Klaus Fichtel, der ehemalige Profi von Schalke 04 und Werder Bremen, hofft auf den Bundesliga-Aufstieg beider Mannschaften.
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Klaus Fichtel, der ehemalige Profi von Schalke 04 und Werder Bremen, hofft auf den Bundesliga-Aufstieg beider Mannschaften.

Vor Kracher in der 2. Liga

Werder- und Schalke-Legende „Tanne“ Fichtel fiebert Topspiel entgegen und hat Aufstiegs-Wunsch

Bremen - Normalerweise hat er seinen Stammplatz auf der Ehrentribüne. Doch am Samstag, beim Hit der 2. Bundesliga in der Veltins-Arena, wird der Sitz leer bleiben. Klaus Fichtel, die Ikone der beiden Konkurrenten um den Aufstieg, wird gezwungenermaßen fehlen. Die aus dem Ruhrgebiet stammende lebende Legende der Bundesliga, der ein Ehrenplatz in der Historie von Schalke 04 gebührt und die zur Mannschaft des SV Werder Bremen zählte, die 1981 den direkten Wiederaufstieg nach dem ersten Abstieg aus dem Oberhaus schaffte, musste sich in dieser Woche einer Operation an den Augen unterziehen. Auf das Spitzenspiel in Gelsenkirchen freut sich Fichtel natürlich trotzdem, erwartet „eine ausgeglichene Partie der besten Mannschaften der Liga, die mit Recht dort oben stehen“.

Werder Bremen und Schalke 04 gemeinsam nach oben, Seite an Seite zum Wiederaufstieg. „Das wünsche ich mir“, sagt Klaus Fichtel, der bis vor Kurzem noch sein Hobby als Züchter und Fahrer von Trabrennpferden gepflegt hat. Wobei ein ehrlicher Zusatz des sympathischen Reviermenschen folgt: „Für Schalke drücke ich besonders die Daumen, es ist nun mal der Club, mit dem ich viel enger verbunden bin und bei dem ich viel länger gespielt habe.“

Werder Bremen- und FC Schalke 04-Legende Klaus „Tanne“ Fichtel fiebert dem Zweitliga-Topspiel entgegen

Für Werder Bremen waren es „nur“ vier Spielzeiten – 117 Bundesligaspiele zwischen 1980 und 1984 mit den Höhepunkten des Aufstiegs im ersten Jahr und der Vizemeisterschaft 1983 knapp hinter dem HSV. „Es war schon erstaunlich, dass wir sofort in der Bundesliga mithalten konnten und konkurrenzfähig waren. Die gute Serie hat sich für die Bremer dann zum Glück fortgesetzt.“ Es folgte eine atemberaubende Entwicklung in der Otto-Rehhagel-Ära, allerdings ohne Klaus Fichtel. „Der Doktor wollte, dass ich bleibe. Er hat versucht, mich zu überreden“, berichtet Fichtel von vielen Gesprächen mit dem damaligen Werder-Präsidenten Dr. Franz Böhmert. Doch dessen Überredungskünste fruchteten nicht. Fichtels Argument: „Ich wollte zurück, zurück in die Heimat.“ Also ging es für ihn wieder nach Gelsenkirchen. Der waschechte Schalker Knappe, ein gelernter Bergmann, der bis zum Eintritt in die Rente mit 65 Jahren bei seinem Stammverein nach der Zeit als Spieler (552 Einsätze in der 1. Liga) diverse Funktionen ausgeübt hat, spielte dort noch vier Jahre.

Seine Saisonbilanz für das aktuelle Schalke 04 fällt im Gespräch mit der DeichStube eher durchwachsen aus. Spielerisch sei er weitgehend enttäuscht von der Mannschaft, der es vor allem in der Zeit mit Dimitrios Grammozis nicht gelungen sei, einen Gegner auszuspielen. „Unter Mike Büskens hat sich das ein bisschen verbessert“, fügt Klaus Fichtel an, der Werder Bremen vor zwei Schalkern warnt: Der Japaner Ko Itakura, nunmehr auf der Sechserposition eingesetzt, besitze einen guten Vorwärtsgang und verfüge über einen gefährlichen Abschluss aus der zweiten Reihe. Die meiste Effektivität, so der Oldie, der immer noch als Trainer der Schalker Traditionself an der Seitenlinie steht, gehe indes von Thomas Ouwejan aus: „Er schlägt genaue und gut getimte Standards, seine Bälle beschwören immer Gefahr herauf.“

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Klaus Fichtel warnt den SV Werder Bremen vor zwei Spielern des FC Schalke 04: Ko Itakura und Thomas Ouwejan

