn ihm etwas nicht passt, und der auf dem Spielfeld die Initiative ergriffen hat. Eine Mannschaft braucht immer auch etwas Freches. Ich hatte gehofft, dass Niclas Füllkrug diese Rolle einnehmen kann, leider hat er sich verletzt.

Hätte Sportchef Frank Baumann bei Max Kruse mehr Überzeugungsarbeit leisten müssen?

Wie gesagt: Ich hatte ein sehr gutes Verhältnis zu Max und habe dann gemerkt, dass er noch mal etwas Anderes machen wollte. Es hat mich allerdings überrascht, dass er in die Türkei gegangen ist. Max wollte eigentlich nach England oder in der Bundesliga zu den Bayern oder nach Dortmund. Da hat er sich vielleicht etwas überschätzt.

Max Kruse hat vor einem Jahr als erster Werder-Kapitän auf einer Mitgliederversammlung gesprochen. Sollte ihm Niklas Moisander am Montag nacheifern?

Man sollte solche Sachen nicht wiederholen. Das war einmalig von Max. Viel wichtiger ist doch, dass Niklas wieder gesund wird und spielen kann.

Rechnen Sie mit einer aufregenden oder eher ruhigen Versammlung?

Eher ruhig, denn dem Verein – und der steht an dem Abend im Mittelpunkt – geht es ja gut. Ein kritischer Punkt könnte allerdings das leidige Thema Nachwuchsleistungszentrum sein.

Warum?

Weil es einfach nicht vorangeht. Werder hat sich nur auf einen Weg eingelassen und sich dabei auf den damaligen Bürgermeister Carsten Sieling und andere Senatoren verlassen. Sie haben versprochen, dass Werder in der Pauliner Marsch bauen kann. Und jetzt nach der Wahl ist alles anders. Das sind nun mal die schlechten Erfahrungen, die man immer mal wieder mit der Politik macht. Auch ein Innensenator Ulrich Mäurer hat uns mal zugesichert, dass wir als Werder keine Polizeikosten bezahlen müssen, jetzt zahlen wir. Außerdem ist es viel zu optimistisch gedacht, dass uns die Stadt bei den vielen Projekten, die in Bremen anstehen – zum Beispiel der Flughafen, der Klinikverbund Gesundheit Nord oder die Justizvollzugsanstalt – finanziell unterstützen wird.

Haben Sie eine Lösung für das Nachwuchsleistungszentrum?

Ja, es muss eine abgespeckte Version sein von dem, was zuletzt von Werder für die Pauliner Marsch vorgestellt wurde.

Werder Bremen: Klaus-Dieter Fischer für abgespeckte Version des Nachwuchsleistungszentrums

Aus finanziellen Gründen oder um die Anwohner zur Zustimmung zu bewegen?

Sowohl als auch. Wir gehören nun mal zu den finanziell schwächeren Bundesliga-Vereinen, können uns nicht alles leisten. Und ich denke, mit einer abgespeckten Version könnten auch die Anwohner besser leben. Es muss aber endlich etwas passieren, es wurde schon viel zu viel Zeit vergeudet.

Sie haben angesprochen, dass Werder zu den finanziell schwächeren Clubs der Liga gehört. Lässt sich das noch mal ändern?

Tja, das geht wohl nur mit einem Investor. Aber so einfach ist das dann auch wieder nicht, wie die Beispiele Stuttgart und Hertha zeigen. Mein Traum bleibt es, dass sich die bremische Wirtschaft zusammentut und Werder zu einem noch größeren Bremer Aushängeschild macht. Es wird einfach unterschätzt, was Werder schon jetzt für den Ruf der Stadt Bremen leistet.

Wie ist es für Sie, seit dieser Saison ins „Wohninvest Weserstadion“ zu gehen?

Auf der einen Seite nicht schön, auf der anderen Seite war es eine dringende Notwendigkeit. Wohninvest zahlt immerhin 30 Millionen Euro in zehn Jahren. Der Name Weserstadion ist aber im Titel erhalten geblieben. Da haben alle Beteiligten gute Arbeit geleistet. Und ich persönlich gehe wie viele andere weiter ins Weserstadion.

Wie lebt es sich eigentlich als Ehrenpräsident?

Gut! Ich freue mich, wenn ich noch erkannt und angesprochen werde, habe mich aber eher etwas zurückgezogen. Uli Hoeneß wird bei den Bayern bestimmt ein anderer Ehrenpräsident sein und weiter Attacke machen (lacht).

Verraten Sie uns Ihre aktuellen Lieblingsspieler und wer Ihnen dazu noch imponiert?

Mein Lieblingsspieler ist Niclas Füllkrug. Ich kenne ihn schon so lange, damals war er noch sehr, sehr jung. Schön, dass Niclas wieder in Bremen ist. Er ist ein toller Typ, der hoffentlich bald wieder richtig fit ist. Milot Rashica macht mir in dieser Saison ganz viel Spaß. Bei Philipp Bargfrede ist es einfach beeindruckend, wie er sich nach Verletzungen zurückkämpft. Und Davy Klaassen ist ein Spieler, der mir immer wieder auf dem Platz imponiert. Schade ist, dass Maximilian Eggestein, der eine große Zukunft vor sich hat, immer noch ein wenig unter der Belastung bei der U21-EM im vergangenen Sommer leidet. Maxi wird hoffentlich nach der Winterpause den nächsten großen Schritt machen.

Wie sehr glauben Sie noch an Werders Qualifikation für Europa?

Man sollte die aktuelle Arbeit nicht mit dem Gerede von Europa belasten und sich nur damit beschäftigen, nicht in den Abstiegskampf zu geraten. Wenn uns wirklich eine Siegesserie gelingen sollte, dann rede ich sehr gerne wieder über Europa.

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