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Werder Bremens U23-Trainer Konrad Fünfstück  im Interview mit Marius Winkelmann (li.) von der DeichStube.

Konrad Fünfstück im DeichStube-Interview

„Es liegt an ihm selbst“: U23-Coach Fünfstück über neuen Vertrag für Ousman Manneh

Bremen - Seit Sommer ist Konrad Fünfstück als neuer U23-Trainer beim SV Werder Bremen tätig. Im Interview mit der DeichStube spricht der 39-Jährige über die besondere Zusammenarbeit mit Thomas Schaaf, seinen Platzverweis gegen Weiche Flensburg und einen möglichen neuen Vertrag für Ousman Manneh.

Herr Fünfstück, Sie müssen mit Ihrer Mannschaft erst am 22. Februar wieder spielen. Was machen Sie mit der ganzen freien Zeit?

Wenn man es genau betrachtet, haben wir gar nicht wirklich lange frei. Wir beginnen jetzt gerade mit der Regenerationsphase. Die Woche bis zum 15. Dezember haben wir noch trainiert und am 13. Januar beginnen wir schon wieder mit der Vorbereitung. Davor ist noch das Trainingslager der Bundesliga-Mannschaft auf Mallorca, an dem einzelne Spieler aus der U23 dabei sein könnten. Und dann heißt es für uns auch schon wieder: Gut und konzentriert vorbereiten auf die Rückrunde. Denn die Jungs sind in ihrem ersten Herrenjahr und da gibt es noch viel Arbeit.

Die U23 fliegt aber nicht selbst ins Trainingslager?

Nein, das ist nicht geplant. Wir werden mal schauen, was der Januar uns für ein Wetter beschert. Da werden wir uns ein kleines Hintertürchen offenhalten. Sollten die Witterungsbedingungen wirklich nicht gut sein, überlegen wir es uns noch einmal. Aber eigentlich wollen wir die Vorbereitung in Bremen durchziehen.

Werders U23 überwintert mit 35 Punkten auf Tabellenplatz sechs. Wie zufrieden sind Sie mit dem ersten halben Jahr unter Ihrer Regie?

Wir müssen uns ein wenig in Demut üben, denn die Mannschaft hatte in diesem Jahr einen sehr großen Umbruch, es sind extrem viele junge Spieler dazugekommen. Grundsätzlich sind wir daher mit der Punkteausbeute nicht unzufrieden. Man darf nicht vergessen, dass wir mit einem Altersschnitt von etwa 19 Jahren die jüngste U23-Mannschaft in ganz Deutschland sind. Und auch in der Liga sind wir in jedem Spiel im Schnitt zwei bis drei Jahre jünger als der Gegner. Wir stecken also mittendrin in dieser Übergangsphase vom Nachwuchs- in den Männerfußball.

Konrad Fünfstück über Thomas Schaaf: „Toll zu sehen, wie er Werder Bremen lebt“

Ist das der mangelnden Erfahrung geschuldet? Welche Rolle spielen die vielen kurzfristigen Abgänge von Boubacar Barry, Isaiah Young, Christian Groß oder auch Florian Dietz?

Das ist ein Faktor, den man berücksichtigen muss. Denn klar ist, dass der Kader aus der Vorsaison in der Form nicht mehr besteht. Es ist so, dass das Team in allen Teilen auseinander gegangen ist – zum Teil zu anderen Vereinen, zum Teil zu uns in die Bundesliga-Mannschaft. Und es stimmt: Die Truppe hat im Laufe der Vorbereitung noch einmal ein neues Gesicht bekommen. Durch die Abgänge von Boubacar Barry, der die Mannschaft angeführt hat, Florian Dietz, der zu Saisonbeginn fest eingeplant war, und Isaiah Young haben wir drei Stützen verloren. Und dass dann unser Kapitän Christian Groß, dem die Rolle als einziger in Anführungszeichen erfahrener Spieler zugedacht war, so eine tolle Möglichkeit im Bundesliga-Team bekommt, war natürlich auch nicht vorhersehbar. Deswegen ist das ein Jahr gewesen, in dem die Mannschaft es insgesamt gut gelöst hat.

Eine weitere unvorhersehbare Entwicklung war die Verletzung von Co-Trainer Björn Dreyer. Als Interimslösung sprang Thomas Schaaf ein. Wie ist es für Sie gewesen, Seite an Seite mit einem so erfahrenen Coach zu arbeiten?

