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Werder Bremen und die Krise: Coach Florian Kohfeldt gesteht Futtern gegen den Frust.

„Das ist echt blöd“

Werder-Coach Kohfeldt gesteht: Frust-Futtern in der Krise

Bremen – Florian Kohfeldt seufzt. „Ich bin leider so ein Typ, der mehr isst, wenn er Stress hat“, sagt der Coach des SV Werder und fügt noch süffisant an: „Das ist echt blöd. Sonst könnte ich wenigstens noch abnehmen, wenn wir schlecht spielen.“

Die Krise seiner Mannschaft macht ihm ordentlich zu schaffen. Da ist der 37-Jährige ganz ehrlich. Aber Kohfeldt verfällt deshalb nicht in Selbstmitleid, sondern nimmt sich vor dem schwierigen Auswärtsspiel des SV Werder Bremen beim FC Bayern in die Pflicht, den Kopf hochzunehmen und keineswegs zu angespannt zu wirken.

„So eine normale Bundesliga-Woche hat einen freien Tag, das ist richtig und wichtig so“, erzählt Kohfeldt. In dieser Woche war es der Dienstag, an dem der Coach nicht ins Weserstadion gefahren ist. „Doch obwohl ich nicht hier bin, kann ich die Gedanken nicht loslassen. Ich wälze hin und her, was geht und was nicht“, berichtet Kohfeldt. Er erlebt dabei einen wahren Spagat. „Gleichzeitig musst du den Schuss Lockerheit ausstrahlen, gerade jetzt.“ Schließlich schauen alle auf den Gemütszustand des Trainers – intern wie extern. Sein Auftreten wirkt sich aus. Die Mannschaft wird gewiss nicht selbstbewusster, wenn der Trainer angeschlagen wirkt.

Werder Bremen: Florian Kohfeldt holt sich Kraft beim Tennis - und beim Essen

Seine Kraft dafür holt sich Kohfeldt zum Beispiel beim Tennis. „Es war schön“, sagt er über sein Spiel in dieser Woche: „Das ist einfach mal eine Zeit, in der ich nicht an Fußball denke. Das ist ganz angenehm. Sport hilft.“ Und noch etwas hilft: das richtige Maß an Einsatz. „Wichtig ist, dass alle – ich, die Co-Trainer und vor allem die Spieler – sehr genau schauen, wann man Energie investiert und wann nicht. Man braucht sie vor allem in den Spielen und im Training.“ Es sei nicht sinnvoll, sich nun zum Beispiel rund um die Uhr Videos des Gegners anzuschauen, um bestmöglich vorbereitet zu sein. „Alles muss zielgerichtet sein“, fordert Kohfeldt.

Werder Bremen: Trotz enttäuschender Hinrunde keine Trainerdiskussion

Dabei profitiert der Coach davon, dass sein Club keinen Aktionismus von ihm erwartet, wie das an vielen anderen Bundesliga-Standorten oft der Fall ist. Kohfeldt kann in Ruhe arbeiten, eine Trainerdiskussion gibt es trotz der bislang enttäuschenden Hinrunde nicht. Ist das ein Privileg, wird Kohfeldt gefragt. Er bejaht es, wenngleich ihm das Wort Privileg ein wenig zu stark erscheint. „Aber natürlich ist das positiv, dass die Frage bislang nicht im Raum steht“, sagt der 37-Jährige und meint die Trainerfrage: „Es ist für einen Trainer und gerade für einen jungen Trainer sehr, sehr gut, den Rückhalt der Geschäftsführung zu spüren, aber auch von der Mannschaft.“ Das bedeute allerdings nicht, „dass ich mich jetzt zurücklehne und sage: So lange über mich nicht geredet wird, ist alles gut. Das liegt mir fern.“

Kohfeldt kämpft gegen die Krise. In seinem Gesicht sind durchaus schon ein paar fehlende Stunden Schlaf zu erkennen, aber die Auswirkungen des Stresses auf seine Ernährung sind noch nicht zu sehen. Was bei der Pressekonferenz des FC Bayern München vor dem Spiel gegen Werder Bremen gesagt wird, lest Ihr bei den Kollegen von tz.de*.

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