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Schluss mit lustig bei Werder Bremen: Frank Baumann knöpft sich nach der indiskutablen Leistung gegen Union Berlin die Spieler vor.

Nach 0:2-Niederlage gegen Union Berlin

Werder-Sportchef Frank Baumann knöpft sich Profis vor: „Gestandene Spieler lassen zu viel über sich ergehen“

Bremen – Rein von der Form her war kein Unterschied auszumachen. Frank Baumann sprach ruhig, war in seiner Einordnung des Spiels um Sachlichkeit bemüht – so, wie er es immer tut. Inhaltlich allerdings hatte sich der Sportchef des SV Werder Bremen nach dem bitteren 0:2 gegen Union Berlin für einen Kurswechsel entschieden: In den Katakomben des Weserstadions nahm er seine Spieler am frühen Samstagabend in die Pflicht, wie es deutlicher kaum hätte ausfallen können.

„Diese Leistung ist nicht zu erklären, ich habe kein Verständnis dafür“, sagte der 44-Jährige – und betonte: „Wenn man solche Probleme hat wie wir, dann muss man anders auftreten.“ Genau das war Werder Bremen im so wichtigen Kellerduell gegen Union Berlin nicht gelungen. Vier Tage nach dem berauschenden 3:2-Pokalerfolg gegen Borussia Dortmund hatte die Mannschaft wieder ihr anderes Gesicht gezeigt – das hässliche. 

„Dienstag haben wir durch Leidenschaft und die Bereitschaft zu arbeiten überzeugt“, sagte Frank Baumann und fällte dann ein vernichtendes Urteil: „Heute war das alles ganz nett, aber nett ist in unserer Situation nicht das, was wir brauchen.“

Werder Bremen verliert nach alarmierender Vorstellung immer mehr den Anschluss

Werder Bremen ist nach der Niederlage auf den 17. Tabellenplatz abgerutscht. Da die Konkurrenten aus Düsseldorf (1:1 in Frankfurt) und Mainz (3:1 bei Hertha BSC) gepunktet haben, hat sich die Lage noch einmal deutlich verschärft. Der Rückstand aufs rettende Ufer beträgt nun bereits vier Punkte. Noch alarmierender als diese Zahlen war allerdings der vollkommen uninspirierte und am Ende auch kopflose Auftritt der Bremer gegen Union Berlin gewesen.

Frank Baumann ist sich zwar nach wie vor sicher, dass jeder Spieler im Kader wisse, was die Stunde im Abstiegskampf geschlagen hat. Er sieht allerdings auch, dass es die Mannschaft seit Wochen nicht auf den Platz bringt. Das dürfte nun Konsequenzen haben. „Wir haben heute wieder ein Spiel weggeschenkt“, ärgerte er sich – und kündigte an: „Es wird ungemütlich werden.“ Damit meinte der Sportchef neben den erwartbaren Reaktionen von Fans und Medien ausdrücklich auch den internen Umgang mit dem e rschreckend schwachen Auftritt gegen Union Berlin. „Es sind die Jungs, die in erster Linie gefordert sind, und da kommt in dieser Saison einfach zu wenig. Gestandene Spieler lassen zu viel über sich ergehen“, kritisierte Baumann – und betonte: „Das werden wir knallhart ansprechen und genau schauen, auf welche Spieler wir in den kommenden Wochen setzen können.“

Fotostrecke: Werder verliert auch gegen Union Berlin

Werder Bremen gegen Union Berlin 
Werder Bremen gegen Union Berlin   © gumzmedia
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Werder Bremen gegen Union Berlin   © dpa
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Florian Kohfeldt: „Trainer sollte keine Motivationsreden mehr halten müssen“

Über den Trainer diskutiert der Sportchef dabei weiterhin nicht. „Es bleibt dabei, dass wir daran arbeiten werden, gemeinsam da unten rauszukommen“, sagte der 44-Jährige, der den Coach ausdrücklich in Schutz nahm: „Flo kann kein Tor schießen oder verhindern. Die Mannschaft ist gefordert, ihm und auch dem Verein etwas zurückzugeben.“ Viele Spieler seien wegen Kohfeldt überhaupt erst zu Werder gekommen, andere hätten sich unter dem Trainer enorm gut entwickelt. „Jetzt sind sie in der Verantwortung.“

Kohfeldt selbst vermied es nach dem Union-Spiel, allzu scharfe Kritik an seiner Mannschaft zu üben. Kurz nach dem Abpfiff hatten sich Trainer und Sportchef in einem kurzen Gespräch dazu entschieden, dass Baumann diesen Job übernimmt. Und trotzdem: Auch dem Coach des SV Werder Bremen konnte und wollte nicht verbergen, wie enttäuscht er von seinen Spielern war.

Werder Bremen war gegen Union Berlin „von der ersten Minute an zu behäbig“

„Es war heute von der ersten Minute an behäbig, und das hat auch etwas mit Haltung zu tun“, sagte Kohfeldt, im Tonfall übrigens genauso ruhig, wie es Baumann zuvor gewesen war. Vor der Partie sei mit dem Team klar besprochen worden, wie Union spielerisch zu erwarten sei. „Sollte irgendeiner von der Berliner Spielweise überrascht gewesen sein, dann ist es eine Frage der persönlichen Auseinandersetzung mit so einem Spiel“, ärgerte sich Kohfeldt

Und weiter: „Normalerweise sollte ein Trainer in dieser Phase keine Motivationsreden mehr halten müssen.“ Dass seine Spieler nicht wollen, glaubt Kohfeldt dabei nicht. „Aber heute haben sie sich darauf verlassen, es übers Spielerische lösen zu können. Und das darf nicht sein.“

Niklas Moisander über nächsten Aufgaben im Abstiegskampf: „Es gibt nicht so viel, das Mut macht“

Aus der Mannschaft gab es die erwartbaren selbstkritischen Töne. „Union stand sehr tief. In so einem Spiel musst du den Dosenöffner finden, und das haben wir nicht geschafft“, sagte etwa Leonardo Bittencourt. Kapitän Niklas Moisander gestand, „dass wir einfach zu viele Fehler machen“ und hob hervor: „Am Trainer liegt es nicht. Er erreicht uns noch. Es liegt an uns Spielern.“ Dann ließ der Finne noch einen Satz folgen, der die Bremer Grundstimmung an diesem Samstagabend ganz gut auf den Punkt brachte. 

Angesprochen auf die nun schweren Aufgaben in der Liga mit Spielen gegen Leipzig, Dortmund und Frankfurt sagte Moisander: „Ich bin ehrlich. Im Moment gibt es nicht so viel, das Mut macht.“ Sein Nachsatz, dass Werder gegen die großen Mannschaften oft gut ausgesehen hat, klang kurz darauf wie das berühmte Pfeifen im Walde. (dco)

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