Klaus-Dieter Fischer, Ehrenpräsident von Werder Bremen, glaubt weiter an Trainer Florian Kohfeldt.
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Klaus-Dieter Fischer, Ehrenpräsident von Werder Bremen, glaubt weiter an Trainer Florian Kohfeldt.

Ehrenpräsident von Werder Bremen im Interview

Werder-Krise: Fischer setzt auf Florian Kohfeldt – und nicht auf Labbadia oder Schaaf

Bremen – Fast überall wird über Florian Kohfeldt und dessen Zukunft als Coach des stark abstiegsbedrohten SV Werder Bremen diskutiert. Klaus-Dieter Fischer hält das für überflüssig.

Denn für den Ehrenpräsidenten des Clubs ist die Entscheidung längst gefallen – und zwar pro Kohfeldt. Der 79-Jährige sieht die Zusammenarbeit mit dem Coach als langfristiges Modell an, würde dafür auch schweren Herzens einen Abstieg in Kauf nehmen. Im Interview mit der DeichStube erklärt der ehemalige Werder-Geschäftsführer, was er jetzt von der Werder-Familie erwartet und warum Bruno Labbadia für ihn als Feuerwehrmann kein Thema ist.

Herr Fischer, haben Sie noch Hoffnung, dass Werder Bremen den Klassenerhalt schafft?

Natürlich! Wenn wir keine Hoffnung mehr hätten, dann könnten wir den Spielbetrieb einstellen. Aber klar, irgendwann stirbt die Hoffnung...

Für Trainer Florian Kohfeldt wäre das der Fall, so hat er es gesagt, wenn in den nächsten beiden Spielen gegen Frankfurt und Hertha nicht gepunktet wird.

Über diesen Ausspruch von Florian habe ich mich gewundert. Der passt gar nicht zu ihm. Denn auch nach zwei weiteren Niederlagen hätten wir immer noch neun Spiele und damit die Chance auf 27 Punkte. Natürlich holt man die nicht alle, aber abgestiegen ist man erst, wenn es rechnerisch nicht mehr anders geht.

Will es Florian Kohfeldt dem Verein damit vielleicht leichter machen, ihn entlassen zu können?

Das glaube ich nicht. Florian wird bis zum Letzten kämpfen.

Ist er noch der richtige Trainer im Abstiegskampf?

Diese Frage stellt sich überhaupt nicht mehr, weil wir alle – und da schließe ich mich mit ein – immer wieder gesagt haben, dass wir ihm vertrauen. Wenn man dieses Vertrauen hat, dann muss man diesen Weg auch konsequent gehen. Und dann kann es im Fußball passieren, dass man in der Zweiten Liga landet.

Klaus-Dieter Fischer: Max-Kruse-Abgang für Krise bei Werder Bremen wesentlich

Dieses Vertrauen ist riskant – und heißt es nicht, dass der Verein immer größer – also wichtiger – sein muss als einzelne Personen?

Das ist richtig. Aber Vertrauen wird aufgebaut – und dieses Vertrauen hat sich Florian durch seine Arbeit und seine Art und Weise einfach verdient. Außerdem haben viele Faktoren dafür gesorgt, dass wir in so eine missliche Lage geraten sind.

Welche meinen Sie?

Ganz wesentlich war der Abgang von Max Kruse. Dann haben wir zwar mutig auf dem Transfermarkt agiert, allerdings mit dem Risiko, gute Spieler mit einer gewissen Verletzungsanfälligkeit geholt zu haben. Aus finanzieller Sicht ist das bei unserer Ausgangslage durchaus nachvollziehbar, aber es ist uns vor die Füße gefallen. Und wenn wir als Verein innerhalb eines halben Jahres drei verschiedene Mannschaftsärzte haben, dann ist das mehr als unglücklich.

Wer ist dafür verantwortlich?

Die gesamte Geschäftsführung.

Was muss das für Konsequenzen haben?

Nach der Saison muss man jeden Stein rumdrehen und dann schauen, was man macht.

Werder Bremen: Bruno Labbadia? Für Klaus-Dieter Fischer kein langfristiges Modell

Wenn Werder mit Florian Kohfeldt absteigt, müsste er dann auch zwangsläufig der Trainer sein, mit dem der Wiederaufstieg angestrebt werden sollte?

Das ist doch der einzige Grund, warum wir das jetzt mit ihm durchziehen und mit ihm sogar in die Zweite Liga gehen würden. Wenn der Aufsichtsrat und die Geschäftsführung nicht glauben würden, dass wir mit ihm den Wiederaufstieg schaffen, dann müsste man es schon jetzt beenden. Das mit Florian ist doch ein langfristiges Modell, da sind wir uns doch alle einig.

Kann man sich diese Langfristigkeit bei den gravierenden finanziellen Folgen eines Abstiegs überhaupt leisten?

Das Risiko wäre bei einem Trainerwechsel doch genauso hoch. Ist es sicher, dass man mit dem neuen Trainer drin bleibt? Ist es sicher, dass man mit dem neuen Trainer den Aufstieg schafft? Ich wüsste keinen Trainer, der es besser machen könnte als Florian.

Auch nicht Bruno Labbadia, mit dem Sie seit seiner Werder-Zeit gut befreundet sind und der schon viele Clubs vor dem Abstieg gerettet hat?

