Klaus Filbry, Finanz-Boss des SV Werder Bremen, hofft nicht zuletzt wegen der Coronavirus-Krise auf ein Umdenken im Profifußball.
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Klaus Filbry, Finanz-Boss des SV Werder Bremen, hofft nicht zuletzt wegen der Coronavirus-Krise auf ein Umdenken im Profifußball.

Auch DFL-Boss Seifert will Veränderungen

Werder-Boss Klaus Filbry hofft auf Gehaltsobergrenze im Profifußball

Bremen - Viele Bundesliga-Clubs - darunter auch Werder Bremen - stecken wegen der Coronavirus-Krise in finanziellen Schwierigkeiten. Überhaupt steht die Branche Profifußball mehr denn je in der Kritik und auf dem Prüfstand. Werder-Boss Klaus Filbry wünscht sich daher ein Umdenken und eine Kurskorrektur vor allem im Bereich der Spielergehälter.

In einem Interview mit „Sky“ brachte Klaus Filbry nun zwei interessante Ideen für den Transfermarkt ins Spiel. „Ich glaube, wir müssen uns, wenn die Coronavirus-Krise vorbei ist, grundsätzlich Gedanken machen, ob vielleicht das amerikanische System das bessere System ist. In dem man mit Gehaltsobergrenzen und reinen Tauschthemen arbeitet.“ 

Spielertausch-Geschäfte statt exorbitant hoher Ablösesummen? Für Filbry und Werder Bremen wäre das ein gangbarer Weg - sofern ihn die Bundesliga nicht allein beschreiten würde. „Es geht nicht nur in der Bundesliga allein, wir müssen darüber in der Uefa und Fifa nachdenken.“ 

Werder Bremen-Boss Klaus Filbry: „Themen, mit denen wir uns angreifbar machen“

Denn eines sei klar, so der Chef der Werder-Geschäftsführung: „Ich glaube, was kein Fan mehr sehen möchte, sind Ablösesummen über 100 oder 200 Millionen Euro und auch nicht, ob jemand 15 oder 20 Millionen Euro verdient. Das sind Themen, mit denen wir uns angreifbar machen als Fußball. Und da muss man sehr sorgsam und sehr achtsam mit umgehen."

Einen ähnlichen Ton hatte zuvor auch DFL-Geschäftsführer Christian Seifert in einem Interview mit der „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ angeschlagen. Seifert will den Fußball nach der Coronavirus-Krise nachhaltig verändern und dafür im Herbst eine Taskforce „Zukunft Profifußball“ gründen. Dabei hofft er auch auf EU-Mithilfe, um die hohen Gehälter und Ablösesummen auf dem gesamten Kontinent zu begrenzen. „Wir wollen nicht einfach nur irgendwie durch die Krise kommen und dann weitermachen wie bisher“, erklärte Seifert.

DFL-Geschäftsführer Christian Seifert: „Aus Coronavirus-Krise kann auch etwas Positives entstehen“

Wenn man jetzt den Mut und die Ausdauer habe, Veränderungen im Profifußball zu denken und auch über eine lange Strecke vorzunehmen, „dann kann aus dieser Krise auch etwas Positives entstehen“, sagte Seifert und räumte ein: „Offensichtlich hat die Bundesliga durch Spielergehälter, Ablösesummen und auch einige Bilder, die sie selbst produziert hat, Stichwort ‚goldene Steaks‘, damit teilweise ein Bild von sich erzeugt, das ein Teil der Menschen nicht akzeptieren kann.“ 

Auch Seifert hofft wie Filbry auf die Möglichkeit, dass eine Gehaltsobergrenze eingeführt wird. „Doch Tatsache ist, dass ein Salary Cap gegen europäisches Recht verstößt“, sagte er. „Sollten neue Signale seitens der Politik gesendet werden, gebe ich Ihnen Brief und Siegel, dass Uefa-Präsident Aleksander Ceferin zur EU fährt und dort sagt: Lasst uns über Salary Caps, über die Begrenzungen von Ablösesummen und Beraterhonoraren sprechen. Und ich bin der Erste, der ihn begleitet."

Werder Bremen: DFL-Chef Christian Seifert „will fragwürdige Entwicklungen korrigieren“

Als Chef der DFL war Seifert in den vergangenen Jahren zwar entscheidend daran beteiligt, dass immer mehr Geld durch immer höhere Fernsehverträge in die Clubs fließt. Doch was daraus erwachsen ist, gefällt dem 50-Jährigen offenbar nicht mehr. „Die am stärksten wahrnehmbare Kritik findet sich derzeit an der Schnittstelle Sport und Wirtschaft. Da geht es um Spielergehälter, schamlos zur Schau gestellten Reichtum, Ablösesummen sowie Berater, die Millionen kassieren für einen Musterarbeitsvertrag, den sie bei uns aus dem Internet herunterladen können. Und das alles nur deshalb, weil sie den richtigen 23-Jährigen kennen“, sagt Seifert und will fortan „fragwürdige Entwicklungen identifizieren und dann zumindest begrenzen, vielleicht auch korrigieren. Und nicht Symbolpolitik, Symbolpolitik hilft niemandem.“ (mwi/dpa)

Zum Thema: Salary Caps - Gehaltsobergrenzen

Der Salary Cap aus den USA beschreibt eine Gehaltsobergrenze, die ein Club für seinen gesamten Kader nicht überschreiten darf. Sie soll die Balance im Sport wahren. Mannschaften können so nicht zu einer Ansammlung von teuren Stars werden. Die Schere zwischen kleinen und größeren Teams klafft nicht immer weiter auseinander. Vielmehr soll so jedes Jahr gewährleistet sein, dass schwächer besetzte Teams - oder auch Clubs mit Standortnachteilen - die Chance haben, den Schwergewichten der Liga den einen oder anderen Star-Spieler abzuluchsen. 

Bei der Berechnung des Salary Cap fließen diverse Faktoren mit ein, in denen es allesamt um den Profit der Liga geht. Will heißen: Ticket-Einnahmen, Logen-Preise, TV-Verträge und mehrere weitere Einnahmen werden ermittelt. Ein bestimmter Prozentsatz daraus ist jedes Jahr für die Spielergehälter vorgesehen. In regelmäßigen Abständen wird dieser Prozentsatz zwischen Liga und Spielern neu verhandelt.

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