Die Zusammenarbeit mit Thomas Schaaf ist für mich wirklich grandios. Es ist eine fantastische Zeit gewesen, als er zusätzlich als Trainer tagtäglich am Platz agiert hat. Es ist eine harmonische und inhaltlich konstruktiv fordernde Arbeit. Es ist einfach toll zu sehen, wie Thomas Schaaf den Verein Werder Bremen lebt. Er bringt so viel Herzblut ein, ist wahnsinnig engagiert, sprüht vor Ideen. Thomas hat eine unheimlich hohe Empathie für die gemeinsame Sache, und ich kann von meiner Seite aus einfach nur sagen, dass es mir extrem großen Spaß macht, mit ihm zusammenzuarbeiten.

Wie geht es im neuen Jahr mit Thomas Schaaf und der U23 weiter?

Thomas Schaaf ist bereits seit Saisonbeginn sehr nah dran an der Mannschaft. Daran wird sich auch im neuen Jahr nichts ändern.

Wie schnell haben Sie sich in ihrem ersten halben Jahr in Bremen eigentlich zurechtgefunden?

Mit dem Zurechtfinden hat man es mir von Anfang an leicht gemacht, durch die Personen, die man mir an meine Seite gestellt hat. Mit Thomas Schaaf und Björn Schierenbeck habe ich zwei Bezugspersonen direkt hier im Leistungszentrum, mit denen ich einen engen und vertrauensvollen Austausch pflege und in deren Nähe ich mich sehr wohlfühle. Auch der Draht zur Lizenzmannschaft zu Frank Baumann, Thomas Horsch und Florian Kohfeldt ist sehr eng. Deswegen ist es für mich einfach gewesen, mich einzuarbeiten.

Werder Bremens U23-Trainer Konrad Fünfstück schätzt die Zusammenarbeit mit Trainer-Legende Thomas Schaaf.

Werder Bremens U23-Coach Konrad Fünfstück: „Gibt wichtigere Dinge als Fußball“

Es lief aber nicht alles glatt: Im August erhielten Sie im Spiel gegen Weiche Flensburg als wahrscheinlich erster Trainer in Deutschland eine Rote Karte. Wie beurteilen Sie den Feldverweis heute und was ist daraus eigentlich geworden?

Ich stehe nach wie vor zu meiner Kritik, dass das Menschenleben der Spieler und der Zuschauer durch das Gewitter absolut gefährdet war. Das habe ich während des Spiels so geäußert. Die Rote Karte kam dadurch zustande, dass das Schiedsrichter-Team sich von unserer Bank schlecht behandelt gefühlt hat, als wir vehement darauf hingewiesen haben, dass die Gefahrenlage für uns zu groß ist. Daraufhin kam dann dieser Feldverweis für mich. Wenngleich ich noch einmal betonen muss, dass wir zu keinem Zeitpunkt persönlich gegen den Schiedsrichter geworden sind, sondern als Staff nur darauf hingewiesen haben, dass eine sehr gefährliche Situation vorherrscht, die uns Kopfzerbrechen bereitet. Schließlich tragen wir die Verantwortung für die Durchführung der Veranstaltung und die Gesundheit unserer Spieler.

Und dann?

Es hat im Anschluss an die Partie mehrfach einen Austausch zwischen dem Sportgericht, dem Schiedsrichtergespann und unserem Verein gegeben, in dem die Situation dargelegt wurde und aus dem man aus meiner Sicht für die Zukunft entsprechende Konsequenzen ableiten muss. Ich bin nicht gesperrt worden. Alles ist ausgesprochen, ausgeräumt und da ist von meiner Seite auch nichts liegen geblieben. Aber ich sage es noch mal und dabei bleibe ich: Fußball ist nur ein Spiel - und es gibt wesentlich wichtigere Dinge im Leben. Und man muss sich zu jedem Zeitpunkt vor Augen führen: Nichts kann die Gesundheit ersetzen.

Was war für Sie die größte Herausforderung bei Werder?

Mit den Herausforderungen und Schwierigkeiten verhält es sich im Grunde bei jedem Bundesliga-Verein ähnlich: Am Ende des Tages muss man versuchen, mit den bestehenden Möglichkeiten das Optimale rauszuholen. Speziell bei der U23 ist es das Ziel die vorgegebene Philosophie zu vermitteln und sie dann konsequent anzuwenden und umzusetzen. Und dann gibt es noch das Spezifikum der U23, bei der man eigentlich nie so richtig weiß, was in der nächsten Stunde passiert. Die Gesamtsituation hier in Bremen war aufgrund der Verletztensituation bei den Profis, der Verletzung des Co-Trainers und der sehr jungen Altersstruktur schon sehr besonders. Aber das sind trotzdem keine extrem außergewöhnlichen Dinge. Als U23 müssen wir einfach versuchen, unseren Part als Zuarbeiter für die Profi-Mannschaft zu erfüllen.