Aber Bruno Labbadia wurde immer wieder auch entlassen oder hat die Vereine selbst verlassen. Für mich wäre das kein langfristiges Modell.

Werder Bremen: Thomas Schaaf als Kurzzeit-Retter nicht denkbar für Klaus-Dieter Fischer

Im Sport1-Doppelpass wurde am Sonntag das Modell diskutiert, dass Florian Kohfeldt bis Sommer durch Thomas Schaaf ersetzt werden könnte, um dann wieder zu übernehmen. Was halten Sie davon?

Das ist doch albern. Du kannst doch Florian jetzt nicht für drei, vier Monate aus der Schusslinie nehmen und ihn dann zurückholen. Das würde er selbst nicht wollen. Und Thomas Schaaf wird auch nicht auf unseren Trainerstuhl zurückkehren wollen.

Sind Sie sich da sicher?

Ziemlich sicher. Aber die Frage stellt sich auch gar nicht.

Könnten Sie sich vorstellen, dass Florian Kohfeldt selbst zurücktritt?

Wenn er weiterhin das Vertrauen im Verein spürt, dann wird er das nicht machen.

Was würde ein Abstieg für Werder bedeuten?

Das wäre ganz, ganz bitter. Da hängen so viele Dinge dran – vor allem auch Arbeitsplätze. 1980 haben wir nach dem Abstieg gesagt: Wir spielen ein Jahr unter Bundesliga-Bedingungen weiter und entlassen niemanden. Es war aber auch klar: Hätten wir den sofortigen Wiederaufstieg nicht geschafft, wären wir in der Saison darauf mit unserer zweiten Mannschaft angetreten. Mit der Situation heutzutage ist das nicht mehr zu vergleichen. Da müssen andere Pläne greifen. Ich gehe davon aus, dass es die schon gibt.

Trainer Florian Kohfeldt genießt trotz akuter Abstiegsgefahr beim SV Werder Bremen weiter volles Vertrauen.

Werder Bremen: Geschäftsführer sollen sich zu Florian Kohfeldt und Frank Baumann bekennen

Was ist jetzt wichtig?

Wir müssen als Verein eine geschlossene Einheit bleiben und dieses langfristige Modell mit Florian Kohfeldt auch nach außen hin leidenschaftlich verteidigen. Das wird nicht an allen Stellen, gerade in der Führung des Clubs, konsequent genug gemacht. Das ist gefährlich.

Meinen Sie damit speziell Aufsichtsratschef Marco Bode sowie die Geschäftsführer Klaus Filbry und Hubertus Hess-Grunewald?

Marco mischt sich schon genug ein und meldet sich auch zu Wort. Das darf und soll er mit seiner fachlichen Kompetenz auch. Aber Klaus und Hubertus dürfen aus meiner Sicht schon ein bisschen mehr mit eingreifen und in der Öffentlichkeit ein klares Bekenntnis zu Florian Kohfeldt, Frank Baumann und der Bundesliga abgeben.

Klaus Filbry hat sich allerdings schon zu den Folgen eines Abstiegs geäußert und Hoffnung gemacht, dass es auch danach weitergeht.

Das ist auch gut so. Und es wird wahrlich nicht einfach. Ganz Bremen wird diesen Abstieg zu spüren bekommen. Bremen wird wieder einmal in einem nicht unwichtigen Bereich von der Landkarte verschwinden.

Werder Bremen: Florian Kohfeldt und Frank Baumann „bei uns nur gemeinsam“

Sie sind Ihr Leben lang ein Grün-Weißer, was würde ein Abstieg für Sie persönlich bedeuten?

1980 habe ich mich, als der Abstieg nach dem 0:5 gegen Köln feststand, in eine Ecke gesetzt und geweint. Aber danach habe ich die Ärmel hochgekrempelt und zusammen mit Franz Böhmert versucht, den Schaden zu beheben. Das ist uns zum Glück dann auch gelungen.

Es wird in diesen Tagen viel über den Trainer diskutiert, wie bewerten Sie die Rolle von Sportchef Frank Baumann?

Frank Baumann und Florian Kohfeldt kann man nicht trennen. Das ist ein Paar, das alles zusammen macht.

Wäre es für Sie trotzdem denkbar, dass einer alleine weitermacht oder würden und müssten beide gemeinsam gehen?

Solche Paare sind ein Glücksfall für einen Verein. Wir haben das ja schon mal mit Klaus Allofs und Thomas Schaaf erlebt. Deswegen bin ich mir sicher, dass es Frank und Florian bei uns nur gemeinsam geben wird. Natürlich ist auch diese Zeit endlich, aber diese Zeit ist noch lange nicht gekommen.

Viele in Deutschland verstehen diesen Werder-Weg mit dem bedingungslosen Festhalten am Trainer nicht.

Weil fast überall anders gehandelt wird. Aber deswegen ist unser Weg doch nicht falsch. Im Gegenteil: Wir müssen jetzt beweisen, dass wir wirklich diese Werder-Familie sind, von der immer gesprochen wird. Wir müssen so etwas mit einem Trainer, von dem wir absolut überzeugt sind, auch durchhalten – in guten wie in schlechten Zeiten.

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