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Klaus Fichtel spielte von 1980 bis 1984 für Werder Bremen. Am Dienstag feiert die Legende des FC Schalke 04 seinen 75. Geburtstag.

Bundesliga-Rekordspieler

Ex-Werder-Profi Klaus Fichtel wird 75 Jahre alt: „Der Wald stirbt – die Tanne steht“

Waltrop – Diesen Rekord wird ihm voraussichtlich keiner mehr nehmen. Im Alter von 43 Jahren, sechs Monaten und zwei Tagen bestritt Klaus Fichtel am 21. Mai 1988 mit der Partie seiner bereits abgestiegenen Schalker gegen Werder Bremen sein letztes von 552 Bundesliga-Spielen.

447 Partien davon machte „Tanne“ Fichtel im Trikot des FC Schalke 04, 75 im Dress des SV Werder Bremen. Am Dienstag wird er 75 Jahre alt – und wird wie in den Jahren zuvor auf eine große Party an seinem Wohnort Waltrop verzichten: „Wir feiern im engsten Kreis mit Familie und Freunden.“

Viele Fußball-Fans werden sich anlässlich seines Ehrentages wieder an den Abwehrspieler erinnern, der am 21. Mai 1988 mit der Partie der Königsblauen gegen Bremen endgültig die Bundesliga-Bühne verließ. Fichtel hält es sogar für möglich, dass sein Altersrekord noch einmal geknackt wird. „Aber wenn, dann nur von einem Torhüter“, sagte er: „Wenn es ein Feldspieler schafft, ziehe ich den Hut.“ Selbst Werders Dauerbrenner Claudio Pizarro (41) wird es wohl kaum noch gelingen.

Klaus Fichtel: Fritz Langner verpasst ihm den Spitznamen „Tanne“

Obwohl er in seiner aktiven Zeit von schweren Verletzungen verschont blieb, spürt Fichtel doch allmählich die Auswirkungen der langen Sportlerkarriere. Nach seinem Geburtstag muss Fichtel unters Messer, bekommt einen neue Hüfte: „Generell geht es mir gut. Nur die Hüfte macht nicht mehr mit, der Verschleiß ist da.“

Er war ein echter Knappe, als er zu den Königsblauen kam. Der in Castrop-Rauxel geborene Fichtel arbeitete als Bergmann, als ihn 1965 der damalige S04-Trainer Fritz Langner bei Arminia Ickern entdeckte und für 1200 Mark Grundgehalt nach Schalke lockte. „Der Fußball war das Ticket für ein besseres Leben“, sagt Fichtel. Als erstes verpasste ihm Langner den Spitznamen „Tanne“.

Klaus Fichtel bestreitet Beteiligung am Bundesliga-Skandal

Bei seinem offiziellen Abschiedsspiel im August 1986 war auch die niederländische Fußball-Legende Johan Cruyff dabei. Die Schalke-Fans huldigten dem Hobby-Trabrennfahrer Fichtel, der im Parkstadion eine Runde im Sulky hinter einem Trabrennpferd drehte, mit einem Transparent: „Der Wald stirbt, aber die Tanne steht!“

Nur einmal gerät die im Ruhrpott verwurzelte „Tanne“ mächtig ins Wanken: In der Endphase der Saison 1970/71 verstrickt sich Schalke beim 0:1 gegen die abstiegsbedrohten Bielefelder in den Bundesliga-Skandal und wurde später als „FC Meineid“ beschimpft. Fichtel nahm dabei eine tragische Rolle ein. „Ich bin damals beim Stand von 0:0 wegen eines Muskelfaserrisses im Oberschenkel ausgewechselt worden und nachher trotzdem zu einer Geldbuße verurteilt worden“, sagt er. Eine aktive Beteiligung bestritt Fichtel stets: „Ich habe nicht verschoben!“ Nicht alle glaubten ihm. Als er in dieser Zeit sein Haus in Waltrop baute, pinselten wütende Fans auf das Bauschild den Zusatz: „Hier baut Arminia Bielefeld!“

Klaus Fichtel wird mit Werder Bremen Vize-Meister

Die Ermittlungen dauerten viele Jahre, bevor das Verfahren 1977 mit einer letzten Sperre und einer Geldbuße eingestellt wurde. Sportlich war Fichtel da in seinem zweiten Frühling, seine DFB-Karriere war nach nur 23 Länderspielen und einer WM-Teilnahme 1970 allerdings schon früh beendet. Nicht nur wegen des Bundesliga-Skandals, sondern weil Franz Beckenbauer auf der Libero-Position gesetzt war.

Rudi Assauer lotste Fichtel 1980 nach Bremen. Mit Werder schafft er den Bundesliga-Aufstieg und wurde 1983 Vizemeister. Wieder war es Assauer, da schon in Schalker Diensten, der Fichtel 1984 holte. Eigentlich als Co-Trainer, dennoch musste er mit über 40 für den (erst) 37 Jahre alten Bernard Dietz einspringen, als dieser sich verletzt hatte. Er habe, erzählt Fichtel heute, auch deshalb so lange wie möglich weitergespielt, weil er „nicht zurück in die Zeche wollte“. (dpa/sid)

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