Dass sich Geschichte mitunter wiederholt, vor allem im Fußballgeschäft, betont Klaus Fichtel, der seit jeher den Spitznamen „Tanne“ trägt, dem sie ihm wegen seiner schlanken und durchtrainierten Figur einst verliehen haben. Parallelen zwischen dem aktuellen Tagesgeschäft und früheren Geschehnissen liegen für ihn auf der Hand. Er erinnert an den Wiederaufstieg des SV Werder Bremen in den Achtzigern: „Auch wir mussten uns damals erst finden. Es dauerte eine Zeit, bis wir uns gesteigert haben und den Fußball spielten, den sich alle erhofft haben.“

Klaus Fichtel sieht frappierende Ähnlichkeiten zwischen gestern und heute. Nach dem Abstieg aus dem Oberhaus habe es beide Male einen gewaltigen Umbruch gegeben, sagt er. Und erwähnt die damaligen Abgänge von Leistungsträgern wie Werner Dreßel und Klaus Wunder, wie Jürgen Röber und Karlheinz Geils. Auch nach dem Niedergang im Jahr 2021 habe Werder Bremen einige Stars verloren. Mit Blick auf die Abgänge von Maximilian Eggestein und Milot Rashica, Josh Sargent, Ludwig Augustinsson und Yuya Osako konstatiert der 77-Jährige: „Da ist viel Qualität verloren gegangen, doch es hat funktioniert, es konnte ein neues Team aufgebaut werden – Gott sei Dank.“

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Schalke 04- und Werder Bremen-Legende Klaus „Tanne“ Fichtel: Trainerwechsel bei beiden Clubs hatten einen positiven Effekt

Weiter listet der Senior die Parallelen beim Kampf um den Wiederaufstieg auf. An erster Stelle nennt Klaus Fichtel den positiven Effekt durch die Trainerwechsel. Ole Werner für Markus Anfang in dieser Saison, Otto Rehhagel für den nach einem Autounfall gesundheitlich angeschlagenen Kuno Klötzer einst: „Niemand kann sagen, was passiert wäre, wenn es den Tausch nicht gegeben hätte. Otto Rehhagel hat uns Selbstvertrauen gegeben. In der Rückserie haben wir dann verdammt guten Fußball gespielt. Mit dem neuen Trainer Ole Werner präsentiert sich das aktuelle Werder Bremen ganz anders als zu Saisonbeginn.“

Auch was das Personal betrifft, stellt der ehemalige Nationalspieler (23 A-Länderspiele) einen treffenden Vergleich an. Die Mischung habe laut Fichtel gestimmt - damals wie heutzutage. Entwicklungsfähige Spieler wie Norbert Meier, Jonny Otten und Thomas Schaaf standen ehedem im Aufgebot des SV Werder Bremen, das von etlichen Routiniers geleitet wurde. Eine ähnliche personelle Situation wie nun mit Felix Agu, Romano Schmidt, Manuel Mbom und Ilia Gruev, die von den „alten Hasen“ wie Niclas Füllkrug und Marvin Ducksch, wie Ömer Toprak und Anthony Jung, Jiri Pavlenka und Christian Groß gestützt werden. Klaus Fichtel rückblickend: „Benno Möhlmann war unser Kapitän und ein optimaler Leitwolf. Uwe Bracht brachte neben der Erfahrung seine blendende Technik ein. Und Erwin Kostedde war der Torjäger.“

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Schalke 04- und Werder Bremen-Legende Klaus „Tanne“ Fichtel wird Zweitliga-Topspiel am Fernseher verfolgen

Der Abwehrspezialist sieht bei seinem Vergleich der beiden Werder-Bremen-Teams ein leichtes Plus bei der Aufstiegself von 1981. „Nur 33 Gegentore“ erinnert er sich an die Stabilität in der Defensive, für die in erster Linie er selbst gebürgt hat. „Wenn wir ein Tor geschossen hatten, konnten wir kaum noch verlieren“, sagt Klaus Fichtel. Sechs Gegentreffer mehr hat die momentane Werder-Elf zum jetzigen Zeitpunkt schon kassiert, doch der Hintermannschaft um den unglücklicherweise wieder verletzten Ömer Toprak zollt er dennoch ein Lob: „Sie macht meist einen guten Job.“

Klaus Fichtel, immer noch rüstig, wird das Zweitliga-Topspiel am Fernseher verfolgen. Der Mann, der den Altersrekord im deutschen Profifußball aufstellte, indem er noch im unglaublichen Alter von 43 Jahren, sechs Monaten und zwei Tagen im Mai 1988 auf den Rasen lief, fiebert dem Schlagabtausch seiner beiden Ex-Clubs Schalke 04 und Werder Bremen (Samstag, 13.30 Uhr, DeichStube-Liveticker) schon entgegen. Frage an den Rekordhalter: Wird seine Bestmarke halten? Was glaubt er? Antwort: „Ein Feldspieler wird ihn nicht brechen können, vielleicht ein Torwart. Manuel Neuer wäre einer.“

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