Bleibt der Aufstieg in die Dritte Liga mittelfristig ein Ziel?

Für mich ist eine gute Ausbildung nicht immer eine Frage der Spielliga. Das sollte unabhängig voneinander betrachtet werden. Wir haben in diesem Jahr festgestellt, dass unsere junge Mannschaft in der Regionalliga in jedem Spiel absolut gefordert wird und wir kein Spiel haben, dass wir mal eben im Vorbeigehen gewinnen können. Wichtiger als die Liga ist also die Rolle der U23: Wir haben das klare Ziel, Talente zu entwickeln, Talente zu fördern und Talente heranzuführen an die Bundesliga. In Luc Ihorst hat ein U23-Spieler aus dem 2000er-Jahrgang jetzt schon den ersten Bundesliga-Einsatz gehabt. Das macht uns schon stolz, darüber freuen wir uns. Es zeichnet Werder Bremen aus, dass solche Geschichten immer wieder möglich sind.

„Es liegt an ihm selbst“: Konrad Fünfstück über Ousman Manneh

Welcher Spieler aus Werders U23 könnte der nächste sein, der so eine Geschichte schreibt und es vielleicht schon in naher Zukunft zu den Profis schafft?

Ich möchte da öffentlich keine Namen präsentieren. Wichtig ist, dass die Kaderanalyse intern gut besprochen wird. Bei uns weiß jeder Spieler, dass wir im Verein alle in einem sehr engen Austausch stehen, dass wir uns wöchentlich über jeden einzelnen Spieler unterhalten und dass wir permanent eine sehr intensive Kaderanalyse betreiben. Für uns ist jeder Spieler ein Projekt, bei dem wir eine Perspektive sehen und bei dem wir einen Plan verfolgen, wie wir ihn besser machen können. Die Verantwortlichen des Vereins kennen meine Einschätzung zu dem einen oder anderen Spieler, aber das besprechen wir intern und dann werden die entsprechenden Schritte festgelegt.

Hat Stürmer Ousman Manneh eine Zukunft beim SV Werder Bremen?

Einer dieser Spieler ist Ousman Manneh. Der Stürmer hatte unter Kohfeldt-Vorgänger Alexander Nouri schon den Sprung ins Bundesliga-Team geschafft, fiel dann aber 21 Monate wegen eines Knochenödems aus. Im letzten Spiel des Jahres, beim 0:5 in Wolfsburg, hat er sein Comeback gefeiert. Wie geht es ihm?

Es war in Wolfsburg für Ous von uns auch kleines Bonbon zum Ende der Halbserie. Wir haben einfach gesagt: Ous, du hast jetzt 21 Monate für deine Rückkehr gekämpft und dir den Einsatz verdient. Aber es ist definitiv so, dass er jetzt eine gute Vorbereitung braucht, er muss hart und viel an sich arbeiten. Das ist keine einfache Verletzung gewesen. Aber wir geben ihm die Zeit, sich zurückzuarbeiten. Wir werden ihn auf diesem Weg begleiten und fördern und dann muss man sehen, inwieweit er dann diesen Weg zurück schaffen wird. Großes Kompliment an alle Abteilungen im Verein, die sehr lange, sehr hartnäckig und intensiv mit ihm gearbeitet haben. Und jetzt liegt es letzten Endes an Ous selbst, inwieweit er seinen Körper noch fordern kann.

Sein Vertrag läuft aus, kommende Saison ist er dem U23-Status entwachsen – hat er trotzdem eine Chance zu bleiben?

Grundsätzlich gilt für jeden Spieler das Leistungsprinzip. Da muss man einfach sehen, wohin der Weg von Ous führen wird. Aber noch einmal: Für den Jungen ist es jetzt wichtig, das Jahr 2019 abzuschließen. Dieses Bonbon gegen Wolfsburg sollte ihm zeigen, dass er konsequent seinen Weg weiterverfolgen soll. Und dann werden wir sehen, was im Jahr 2020 passiert, wie er auf die steigende Belastung reagiert und sich in den einzelnen Spielen präsentiert. Ich will es mal so sagen: Jeder Spieler ist der Regisseur seines eigenen Lebens.

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