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Von Werder-Coach Kohfeldt gab es volle Rückendeckung für Bauers Aussagen.

Nach Bauers Bitte an die Medien und Fans

Kohfeldt über Druck: „Die Vereine müssen helfen“

Bremen - Es waren erstaunlich offene Worte, mit denen Werder-Profi Robert Bauer gegenüber dem „kicker“ über Druck und psychische Belastungen im Profifußball gesprochen hat - von Florian Kohfeldt gab es dafür am Dienstag die volle Rückendeckung.

Werders Trainer erklärte, warum die Aussagen seines Spielers für andere hilfreich sein könnten - und wie Werder intern mit dem sensiblen Thema umgeht.

Bauer hatte unter anderem betont, dass der Druck im Profi-Geschäft, gerade bei Traditionsclubs, wie Werder einer ist, bisweilen zur enormen Belastung für die Profis werden könne: „Das kann einen kaputt machen.“ Kohfeldt hat das Interview des 23-Jährigen natürlich auch gelesen - und war beeindruckt von den Äußerungen seines Spielers. „Es ist sehr bemerkenswert, dass er in seinem Alter so reflektiert und offen ein Interview zu so einem sensiblen Thema gibt“, lobte der Trainer, „das kann vielen helfen, sich diesem Thema auch zu öffnen.“

Hilfe bekommen Spieler, die unter psychischen Belastungen leiden, bei Werder auch innerhalb des Vereins. „Es ist ganz wichtig, dass Vereine Hilfestellung geben und Möglichkeiten schaffen, auch proaktiv auf die Spieler zugehen. All das tun wir“, betonte Kohfeldt, und verwies in diesem Zusammenhang auf die enge Zusammenarbeit mit dem Sportpsychologen Andreas Marlovits. „Mit ihm haben wir jemanden, der ganz bewusst nicht nur dann kommt, wenn Krise ist, sondern uns auch dauerhaft begleitet und mit den Spielern diese Themen behandelt.“

Einmaliger Besuch beim Psychologen pflicht

Vor der Saison ist der einmalige Besuch bei Marlovits Pflicht, danach entscheidet jeder Werder-Profi selbst, ob und in welcher Intensität er die Hilfe des Psychologen in Anspruch nimmt. „Ich bin kein Freund davon, die Jungs dazu zu zwingen, dass sie das annehmen. Man muss es akzeptieren, wenn ein Spieler sagt, dass er es lieber mit sich selbst ausmachen möchte“, erklärte Kohfeldt. Ein Tabuthema sei der Gang zu Marlovits innerhalb des Teams aber keinesfalls: „Du siehst Spieler, die sitzen mit ihm im Aufenthaltsraum. Es gehört zum Alltag, vergleichbar mit einem Termin beim Physiotherapeuten.“

Robert Bauer richtete am Montag eine Bitte an Medien und Fans: „Seht den Menschen hinter dem Fußballprofi“

Kohfeldt selbst sieht es „als Teil dieses Berufs“ an, dass er mit öffentlicher Beobachtung und daraus resultierendem Druck konfrontiert wird. „Dass eine Beobachtung von Fans und Medien da ist, ist klar. Es ist eine bewusste Entscheidung, diesen Job zu machen. Mich hat keiner gezwungen, hier Cheftrainer zu werden.“ Wichtig sei aber, dass man vorher wisse, was auf einen zukommt.

„Einen Job mit ganz, ganz vielen Privilegien“

Aus diesem Grund arbeitet auch im Bremer Nachwuchsleistungszentrum sowohl ein Sportpsychologe als auch ein Sozialpädagoge, die die Talente auf den Umgang mit der Öffentlichkeit vorbereiten. So werden etwa Interview-Situationen simuliert und durchgespielt. „Wir haben da eine Aufklärungspflicht“, betont Kohfeldt, „irgendwann stehen die Jungs ja vor der Entscheidung, ob sie Profi werden wollen oder nicht.“

Gehen die Talente den Weg bis in die Bundesliga, haben sie für Kohfeldt „einen Job mit ganz, ganz vielen Privilegien. Das hat Robert ja auch gesagt. Wir dürfen jedes Wochenende auf allerhöchstem Niveau das ausüben, was uns am allermeisten Spaß macht.“

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