Werder-Leihgabe beeindruckt in „Trainingsgruppe 2“

Kyu-hyun Park nutzt seine Chance: Werder-Trainer Kohfeldt will Talent aus Südkorea halten

In einer „Trainingsgruppe 2“ können sich bei Werder Bremen Talente für die Profis empfehlen. Ein junger Spieler hat seine Chance genutzt: Der ausgeliehene Kyu-hyun Park überzeugt Coach Florian Kohfeldt - und soll am besten fest verpflichtet werden.

Bremen – Sie liegt inzwischen schon mehr als sieben Jahre zurück, doch vergessen ist die Geschichte in der Fußballbranche ganz sicher nicht, denn dafür hatte sie damals, im Sommer 2013, schlichtweg für viel zu viel Aufsehen gesorgt. Markus Gisdol, seinerzeit Trainer der TSG 1899 Hoffenheim, hatte sich einer Handvoll unliebsam gewordener Profis – darunter auch Werders Bremens Ex-Torhüter Tim Wiese – kurzerhand entledigt, indem er sie in die inzwischen berühmt-berüchtigte „Trainingsgruppe 2“ verbannte. Ein Abstellgleis, von dem es keinen Weg zurück mehr gab, die Karriere befand sich plötzlich in der Sackgasse. Nach heftiger Kritik löste Gisdol seine Klasse der Aussortierten bereits im September wieder auf. Kürzlich, im Winter 2021, hat das Wortungetüm „Trainingsgruppe 2“ allerdings weitgehend unbemerkt seine Rückkehr gefeiert – in Bremen und unter gänzlich anderen Vorzeichen.

Während der Winterpause hatten Werder-Trainer Florian Kohfeldt und Thomas Schaaf, der Technische Direktor des Bundesligisten, nach einem längeren Gespräch beschlossen, eine zweite Trainingsgruppe aufzumachen, die unter den gleichen Bedingungen trainieren sollte, wie es die Profi-Mannschaft tut. Der große Unterschied zu Gisdol damals: Bei Werder Bremen soll die „Trainingsgruppe 2“ ausdrücklich ein Fahrstuhl nach oben sein, in ihr sollen sich die verheißungsvollsten Talente für den Profi-Kader empfehlen, weil sie es wegen der Saison-Unterbrechung in der Regionalliga mit der U23 gerade nicht können.

Werder Bremen: Trainer Florian Kohfeldt schwärmt von Talent Kyu-hyun Park und will ihn fest verpflichten

„Zu der Gruppe gehören Jungs, die Kandidaten sind, jetzt irgendwann den nächsten Schritt zu machen. Dass sie keine Spiele haben, ist ein großes Problem, aber so können wir bewerten, wo sie in etwa stehen“, erklärt Kohfeldt, der die Einheiten, meist dienstags und donnerstags, auch mal selbst leitet, die Federführung aber seinem Co-Trainer Danijel Zenkovic überlässt. Bisher haben es durch gute Leistungen in der „Trainingsgruppe 2“ schon drei Akteure geschafft, sich dauerhaft einen festen Platz im Profitraining zu erarbeiten: Innenverteidiger Julian Rieckmann, Stürmer Eren Dinkci – und jüngst auch Außenverteidiger Kyu-hyun Park. Von dem Südkoreaner, der erst seit 20 Monaten in Deutschland ist, zeigte sich Kohfeldt nach der Profi-Einheit am Donnerstag regelrecht begeistert.

„Er ist ein sehr aufgeschlossener, intelligenter Junge und er spricht schon perfektes Deutsch“, sagte Kohfeldt, der vom 19-Jährigen auch sportlich sehr angetan ist: „Er hat eine unglaubliche Athletik, sprintet extrem viel. Dazu kommt seine gute Ballbehandlung. Technische Fehler gibt es nicht bei ihm.“ Aber natürlich habe auch Park noch Luft nach oben, beispielsweise beim Flanken oder der Konterabsicherung. Themen, an denen Kohfeldt gerne mit dem Südkoreaner weiterarbeiten würde, weshalb er betonte: „Wir können uns sehr, sehr gut eine Zukunft mit ihm vorstellen.“

Werder Bremen: „Trainingsgruppe 2“ lohnt sich als Chance für Talente wie Kyu-hyun Park und Co.

Der Junioren-Nationalspieler ist seit Sommer 2019 vom südkoreanischen Erstligisten Ulsan Hyundai Football Club ausgeliehen, ein Geschäft, das im Sommer endet. Werder Bremen soll eine Kaufoption in Höhe von 530.000 Euro besitzen – und dürfte diese auch ziehen wollen. „Wenn er bleiben sollte, wovon ich jetzt erstmal ausgehe, dann wird die entscheidende Frage sein, ob er schon eine Back-up-Rolle in der Bundesliga ausfüllen kann, ähnlich wie jetzt Felix Agu, oder ob es Sinn ergibt, ihm nochmal irgendwo anders Spielpraxis zu verschaffen“, blickte Kohfeldt voraus. Generell dürfte sich der 38-Jährige jedenfalls schon jetzt bestätigt fühlen, die „Trainingsgruppe 2“ ins Leben gerufen zu haben.

Ohne sie hätten Rieckmann, Dinkci und nun auch Kyu-hyun Park mitten in der Pandemie vermutlich nicht so schnell „oben“ angedockt. Geht es nach Kohfeldt, können gerne weitere Talente folgen. In Abdenego Nankishi, Kebba Badjie, Jascha Brandt, Oscar Schönfelder und Yannik Engelhardt schuften in der „Trainingsgruppe 2“ noch weitere Talente für eine Chance bei den Profis – übrigens an der Seite des Ur-Bremers Philipp Bargfrede, dem die Einheiten einerseits körperlich helfen, der die deutlich jüngeren Kollegen aber auch mit seiner Erfahrung unterstützen soll. Davon, wie es bei den Profis abläuft, kann der 32-Jährige schließlich das eine oder andere Lied singen. (dco)

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